Musik-Special: Wie viel Musik verbirgt sich in deutschen Manga? (Teil 2)

Im zweiten Teil unseres Musik-Specials werfe ich einen Blick in die Fülle an deutschen Selbstpublikationen im Manga-Bereich in Bezug auf ihren musikalischen Inhalt.

In Teil 1 dieses Artikels habe ich nur Manga-Eigenproduktionen von Verlagen aufgezählt. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch selbst publizierte Print-Werke zum Thema Musik gibt. Während die dort vorgestellten Titel im Zeitraum 2003 bis 2014 herauskamen, sind alle folgenden Werke frühestens 2014 erschienen.

Ein Klavierspiel, das verbindet
© 2014 Salamandra, Holzesserin

Den Anfang machen gleich zwei Werke zur DoKomi 2014 (7. bis 8. Juni). Die beiden Zeichnerinnen Salamandra (Sophie Schönhammer) und HolzEsserin (Anna Backhausen), momentan vor allem für ihren Boys-Love-Manga Sternensammler bei Tokyopop bekannt, veröffentlichten zur Veranstaltung den 32-seitigen Dojinshi Petrichor – der Geruch des Regens. Das Werk berichtet von Krista und Rei, welche bereits als Nebencharaktere im Boys-Love-Manga One for the Way aufgetaucht sind. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es sich bei Petrichor selbst um keinen Boys-Love-, sondern um einen leicht melancholischen Shojo-Titel zum Thema unerwiderte Liebe handelt.

Mittlerweile ist der Titel komplett auf Animexx lesbar. Dort sieht man auch sofort, warum Petrichor hier aufgezählt wird. So beginnt und endet das Werk mit einem Klavier. Auch wenn Musik eine untergeordnete Rolle einnimmt, ist sie gleichzeitig ein wichtiges Verbindungsstück zwischen den beiden Protagonisten.

Beim zweiten Musik-Manga, der zur DoKomi 2014 erschien, handelt es sich um das englischsprachige The cat that knows Chopin von Fuwishi. Dieses ist ein Booklet im Format 12 cm x 12 cm, was den typischen Maßen von CD-Beilagen entspricht. Bereits hier lässt sich das Musik-Thema erkennen. Auf 24 Seiten präsentiert Fuwishi farbige Illustrationen zu Chopins Etüden und eine kleine Story. Eine Art Leseprobe steht euch auf Tumblr zur Verfügung.

The Cat that Knows Chopin von Fuwishi
© 2014 Fuwishi
Musik und Boys Love vereint
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© 2015 SeductionParade

Zur YaYuCo im November 2015 veröffentlichte die deutsche Manga-Zeichnerin SeductionParade Band 1 ihres Boys-Love-Dojinshi BLACK Cranes, der die ersten sieben Kapitel der Story enthält. Mittlerweile kann dieser komplett auf Animexx gelesen werden, auch in Band 2 kann man bereits einen Blick werfen. BLACK Cranes bildet den Kern von SeductionParades BLACK-Serie – einer Reihe an Geschichten, die miteinander verbunden sind. Dazu gehören auch BLACK Butterfly und BLACK Memories (beide komplett auf Animexx und als Print veröffentlicht).

Die Protagonisten von BLACK Cranes sind Mitglieder einer Band, wobei sich in Band 1 der musikalische Anteil eher zurückhält. Stattdessen wird der Boys-Love-Part verstärkt erforscht. Der Inhalt:

„Eine unscheinbare Wette zwingt Seiji dazu, für sieben Tage bei seinem Bandkollegen Yosuke einzuziehen. Der Sieger nimmt sich fest vor, seinen Triumph in vollen Zügen auszukosten – gleich am ersten Abend fangen die Demütigungen und Sticheleien an, denen Seiji sich aber wider Erwarten nicht widerstandslos ergibt. Getrieben von seinem Wunsch, Macht über Seiji auszuüben, merkt Yosuke nicht, wie die Situation langsam aus den Fugen gerät …“

Outlaw Band 1 Cover Palecoral 134340
© 2016 Palecoral

Mehr Musik gibt es mit Palecorals Outlaw, dessen erster Band Ende Juni 2016 auf der Comic Con Germany erschien. Der Manga spielt im Genre Drama „mit einem Hauch von Boys Love“. Palecoral startete Outlaw ursprünglich 2015 als Webcomic auf Animexx, wo Interessierte die ersten fünf Kapitel komplett lesen können. Neben der aus dem Webcomic bekannten Story gibt es im Dojinshi auch eine elfseitige Print-exklusive Bonusgeschichte.

