»IAKES« – Manga-Test

Zur Leipziger Buchmesse 2014 gab es vom Comic-Culture-Verlag zwei neue Bände. Neben einem weiteren Teil von Katharina Kirschs Vampir-Manga Nachtläufer ging mit Miriam Esdohrs IAKES auch ein komplett neuer Titel an den Start, der in einem Volume bereits abgeschlossen ist. Der Mystery-Thriller taucht tief ins Reich der Toten ein. Zeichnerisch vermischt das Werk gekonnt Comic- und Manga-Elemente miteinander. Wir werfen für euch nicht nur einen genaueren Blick in den Einzelband, sondern haben mit Miriam Esdohr auch ein interessantes Interview geführt. Eine Leseprobe zum ersten Kapitel findet ihr auf Animexx.

Seit dem Tod seiner Partnerin Nang Alani steht das Leben des Profilers Rik Wigand am Rande des Abgrunds. Ohne Begeisterung sowie voller Schuldgefühle bestreitet er seinen Alltag als Dozent an der Universität, trinkt Alkohol und hegt private Beziehungen zu seinen Studentinnen. Das ändert sich alles schlagartig, als ihn eines Tages die tote Nang als Geist aufsucht und seine Hilfe benötigt. Im Totenreich »Iakes« geht nämlich ein Mörder herum. Wer stirbt, kommt in diese Welt, welche Ähnlichkeiten zum Diesseits aufweist. Auch in dieser Existenz können Menschen dahinscheiden. Nach diesem zweiten Niedergang lösen sich die Betroffenen jedoch im Nichts auf, ohne eine Chance auf Wiedergeburt zu haben.

An Rik liegt es nun, mit seinen übernatürlichen Fähigkeiten dem Täter auf die Schliche zu kommen. Der Profiler zieht als erster Lebender in die Totenwelt und beteiligt sich trotz dichter Luft mit Tönje von der Spurensicherung an den Untersuchungen. Zudem gibt es da etwas, das Rik Nang unbedingt sagen muss.

Auf der Leipziger Buchmesse gab es heuer sehr viele Manga-Beiträge von deutschen Zeichnern. Ohne genaue Zahlen zu kennen, möchte ich schon fast behaupten, dass die Anzahl an Werken auf der Veranstaltung einen neuen Rekord aufgestellt hat. IAKES gehört zu den wenigen Titeln, die unter einem Verlag herausgebracht wurden. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, verschmilzt das Werk Comic- und Manga-Elemente. Miriam Esdohr besitzt einen sehr realistischen Stil. Was besonders bei ihren Zeichnungen auffällt, sind die kontraststarken Schattierungen, welche der Handlung eine mulmige, gefährliche Aura verleihen, aber auch eine Distanz zum Betrachter aufstellen. Etwas sparsamer geht sie dagegen mit den Hintergründen um, die gerne auch mal komplett fehlen können. Kaum etwas auszusetzen gibt es dagegen auf der emotionalen Ebene. Die Empfindungen der Charaktere werden überzeugend, teilweise etwas überspitzt, in deren Mimik und Gestik widergespiegelt.

Da IAKES ein Einzelband ist, verwundert es wenig, dass die Anzahl an Charakteren sehr übersichtlich bleibt. Die Personen sind individuell gestaltet und besitzen alle ihre Vorzüge wie auch kleine Fehler. Im Mittelpunkt steht natürlich Protagonist Rik Wigand, der ein sehr eigenwilliges Design präsentiert. Der pummlige Profiler gewinnt anfangs mit seiner negativen Einstellung keine Sympathien. Das ändert sich jedoch im Laufe der Handlung, in der Rik andere Aspekte seines facettenreichen Charakters präsentiert wie auch eine Vorliebe für Blumenmuster. Etwas schade ist, dass seine besonderen Fähigkeiten keine genauere Erklärung erhalten. Der Leser kann daher teilweise nur raten, wie weit diese Kräfte über das Sehen von Geistern hinausreichen. Während Rik als sehr temperamentvolle Figur erscheint, der mit seinen Gedanken nicht hinterm Zaun hält, tritt Nang Alani kühl und kontrolliert auf. Mit zurückgebundenen Haaren und einem schlicht geschnittenen Anzug präsentiert die junge Frau ein eher burschikoses Aussehen. Obwohl sie tot ist, geht Nang in Iakes ihrem alten Beruf wie auch ihre Kollegen hochprofessionell nach.

Der Mordfall an sich wirft keine neuen Höhepunkte für die Kriminalgeschichten dieser Welt auf. IAKES lebt hauptsächlich von der Totenwelt und Riks besonderer Gabe. Auch wenn das Jenseits an die Realität erinnert, kommen einem doch so manche Fragen auf, die im Werk nicht beantwortet werden. Ein paar davon haben wir Miriam Esdohr im Interview gestellt. Neben der Jagd nach dem Täter sind auch Liebe und Eifersucht mit im Spiel, ohne die eigentliche Handlung zu sehr in den Hintergrund zu rücken. Im Band befinden sich vier Farbseiten und Concept Art.

