Sumikai Picks – Nervenkitzligste Survival Games

Unsere Sumikai Picks widmen sich diesmal einem mittlerweile sehr beliebten Thema des Psycho-Horror-Genres: Survival Games.

Menschen werden unfreiwillig in ein Psycho-Spiel verwickelt, aus dem sie nicht eher aussteigen können, bis i. d. R. nur noch ein »Sieger« übrig bleibt, der in vielen Fällen ordentlich traumatisiert sein dürfte, oder bis der Spielleiter gestoppt werden kann. In Filmen (Saw) und Büchern (Die Tribute von Panem) polarisieren die Todesspiele schon seit Längerem. Animes und Mangas bieten inzwischen auch eine breite Palette an. Das reicht von der beliebten paradiesischen Insel als Handlungsort (Btooom!) über die Klassengemeinschaft (Ousama Game) bis in die virtuelle Welt der Videospiele (Sword Art Online) hinein. Wenn der Spielleiter es so will – und nicht immer sind dessen Motive bekannt –, müssen sich die Spieler gegenseitig linken, misshandeln oder töten. Der besondere Thrill bei dieser Thematik besteht darin, zu verfolgen und dabei zu erschaudern, welche menschlichen Abgründe sich in einer solchen Extremsituation auftuen. Die Redakteure wählten ihre Favoriten unter den Survival Games und schilderten ihre Erfahrungen – entweder als Spieler oder als unbeteiligter Zuschauer.

Nelli würde in Mirai Nikki 1000 Tode sterben

Mirai Nikki © 2006 Sakae Esuno / KADOKAWA SHOTEN Co., Ltd., Tokyo © 2013 EGMONT Verlagsgesellschaften mbH, Köln

Sakae Esunos Mirai Nikki war mein erster Kontakt mit Survival Games in Mangas/Animes. Die Idee, zwölf Menschen mit Zukunftstagebüchern auszustatten und aufeinander zu hetzen, um den neuen Gott zu bestimmen, ist natürlich spannend. Zum einen hat der Spieler durch das Tagebuch das Gefühl, die Kontrolle über sein Schicksal zu verlieren. So wird Yukiteru bereits zu Beginn leicht nervös, als Dinge geschehen, die ihm zuvor von seinem Tagebuch prophezeit wurden; der Gedanke, in seine vorbestimmte Zukunft zu blicken, behagt ihm nicht. Zum anderen stellt sich fortan die Frage, wie der Tagebuchbesitzer und Spieler mit Ankündigungen über seinen bevorstehenden Tod umgehen wird. Das Spielergebnis stünde bereits fest, wenn sich die Zukunft nicht ändern ließe …

So hat jeder sein Schicksal selbst in der Hand und muss Entscheidungen treffen, die ihn umbringen oder retten können. Zur schwierigsten Entscheidung für Yukiteru wird allerdings, wem er trauen kann und wem nicht. Sehr bald werden auch Unbeteiligte in das Spiel mit hineingezogen und engste Vertraute entpuppen sich als Feinde. Yukkis Mitschülerin Yuno stellt dabei vielleicht die größte Gefahr und mit Sicherheit das größte Rätsel für den Schüler dar. Zwar verspricht die schwer verliebte Stalkerin, ihn zu beschützen, geht dabei aber erschreckend kaltblütig und ohne lange zu überlegen über Leichen. Ihre fanatische Liebe ist für den armen Yukiteru Fluch und Segen zu gleich.

Ich bezweifle, dass ich in diesem Spiel weit kommen würde. Weil ich selbst riesen Schiss hätte, kann ich sogar gut verstehen, dass Yukiteru Yuno anfangs erstmal ausnutzt, um am Leben zu bleiben, und ihr dafür seine Liebe vorgaukelt. Dann aber auch noch jemanden umbringen zu müssen, weil das Spiel erst endet, wenn nur noch einer übrig ist … Da kommt einem eine Yuno schon ein bisschen gelegen und ohne sie hätte Yukki sicher niemals so lange durchgehalten. Um so ein Todesspiel zu überleben, muss man meiner Meinung nach auch etwas gerissen sein und vor allem selbst aktiv werden – ansonsten kann man das Schicksal nur über sich ergehen lassen. Eigentlich eine wichtige Moral …