Klappentext von Outlaw: „Alex hat in seinem Leben alles erreicht.

Als umschwärmter Sänger einer erfolgreichen Rockband scheint ihm die Welt zu Füßen zu liegen. Doch als er wegen einer seiner Eskapaden erneut mit dem Gesetz in Konflikt gerät, scheint es mit dem unbeschwerten Leben vorbei zu sein.

Als ihm nun auch noch seine Plattenfirma ein Ultimatum setzt, kann sich Alex nicht mehr vor einem Gang zum Anwalt drücken.“

BIG BLIND © 2016 SlippedDee

Zuletzt sei noch der Boys-Love-Dojinshi BIG BLIND von SlippedDee erwähnt, welcher zur Leipziger Buchmesse 2016 diesen März herauskam. Der Einzelband mag sich nicht großartig mit Musik beschäftigen, das Universum dahinter jedoch sehr. Dabei reden wir hier nicht von Gesang oder das Spielen eines Instrumentes, sondern von einem anderen wichtigen Teil des musikalischen Bereiches, dem Tanz. Mit BIG BLIND lieferte die österreichische Zeichnerin nämlich einen Spin-off zu ihrem Webmanga Rosa Strumpfhosen und ein Tütü ab.

Vor elf Jahren startete SlippedDee ihr Manga-Universum Rosa Strumpfhosen und ein Tütü auf Animexx. Die drei Kapitel lange, nicht abgeschlossene Boys-Love-Originalstory kann dort immer noch gelesen werden. Im Webmanga beschließt der 10-jährige Haruhiro Ono, Balletttänzer zu werden. Sein sehr auf Maskulinität ausgerichteter Vater findet diesen Plan nicht so toll, zeigt sich vom Ballettlehrer Étienne Lawarée aber gleich doppelt begeistert.

Rosa Strumpfhosen und ein Tütü Highschool Edtion SlippedDee 142117
© 2016 SlippedDee

Am 6. August 2016 startete auf der Online-Plattform Animexx mit Rosa Strumpfhosen und ein Tütü – Highschool Edition der neueste Streich von SlippedDee. Im Mittelpunkt der Handlung stehen die einstigen Nebencharaktere Haruhiro Ono und Dmitri, beide 17 Jahre alt. Kennengelernt haben sie sich bereits im Alter von zehn Jahren in Rosa Strumpfhosen und ein Tütü. Dort haben beide den Ballettunterricht von Étienne Lawarée besucht.

„Haruhiro und Dmitri gehen zusammen zur gleichen Schule und haben seit der Kindheit Ballett trainiert. Während Haru sein Ziel nicht aus den Augen verloren hat, ist Dmitri nicht mehr so begeistert vom Ballett und weiß nicht viel mit sich anzufangen. Seine Gedanken kreisen meist um seinen Kameraden, der dafür irgendwie kaum Verständnis aufbringen kann.“

Eine kleine Empfehlung zum Schluss

Das wäre er also gewesen, der abschließende Teil 2 meiner Liste von Musik-Manga aus der deutschsprachigen Szene. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Doch ich hoffe gezeigt zu haben, wie viel Auswahl es zu einem Thema wie Musik gibt, wenn man sich unter den Eigenproduktionen und Dojinshi umsieht.

Zum Schluss möchte ich eine kleine Empfehlung an diejenigen aussprechen, welche noch mehr Manga zum Thema Musik lesen möchten: Wie wäre es denn mit Ta Moès Webmanga Sirens über eine Sirene, die nicht singen kann? Das 72-seitige abgeschlossene Werk findet man exklusiv online bei uns auf Sumikai.

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