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Blicke hinter die glitzernden Kulissen der japanischen Idolindustrie

Sie singen, schauspielern, modeln, sind Werbeikonen oder im Synchrongeschäft – manchmal machen sie auch alle genannten Dinge: japanische Idols. Hinter der süßen und unschuldigen Fassade dieser lebendigen, blumigen Idolindustrie in Japan schaut es allerdings nicht ganz so rosig aus.

Was sind Idols (アイドル, aidoru)

Im westlichen Raum versteht man unter diesem Begriff „Stars“, während in Japan vorwiegend junge Mädchen damit gemeint sind, die man als „kawaii“ (hübsch, niedlich) betrachtet, die dem zufolge auf ihr Äußeres reduziert werden und damit in den Massenmedien erfolgreich sind. Besonders das weibliche Idol wird als Repräsentant für das Idealbild einer japanischen Frau und als Sinnbild für die konservativen moralischen Werte der japanischen Kultur vermarktet. Nicht zu verwechseln ist dies mit Gravure Idols, die mit Erotischem assoziiert werden.

In Japan bezeichnet man vereinzelt auch männliche Personen als Idol, wenngleich der Begriff hier in den meisten Fällen jene Bedeutung widerspiegelt, wie man sie auch im westlichen Raum kennt – z. B. mega erfolgreiche Männer, wie die Mitglieder der ehemaligen Boygroup SMAP.

Die Karriere beginnt oftmals im jungen Alter.

Die Idol-Branche ist für junge Mädchen verlockend. So bieten Institutionen Schulungen oder Trainings an, die kleine Kinder – gar erst im Grundschulalter – für das Showbusiness vorbereiten. Um die Talente ihrer Kinder zu fördern, greifen Eltern oftmals tief in die Tasche. Ob es im Endeffekt erfolgversprechend ist, kann keiner garantieren. Und ob dieses Vorgehen allgemein für junge Kinder förderlich ist, sei an dieser Stelle ebenso fragwürdig.

Momoiro Clover Z (Japan Expo 2013)
By Dj ph from Paris, France (Japan Expo 13 by Dj ph -113) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

Die harte Realität beginnt mit dem Eintritt ins Idol-Business.

Wer den Sprung schafft, den erwartet harte Arbeit und noch mehr Disziplin. Japan ist allgemein betrachtet ein konservatives, aber auch diszipliniertes Land. Genau dies verlangt das Idolgeschäft den Idols ab. Wie bereits erwähnt, repräsentieren die Mädchen das Idealbild einer japanischen Frau und sind das Sinnbild für die heimische Kultur. Agenturen oder Plattenfirmen warten daher mit strengen Regeln in ihren Verträgen auf. Jede noch so kleine „Jugendsünde“, die in die Öffentlichkeit gerät, mag der Karriere des Mädchens oder der Jugendlichen zum Verhängnis werden. Ein krasses Beispiel, das auch die Weltpresse beschäftigte, ist jenes von Minami Minegishi, die man dabei erwischte, wie sie die Nacht bei ihrem Freund verbrachte. Um sich für den Regelbruch zu entschuldigen, rasierte sich Minegishi die Haare ab, rechtfertigte sich weinend vor der Kamera für ihre „Schandtat“ und bettelte um ihren Verbleib in der Idolgruppe AKB48.

Sex sells – Ein Business hart an der Grenze

Selbstverständlich unterscheidet man zwischen Gravure Idols und Idols. Jetzt kommt jedoch das große ABER: Kontrovers mag es für den westlichen Betrachter werden, wenn man jugendliche Mädchen in niedlichen und teils knappen Kostümen auf der Bühne tanzen sieht. Dies zumeist vor erwachsenen Männern, die die Mädchen begeistert anfeuern. Ohne Witz: Mittlerweile veranstalten einige Idolgruppen „Girls Only“-Events, da sich weibliche Fans ungerne ins männliche Getümmel begeben. Noch schlimmer ist das sexistisch angehauchte Posieren auf Fotos, wie man sie aus Photobooks kennt, welche von den jungen Idols auf den japanischen Markt kommen.

Kawaii-sein zählt – der öffentliche Druck wird enorm.

Je schöner und niedlicher du bist, umso erfolgreicher wirst du vermarktet. Nun stelle man sich vor: Als pubertierendes Mädchen entwickelt sich der Körper manchmal auch etwas ungünstig bzw. es entspricht nicht dem japanischen Idealbild. Was passiert? Das Mädchen gerät unter öffentlichen Druck, ihr Aussehen zum Positiven zu verändern. Denn mal ehrlich, wer möchte mit solchen Aussagen konfrontiert werden: „Du bist fett!“ oder „Trinke mehr Milch, damit deine Boobies wachsen!“. Man mag nicht darüber nachdenken, wie sich pubertierende Mädchen fühlen müssen, die derartige Dinge hören oder lesen.

Und alle Idols haben sich furchtbar lieb …

Idol-Gruppen werden in den meisten Fällen durch Castings aus den unterschiedlichsten Charaktertypen zusammengewürfelt. All diese Mädchen stehen direkt in der Konkurrenz. Wer übernimmt in der Gruppe die Führung? Wer spricht in den Medien und ist das Vorzeige-Gesicht? So heiter und schön das Miteinander der Mädchen vor der Kamera oder auf Fotos aussieht, so rosig kann es angesichts der Tatsachen normalerweise nicht sein. Nur in den seltensten Fällen treten jedoch interne Konflikte an die Öffentlichkeit.

°C-ute (Japan Expo 2014)
By Serwan Melk (Berryz Kobo x °C-ute) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Das japanische Idol-Business ist schnelllebig.

