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Nachgefragt: Warum so viel Boys Love unter deutschen Manga?

Warum ist Boys Love unter deutschen Manga so stark vertreten? Diese Frage haben wir in Nachgefragt deutschen Manga-Zeichnern gestellt.

Am 20. Juni findet eine Radio-Diskussion des NSW-LiVE mit Mikiko Ponczeck, Melanie Schober, Kami und Michel Decomain statt, welche sich mit dem Thema „Fehlt es deutschen Dojinshi bzw. Manga an Genrevielfalt?“ befasst.

Das als Anlass nehmend widmet sich die diesmalige Runde der Nachgefragt-Interviews, in welchen wir verschiedene deutsche Manga-Zeichner zu einem bestimmten Schwerpunkt befragen, dem Teilaspekt des Boys-Love-Manga, der unter deutschen Produktionen – speziell Selbstpublikationen – gehäuft vorkommt.

Hier sind die Antworten von fünf Zeichnern – Euleweis, Zombiezeemo, PenguArts, Mullana und EtsuChan – zum Thema “Warum ist Boys Love unter deutschen Manga so stark vertreten?”.

Anmerkung zu Abkürzungen: BL = Boys Love, GL = Girls Love, LGBTQIA+ = Lesbian, Gay, Bisexual, Trans, Queer, Intersex, Asexuality and Others

Euleweis (Angelic Reaper)

Angelic Reaper © 2015 Euleweis

Ich zeichne selbst kein Boys Love. Allgemein lese ich nur selten Manga, in denen Liebe/Erotik im Vordergrund steht. Meistens überzeugt mich die Story einfach nicht. Mir ist es ziemlich egal, ob das Pärchen aus Junge+Junge, Mädchen+Mädchen oder Junge+Mädchen besteht. Bei einigen Boys-Love-Manga, die ich in der Hand hatte, machte es für die Story keinen Unterschied. Man hätte genauso gut eine der anderen beiden Konstellationen nehmen können.

Als Leser bevorzuge ich Geschichten, in denen es um mehr als Liebe/Erotik geht. Sonst ist es mir zu eintönig/langweilig. Ein paar wenige Boys-Love-Manga haben mir sehr gefallen, weil die Geschichte andere Dinge in den Fokus gestellt hat und sehr interessant erzählt wurde. Boys Love würde ich nur dann zeichnen, wenn die Tatsache, dass das Pärchen aus zwei Jungs besteht, für die Story relevant ist beziehungsweise wenn ein Pärchen bestehend aus Junge+Mädchen nicht in Frage kommt. Sonst macht es für mich persönlich keinen Sinn.

Auf mich wirkt es so, dass immer mehr Zeichner anfangen, Boys Love zu zeichnen, und dass immer mehr Boys-Love-Manga veröffentlicht werden. Wenn mal ein Manga angekündigt wird, der KEIN Boys Love ist, fällt das regelrecht auf. XD Das finde ich schade, weil ich finde, dass Manga anderer Genres/Richtungen sehr erwähnenswert sind und leider etwas untergehen.

Diese unglaubliche Popularität erkläre ich mir so, dass es besonders weiblichen Lesern/Zeichnern gefällt, zwei süße/sexy Jungs in den Hauptrollen zu sehen. Hinzukommt dann noch die Erotik, die in den meisten anderen Genres/Richtungen kaum bis gar nicht vorhanden ist. Wenn die Story mich nicht überzeugt, sind diese beiden Dinge für mich jedoch unwichtig.

Unabhängig davon ob es Boys Love ist oder nicht: Als Zeichner sollte man immer seinen persönlichen Geschmack einfließen lassen, damit sich der Manga von der Masse abhebt. Wenn man nur darauf achtet, was sich gut verkauft, ist die Gefahr groß, dass der Manga eher wie eine Kopie wirkt. Ein bisschen Erfahrung, was ankommt, ist aber förderlich.

