Crash’n’Burn, Band 1 – Manga-Test

Mit Crash’n’Burn publizierte TOKYOPOP nach Lost and Found Mikiko Ponczecks zweiten Boys-Love-Titel. Der deutsche Verlag veröffentlichte Volume 1 im Juli 2014, das zweite ist für September geplant. Die Handlung geht auf zwei männliche Figuren ein – den leicht reizbaren Tyler und den temperamentvollen Kyle – deren große Leidenschaft Musik ist, welche sie letztendlich verbindet. In westlicher Leserichtung erhält der Käufer von Band 1 vier Kapitel zur Hauptgeschichte, eine Bonuserzählung, Fanservice im Sinne von Skizzen sowie Steckbriefen und vier Farbseiten. Mit was dieses Werk sonst noch aufwartet, lest selbst. 

Während eines Wettbewerbs bekommen sich Tyler und Kyle heftig in die Wolle, woraufhin die Band von letzterem disqualifiziert wird. Wenig später verlässt auch noch ein Mitglied seine Gruppe. Das Ende von Kyles Band wird dadurch eingeläutet. Doch dieser kann nicht lange ohne Musik und so sucht er sich kurzerhand einen neuen Job als Bassist. Nichts ahnend meldet sich Kyle auf eine Anzeige von Tyler. Als er das mitbekommt, ist Kyle außer sich vor Wut.

Wie Kyle auf einer Party feststellen muss, hat Tyler seine ehemalige Band verlassen. Dessen früherer Kollege provoziert ihn auf der Veranstaltung und eine Schlägerei entbrennt. Schließlich bringt Kyle den angetrunkenen Tyler nach Hause, wo sich die zwei plötzlich näher als erwartet kommen. Kyle schließt sich letztendlich Tylers Band an. Diese erhält den Namen »Crash’n’Burn«. Dazu stoßen tun ebenso Kyles ehemaliger Drummer Scott und Tylers Freundin Kimi als Gitarristin. Ob dieses Vorhaben wohl mit diesen zwei Hitzköpfen ein gutes Ende nehmen wird?

Mikiko Ponczecks Crash’n’Burn erzählt die Slice-of-Life-Geschichte von zwei männlichen Protagonisten, die durch Musik allmählich zueinanderfinden. Im Vordergrund der Erzählung stehen die Aktivitäten in ihrer Band, doch auch die persönlichen Konflikte von Kyle und Tyler sind im Fokus. Fakt ist, Ersterer scheint mit seinen homosexuellen Neigungen noch nicht so recht umgehen zu können, reagierte daher anfänglich sehr temperamentvoll auf Tylers Annäherungen. Wiederum ist Tylers schnell reizbare Art, ohne nun viel verraten zu wollen, auf ein kompliziertes Elternhaus zurückzuführen. In der Musik findet dieser Halt, und auch seine Ex-Freundin Kimi spielt in seinem Leben eine wichtige Rolle. Durch Tylers aufbrausende Art hat sich dieser allerdings ebenso Feinde gemacht, was den passenden Cliffhanger für Band 2 ausmacht.

In der Handlung herrscht oftmals ein rauer Ton vor, so fallen gerne mal harte Schimpfwörter. Auch greifen die Protagonisten gerne mal zu Alkohol, was in diesem Fall aber eher das »Harte Jungs«-Image fördert und nicht als Verharmlosung aufgefasst werden sollte. Der Anteil an Intimitäten zwischen Kyle und Tyler beläuft sich auf eine Szene, dafür geht es darin aber recht »grob« zwischen den zweien zu – hier wird auch keiner von beiden zum Unterlegenen. Des Weiteren stellt Mikiko Ponczeck Kyle einmal unzensiert beim Onanieren dar und es kommt im Laufe der Handlung zu der einen oder anderen Gewaltszene, weshalb dieser Titel Lesern ab einem Alter von 16+ zu empfehlen ist.

Auffallend mag Mikiko Ponczecks Zeichenstil sein, der Wiedererkennungswert verfügt aber sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen könnte. Die Linien sind oftmals dick und grob gestaltet, der nötige Feinschliff an gewissen Ecken fehlt ein wenig. Sie arbeitete viel mit Rasterfolie und die Hintergründe fallen oftmals leer aus. Trotzdem setzte die Zeichnerin feine Akzente, indem sie beispielsweise Tattoos oder Gegenstände wie Instrumente detailliert ins Bild rückte. Des Weiteren ist es ihr mit ihren Charakteren gelungen Emotionen zu widerspiegeln.

Mikiko Ponczecks Crash’n’Burn ist eine dramatisch angehauchte Boys-Love-Geschichte, die den Alltag einer Musik-Band – welche zunächst auf kleinen Umwegen entsteht – erzählt sowie auf die persönlichen Konflikte der beiden männlichen Protagonisten Kyle und Tyler eingeht. In Volume 1 steht in einem Bonuskapitel der familiäre Hintergrund von Letzterem im Fokus. Zeichnerisch mag dem Werk noch der gewisse Feinschliff fehlen, trotzdem widerspiegeln Mikiko Ponczecks Figuren die gefühlsmäßigen Höhen und Tiefen auf eine sehr gelungene Art, sodass Boys-Love-Fans Crash’n’Burn definitiv eine Chance geben sollten. Storytechnisch bietet der Titel einige Anreize und es bleibt abzuwarten, wie sich die beiden hitzköpfigen Protagonisten weiterentwickeln werden.

Details

Titel: Crash’n’Burn, Band 1
Mangaka: Mikiko Ponczeck
Erscheinungsjahr: 2014
Verlag: TOKYOPOP
Genre: Boys Love
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 6,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3842005237&chan=animey&asin=3842005237]

Crash’n’Burn Band 1 © Mikiko Ponczeck, TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014