»Nisekoi« Band 1– Manga-Test

Was sich liebt, das neckt sich? In der Liebeskomödie Nisekoi geht es doch ganz anders zu. Vom ersten Augenblick können sich Raku und Chitoge auf den Tod nicht ausstehen. Trotzdem führt eine seltsame Fügung der Ereignisse dazu, dass die beiden Streithähne so tun müssen, als wären sie ein Pärchen. Nach einem äußerst erfolgreichen Start läuft Naoshi Komis Manga-Serie seit Ende 2011 in der Shonen Jump. In diesem Winter wurde unter Leitung von Akiyuki Shinbo im Studio SHAFT eine 20-teilige Anime-Umsetzung von Nisekoi produziert, welche vor Kurzem ihren Abschluss fand. Während die Serie im Simulcast frisch beendet wurde, beginnt Kazé mit der Veröffentlichung des Mangas. Den ersten Band findet ihr ab sofort im Handel.

Raku wünscht sich eigentlich nur ein nor­males Leben, aber als Sohn und Erbe einer Familie von Yakuza kann er sich das abschminken. Wo ihn das Gesindel auf Schritt und Tritt begleitet, hat der Junge zumindest in der Highschool seine Ruhe. Hier weiß bisher niemand von seiner kriminellen Abstammung. Als die amerikanische Austauschschülerin Chitoge an die Schule kommt, muss sich der Junge auch von seinem letzten Zufluchtsort verabschieden. Alle Klassenkameraden sind von ihrer Schönheit und Ausstrahlung verzaubert, nur Raku trifft es wie ein Schlag, als er das Mädchen wiedererkennt. An diesem Morgen hatte der Yakuzaspross bereits eine unerfreuliche Begegnung mit Chitoge gemacht, oder besser gesagt, eine äußerst schmerzhafte. Bei ihrem ersten Aufeinandertreffen machte Rakus Gesicht nämlich Bekanntschaft mit ihren Knien. Da Chitoge nun seine Sitznachbarin ist und Raku sie dazu noch in der Schule rumführen soll, lernt er schnell kennen, was für eine Furie sich hinter dem hübschen Äußeren versteckt. Allerdings beruht diese Beziehung auf Gegenseitigkeit, so ganz unschuldig ist der Junge nämlich nicht. Beim ersten Zusammentreffen ist Rakus Anhänger verloren gegangen und auch wenn es Chitoge gegen den Strich geht, hilft sie ihm bei der Suche. Freunde werden die beiden dadurch nicht. Im Gegenteil, schon bald werfen Raku und Chitoge sich nur noch wüste Beleidigungen an den Kopf. Zwischen den beiden stimmt die Chemie ganz und gar nicht.

Neuerdings hat sich eine Gangster-Bande in dem Revier der Yakuzas breitgemacht. Rakus Vater, das Oberhaupt des Klans, möchte weitere Auseinandersetzungen vermeiden, bevor das Ganze eine unschöne Wendung nimmt. Deswegen beschließen die beiden Bosse der Familien, dass ihre Kinder als gutes Vorbild vorangehen und ein Liebespärchen bilden sollen, selbst wenn sie es nur vortäuschen. Raku ist von dem Gedanken gar nicht angetan, da er einerseits noch nie mit einem Mädchen ausgegangen ist und eigentlich Gefühle für seine Klassenkameradin Kosaki hegt. Um aber einen drohenden Bandenkrieg zwischen den rivalisierenden Verbrecher-Klans zu beschwichtigen, muss sich Raku wohl oder übel drauf einlassen. Doch es stellt sich heraus, dass die Tochter des Mafia-Bosses ausgerechnet seine neue Mitschülerin Chitoge ist. Nun stehen die zwei verbissenen Streithähne vor der schwierigen Aufgabe, ein verliebtes Pärchen vor den Augen der anderen zu spielen, ohne, dass diese von ihren wahren Gefühlen Wind bekommen. Das kann ja heiter werden!