Zombiezeemo (Gray Areas, Nach Hause Finden)

The Pink End
© 2014 Zombiezeemo

Boys Love ist in deutschen Manga so häufig vertreten, weil ich jetzt einfach mal dreist behaupte, die Mehrheit der Menschen in Deutschland, die Manga überhaupt lesen, ist weiblich. Und das sind dann die Art von Mädchen, die man in Japan wohl als “Fujoshi” bezeichnet. Eigentlich keine Raketenwissenschaft.

Die Manga/Anime-Szene ist generell sehr offen, also gibt es diese “Iiiieh Schwule”-Einstellung schon mal nicht so wirklich. Hinzukommt, dass es sich um hübsche Jungs dreht, sicherlich sehr reizvoll für die Hetero-Mädchen in der Szene! Darunter gibt es einige, für die es dann auch nicht mehr als ein “teehee niedliche, schwule Jungs, so heiß, so verboten!!!”-Fetischisierungsding ist, aber eben auch die, die sich gerne damit beschäftigen, weil sie beispielsweise genug von Hetero-Pärchen in Manga haben oder so etwas in der Richtung.

Im Endeffekt ist das aber auch egal, man mag, was man mag, und wenn es dann noch beliebt ist, dann bietet es sich ja an! Ich persönlich habe schon selbst BL gezeichnet und lese es auch gerne, wenn es gut ist (wie bei allem anderen auch haha). Allerdings habe ich schon länger keine eigenen originalen BL-Zeichnungen produziert. Im Moment ist alles an BL-Kram, was ich zeichne, Fandom orientiert. Ich mag BL, weil ich selbst nicht hetero bin und deswegen alles schätze, was sich mit dem Thema LGBTQIA+ beschäftigt, im guten und im schlechten Sinne. Gehört ja alles dazu. Was heißt, genauso toll finde ich auch GL und würde mich auch mehr über Geschichten erfreuen, die sich mit vielen weiteren Geschlechtern und Sexualitäten befassen beispielsweise!

© 2015 Zombiezeemo

Ich werde in Zukunft wohl noch ein oder zwei BL-Comics zeichnen, allerdings möchte ich mich im Großen und Ganzen ein bisschen von dem BL-Stempel sozusagen lösen. In den meisten – wenn nicht sogar in allen – meiner Comics wird es definitiv LGBTQIA+ Charaktere geben, das wird sich nicht ändern.

Ich möchte aber keine formelhaften BL-Comics mehr produzieren. Nicht, dass ich finde, sie seien schlecht an sich, ich möchte mich einfach gerne selbst – und vielleicht zieht die Szene auch mit – etwas progressiver mit dem Thema beschäftigen. Ich bin eben auch der Meinung, die Szene ist nicht so sehr in BL versteift, wie es alle vermuten. Es gibt natürlich Leser, die absolut nur BL wollen, genauso gibt es aber auch die, die damit absolut nichts anfangen können. Die meisten sind halt eben in dieser schulterzuckenden Zone, denen es einfach egal ist, solange die Story gut ist.

Ich glaube, dass jeder Zeichner dazu beitragen kann, dass das Angebot diverser wird. Auch stört es mich ein wenig, dass BL ein Genre ist, solange auch nur schwule Jungs vorkommen. Wenn ein Action-Comic einen schwulen Protagonisten hat, ist es nicht plötzlich ein Boys-Love-Comic. Das ist die Nummer-Eins-Sache, die ich an BL störend finde und aktiv gegen vorgehen möchte. Ich möchte, dass meine Comics nicht alle als BL/GL oder sonstwas angesehen werden, wenn ich es nicht explizit so sage. ACH JA und bevor ich es vergesse: es mag vielleicht nur eine kleine Portion der BL-Leser sein, aber auch einige homosexuelle Jungs in der Szene lesen/zeichnen BL-Comics, nicht alle, einige werden es wohl auch nicht leiden können (oder zumindest so, wie es der Großteil macht). Es ist eben wie bei allem, die Meinungen sind gemischt.

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