»Cherry Lips« Band 1 – Manga Test

Der Frühling naht und passend zu den wärmer werdenden Tagen veröffentlicht CARLSEN MANGA! mit Milk Morinagaras Cherry Lips einen Manga, der aufkeimende Romantik zwischen Mädchen thematisiert und damit dem Yuri-Genre angehört (zufällig bedeutet »Yuri« im Deutschen »Lilie«). In Japan erschien Cherry Lips unter dem Titel Kuchibiru Tameiki Sakura Iro in 14 Kapiteln, welche in zwei Sammelbänden zusammengefasst wurden, im Magazin Yuri Shimai von 2003 bis 2012.

Nana und Hitomi sind seit Kindergartenzeiten beste Freundinnen und hatten Glück, während der Schulzeit immer in derselben Klasse gewesen zu sein. Die beiden beschließen auf dieselbe Highschool zu wechseln, auf die Sakura-Mädchenschule. Plötzlich gesteht Hitomi, dass sie auf eine andere Schule gehen wird, denn sie könne nicht weiter mit Nana auf dieselbe gehen.

Der Grund für Hitomis plötzlichen Entschluss erschließt sich Nana erst nicht. Wieso hat Hitomi ihr davon nicht vorher was erzählt, sind sie nicht beste Freundinnen? Dass Hitomi genau diese Stufe verlassen und mehr von Nana will, wird schnell aufgeklärt.

Die vorliegenden sieben Kapitel im Einstiegsband von Cherry Lips erzählen je eine Kurzgeschichte und sind damit quasi abgeschlossene Handlungen über gesellschaftlich tabuisierte homosexuelle Beziehungen zwischen Mädchen. Diese kurzen Episoden lassen sich durch die wiederkehrende Figurenkonstellation miteinander verbinden und ergeben so einen roten Faden.

Durch diese Strategie bleiben zumindest die Figuren in den zu kurzen Geschichten – welche durch ihre wenigen Seiten kaum Fragen zum Hintergrund beantworten oder Raum für Entwicklungen bieten – nicht charakterlos, sodass einige von Nanas Klassen- beziehungsweise Schulkameradinnen ein Profil erhalten, mit dem sich der ein oder andere Lesende identifizieren kann.
Wie bereits erwähnt bleiben die Episoden auf erzählerischer Ebene eher flach, nichtsdestotrotz schafft Milk Morinagara durch ihre Charaktere und ihrem sanften Erzählstil ein Mitgefühl zu erwecken und mitunter auch Dramatik zu erzeugen.

Die durchweg im Manga angesprochene Thematik der adoleszenten Liebe zwischen gleichgeschlechtlichen Teenagern wird psychisch nicht weiter besprochen, erinnert durch die im Bild wie Text aufgeworfenen Fragen der handelnden Figuren ähnliche Fragen wie beispielsweise Hesse in seinem Unterm Rad.
Was passiert, wenn die heimliche Beziehung von Nana und Hitomi in Schule, Familie und der Öffentlichkeit allgemein auffliegt? Oder, ob die Liebe zwischen den beiden überhaupt echt ist und nicht nur ein Gefühl, hervorgerufen durch den mangelnden Kontakt zum anderen Geschlecht. Wie weit kann man in so einer Beziehung gehen und leidet nicht die schulische Leistung sowie das soziale Miteinander darunter?

All diese Fragen werden in den jeweiligen Kurzerzählungen angeschnitten und erfahren stückweit auch eine Beantwortung, besser gesagt, Milk Morinagara schildert, wie sie die Lösung dieser Frage angehen würde. Dies macht sie bildlich in einem eher kantigen und unproportionalen Stil, der möglicherweise die geschilderten ersten amourösen Versuche der Mädchen optisch widerspiegelt, dennoch weiche Schattierungen, detaillierte Hintergründe und akzentuiert eingesetzte Rasterfolie aufweist.

Unförmigkeit und Unsicherheit gesellen sich so zu sauber ausgearbeiteten Details und gefühlvoller grafischer Tiefe. Dieser Widerspruch macht den Manga aus und Leser, die nichts gegen homosexuelle Thematiken ohne explizite Darstellungen haben, werden die subtile Bedeutungsschwere von Milk Morinagaras Cherry Lips zu schätzen wissen. Diese eher hintergründige Komponente wird durch die viel zu kurzen Kapitel, welche dadurch eine zu flache Geschichte erzählen und den Lesenden nahezu ins kalte Wasser werfen, enttäuschend sein. Sympathische Charaktere können im Endeffekt eine solche, lediglich lose zusammenhängende, Kurzgeschichtensammlung nur schwer aufwiegen. Nichtsdestoweniger ergeben die einzelnen Episoden zusammengefasst einen Handlungsbogen, der sich zwar wiederholt aber trotzdem emotional fesselt.

Wir bedanken uns bei CARLSEN MANGA! für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Cherry Lips, Band 1.

Details

Titel: Cherry Lips Band 1
Originaltitel: Kuchibiru Tameiki Sakura Iro (くちびるためいきさくらいろ)
Mangaka: Milk Morinagara
Erscheinungsjahr: 2003 (JP) 2014 (DE)
Verlag: Futabasha (JP), Carlsen Manga (DE)
Genre: Romance, Yuri
Altersempfehlung: 14+
Preis: 6,95€
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3551767149&chan=animey&asin=3551767149]

Kuchibiru Tameiki Sakura Iro  © 2003 Milk Morinagara, Futabasha
Cherry Lips © Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2014