»Toriko« Band 15 – Manga-Test

Wir wollen eine kurze Schweigeminute einlegen und dem Gourmet-Gott danken. Nach der ersten Erwähnung im zweiten Band sowie unzähligen erzählerischen Sticheleien im Verlauf der Handlung hat sich Mangaka Mitsutoshi Shimabukuro im vorherigen Teil dazu entschieden, die leicht sadistische Spielerei zu beenden und seine Fans zu erlösen. Mit Zebra ist endlich der letzte von den vier Königen unter den Delikatessenjägern in Toriko vorgestellt. Als Entschädigung für das lange Warten gibt es nun sogar eine komplette Mission mit dem kriminellen Vielfraß. Für wen die 60 Sekunden mittlerweile um sind, der darf nun weiterlesen und erfahren, was der 15. Band bereithält.

Komatsu hätte sich vor der Begegnung mit Toriko wohl nie vorstellen können, eines Tages ins Gefängnis gehen zu müssen und dann auch noch ins »Honey Prison«. Das wie ein riesiger Bienenstock geformte Gebäude beherbergt Schwerverbrecher der schlimmsten Sorte. Einen besonders gefährlichen Sonderfall bildet dabei ein alter Bekannter des blauhaarigen Delikatessenjägers: Zebra. Unter den vier Königen ist er der Stärkste, was Kampf- und Zerstörungskraft betrifft. Umso mehr benötigt Toriko Zebra für die Jagd nach der »Mellow Cola«, welche in der Gourmet-Pyramide verborgen sein soll.

Der Delinquent wird tatsächlich aus dem Honey Prison entlassen, doch Komatsu hegt große Zweifel gegenüber dem neuen Reisekameraden, speziell als er den Grund für dessen Inhaftierung erfährt. Mehr als zwei Dutzend Tierarten wurden von ihm ausgerottet – ein Verbrechen, das im Gourmet-Zeitalter schwer wiegt und den kleinen Koch schlucken lässt. Doch selbst Komatsu muss lernen, dass der erste Eindruck oft trügt.

Zebra ist in diesem Band der Mann der Stunde. Auf dem Cover sieht man den streitsüchtigen Delikatessenjäger von seiner Schokoladenseite, denn die aufgerissene linke Wange ist ohne Frage sein auffälligstes Merkmal und legt einem den Ratschlag nahe, einen angemessenen Sicherheitsabstand zum Koloss einzuhalten. Am Ende des Volumes findet ihr ein Profil von Zebra, aber allein vom Hinsehen erkennt der Betrachter schon, dass er selbst den groß gewachsenen Toriko bei Weitem überragt. Fans wissen über Mitsutoshi Shimabukuros Vorliebe, fürs Charakter-Design muskulöse Staturen herzunehmen. Zebras Körperbau beweist, dass der Mangaka auf dem Gebiet bisher sogar noch sehr viel Luft nach oben freihatte, und kann selbst Marvels Hulk Konkurrenz machen. Die mit Narben übersäte Haut zeugt von Zebras Leidenschaft für den Kampf. Alles in allem besitzt er ein sehr einschüchterndes Äußeres. Der Vergleich mit einer wilden Bestie drängt sich einem sofort auf.

Angst ist durchaus berechtigt, denn als einer der vier Könige sind die Muskeln nicht nur reine Show. Wir erinnern uns, dass Toriko einen ausgeprägten Riecher besitzt, Cocos Augen die durchschnittliche Sehkraft meilenweit übersteigt und Sunnys Haare seinen Tastsinn auf einen vollkommen anderen Level schleudern. Eins und eins zusammengezählt, leuchtet es schnell ein, dass sich Feinde vor Zebras Gehör in Acht nehmen sollten – sowie vor seiner Stimme. Damit führt er nämlich bei Bedarf ein paar beeindruckende Techniken aus, die sich auf der Mission als nützlich erweisen.

