»Egoistic Blue« – Manga-Test

Mit Egoistic Blue kehrt Mio Tennohji bei EMA erstmals Anfang August 2014 auf dem deutschen Manga-Markt ein. Dabei handelt es sich bei dem Boys-Love-Einzelband nicht um eine wie so oft vorliegende Kurzgeschichtensammlung, sondern um eine zusammenhängende Story, die in der zweiten Hälfte einen Knick macht, um einen Nebencharakter in den Mittelpunkt zu stellen. Somit versucht Egoistic Blue, gleich mit zwei Paaren zu überzeugen. Ob das dem Manga tatsächlich gelingt?

Chiaki Nakura leitet die Rezeption in einem japanischen Luxushotel. Unerwartet bekommt er den Auftrag, dem reichen Gast Harry Christophoros, dritter Sohn eines alten, griechischen Adelsgeschlechtes, persönlich zu Diensten zu sein. Schnell stellt sich auch heraus warum: Harrys Großvater pflegte in seiner Jugend eine Beziehung zu Chiakis Großmutter, die letztendlich aber in die Brüche ging. Harry soll nun seinen Wunsch erfüllen und ihre vermeintliche Enkelin heiraten. Dass Chiaki ein Mann ist, entpuppt sich als Überraschung, bringt Harry aber nicht von seinem Vorhaben ab. Der Rezeptionist empfindet indes die Idee weniger prickelnd, da er sich bereits in seinen Gast verliebt hat und hinter Harrys Verhalten nur die auferlegte Pflicht von dessen Großvater sieht.

Carl dient Harry seit jungen Jahren und nimmt seinen Beruf sehr ernst. Persönlicher Verzicht und weniger rühmliche Taten zum Wohle des Unternehmens gehören zu Carls Alltag. So etwas wie Liebe ist beinahe unmöglich, dennoch gab es in seiner Vergangenheit einen Mann, der ihn im Sturm eroberte, um eines Tages plötzlich spurlos von der Bildfläche zu verschwinden. Sieben Jahre später kehrt Morris zurück. Ob in ihren Herzen immer noch das Feuer der Leidenschaft brennt?

Das Verhältnis zwischen einem schüchternen, aber gewissenhaften Hotelangestellten und einem charismatischen Multimillionär griechischer Herkunft mit adligem Blut erinnert an das Grundrezept eines Schnulzenromans, könnte auf den ersten Blick aber auch das Potential für eine interessante Geschichte bereithalten. Die Adonis-Statur unseres gottgleichen Protagonisten aus dem sonnigen Griechenland spricht zumindest schon einmal das Auge an. Vom Erzählstil bin ich jedoch weniger erfreut. Mio Tennohji überstürzt die Geschehnisse und plätschert über die gerade einmal angekratzten Probleme hinweg. Die zwei Hauptcharaktere Harry und Chiaki verlieben sich viel zu schnell ineinander, insbesondere wenn man bedenkt, dass Ersterer zuvor nur mit Frauen »verkehrt« hat.

Beim Charakter-Design bleibt Mio Tennohji einem altbekannten Bild treu. In Harry finden wir den genialen Unternehmer wieder, der mit einer hochkarätigen Abstammung überzeugen kann und weiß, was er will. Die Vergangenheit eines Frauenhelden, welcher noch nie im Leben eine wirkliche Bindung eingegangen ist, heftet merklich an seinem groß gewachsenen, gut gebauten Körper. Im Großen und Ganzen ist Harry das gefundene Ziel, um von Amors Pfeil getroffen zu werden. Die azurblauen Augen geben zudem den Anstoß zum Titel. Das Objekt der Begierde rekelt sich bereits auf dem Cover über Harry und präsentiert in der Haltung das Gebärden in der Handlung: willig, aber schüchtern. Ein schmaler Körperbau und eine Brille verdeutlichen die unterwürfige Rolle. Das Hauptpaar schafft es zudem auf die enthaltene Farbillustration. Zusammen mit der Abbildung auf der Rückseite beweist die Zeichnerin, dass sie zu ansprechenden Kolorationen fähig ist.

Eine storytechnisch merklich andere Richtung schlägt Mio Tennohji in der Geschichte von Carl und Morris ein. Diese erstreckt sich gerade einmal über ein Kapitel, nämlich Sag mir, dass du mich liebst!. Dennoch präsentiert sie eine tiefer greifende und anspruchsvollere Handlung als ihr Vorgänger. Die Emotionen der Protagonisten wirken klarer und treten dank eines traurigen Untertons im Geschehen stärker hervor. Carl stellt den typischen Charakter dar, der an seinen Beruf gefesselt ist und diesem höchste Priorität zuordnet, auch wenn er insgeheim sehr romantische Gefühle hegt, die er sich nicht getraut, in vollen Zügen auszuleben. Nach außen hin ein verschlossener Charakter ähnelt Carl im Inneren Chiaki. Analog verfolgt die Mangaka auch bei Morris eine zielstrebige, maskuline Linie.

Mio Tennohji zeichnet in einem Bishonen-Stil, wie er fürs Boys-Love-Genre beliebt ist unter den Künstlern. Der Wiedererkennungswert bleibt eher gering. Bei Harry und Morris, in der »Seme«-Kategorie der Figuren, laden die Schultern breit aus. Die Hände sind proportional oft zu groß geraten, während die Finger in der Länge an Spinnenbeine erinnern. Leser finden in beiden Geschichten explizite Sexszenen vor. Auf nackte Haut darf man sich also einrichten. Außerhalb der Privatgemächer sitzt der Anzug perfekt. Hintergründe sind in Maßen vorhanden, wobei die Konzentration auf schicke Einrichtungen fixiert ist, wie es sich für ein Luxushotel gehört. Gut gesetzte Rasterfolie verleiht den Seiten mehr Fülle und Lebhaftigkeit.

Egoistic Blue hat mich unterm Strich enttäuscht. Die Hauptgeschichte fegt alle Probleme weg, kaum dass diese angedeutet wurden. Mio Tennohji macht es sich hier sehr einfach, ihre Protagonisten ins Bett zu befördern. Dementsprechend flach wirkt die Handlung. Das Grundsetting mit dem reichen Adligen aus Griechenland und der schicksalshaften Begegnung mit dem Hotelangestellten hätte für mehr herhalten können. Einziger wirklicher Lichtblick ist die Nebengeschichte, die mit dramatisch anrührenden Ereignissen aufwartet, aber letztendlich auch nur ein Kapitel ausmacht. Wem es nur um einen schönen Zeichenstil im Bishonen-Look geht, kann zwar zu dem Einzelband greifen, aber wer Wert auf eine gute Story legt, sollte lieber die Finger von Egoistic Blue lassen.

Wir bedanken uns bei EMA für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Blue Exorcist.

Details

Titel: Egoistic Blue
Originaltitel: エゴイスティック・ブルー (Egoistic Blue)
Mangaka: Mio Tennohji
Erscheinungsjahr: 2012 (JP), 2014 (DE)
Verlag: Libre (JP), EMA (DE)
Genre: Boys Love
Altersempfehlung: kA
Preis: 7,50 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3770481593&chan=animey&asin=3770481593]

Egoistic Blue © 2012 Mio Tennohji, Libre Publishing co., ltd. Tokyo
© 2014 Egmont Verlagsgesellschaften mbH