IAKES ist Miriam Esdohrs erstes Werk, welches beim Comic-Culture-Verlag herauskam. Mit ihrem realistischen Zeichenstil, der durchaus ins Comichafte geht, mag der Titel nicht jedem Manga-Fan optisch zusagen. Gelesen wird in westlicher Richtung. Stattdessen stellt das Werk ein Verbindungsstück zwischen dem Comic- sowie Mangabereich dar und beweist, dass die Grenze zwischen den Begriffen nicht so klar erkennbar ist, wie mancher denken mag. Der aktiv gezeigte Gewaltanteil bleibt gering, dennoch würde ich den Einzelband eher an Erwachsene empfehlen, da die wichtigsten Figuren selbst alle älter sind. Das Totenreich und Riks übernatürliche Kräfte stellen gleichzeitig die Stärken als auch die Schwächen von IAKES dar. Die Story ist solide ausgeführt, mangelt aber bis auf dem Schluss an wirklich spannenden und mitreißenden Momenten. Wenig auszusetzen gibt es dagegen beim Charakterdesign. Protagonist Rik Wigand mag nicht dem typischen Helden entsprechen sowie Nang keiner perfekten Schönheit, deren Herz es zu gewinnen gilt, aber gerade diese Abstriche hauchen den Figuren Leben ein und bringen sie dem Leser näher.

Wir bedanken uns beim Comic-Culture-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu IAKES.

Details

Titel: IAKES
Mangaka: Miriam Esdohr
Erscheinungsjahr: 2014
Verlag: Comic-Culture-Verlag
Genre: Mystery, Thriller, Supernatural, Krimi
Preis: 7,90 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3941886185&chan=animey&asin=3941886185]

IAKES © by Comic-Culture-Verlag/Miriam Esdohr • Berlin 2014

3 KOMMENTARE

  1. Ich kann Meermaid und Hildegard nur zustimmen. Ich konnte das Buch auch nicht aus der Hand legen und war nach dem lesen auch noch lange von dieser Geschichte gefesselt.
    Die einzelnen Charaktere sind so dargestellt, dass man sie in kürze lieb gewinnt.
    Ich hoffe, dass die Geschichte vielleicht nocheinmal weitergeführt wird oder vielleicht eine Geschichte kommt, die vor Nangs tot spielt. Ich finde auch nicht, das diese Geschichte nur etwas für erwachsene ist. Nicht jeder möchte immer nur die alten liebes und schulgeschichten lesen, die sich alle irgendwie gleichen. Selbst ich hab vielle dieser Geschichten gelesen und bin begeistert mal etwas neues entdeckt zu haben.
    Ich denke auch, dass die wahrnehmung zu den Hintergründen, wie es hier heißt: “Etwas sparsamer geht sie dagegen mit den Hintergründen um, die gerne auch mal komplett fehlen können. ” ist ansichtssache. Ich fand es angemessen und habe viele schöne Hintergründe gefunden. Aufjedenfall empfehle ich Iakes weiter und werd es selbst sicherlich auch immer wieder mal zur Hand nehmen und werde wohl auch immer wieder neue dinge in bestimmte Stellen hineininterpretieren.
    Auch ich möchte mich an die wünsche der anderen anschließen und wünsche Frau Esdohr noch viel Erfolg.

  2. Ich kann der Rezension in vielem zustimmen. Allerdings, was den Spannungsbogen angeht, der hier von der Rezensentin als zu schwach empfunden wird, muss ich entschieden widersprechen. Als ich das Buch ENDLICH im Buchladen abholen konnte, der Verlag ließ sich Zeit, jetzt ist es gleich abrufbar, habe heute noch zwei Bände bestellt zum Verschenken, habe ich es in einem Rutsch durchgelesen, weil ich wissen wollte wie es endet. Die Geschichte lebt und erhält ihre Spannung, das ist wahr, hauptsächlich aus dem Agieren der Charaktere untereinander, auch das Aufdecken der Identität des rätselhaften Mörders hält in Atem. Mir gefällt besonders, was hier auch gewürdigt wurde, dass die Figuren so detailliert ausgearbeitet sind und einem sehr nahegebracht werden.
    Stimmig ist auch das Gesamtbild, die Kontraste in den Einzelbilder zwingen zum Hinsehen, künstlerisch gesehen ein klassisches Mittel in der Kunst, ob in der bildenden oder musischen. Das Ende lässt noch vieles offen, so kann man auf ein neues HOFFEN!
    Ich wünsche der jungen Künstlerin ganz viel Erfolg, den sie verdient, diese kunstvoll gestaltete Buch sollte Furore machen.

  3. Ich bin Fan der 1. Stunde von den tollen Zeichnungen und Charakteren des Buches “IAKES”. Die Geschickte hat mich faziniert, da ich eine solche vorher weder bei einem Buch oder einem Film gesehen habe! Sehr gut erzählt, ein fast normales Leben nach dem Tod! Ich wünsche mir mehr davon. Das Buch ist es Wert von vielen gelesen zu werden! DANKE an Miriam Esdohr

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