»Nisekoi« Band 2 – Manga-Test

In Japan schlägt Nisekoi nach wie vor hohe Wellen. Nachdem die erste Anime-Staffel nun über die Bildschirme flimmerte, hält sich der Manga bis dato erfolgreich im Shonen Jump. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Anime-Umsetzung in den Startlöchern steht. Naoshi Komis romantische Komödie wird im deutschsprachigen Raum von Kazé Manga vertrieben. Im August stellte der Publisher den zweiten Band mit den Kapiteln 8 bis 16 in die hiesigen Regale.

Es ist nicht leicht, eine Lüge aufrechtzuerhalten, vor allen Dingen, wenn man sich in einer solch verzwickten Lage wie Raku befindet. Um einer Fehde mit der konkurrierenden Verbrecherbande zu entgehen, ist der Yakuza-Sprössling gezwungen, zusammen mit der Gangster-Tochter ein Liebespärchen vorzutäuschen. Nur schwierig, wenn die Scheinfreundin statt Zärtlichkeiten den Jungen am liebsten vermöbeln würde. Chitoges aufbrausendes Temperament lässt Raku vermehrt über das Vorhaben zweifeln. Das miese Schauspiel der beiden wird erneut auf die Probe gestellt, als die Klassenkameraden Raku daheim in seiner Verbrecherhöhle besuchen. Dummerweise sind die Mitschüler nicht über seine ungewöhnlichen Familienverhältnisse eingeweiht. Doch was Raku am meisten zu schaffen macht, ist, dass sein heimlicher Schwarm Kosaki der Lerngruppe angehört. Während der Oberschüler versucht die Nerven zu bewahren, tüftelt seine Clanmeute an einem Plan, ihrem Sohnemann auf die Sprünge zu helfen. Kurz darauf finden sich Raku und Chitoge eingesperrt in einem Lagerhaus wieder. So eine prekäre Situation sorgt natürlich für noch mehr Zündstoff unter den Klassenkameraden.

In der Schule macht sich Raku Gedanken, wie er mit den vielen Missverständnissen aufräumen könnte. Unterdessen fädelt Ruri für ihre beste Freundin Kosaki die nächste Gelegenheit ein, Raku ein Stück näher zu kommen und dafür hat das Vierauge schon einen genialen Einfall. Für ein anstehendes Schwimmturnier stellt sie Kosaki auf, die als Nichtschwimmerin überhaupt nicht dafür prädestiniert ist. Raku und Chitoge sollen ihr Lehrstunden geben, um Kosaki fit für den Sprung ins Schwimmbecken zu machen. Aufgrund der ständigen Streitereien und der sprunghaften Zuneigung wird Ruri derweil zunehmend misstrauischer, dass etwas mit den zwei Turteltauben nicht stimmt.

Naoshi Komi bedient sich in seinem Manga altbekannte Szenarien, die Genre-Veteranen bestimmt irgendwoher wiedererkennen. Dabei greift der Autor auch gerne mal in die Klischee-Kiste bei der Auflösung dieser Situationen. So beispielsweise in der Szene im Lagerhaus zwischen Chitoge und Raku, als natürlich alle Anwesende im denkbar ungünstigsten Moment hineinplatzt. Neben den stellenweise uninspirierten Einlagen entsprechen die Hauptfiguren so ziemlich den Archetypen ihres Charakters. Während Chitoge Raku ihre zickige Art zu genüge spüren lässt, zeichnet sich Kosaki durch ihr unschuldiges, zurückhaltendes Wesen und ihren liebevollen Umgang aus. Obwohl Komi-san viel aus dem Baukasten greift und die Serie viel Angriffsfläche bietet, ist das Resultat dieser Elemente dennoch ziemlich unterhaltsam. Der Humor, die Gagdichte, die überspitzten Reaktionen sowie die starken Gesichtsausdrücke, wo die Zeichnungen einen großen Teil beitragen, das alles spielt gut zusammen und darauf kommt es letzlich an.

Häufig vergessen die beiden Protagonisten ihr Lügenspielchen und lassen ihr Schauspiel beinahe auffliegen. Das Überspielen gelingt den zwei Streithähnen mehr schlecht als recht. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand aus ihrem Freundeskreis bemerkt, wie der Hase wirklich läuft. Für den Leser liegt außerdem die Gefühlslage von Raku und Kosaki zu Beginn offen. Raku glaubt, seine Verehrte wäre in unerreichbarer Ferne, derweil hegt Kosaki heimlich Gefühle für den Jungen. Ein Geheimnis ist es nicht wirklich, haben doch die Freunde längst die beiden durchschaut, nur Raku und Kosaki stehen dahingehend ziemlich auf dem Schlauch. Hier hat der Autor diebische Schadenfreude dabei, einen Keil zwischen sie zu treiben. Immer wenn man glaubt, es sollte den beiden langsam auf der Hand liegen, wird eine Aussage falsch ausgelegt oder irgendetwas Unvorhergesehnes zerschmettert ihr greifbares Glück. Erwähnt sei, dass Raku eigentlich mehr auf dem Kerbholz hat, als die meisten Harem-Protagonisten. Der Schüler macht sich schon Gedanken über das Geschehen, nur beim Thema Liebe hat er keinen guten Riecher. Tritt der Manga in dem Punkt auf der Stelle, bringt Nisekoi in anderen Momenten Entwicklung ins Beziehungsgeflecht. Auch bezüglich des Anhängers und dem damit verbundenen Kindheitsversprechen gibt es im zweiten Band Enthüllungen, mit denen man bei einer solch langlaufenden Serie in so einem frühen Stadium nicht rechnet.

Obwohl sich Nisekoi keinesfalls mit Originalität rühmen kann, versprüht die Serie eine Menge Spaß und sorgt in jedem Kapitel für viele gute Lacher. Schlag auf Schlag werden neue Comedy-Einlagen abgefeuert. Zusammen mit den übertriebenen Ausbrüchen der Charaktere strotzt Nisekoi einfach vor Energie und Schwung, weshalb sich der Leser dem Spiel nicht entziehen kann. Große Erwartungen in der Liebesthematik solltet ihr nicht setzen. Dahingehend wird sich all zu schnell wahrscheinlich kaum etwas tun. Einen Reiz von Nisekoi macht es aber sicherlich aus, dass das Publikum in zwei Lager aufgespalten wird. Chitoge oder Kosaki, wem soll man da die Daumen drücken? In dem Zusammenhang gibt der zweite Band zumindest genügend Entwicklung, dass das Rennen um Rakus Herz nicht entschieden ist, obwohl es anfangs glasklar schien. Diejenigen, die leichte Kost für zwischendurch benötigen, sollten dem Manga eine Chance geben. Außerdem kann ich Fans von Toradora! oder Ranma 1/2 diesen Titel wärmstens empfehlen, weil ich persönlich finde, dass die Charakter-Dynamik und der Witz eine ähnliche Kerbe treffen.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Nisekoi, Band 2.

Details

Titel: Nisekoi, Band 2
Originaltitel: ニセコイ 2
Mangaka: Naoshi Komi
Erscheinungsjahr: 2012 (JP) 2014 (DE)
Verlag: Shueisha (JP) Kazé Manga (DE)
Genre: Comedy, Romantik
Altersempfehlung: 12+ Jahren
Preis: 6,95 €
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