Nisekoi hat alles andere als eine originelle Prämisse. Viele der Bausteine dürften euch aus anderen Serien bekannt vorkommen, trotzdem ist die Umsetzung ziemlich witzig gemacht. Hier hassen sich die beiden Protagonisten konsequent. Und auch wenn sie dem anderen am Liebsten aus dem Weg gehen würden, bringt es sie irgendwie immer wieder zusammen. Schließlich müssen Raku und Chitoge zwei frisch verliebte Turteltauben mimen. Natürlich fällt ihnen das sichtlich schwer, zumal sowohl Raku als auch Chitoge kaum Erfahrung von Liebesbeziehungen haben. So geht es mit den Blicken der Mafia im Rücken auf das erste Date. Trotz ihrer ständigen Streitereien und der kläglichen Versuche sich herauszumanövrieren, schaffen sie es irgendwie, ihrer Gefolgschaft die Beziehung vorzugaukeln. Nur der engste Vertraute von Chitoge kommt ihnen langsam auf die Schliche. Der Gedanke, dass dieses furchtbare Spielchen ganze drei Jahre so weiter gehen soll, macht die beiden fertig.

Raku hat zudem nur Augen für seinen heimlichen Schwarm Kosaki. Wie soll der Highschool-Schüler die Situation seiner Klassenkameradin beibringen. Aus Sicht des Lesers erfährt man dazu, dass Kosaki dem Jungen nicht abgeneigt ist. So baut sich eine typische Dreiecksbeziehung im Verlauf der Handlung auf. Rakus Medaillon ist außerdem ein wesentlicher Bestandteil der Serie. Mit dem als Schloss geformten Anhänger ist ein Versprechen aus Kindertagen verknüpft. Raku und seine Sandkastenliebe haben sich nämlich geschworen, auf ewig zusammen zu sein. Leider erinnert sich Raku weder an ihr Gesicht noch an ihren Namen. Wenn das Mädchen ihn nicht schon längst vergessen hat, müsste sie noch als Andenken den dazugehörigen Schlüssel tragen. Leider wird diesbezüglich schon im ersten Band das Pulver verschossen. Allerdings muss da noch was kommen, wo die Serie sich so lange Zeit in der Shonen Jump hält.

Ursprünglich debütierte Naoshi Komi mit einem Oneshot von Nisekoi in der Jump NEXT!. Bevor er dann im Hauptmagazin startete, änderte der Mangaka einige Elemente an dem Piloten ab, um die Geschichte langlebiger zu gestalten. Beispielsweise wurden Kosaki und auch der Anhänger als Symbol für das Versprechen hinzugefügt. Das Verlagshaus Shueisha hat die Manga-Kapitel bislang in zwölf Sammelbände zusammengefasst und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Kazé publiziert Nisekoi seit Juni im Zweimonatsrhythmus.

Die Geschichte von Nisekoi ist durchaus klischeebeladen und mit Ernst wartet der Manga schon gar nicht auf. Für diejenigen, die darüber hinwegsehen können, bietet die Liebeskomödie einen hohen Unterhaltungswert. Es ist äußerst witzig zu verfolgen, wie das Charaktergespann die kniffligen Situationen bewältigt, welche sich durch die irrsinnigen Umstände ergeben. Hierbei müssen sich Raku und Chitoge zusammenreißen, nicht aufzufliegen, obwohl ihnen in Wahrheit ganz anders zumute ist. Bei all dem Lügenspielchen wird ihre Gefühlswelt ziemlich auf den Kopf gestellt. Daneben ist Naoshi Komis Zeichenstil sehr attraktiv und stets sauber gehalten. Vor allem die überspitzten Gesichtsausdrücke sollten jeden Leser auf Anhieb zum Schmunzeln bringen. Alles in allem erwartet euch eine ziemlich abgedrehte Comedy mit reizenden Charakteren.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Nisekoi, Band 1.

Details

Titel: Nisekoi, Band 1
Originaltitel: ニセコイ 1
Mangaka: Naoshi Komi
Erscheinungsjahr: 2012 (JP) 2014 (DE)
Verlag: Shueisha (JP) Kazé Manga (DE)
Genre: Comedy, Romantik
Altersempfehlung: 12+ Jahren
Preis: 6,95 €

© 2011 Naoshi Komi/SHUEISHA Inc. © 2014 VIZ Media Switzerland SA