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»Shiny Star« Band 1 – Manga-Test

Am 10. November 2014 veröffentlichte TOKYOPOP den Boys-Love-Einzelband Porno Superstar von der Zeichnerin Nanami. Vor einem Monat folgte am 9. März nun das erste Volume der Spin-off-Reihe Shiny Star. In Porno Superstar begleiteten wir den Büroangestellten Toru, der eine vermeintliche Liebesnacht mit seinem Lieblingspornodarsteller Hikaru verbrachte. Tatsächlich war er aber Opfer einer Verwechslung und landete stattdessen mit dem undurchschaubaren, etwas sadistischen Sohn des stellvertretenden Chefs im Bett. Was sich aus dieser Begegnung entwickelte, können Interessierte im Manga nachlesen. Shiny Star handelt dagegen vom Pornosternchen Hikaru und einem Newcomer, der mehr als ein bloßer Konkurrent ist.

Manhunt Film produziert Pornos für die homosexuelle Szene. Hikaru gilt als ihr Aushängeschild und erfreut sich einer großen Fangemeinschaft. Aber auch Neulinge sind bei der Produktionsfirma gerne gesehen. Bei einem Newcomer-Projekt fällt besonders der junge Mann Masaya auf, der neben kleinen Aufnahmen für einen längeren Film auserkoren wird. Obwohl noch ein Amateur verlangt er Hikaru als seinen Partner. Das berühmte Pornosternchen soll zudem die Position des Ukes (passiver Part beim Sex) übernehmen.

Hikaru lehnt trotz doppeltem und dreifachem Honorar entschieden ab. In seinem Vertrag ist sogar schriftlich festgehalten, dass er nur als Seme (aktiver Part) arbeitet. Das hat auch einen bestimmten, sehr persönlichen Grund. Als Hikaru auf Masaya trifft, kommt er jedoch nicht umhin, eine gewisse Faszination für den Doktoranden zu empfinden. Gleichzeitig entpuppt sich der Newcomer als sehr hartnäckig. Hikaru lässt sich auf eine waghalsige Wette ein.

In Porno Superstar spielte der beliebte Darsteller mit dem charakteristischen Westernhut eine indirekte Rolle und verzeichnete nur einen kurzen offiziellen Auftritt im Bonuskapitel, in welchem sein Gesicht allerdings verborgen blieb. Ein kleines, aber wichtiges Detail kristallisierte sich dennoch deutlich heraus und wurde zudem zu Beginn von Shiny Star erklärend eingebaut. Hikaru ist mit einem berühmt-berüchtigten Charakterzug ausgestattet, den schon so manche Manga-Figur vor ihm in Bredouille brachte. Ryoga aus Ranma ½ oder Zorro aus One Piece sind etwa zwei Leidensgenossen. Kenner wissen eventuell schon, worauf es hinausläuft: Hikarus Orientierungssinn, wenn auch nicht in so einem extremen Ausmaß wie bei den beiden anderen Genannten, lässt sehr zu wünschen übrig. Im ersten Band führt das bereits zu einer unerwarteten Begegnung für Hikaru, welche sich schwerwiegend auf den Verlauf der Handlung auswirkt.

Die Charakterdesigns wurden mit viel Liebe gestaltet. Das erkennt man an Hikaru, aber genauso an Masaya, der ebenso so viele, vielleicht sogar mehr Fragen aufwirft. Im Gegensatz zum bereits etablierten Pornostar hält der Newcomer nicht mit seinen Zielen zurück – und diese sind, so weit es zu erkennen ist, mehr privater als beruflicher Natur. Unbeirrt und ehrgeizig geht er seinen Weg. Ob Masayas angestrebtes Vorhaben tatsächlich Früchte trägt, wird sich im Laufe von Shiny Star zeigen. Ein paar Nebencharaktere füllen die Handlung auf und lassen sie facettenreicher sowie komplexer erscheinen, ohne das Augenmerk auf sich zu lenken.

Leser benötigen für Shiny Star kein Vorwissen aus Porno Superstar. Die dortigen Protagonisten, Toru und Asaoka, verzeichnen gerade einmal im achtseitigen Bonusmanga Wer bist du? einen Gastauftritt, aus dem man schließen kann, dass der neue Titel zeitlich nach dem Einzelband spielt. Betrachter erleben die Story aus der Sicht von Hikaru und erhalten Einblick in seine aufschlussreichen, emotional geladenen Gedankengänge, welche oft seinem letztendlichen brüsken, abwehrenden Handeln widersprechen, um bestimmte, sehr persönliche Gefühle geheim zu halten. Nanami trifft das richtige Maß, um einerseits den Leser an den Charakter von Hikaru heranzuführen, sodass man sich nach Band eins bereits ein gutes Bild von ihm machen kann, und andererseits genug Akzente zu setzen, welche mit ungeklärten Begebenheiten Neugier auf das noch kommende Geschehen wecken.