Yanio würde eine Runde »Rabbit Doubt« nicht überleben

© Yoshiki Tonogai/Square Enix

Das Online-Spiel »Rabbit Doubt« stammt aus dem Manga Doubt von Yoshiki Tonogai. Dieser wurde in Japan 2007 von Square Enix veröffentlicht und erschien 2010 auch hierzulande in vier Bänden bei CARLSEN MANGA!. Zugegeben sieht das ganze erst einmal nach einer Menge Spaß aus. Basierend auf der Vorlage des Partyspiels »Mafia« gibt es bei »Rabbit Doubt« eine Gruppe von Hasen, die im Laufe des Spiels versuchen muss, einen Wolf zu enttarnen, der sich unter ihnen befindet und das Ziel hat, die Hasen zu fressen.

Als allerdings bei einem ersten realen Treffen von sechs völlig unterschiedlichen Online-Spielern einer von ihnen ermordet wird, eskaliert die Situation. Aufs echte Leben übertragen müssen die übrigen Charaktere nun herausfinden, wer der Mörder unter ihnen ist, der sich vermutlich schon sein nächstes Opfer ausgesucht hat. Dabei erkennt der ein oder andere von ihnen nach und nach, dass sie alle nicht rein zufällig in dieses Hase-und-Wolf-Spiel hineingeraten sind. Die klaustrophobische Kelleratmosphäre, jede Menge Psychoterror und das ständige Gefühl, niemandem mehr trauen zu können, machen den nervenaufreibenden Überlebenskampf in diesem Manga perfekt.

Grim würde in Danganronpa dem Wahnsinn verfallen

© 2011-2014 Spike Chunsoft Co., Ltd.

Wie würdest du handelt, wenn du an einem Ort festgehalten würdest – völlig von der Außenwelt abgeschnitten – und der einzige Weg in die Freiheit läge darin, einen deiner Mitgefangenen umzubringen? Natürlich würdet ihr euch erst einmal vehement weigern und irgendeine andere Alternative suchen. Doch was ist, wenn sich einem von euch die Gelegenheit bietet, wenn der erste Stein ins Rollen gebracht wird?

So ergeht es zumindest einer Gruppe von Teenagern in dem Murder-Mystery-Adventure Danganronpa. Verschleppt an eine Schule, gilt es, einen Kameraden über den Jordan zu bringen, ohne dass jemand anderes davon Wind bekommt. So verlangt es Monokuma, das Mastermind hinter diesem mörderischen Spiel – ein mechanisierter Teddybär mit zwei Gesichthälften, die auch seine zwiegespaltene Persönlichkeit wiederspiegeln. Denn Monokuma ist nicht nur ein ulkiges Kerlchen sondern auch äußerst sadistisch und nimmt das Ganze auf eine verstörende Weise toternst.

An euch und den anderen, die sich weigern einen Mord zu begehen, liegt es in dem Video Game, den Täter in den eigenen Reihen ausfindig zu machen. Das passiert in eigenwilligen Gerichtsprozessen – Ace Attorney lässt grüßen –, wo ihr versucht, den Verdächtigen durch gesammelte Indizien und Schlussfolgerungen ans Tageslicht zu zerren. Natürlich machen sich auch die anderen Gedanken und ziehen manchmal falsche Schlüsse. Ihr seit dann derjenige, der alle Puzzleteile an die richtige Stelle bringt; und es ist so ein unheimlich befriedigendes Gefühl, selbst auf die Lösung zu kommen und wie ein Detektiv Conan den Täter vorzuführen. Wer noch nicht dazu kam, in die beiden PSVita-Teile zu spielen – oder ihr besitzt den Handheld gar nicht (soll vorkommen xD) –, dem bietet sich mit dem kommenden PC-Release die Gelegenheit.

Lashira ist mit Resident Evil aufgewachsen

Resident Evil – Heavenly Island / © Kazé

Ich weiß noch damals, als meine Schwester plötzlich mit dem Spiel Resident Evil 1 nach Hause kam und mir davon erzählte, wie gruselig es sei, sie habe es bei einer Freundin gespielt und wir müssten es unbedingt auch zocken. Bis dato hatte ich davon noch nie etwas gehört, dennoch dachte ich mir »oh Zombies, ein Virus und ein altes Herrenhaus könnten interessant werden«.

