»Nananas geheimnisvoller Schatz, Episode 1« – Anime-Review

Nach dem Welteroberungszug von Zvezda legt Studio A-1 Pictures in diesem Frühling mit Ryuugajou Nanana no Maizoukin, zu deutsch Nananas geheimnisvoller Schatz, eine nicht weniger skurrile Anime-Serie nach. Dabei handelt es sich um eine Adaption der Light-Novel-Reihe von Kazuma Otorino, die am 11. April ihre Premiere auf Fuji TVs noitaminA-Block hatte. Im Rahmen ihres neuen Simulcast-Programms hat sich peppermint anime die Serie geschnappt und bietet sie im Original mit deutschen Titeln als Stream an. Die Geschichte handelt von dem Oberschüler Juugo, der in seiner neuen Wohnung ein Spukgespenst eines hübschen Mädchens antrifft und sich daraufhin in einer abenteuerlichen Schatzsuche mit etlichen schrägen Vögeln wiederfindet. Wie es dazu kommt und worauf ihr euch gefasst machen könnt, hier erhaltet ihr unseren ersten Eindruck.

Endlich ein freies und unabhängiges Leben! Nachdem sich Juugo von seinen Eltern losgesagt hat, oder genauer gesagt von seinem Vater heraus geschmissen wurde, zieht der Oberschüler in seine erste eigene Wohnung. Diese befindet sich auf der Insel Nanae-jima, einer künstlich geschaffenen Metropole mit modernster Forschungseinrichtung, dessen Einwohner auch hauptsächlich aus jungen Studierenden bestehen. Eigentlich wollte Juugo seinen neuen Alltag in vollen Zügen genießen, wäre da aber nicht der ungebetene Gast, der sich in seinem Apartment eingenistet hat. Als der Junge nämlich den ersten Fuß in sein neues Heim macht, findet er ein hübsches Mädchen vor. Auf Nachfragen bei seiner Vermieterin stellt sich heraus, dass es sich bei ihr um ein Gespenst einer verstorbenen Bewohnerin handelt, das Juugo mitsamt der Einrichtung inklusive erhalten hat. Ihm kam schon verdächtig vor, wieso die Frau mit einer überschwänglichen Vorliebe für Alkohol die Jahreszahlung im Voraus abstreichen wollte, doch hat sich der Juugo von ihren verführerischen Reizen einlullen lassen. Ausziehen kann Juugo wohl vergessen, wo sein ganzes Geld für die Miete draufgegangen ist.

Nun hockt er da in seiner neuen Wohnung mit Nanana, einem NEET-Mädchen, das den lieben langen Tag Videospiele zockt und Pudding mampft, ohne einen Fuß vor die Tür zu setzen (was sie tatsächlich auch nicht kann). Als erstes entscheidet sich, wer der Herr im Haus markiert, einen Kampf den Juugo im Vorhinein schon verloren hat, da er das Gespenst nicht mal zu fassen bekommt. Mit einer ausgerenkten Schulter, aber dafür mit einem süßen Besuch in »den heiligen Gefilden«, gibt sich der Oberschüler geschlagen. Um sich von der Plage loszulösen, muss Juugo wohl dem Mädchen helfen, sie ins Jenseits zu befördern. Doch was hält Nananas Geist überhaupt in dieser Welt? Nach kurzer Recherche erfährt Juugo, dass das Mädchen von hinten erstochen worden war, jedoch blieben die damaligen Ermittlungen ohne Spur auf den Mörder und wurden eingestellt. Allerdings findet der Junge eine Nachricht des vorherigen Apartment-Besitzers, welche ihm einen Hinweis auf des Rätsels Lösung liefert. Nanana war nicht immer ein NEET. Als sie noch unter den Lebenden weilte, ging sie mit einer Gruppe Schüler auf zahlreiche Abenteuerjagden, wofür das Mädchen sogar berüchtigt war. Die gesammelten Schätze hatte Nanana vor ihrem Tod auf dieser Insel versteckt. Es heißt sogar sie sollen übernatürliche Kräfte in sich tragen. Könnte es sein, dass der Mörder es auf diese Kostbarkeiten abgesehen hatte? Juugo entschließt sich dazu, dem Abenteuer-Klub seiner Schule beizutreten, um diese verborgenen Schätze ausfindig zu machen und Anhaltspunkte auf den Übeltäter zu erhalten.

