Nachwort zum Rücktritt von Joachim Kaps als Tokyopop-Geschäftsführer

Joachim Kaps tritt aus nicht näher definierten privaten Gründen als Geschäftsführer von Tokyopop zurück.

joachim kaps
By Niabot – Own work, CC BY-SA 3.0,

Wahrscheinlich kam die gestrige Nachricht nicht nur für mich überraschend, sondern auch für viele andere aus der deutschen Manga-Szene, wie ich im Gespräch mit Kollegen und anhand der Reaktionen unserer Leser mitbekommen habe.

Joachim Kaps ist bereits seit Start der deutschen Niederlassung von Tokyopop im April 2004 Verlagsleiter. Selbige Aufgabe übernahm er zuvor bei Carlsen Manga!, von daher war Kaps kein Unbekannter. Auf der Frankfurter Buchmesse 2004 stellte Tokyopop erste Manga und Manhwa vor. Zu Beginn gehörten übrigens auch Anime zum Programm. Mittlerweile besitzt Tokyopop laut eigenen Angaben 33 % Marktanteil im Manga-Bereich.

Tokyopop widmet sich hauptsächlich der japanischen Manga-Kultur. Der Verlag holte Toptitel wie Bleach oder Death Note in den deutschsprachigen Raum. Bekannt ist Tokyopop hierzulande ebenso für sein großes Shojo- und Boys-Love-Programm. Übrigens: Einer der wohl größten Aufreger im Bereich japanische Manga war Kodanshas mysteriöser Bruch mit Tokyopop im Jahr 2008. Der japanische Verlag ist neben Shueisha einer der größten Publisher Japans und entzog ihnen auf Schlag sämtliche Lizenzen. Genaue Gründe wurden damals nicht genannt. Kodansha-Titel wird man im Programm von Tokyopop kaum mehr finden.

Joachim Kaps’ starkes Engagement für die deutsche Comickultur

Mit Christina Plakas Yonen Buzz und der Anthologie Manga Fieber publizierte Tokyopop im Jahr 2005 seine ersten Comics aus der Feder von deutschen Zeichnern. Diesen Weg behielt der Verlag bis dato bei: Über die Jahre erhielten zahlreiche nationale Künstler die Chance, ihren Comic bei Tokyopop zu veröffentlichen und ihn auf Messen in Panels einem noch größeren Publikum zu präsentieren. Darunter befinden sich u. a. Anna Hollmann, David Füleki, Mikiko Ponczek, Nightmaker, Sophie Schönhammer, Anna Backhausen u.v.m..

Kaps zeigte sich für die deutsche Comickultur stets begeistert. Ein Thema, über das er gerne diskutierte und für das er sich einsetzte. Generell präsentierte sich Joachim Kaps auf Veranstaltungen kommunikativ – man kann sagen, eine sehr greifbare Persönlichkeit für Leser und Partner des Verlags gleichermaßen.

Mit Tokyopop verfolgte Kaps u. a. das Ziel, einen Teil dazu beizutragen, dass sich die deutsche Comicszene weiterentwickelt. „Uns ist derzeit vor allem wichtig, dass wir einen Beitrag dazu leisten, dass die Geschichten in unseren Manga-Produktionen besser erzählt werden. Zeichnerisch hat sich die deutsche Mangaka-Szene in den letzten Jahren sehr stark verbessert, und in vielen Fällen erreichen die Produktionen ein sehr hohes Niveau,“ so Joachim Kaps in einem Interview mit Sumikai im September 2016.

Um dies zu erreichen, wurden in den vergangenen Jahren mehrere Aktionen ins Leben gerufen. Darunter beispielsweise die Akademie zur Förderung deutscher Künstlern (2014), wenngleich dessen Ausgang bzw. Ergebnis bisher nicht öffentlich gemacht wurde. Zuletzt rief Tokyopop in Zusammenarbeit mit Animando den Dojinshipreis ins Leben, der im März 2016 zum zweiten Mal verliehen wurde.

Mit der Gründung des Labels POPCOM ging Tokyopop unter der Leitung von Joachim Kaps noch einen Schritt weiter. Seit Sommer 2015 erscheinen darüber Comics, die nichts mit japanischen Manga am Hut haben.

Um passende Schlussworte zu finden: Tokyopop durchlebte seit der Gründung der deutschen Niederlassung mit Joachim Kaps als Geschäftsführer seine Höhen und Tiefen. Sehr hoch anzurechnen sind ihm seine vielen Aktionen, Anregungen und Ideen, welche die deutsche Comicszene bereicherten. Sein Rücktritt hinterlässt eine Lücke, die es zu füllen gilt. Bleibt natürlich abzuwarten, wer diese Funktion übernimmt.

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