»Dark Hideout« – Manga-Test

Mit dem Einzelband Dark Hideout von Masasumi Kakizaki veröffentlichte EMA einen weiteren Vertreter des Horror-Genres hierzulande, welcher im Jahr 2010 in Japan erschien. Miki und Seiichi sind ein junges verheiratetes Paar und vor geraumer Zeit lebten sie auch noch glücklich sowie in gewisser Weise harmonisch …

… doch dann passierte ein schicksalhaftes Unglück, welches die jungen Eheleute auf die Probe stellte. Allerdings blieben mehr Scherben zurück als von Seiichi erhofft, weshalb er mit Miki verreist, um einen Neuanfang zu versuchen. Dieser soll auf einer idyllischen Ferieninsel, fernab vom stressigen Alltag und den schmerzhaften Erinnerungen, beginnen. Auf einem Kurztrip spielt den beiden das Schicksal erneut übel mit, denn ihrem Jeep geht mitten in der Pampa der Sprit aus und zu allem Überdruss schüttet es heftig.

Sowohl Seiichi als auch Miki reden sich, begünstigt durch diese Situation und wegen des vergangenen Schicksalsschlages, in Rage. Als eine vermutlich Schutz bietende Höhle betreten wird, verschlingt die Dunkelheit nicht nur ihre Seelen.

Was zuerst wie ein typischer Stoff für einen zweitklassigen Horrorfilm klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als sprichwörtliches Labyrinth. Masasumi Kakizaki gelingt mit Dark Hideout zum einen die Konstruktion eines vermeintlich idealtypischen Alltagslebens eines jungen Pärchens. Zum anderen schwebt über all diesen hellen Passagen eine leichte Gräue, die zusehends dunkler wird.

Geplagt von Zweifeln, unglücklichen Schicksalsschlägen und der menschlichen Ignoranz beziehungsweise dem natürlichen Egoismus beginnen Miki und Seiichi blind in ihr Verderben zu rennen.

Der in diesem Zuge zu Tage tretende Horroraspekt – in Form degenerierter und entstellter Menschen – kann als Spiegel der beiden Protagonisten, besser gesagt der oberflächlichen Gesellschaft, verstanden werden. Das individuelle Identifikationspotenzial bleibt jedoch zu großen Teilen aus.

Miki und Seiichi werden von Kakizaki auf bestimmte Extrempunkte der menschlichen Psyche hin ausgearbeitet, wodurch eine nachhaltige Sympathie für keinen der beiden möglich ist. Es ist ein partielles Wechselspiel, man kann Punkte im Verhalten beider verstehen sowie andere vehement ablehnen.

In diesem Zusammenhang sind das wirklich schockierende die Verhaltensmuster der augenscheinlich gesunden Menschen, während zum Ende hin die eigentlich für den Horror zuständigen Figuren Mitleid erregen.

Demzufolge arbeitet der Mangaka mit der Rezeptionserfahrung und der Reflexion des Einzelnen. Welche menschlichen »Untriebe« gibt es eigentlich und was hat wirklich wert?

Seiichi verzweifelt auf der Suche nach Aufträge und sucht Heil in seiner Familie, diese ist Miki irgendwie nicht so wichtig, für sie zählt mehr das persönliche Vorankommen.

Dark Hideout besticht durch detaillierte Zeichnungen und realistische Figurenentwürfe. Masasumi Kakizaki (der unter anderem auch für die Zeichnungen in Rainbow verantwortlich ist) gelingt es durch seine konturierten Bilder eine stimmige Atmosphäre zu gestalten, dessen offensichtliche Bedeutungszuweisung sich ebenso wandelt, wie die Charaktertypen, und stellenweise ohne Wort für sich allein stehen.

Die idyllische Insel gewinnt immer mehr gruselige (dunkle) Aspekte, wird aber in hellen Bildern skizziert, wohingegen die dunkle Höhle zusammenfassend die Eigenschaft eines sprichwörtlich behütenden Nests entwickelt. Nichtsdestoweniger auf skurrile, verstörende sowie wörtlich verrückte Art und Weise.

Dark Hideout ist ein Manga, der mich weniger mit seinem Horror als mit seinen psychologischen Aspekten fasziniert hat. Zugunsten der vermutlich eigentlichen Essenz der Geschichte tritt das Grauen immer mehr in den Hintergrund. Was übrig bleibt, ist eine zutiefst menschliche Tragödie. Ob man diese am Ende als solche empfindet, liegt ganz im Auge des Betrachters und genau dadurch gewinnt, meiner Meinung nach, Dark Hideout ungemein. Es, genauer gesagt Masasumi Kakizaki, gibt einem keine Richtung vor.

Wer gerne etwas erwachsenere Geschichten liest, die sich in eine im Ansatz ähnliche Richtung wie die psychologischen Arbeiten Inio Asanos entwickeln, kann ohne Bedenken in Dark Hideout hineinschauen. Die eindrucksvollen Bilder erzählen teils alleinstehend schockierende Szenen und der Text liefert die Gedanken anregenden Happen für die nötige Figurentiefe.

Wir bedanken uns bei Egmont Manga für die Bereitstellung eines Leseexemplars zu Dark Hideout.

Details

Titel: Dark Hideout
Originaltitel: HIDEOUT
Mangaka: Masasumi Kakizaki
Erscheinungsjahr: 2010 (JP) 2014 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Egmont Manga (DE)
Genre: Action, Horror, Seinen, Psycological
Altersempfehlung: 16+
Preis: 7,50€
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3770482948&chan=animey&asin=3770482948]

HIDEOUT © 2010 Masasumi Kakizaki, Shogakukan
Dark Hideout © 2014 Egmont Verlagsgesellschaften mbH