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Warum haben es Realfilme von einem Manga so schwer?

In den letzten Jahren ist die Produktion von Realfilmen, denen ein Manga als Vorlage dient, enorm angestiegen. Selbst westliche Filmstudios wagen sich vermehrt an Filmadaptionen ran. Trotzdem werden Live-Action-Adaptionen von vielen Betrachtern negativ wahrgenommen.

Mal davon abgesehen, dass sich dieser Fakt nicht nur auf Manga-Realfilme bezieht – dieses Phänomen durchstreckt sich selbst bei anderen Adaptionen, wie beispielsweise jener der Marvel oder DC Comics – beschäftigen wir uns in diesem Artikel ausschließlich mit solchen.

Filmbranche in Japan anders als jene im westlichen Raum …

Dank des internationalen Erfolgs von Anime-Filmen ist die japanische Filmbranche mittlerweile bestrebt, dass möglichst viele Produktionen für ausländische Lizenzgeber attraktiv sind. Jedoch lässt sich das westliche Publikum nur schwer für japanische Filmproduktionen begeistern – es ist irgendwo ein Nischenmarkt. Begründen lässt sich dies mit mehreren Faktoren. Während Geschichten wie Rurouni Kenshin, in denen Kampfelemente oder historische Gegebenheiten mit einfließen, oder populäre Franchises wie Tokyo Ghoul eben doch noch ein breiteres Publikum finden, haben es Alltagserzählungen wie beispielsweise Usagi Drop schwerer, weil sich der westliche Zuschauer damit nicht identifizieren kann – z. B. mit der Art und Weise, wie interagiert wird, oder welche alltäglichen Themen in den Fokus rücken.

Tokyo Ghoul Artikelbild
Realfilm von Sui Ishidas “Tokyo Ghoul” erschienen bei KAZÈ

Hinsichtlich der Interaktion kommt noch ein weiterer wesentlicher Faktor hinzu. Schaut man sich die bunte Medienwelt Japans an, dann fällt in diversen Show-Formaten auf, dass eine starke (übertrieben wirkende) emotionale Ausdrucksweise hinsichtlich der Mimik und Gestik populär ist. Diesbezüglich sollte erwähnt werden: Die japanische Film- und TV-Branche entwickelt sich stetig weiter. Es existieren aktuelle Produktionen, in denen das Schauspiel weitestgehend nicht mehr zu expressiv ist. Ein Beispiel wäre der Realfilm von Tite Kubos Bleach.

Bleach - Realfilm - Screenshot 1
Realfilm von Tite Kubo “Bleach” erhältlich auf Netflix in deutscher Sprache

Die Geschichte und Schauspieler entsprechen nicht der Vorlage …

Ein Argument, das oft zutrifft. Produzenten und Regisseure stehen bei einem Realfilm zu einem Manga vor einer großen Aufgabe. Schafft man es zeitlich, die Handlung in einem 120 Minuten langen Film wiederzugeben? Und wenn nicht, welche Elemente streiche, ändere bzw. ergänze ich, damit die Handlung trotzdem einem Sinn ergibt und im Endeffekt für das Publikum unterhaltsam ist? Da oftmals im Voraus nicht klar ist, ob künftig mehrere Filme geplant sind oder ob dies vom Erfolg des ersten Realfilms abhängt, fallen die Entscheidungen bezüglich der Gestaltung der Story eben auch dementsprechend aus.

Beim Cast kommt die Tatsache hinzu, dass das Charakterdesign einer Manga-Figur nicht vollständig als Vorlage für einen echten Menschen dienen kann. Heutzutage mag es gute Friseure und Visagisten geben, aber eine gewisse Natürlichkeit möchte man selbstverständlich behalten. Und auch die Charakterzüge und deren Konzeption fällt höchstwahrscheinlich anders aus, je nachdem für welche Grundgeschichte sich die Macher entscheiden.

Nicht zu vergessen: Ein Filmemacher ist immer noch ein Schöpfer. Er ist daher stets bemüht, seinem Werk eine persönliche Note zu verleihen. Wer bei einer Realfilm-Adaption eine 1:1-Kopie erwartet, der wird in den meisten Fällen höchstwahrscheinlich enttäuscht.

Nichtsdestotrotz sollten Zuschauer Manga-Realfilmen eine Chance geben und sie möglichst unabhängig von der Vorlage betrachten. Sicherlich wird man nicht alle Adaptionen mögen, aber wahrscheinlich die eine oder andere finden, die einem eben doch gefällt.

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