Doch Zebra ist nicht das einzige Highlight in diesem Band. Nach dem etwas ruhigeren Handlungsbogen um die Messerschleifer Melk der ersten und zweiten Generation startet der neue Abschnitt mit dem Honey Prison auf einem intensiveren Niveau, denn wie so oft in Toriko drängt es Mitsutoshi Shimabukuro, die Vorstellungskraft seiner Leser zu sprengen. Dabei neigt der Mangaka dazu, ins Extreme abzudriften und dennoch verspielt zu wirken. Auch wenn das Honey Prison nur in drei bis vier Kapiteln als Handlungsort fungiert, steckt der Zeichner eine immense Anzahl an Details hinein. Es werden die verschiedenen Ebenen erklärt sowie das umliegende, lebensgefährliche Territorium. Nahtlos fügen sich die frisch vorgestellten Charaktere in das Umfeld ein. Das Design der Wärter lässt augenblicklich erkennen, dass Gefangene im Honey Prison kein Paradies erleben, sondern tatsächlich sehr grausamen Methoden unterzogen werden, die einem zum Innehalten und Nachdenken anregen. Nebenbei erwähnt darf man sich über einen Neuzugang in der Riege der weiblichen Toriko-Figuren freuen, die bisher mit Rin, Setsuno und Melk II sehr dünn besiedelt ist.

Mitsutoshi Shimabukuro hat definitiv einen guten Kreativlauf in diesem Arc. Das Gefängnis stellt letztendlich nur eine kurze Zwischenstation dar, während das eigentliche Ziel die bereits genannte Gourmet-Pyramide ist. Der Name suggeriert zweifellos, dass es für unser Helden-Duo und Zebra in eine Wüstengegend geht. Dies steht im krassen Gegensatz zum letzten großen Handlungsbogen, die Eishölle, und verdeutlicht an mehr als einer Stelle, dass Zebras Fähigkeiten dringend von Nöten sind, um voranzukommen. Ein paar neue Lebewesen dürfen in Toriko klarerweise nicht fehlen. Hier versorgt der Mangaka seine Leser dieses Mal in Hülle und Fülle. Besonders gigantische Kreaturen haben es Shimabukuro im aktuellen Abschnitt angetan.

Zusätzlichen Lesestoff gibt es wie sonst auch immer mit Verzeichnis der Tiere und Lebensmittel. Die Folgen 145 (Seelöwen-Vogel) bis 154 (Broccoli-Baum) präsentieren Schmankerl aus dem Gemüsehimmel. Bis die Kreaturen aus der jetzigen Mission genauer beleuchtet werden, heißt es also, noch etwas Geduld aufzubringen. Auf der Rückseite ist dagegen eine Flasche »Kristall-Cola« abgebildet. Offensichtlich hat ein bestimmter Manga-Zeichner eine Schwäche für den süßen, bräunlichen Softdrink, nur dass in Toriko das beliebte Getränk auf eine weitaus natürlichere Weise entsteht.

Nachdem die letzten Kapitel eher ruhig verliefen, tritt Mitsutoshi Shimabukuro im 15. Band wieder mächtig aufs Gaspedal und dreht am Spannungsregler. Für Fans gilt, die Augen offenzuhalten, um alle Details mitzubekommen, die sich auf den Seiten verstecken. Allen voran möchte man natürlich Zebra analysieren, der als einer der vier Könige einen wichtigen Stellenwert in der Gourmet-Welt und somit auch in der Story einnimmt. Jeder Shonen-Titel benötigt diesen typischen Badass-Charakter, der ein dunkles, bedrohliches Image verkörpert, aber dennoch mit den guten Kerlen abhängt. Toriko hat diesen Faktor mit Zebra gefunden. Mir verbleibt an dieser Stelle nur noch zu sagen, dass ich mich tierisch auf den nächsten Band freue, welcher am 4. September herauskommt, denn »Mellow Cola« verspricht, einer der besten Handlungsabschnitte bisher zu werden.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Toriko, Band 15.

Details

Titel: Toriko, Band 15
Originaltitel: トリコ (Toriko), Vol. 15
Mangaka: Mitsutoshi Shimabukuro
Erscheinungsjahr: 4.7.2011 (JP), 3.7.2014 (DE)
Verlag: Shueisha (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Action, Abenteuer, Shonen, Comedy, Fantasy
Altersempfehlung: ab 10 Jahre
Preis: 6,50 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 2889213145&chan=animey&asin=2889213145]

TORIKO © 2008 by Mitsutoshi Shimabukuro/SHUEISHA
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