Neben Guilty Crown, Silver Spoon und Samurai Flamenco hat peppermint anime mit Nananas geheimnisvoller Schatz einen weiteren Titel aus dem Angebot von noitaminA im petto. Das spätabendliche TV-Programm ist eigentlich für ein erwachsenes Publikum angedacht, zunehmend sind es dann eher Serien geworden, welche sich abseits der Norm bewegen. Mit der originellen Prämisse und der witzigen Darstellung fügt sich der Titel ganz gut darein. Es steht bereits fest, dass die Serie elf Folgen umfassen wird. Die Light-Novel-Vorlage wiederum ist bisher in acht Bänden erschienen, welche wohl kaum in der kurzen Laufzeit komplett adaptiert werden können. Im Gegensatz zu AnoHana bewegt sich der Anime hier keineswegs auf der dramatischen Schiene und es geht weniger darum, die Erinnerungen aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Zwar wurde angeschnitten, dass sich Nanana etwas einsam fühlt und sich nach Gesellschaft sehnt, aber wer wäre das nicht, wenn man in den eigenen vier Wänden jahrelang gefangen ist. Gerade weil Nanana vor ihrem Ableben eine abenteuerliche Person war, wird es vordergründig um den Reiz einer spannenden Schatzsuche gehen. Wie die Protagonistin sich dabei überhaupt der Truppe anschließen will, muss sich noch herausstellen, wo Nanana eben keinen Schritt vor die Haustür setzen kann. In Episode 1 wurden bislang nur die beiden Hauptfiguren vorgestellt, aber der Schatzsuche werden sich mehr als eine Handvoll Charaktere dazugesellen, welche äußerlich einen recht kunterbunten Eindruck hinterlassen. Am Ende der ersten Folge hatte Tensai, eine selbst ernannte Meisterdetektivin, ihren Auftritt.

Optisch überzeugt die A-1 Pictures-Produktion abermals mit sauberen Bewegungen, scharfen Konturen und strahlenden Farben. Schließlich zeichnet sich Tetsuya Kawakami, der an Titeln wie Sword Art Online oder Oreimo beschäftigt war, für die Animationen verantwortlich. Aus seiner Hand stammt zudem die Umsetzung des Charakterdesigns, weshalb der Stil Oreimo verblüffend ähnlich ausschaut, obwohl mit Akaringo nicht die gleiche Künstlerin die Vorlage bot. Einen kleinen Vorgeschmack, wie umwerfend die Animationen der Schatzjagden sein könnten, hat man in der Kamerafahrt der Anfangssequenz und in dem witzigen Schlagabtausch der beiden Hauptfiguren bekommen. Yuki Ono verleiht Juugo seine Stimme, welchen ihr vielleicht als Kagami in Kuroko no Basket erlebt habt, weshalb er hier ungewohnt anders klingt. Was dafür eine sehr mutige Wahl ist: die Besetzung von Nanana. Rui Tanabe hat noch nicht viel Erfahrung und gerade einmal dieses Jahr ihre erste Hauptrolle gesprochen. Mit Kana Hanazawa und Kana Asumi sind aber zwei beliebte Seiyuu im Abenteuer-Klub vertreten. Die Gruppe Sphere, ein Gespann aus bekannten Synchronsprecherinnen, hat das Ending-Theme beigesteuert.

In Nananas geheimnisvoller Schatz werden schon einige frische Ideen wild zusammengewürfelt. Die Mischung scheint weniger mit Bedacht kombiniert worden zu sein, sondern eher wegen der Unterhaltung und um möglichst das Ganze sehr abgedreht wirken zu lassen. Episode 1 konzentriert sich auf die Prämisse, deshalb ist es noch nicht absehbar, welchen Verlauf der Plot nehmen wird. Zudem muss sich zeigen, ob die Chemie zwischen den Charakteren stimmt. In wieweit Substanz hinter Nananas tragischen Tod und ihrem Dasein als rastloser Geist steckt, zweifele ich momentan an. Allerdings tut der rätselhafte Schleier dem Ganzen vielleicht für den Anfang ganz gut, schließlich erwartet man eine sehr abenteuerliche Schatzjagd, hier noch mit einem Hauch von Übernatürlichem präsentiert.

© Kazuma Ootorino, Akaringo/Enterbrain • Ryuugajou Nanana no Maizoukin production committee