Wie schon bei Porno Superstar sollte man die Handlung nicht zu ernst nehmen, sondern das versteckte Augenzwinkern sowie belustigte Schmunzeln von Nanami beim Entwerfen der Geschichte wahrnehmen und sich davon anstecken lassen. Pornodarsteller als Hauptfiguren klingt so schön reißerisch und lenkt mühelos die Aufmerksamkeit von Boys-Love-Fans auf sich. Mit dem Blick durch die rosa Brille wird der gewinnorientierten, rein sexuell sowie simpel gestrickten Industrie mehr Leben und vor allem Empathie eingehaucht. Mit der Wirklichkeit hat diese Darstellung – zum Glück oder leider, je nachdem aus welcher Richtung man es betrachtet – nichts zu tun. Statt des körperlichen Akts, obwohl vorhanden, steht im ersten Band von Shiny Star die emotionale Ebene im Vordergrund. Die Erwartungen an ein paar detailliertere und längere sexuelle Betätigungen sind, wenn man sich Porno Superstar in Erinnerung ruft sowie das aufreizende Cover beziehungsweise enthaltene Farbposter vom Titelbild des ersten Kapitels zu Gemüte führt, jedoch allemal für spätere Kapitel hoch.

Zeichnerisch setzt Nanami Hikaru richtig in Szene. Sein Image als Star beschert ihm eine oberflächliche Selbstsicherheit und ein dementsprechend lockeres Auftreten in der Öffentlichkeit. Gewandtechnisch präsentiert die Künstlerin Hikaru – und auch Masaya – in verschiedenen Outfits. Der ständige Wechsel der Kleidung frischt die Szenen auf und schärft die Aufmerksamkeit des Betrachters. Hintergründe finden eher sporadisch ihren Weg auf die Seiten. Die jeweilige aktuelle Szenerie ist aber stets klar ersichtlich. Der zeichnerische Schwerpunkt liegt bei den Charakteren und der Darstellung ihrer Emotionen. Shiny Star ist angereichert mit versteckten bis offenkundigen Gefühlen, die den Leser kredenzt werden, ohne ins Kitschige abzugleiten. Problemlos lenkt Nanami ihre beiden Protagonisten, zwei gut aussehende, groß gewachsene sowie erwachsene Männer, mit Tusche und Feder über die Panels. Die prickelnde Atmosphäre sollte Boys-Love-Herzen schnell zum Höherschlagen bringen – meines hat es jedenfalls vom ersten Kapitel an getan.

Es gibt Nachschub von Nanami, und dieser hat es in sich. Pornodarsteller als Hauptcharaktere klingt verruchter, als die Story letztlich ausfällt. Vielmehr legt die Mangaka den aufgepeppten Boys-Love-Klassiker eines Semes vor, der dagegen ankämpft, in die passive Position zu rutschen. Nanami erzählt sehr gefühlvoll mit einem ausgefeilten Charakterdesign und angeheizter Stimmung, auf der die Story geradezu selbstständig gleitend voranschreitet. Wirklich ernst nimmt sich die Handlung, wie bereits früher erläutert, nicht. Wer realitätsnahe Titel sucht, sollte dieses Werk daher lieber an sich vorüberziehen lassen. Alle anderen Boys-Love-Liebhaber bekommen hier eine wunderbare Unterhaltung geboten, die Lust auf die Fortsetzung macht. In der Wartezeit können Fans, wenn sie dies noch nicht getan haben, auch zu Porno Superstar greifen.

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Shiny Star, Band 1.

Details

Titel: Shiny Star, Band 1
Originaltitel: シャイニースター (Shiny Star), Vol. 1
Mangaka: Nanami
Erscheinungsjahr: 2013 (JP), 2015 (DE)
Verlag: Frontier Works (JP), TOKYOPOP (DE)
Genre: Boys Love, Romance
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 6,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3842012101&chan=animey&asin=3842012101]

Shiny Star, Band 1 © 2013 Nanami/Frontier Works Inc.
© TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2015

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