Musik-Special: Punk in Japan – 1970 bis 1989 (Teil 1)

Bereits in den 1970er Jahren fand Punkrock in Japan ein breites Publikum. Seitdem ist Punk, genauso wie Manga und Anime, ein grundlegendes und wichtiges Element der japanischen Jugendkultur.

Dieser Artikel soll euch einen kleinen Einblick in die Entstehungsgeschichte von Punk in Japan geben und die ein oder andere Band hervorheben. Auslöser für eine entstehende Punkbewegung waren wie auch in anderen Ländern (bspw. Deutschland oder Amerika) Wut und Frust über die soziale Situation. Punk war und ist für viele Jugendliche eine Möglichkeit, aus den vorherrschenden sozialen Strukturen auszubrechen und ihrer Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen.

Gauze
© ADK Records, © XXX Records

Auch das äußerliche Erscheinungsbild der Punkszene hatte hierbei eine große Bedeutung für die japanische Jugend. Beeinflusst wurde und wird sie auch heute noch vom Stil einiger frühen Bands wie zum Beispiel den Sex Pistols, Ramones und Discharge. Das reicht von Röhrenjeans und Lederjacke bis hin zu nietenbesetzten Westen und bunten Irokesen.

Langeweile gegenüber der damaligen Musik war zudem ein weiterer Auslöser. Die einfachen und dennoch harten Töne von Punkrock boten die perfekte Hintergrundkulisse, um seine Gedanken in Texte zu fassen und in die Welt hinauszuschreien.

Die 70er Jahre

Punk in japan
© The Star Club

Durch das Aufkommen von Punk in Großbritannien und den USA aus der Mitte der 1970er Jahre wurde auch die bestehende Rock-Szene in Japan revolutioniert. Zum einen erhielt sie durch die Gründung verschiedener Punk und New Wave-Bands wie The Star Club oder Friction (auch wenn sich diese selbst nicht als Punkband definierten) einen Aufschwung, zum anderen entstanden dadurch auch viele neue Labels.

Andere Bands die sich zu dieser Zeit gründeten waren unter anderem Totsuzen Danball, Gunjogacrayon, Non Band und Matatoshi Tsunematsu. Was diese Bands gemeinsam hatten war auch, dass sich die Mitglieder alle noch im Teenageralter oder in ihren frühen 20ern befanden. Zudem wurden sie so schnell sie sich gründeten auch wieder aufgelöst.

Die 80er Jahre

Die japanische Punkszene in den 80er Jahren war verhältnismäßig klein und lokal beschränkt. Das Musikmagazin „Doll“ (1980 – 2009) war diesbezüglich die einzige Informationsquelle.

In dieser Zeit wurden auch die Texte der Bands immer politischer und kritischer und das Auftreten auf der Bühne provokanter. Außerdem wurde auch der Sound härter, aggressiver und schneller. Die Band Anarchy verspottete beispielsweise in ihren Texten die japanische Kaiserfamilie, was zu Protesten der rechten Bewegung gegenüber ihrem Label führte. Andere Bands provozierten auf der Bühne, indem sie nackt Auftraten oder sogar Eingeweide von Tieren in das Publikum warfen.

Zum Ende des Jahrzehnts erlebte die Szene einen neuen Boom und es gründeten sich unzählige neue Bands, welche Punkrock mit verschiedenen Stilen kombinierten. The 5.6.7.8’s kombinierten Punk, Psychobilly, 60-Trash und Rock´n´Roll und waren damals auch eine der erste Bands, welche ausschließlich aus weiblichen Mitgliedern bestand. Internationale Bekanntheit erlangten sie erst Jahre später, nach ihrem Gastauftritt in Quentin Tarantino´s Kill Bill.

Bands wie Kenzi and the Trips, Pogo oder Neurotica verbanden den aggressiven Musikstil von Punkrock mit poppigen Melodien und zum Großteil unschuldigen sowie lustigen Texten, welcher bei uns als Funpunk bekannt ist. Mit diesem Stil wurden auch Leute erreicht, die mit Punkrock zuvor nichts anfangen konnten. Die bekannteste Band waren The Blue Hearts, welche die „Funpunkszene“ zu dieser Zeit dominierten.

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