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»Green Blood« Band 1 – Manga-Test

Seit 25. November 2014 liegt bei CARLSEN MANGA! der erste Band von Masasumi Kakizakis Green Blood vor. In Japan ist die 2011 gestartete Reihe bereits mit fünf Volumes abgeschlossen. Für Kakizaki stellt dies nicht die erste Veröffentlichung auf dem deutschen Markt dar. So können Interessierte bereits seit 2. Oktober 2014 bei EMA den Horror-Einzelband Dark Hideout erwerben. Auch die Zukunft birgt für den Mangaka einen weiteren Titel bei uns. Für das Sommer-Programm bringt EMA nämlich auch sein Bestiarius ab 2. Juli 2015 zu uns, welches im Römischen Reich, aber mit Fantasy-Wesen wie Drachen und Minotauren, angesiedelt ist. In Green Blood erzählt Masasumi Kakizaki noch einmal eine komplett andere Geschichte, mit der es ihm gelungen ist, sich im Sumikai-Rückblick in meine Liste der Highlights 2014 einzuschleusen.

Ende des 19. Jahrhunderts sind die »Five Points« in New York als schlimmster Slum der Welt verschrien. Hier leben die Brüder Brad und Luke Burns. Während der jüngere von ihnen versucht, in diesem Sumpf aus Bandenkämpfen, Gewalt, Mord, Raub, Vergewaltigung und Prostitution ein redliches Dasein zu führen, um eines Tages mit Brad fortgehen zu können, hütet der ältere ein schreckliches Geheimnis. Tagsüber mimt er den arbeitslosen Faulpelz, den Luke abends die Leviten lesen muss. Doch nachts arbeitet Brad als Auftragskiller, den alle nur den »Grim Reaper« nennen, für die irische Gang »Grave Diggers«.

Die Banden kämpfen um die Vorherrschaft im Bezirk. Während sich die »Iron Butterflies« im Aufwind befinden, gehen die Einnahmen der Grave Diggers zurück. Das sieht der Polizist, welcher die begangenen Verbrechen der irischen Gang deckt, nicht gerne. Sein Kollege, der sich von der gegnerischen Bande bestechen lässt, soll umgebracht werden, damit er dessen Platz einnehmen kann. Ein Auftrag für den Grim Reaper steht an.

Green Blood versprüht vom Anfang an Spannung. Das ist zu einem kleinen Teil auch dem Verlag CARLSEN MANGA! zu verdanken, der den Band inklusive sechs Farbseiten, wovon vier das erste Kapitel einleiten, ausgestattet hat. Masasumi Kakizaki wirft den Leser ohne Vorwarnung mitten ins Geschehen und damit in die Arbeit des Grim Reapers. Eine erbarmungslose Szene unterbreitet sich dem Betrachter – und das komplett in Farbe. Der Einstieg wäre damit schon einmal gelungen – und der Band hält, was die ersten Seiten versprechen.

Kakizaki ist kein Mann der halben Sachen und hat sich für den Manga eine konfliktreiche Zeit ausgesucht. New York im Jahre 1865 – der Amerikanische Bürgerkrieg fand im April sein Ende, wenige Tage darauf auch das Leben von Präsident Lincoln bei einem Attentat. Der Mangaka streut immer wieder mal prägnante Erklärungen ein, welche die damalige Zeit und die vorherrschenden Zustände beschreiben. Selbst wer sich bisher überhaupt nicht mit amerikanischer Geschichte beschäftigt hat, wird sich dank dieser zwischengeschobenen, grundlegenden Informationen problemlos zurechtfinden. Tatsächlich weckt der Manga sogar das Interesse, sich eigenständig genauer mit der hintergründigen Historie zu befassen. Natürlich tragen auch die liebevoll detailliert zu Papier gebrachten Zeichnungen dazu bei, das Ambiente besser zu verstehen.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen die beiden Burns-Brüder Brad und Luke, die in den Five Points leben. Über ihre Vergangenheit erhascht man im ersten Band nur vage Schemen, welche jedoch lange Schatten in die Gegenwart werfen. Brad und Luke sind äußerlich wie auch charakterlich verschieden. Trotzdem halten sie fest zusammen und sorgen sich um den jeweils anderen. Obwohl die beiden an einem grausamen Ort leben, hat sich Luke eine hohe Zivilcourage bewahrt, die ihn schon einmal in brenzlige Situationen bringen kann. Dennoch bleibt er sich selbst und seinem Traum, eines Tages mit Brad ein Stück Land zu kaufen, treu. Gerade weil Luke das beinahe Unmögliche erreichen will, dabei aber unerschrocken voranschreitet, so klein die Schritte auch sein mögen, und felsenfest dieses Ziel im Blick behält, ohne die armen Menschen in seinem Umfeld zu vergessen, steht man schnell als Leser hoffend auf seiner Seite, dass auch ihm eines Tages das Glück hold sein wird.