Daraufhin begleitete mich Resident Evil die ganzen Jahre durchweg. Aber der erste Ableger hat sich so tief in meiner Erinnerung verankert, dass für mich weder Top-Grafik, Sound noch sonst etwas an das Gefühl vom Spielen damals herankommen. Allein schon die Begegnung mit dem ersten Zombie im Erdgeschoss hat sich in mein Gehirn gebrannt: Einfach eine legendäre Szene, wie man panisch die Pistole mit der etwas gewöhnungsbedürftigen Steuerung auf das lebendtote Ziel richtet oder die statischen Kamera-Einstellungen, absolut genial! UND das Allerbeste: die »Treppen-hoch-oder-runter-lauf-Szenen« bzw. die »Ich-öffne-Türen-Szenen« – das waren Zeiten. Da kommen Erinnerungen hoch.

Das Horror-Survival-Game, welches im japanischen Original unter Biohazard bekannt ist, fand 1996 den Weg auf die Playstation 1. Capcom entwickelte Resident Evil bis heute, jedoch fungierte Shinji Mikami als Schöpfer der weltweit bekannten Horror-Serie, die sich mehrere Millionen Male verkaufte. Kurz gesagt, handelt Resident Evil von dem sogenannten »T-Virus«, welcher von der Forschungseinheit »Umbrella Cooperation« unter die Leute gebracht wird. Die Folge davon ist, dass Menschen zu Zombies mutieren. Bis heute sind diverse Ableger in Form von Realverfilmungen, animierten Filmen, Mangas (siehe Abbildung) usw. erschienen. Wobei ich die Realfilme nicht besonders mag und sie für mich kein wirkliches Horror-Gefühl aufkommen lassen, wie es immer wieder in den Spielen passiert. Resident Evil hat in meinen Augen jede Menge Schreck- und Panik-Momente, die ein Survival-Horror-Game ausmachen und gehört deswegen zu meinen Top-Horror-Games.

fallenshadow würde in Liar Game alles verlieren

Liar Game Bd. 1 © 2013 Egmont Manga

Im Überlebenskampf muss es nicht immer direkt um Leben und Tod gehen, wo sich die Beteiligten mit Waffen gegenseitig drangsalieren, verletzen oder gar niedermetzeln. In unserer modernen Gesellschaft heißt es: Geld regiert die Welt und bringt die schlechtesten Seiten eines Menschen hervor. Finanzieller Ruin und ein Berg von Schulden ist ein Stigma, das einem bildlich gesprochen das Genick bricht. Wucherzinsen, Kredithaie und Gläubiger mit kriminellen Verbindungen stellen die gefährliche Schattenseite dieser Welt dar.

In Shinobu Kaitanis Mystery-Manga Liar Game (erscheint bei Egmont Manga) wird um Geld gespielt. Die Teilnehmer müssen es schaffen, ihre Gegner unbemerkt zu belügen und auszutricksen. Dabei gibt es in jeder Runde bestimmte Regeln, die eingehalten werden müssen, und daraus resultierende Strategien, welche mit der Psyche des Menschen spielen. Die Veranstalter des Liar Game sind selbst dubiose Gestalten, um die allerhand erschreckende Gerüchte geschürt werden. Durch hinterlistige Tricks bringen sie Spieler dazu, beim Liar Game mitzumachen und sich immer weiter die Spirale hinabzubegeben. Was mag bloß am Grund lauern?

So spannend der Manga auch ist, selbst möchte ich mich nie in der Haut von Protagonistin Nao wiederfinden. Wie sie würde ich an den Regeln verzweifeln und die darin versteckten Mauselöcher kaum entdecken. Um beim Liar Game auftrumpfen zu können, braucht es einen genialen Verstand und Wissen aus der Psychologie, aber ebenso ruhige Nerven sowie ein Pokerface. Dinge, die mir nicht liegen – und wer weiß, ob an meiner Seite ein Shinichi Akiyama stehen würde.