Da wird ein japanisches Idol nach dem anderen aus dem Boden gestampft. Binnen zwei Jahren interessiert sich aber niemand mehr dafür. Diese Schnelllebigkeit sorgt natürlich nicht nur für „Abwechslung“ bei den Idol-Fans. Sie baut beruflichen Druck auf und der Konkurrenzkampf ist, wie bereits erwähnt, untereinander enorm.

Das mag selbstverständlich bis zu einem gewissen Punkt förderlich sein, da man stets versucht, sein Bestes zu geben. Auf der anderen Seite mag es äußerst deprimierend sein, trotz Eifer und des hineingesteckten Geldes zur Finanzierung dieser Karriere kläglich zu scheitern. Man bedenke: In Japan spezialisieren sich Agenturen auf bestimmte berufliche Perspektiven. Wer beispielsweise vorhat, gleichzeitig Seiyu, Sängerin und Model zu sein, den betreuen im schlimmsten Fall drei Agenturen, die einen stets zur Kasse bitten.

Letztendlich kann man sagen: Ein Idol in Japan zu sein ist mit einem enormen Druck verbunden. Dieser wird von der strengen sowie geordneten japanischen Gesellschaft, aber auch von dem schnelllebigen Business ausgeübt. Manch einer zerbricht am Ende daran bzw. gibt auf. Wer irgendwo mit dem Strom dieses Geschäftes sowie dem medialen Umfeld schwimmt und knallhart dranbleibt, der mag am Ende belohnt werden. Wenngleich dieser Markt umkämpft ist, weil es eben sehr viel Konkurrenz gibt. Idols leben mit dem ständigen Druck, ersetzbar zu sein. Meist ist die Karriere auch nur von kurzer Dauer bzw. findet im Erwachsenenalter (20+) ein Ende.

Im Laufe der letzten zehn Jahre entwickelt sich diese Branche übrigens zu rasant und bietet selbst im musikalischen Sinne kaum noch Reizvolles. Viele Lieder klingen eben doch sehr stereotypisch und synthetisch. Man kann hier schon gar nicht mehr von irgendwelchen „Stars“ reden, die die japanische Musikgeschichte prägen und auch noch in 20 Jahren in den Köpfen der Leute schwirren. Hier stehen individuelle Persönlichkeiten kurzzeitig im Rampenlicht oder es werden Gruppierungen als Kurzprojekt aus dem Boden gestampft, die Just for the Moment einen bestimmten Unterhaltungszweck erfüllen sollen.

Was haltet ihr von japanischen Idols/Idolgruppen? Teilt uns gerne eure Meinungen mit.

Rolling Sushi - der Japan-Podcast von Sumikai

Rolling Sushi - Japan für die Ohren

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2 Kommentare

  1. Ich assoziiere Idols vor allen Dingen mit der Ausbeutung der Musikindustrie. Hier werden Menschen bis an den Rand der körperlichen Belastbarkeit getrieben (BTS ist da das erste was mir einfällt, wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass sich da Korea und Japan im Business so sehr unterscheiden), nur um den maximalen Profit zu generieren.
    Sorry. Ich fand das Konzept „Idols“ von künstlerisch-kreativer Seite sehr interessant, dass es eben nicht nur um die Sängerinnen geht, sondern wie bei AKB48 auch Sub-Projects gegründet wurden, wo die Sängerinnen in wechselnder Besetzung auch Instrumente spielen. Aber der ganze Business-Aspekt kotzt mich einfach nur an….

  2. Was hier bei uns mit DSDS ist, ist in Japan mit den Idols, nur eben auf eine andere Art & Weise, wie?

    Genau deswegen bin ich auch kein Fan von Idols. Weil sie sich selbst zu Sklaven machen. Klar, alle kleinen Mädchen in Japan wollen Idols werden, weil sie allesamt kein Bock auf die Schule haben und dieser hohen Lernkurve nicht standhalten können bzw. wollen. Ist da nur offensichtlich, dass sie sich den einfacheren Weg wählen und denken, als Idol groß rauszukommen. Aber kann denn keiner die Mädchen darüber informieren, dass dieses Geschäft eher zweifelhaft ist? Was sagen deren Eltern dazu? Ach, stimmt ja, die Eltern haben ja auch keine Lust, deren Kindern was zu erklären, aber Hauptsache, die machen irgendwas und bringen Geld nach Hause.
    Und genau das bekräftigt mich immer wieder zu meiner Aussage, dass es diesen ganzen Hardcore-Otakus doch gar nicht um die Musik geht. Die haben doch nicht mal eine Lieblings-Musikrichtung, die sind nur geil auf ihre „Waifus“, die sie sogar als ihr Eigentum ansehen und gleich 30 CDs ihrer Lieblings-Idols kaufen, nur damit die anderen nichts abkriegen. Das hat mit Fan-dasein nichts mehr am Hut, das ist einfach nur krankhaft. Dass die Idol-Industrie noch davon profitieren kann, ist ein echtes Wunder, wenn man bedenkt, dass es Idols wie Sand am Meer gibt, aber die Zielgruppe im Vergleich eher klein ist. Verstehe einer, wer will….

    Genau deswegen schießen so Idol-Animes wie „Idolm@ster“ auch ziemlich an der Realität vorbei. Im Anime wurde alles sooooooooo geschönt, aber die Wahrheit ist eine andere. Da würde ich eher den Anime „Wake up Girls“ empfehlen, weil es schon näher an der Realität dran ist.
    Nee, wirklich, die jungen Dinger von heute wissen einfach nicht, worauf sie sich da einlassen. Auf die Schule kein Bock, weil ihnen die Lernerei zu blöd ist, aber als Idol werden sie doch auch zu Verliererinnen. Richtig schlimm ist ja, dass es nie Aufklärung gibt, sondern immer alles unter’m Teppich gekehrt wird. Furchtbare Industrie.

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