Mit seinem unbeugsamen Optimismus bildet Luke damit das passende Gegenstück zu Brad, der selbst zwei Gesichter trägt. Masasumi Kakizaki bringt diesen charakterlichen Wechsel zwischen Brads Dasein als arbeitsloser älterer Bruder und seinen professionell ausgeführten Auftragsmorden grandios bildlich zur Geltung. Das zeigt sich auch im Äußeren. Als Grim Reaper trägt Brad einen langen, dunklen Mantel und einen tief gezogenen Hut. Ein paar Haarsträhnen hängen ihm wild ins Gesicht. Sein Markenzeichen ist zudem ein Revolver, an dem ein Bajonett befestigt wurde, wie man ihn auch auf dem Cover sieht. Der Grim Reaper tötet gefühlslos und eiskalt, außer es sind persönliche Motive involviert. Dann verwandelt er sich unter Kakizakis Feder in einen regelrechten wutentbrannten Dämon. Gleichzeitig offenbart sich Brad im täglichen Alltagstrott in einem vollkommen anderen, ruhigen und unbekümmerten Bild, sodass man zuerst gar nicht glauben mag, dieselbe Person vor sich zu haben. In manchen Szenen verschwimmen die Gesichter jedoch auch, etwa wenn er mit Leuten zu tun hat, die über seine Doppelidentität Bescheid wissen.

Luke und Brad kombinieren sich zu einem fantastisch kreierten Brüder-Duo, das die Basis dafür herstellt, den Spannungslevel von Green Blood von Anfang an auf ein hohes Niveau zu setzen. Der Erzählstil weist ein schnelles Tempo auf, ohne die Szenen zu hastig über die Bühne zu bringen. Vielmehr blättert man vor Ungeduld und Neugier hastig weiter. Neben der Story an sich punktet auch die Zeichenkunst, welche noch weit über das erstklassige Design der beiden Protagonisten und den weiteren individuell gestalteten Charakteren hinausreicht.

Bei der Kleidung wird darauf geachtet, authentisch zu bleiben. So fällt sie meist zu groß aus, wirft Falten und ist leicht bis stark schmutzig. Besonders gut gefallen mir die markanten Gesichter älterer Menschen. Gekonnt setzt der Mangaka die mal mehr oder weniger ausgeprägten Fältchen, sodass insgesamt ein sehr realistisches Aussehen entsteht. Kakizaki erweckt das New Yorker Slum-Leben aus dem Jahre 1865 wieder zum Leben. Die zeitgemäßen Szenerien mit den detailliert ausgearbeiteten Hintergründen überzeugen auf voller Linie. Man merkt den Zeichnungen die vorangegangenen Arbeitsstunden an. Das Ergebnis lohnt sich. Masasumi Kakizaki bevorzugt zudem meist eine große Panelverteilung, es finden sich sogar hin und wieder Seiten mit nur einem Motiv, was der jeweiligen Szene noch mehr Ausdruck verleiht.

Die Atmosphäre von Green Blood zieht den Betrachter sofort in ihren Bann. Der historische Hintergrund als Fundament bietet den idealen Nährboden für einen spannenden Seinen-Titel, der durch das Charakter-Design und dem detailliert realistischen Zeichenstil perfektioniert wird. Die Geschichte der gegensätzlichen Brüder überzeugt von den ersten Seiten an. Aufgrund der Mordanschläge und den damit verbundenen blutigen Szenen, aber auch den brutalen Handlungen anderer im Slum ist eine Altersempfehlung ab 16 berechtigt.

Wir bedanken uns bei CARLSEN MANGA! für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Green Blood, Band 1.

Details

Titel: Green Blood, Band 1
Originaltitel: GREEN BLOOD, Volume 1
Mangaka: Masasumi Kakizaki
Erscheinungsjahr: 2011 (JP), 2014 (DE)
Verlag: Kodansha (JP), CARLSEN MANGA! (DE)
Genre: Seinen, Action, Drama, Historie
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 7,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3551775753&chan=animey&asin=3551775753]

Green Blood © 2011 Masasumi Kakizaki/KODANSHA
© Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2014

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