»Box of Spirits« Band 3 – Manga-Test

Mit Band drei von Natsuhiko Kyogokus (Originalvorlage) und Aki Shimizus Box of Spirits haben wir am 13. Januar 2014 Halbzeit erreicht. In den zwei Teilen zuvor ist bereits einiges passiert. Zuerst hat jemand versucht, das Mädchen Kanako umzubringen, später wurde die Jugendliche aus einem von der Polizei bewachten Gebäude entführt. Gleichzeitig zieht eine Welle von Verstümmelungsmorden durchs Land. Eine Verbindung zur geheimnisvollen Sekte »Schmutz versiegelnde Kiste« tut sich auf. Am Shinto-Priester Kyogokudo liegt es nun, die Teile richtig zu ordnen und hinter die Dinge zu blicken, um die Wahrheit herauszufinden. Am 10. März erscheint bei TOKYOPOP das vierte Volume. Der Abschlussband ist für 16. Juni angesetzt.

Sekiguchi wollte sich bei Kyogokudo eigentlich nur schriftstellerischen Rat holen, stattdessen wird der Autor in dessen frisch entfachten Ermittlungen hineingezogen. Zusammen mit dem Detektiv Enokizu soll er Yorikos Mutter aufsuchen. Auf dem Weg treffen die beiden überraschenderweise auf Shunko Kubo, der sich mehr als merkwürdig benimmt. Kommissar Kiba stattet unterdessen Yoko einen Besuch ab.

Zurück bei Kyogokudo beginnt dieser, die Fäden langsam zu entwirren. Gleich mit der ersten Enthüllung, dass es insgesamt vier Täter gibt, überrascht er alle Zuhörer im Raum. Kyogokudo erläutert die Geheimnisse hinter den Verstümmelungsmorden und der versuchten Tötung Kanakos am Bahnhof, als eine erschütternde Nachricht eintrifft.

Mit 223 Seiten wartet der dritte Band von Box of Spirits auf. Im Original trägt die Handlung den Titel Mouryo no Hako. Der Name ist in diesem Teil Programm. Was sind Mouryo überhaupt? Wer den ausführlichen Erklärungen von Kyogokudo dem bezüglich folgt, stellt schnell fest, dass die Antwort nicht so einfach ist und tief in die asiatische Mythologie als auch Geschichte führt. Im Werk Zhuangzi des chinesischen Dichters und Philosophen Zhuang Zhou beschreibt jener mit dem Wort etwa »halbdunkle Schattenränder«. Diese Interpretation ist aber weit entfernt vom bisherigen Geschehen in Box of Spirits. Der zweite Vorschlag – Geister des Wassers, der Pflanzen oder von Bäumen beziehungsweise Steinen – klingt zwar bereits etwas besser, trifft den Nagel aber ebenso wenig auf den Kopf. Mit Büchern wie Huainanzi, Zuozhuan¸ Kojiki oder Nihongi zählt Kyogokudo weitere Titel auf, die ihm als literarisch begeisterten Shinto-Priester bekannt sind, im hiesigen Raum jedoch eher nicht zum Allgemeinwissen gehören. Höchstens Konfuzius könnte einigen Lesern ein Begriff sein.

Kyogokudos dritter Vorschlag lässt die Anwesenden dagegen erschaudern. Mouryo können auch kleine Teufel sein, die Leichen fressen. In Verbindung mit den Verstümmelungsmorden passt diese Darstellung wie die Faust aufs Auge. Welchen Einfluss genau die mythologische Gestalt auf die vorliegenden Fälle hat, bleibt aber noch im Dunkeln. Verglichen zu Kyogokudos langem Monolog im zweiten Band über Wahrsager, Spiritisten, Religiöse und Esper bleiben seine Erläuterungen über Mouryo kompakter sowie kürzer. Dennoch sollten Leser bei der Lektüre konzentriert bleiben, um den Faden nicht zu verlieren.

Zwei Volumes kommen noch auf die Sammler zu, bereits jetzt gibt es erste Aufklärungen vom Priester. Das mag so manchen Leser verwundern, da Kriminalgeschichten typischerweise so aufgebaut sind, dass der Schlaukopf – in diesem Fall Kyogokudo – seine Theorien bis zum Schluss für sich behält, um dann in einem Feuerwerk von geistiger Finesse alle Karten auf den Tisch zu legen. Mit seinem Wissen kann Kyogokudo seine Freunde in Erstaunen versetzen, bei anscheinend kleinen Nichtigkeiten rauft er sich dagegen gestresst die Haare. Nur weil unser Detektiv im Priester-Gewand begonnen hat, seine Ideen mit den Anwesenden zu teilen, herrscht noch lange keine Abschlussstimmung. Tatsächlich wirkt nur der versuchte Mordanschlag auf Kanako am Bahnhof zu einem zufriedenstellenden Grade aufgeklärt.

Wie schon in den Bänden zuvor enthält auch der dritte Teil viele Farbseiten, davon sogar acht Stück. Unter anderem entdecken Betrachter eine Illustration von Kyogokudo, der sich konzentriert über ein Schriftstück beugt. Im Manga finden Leser das Bild in Schwarz-Weiß als Cover von Kapitel sechs wieder. Während Enokizu im zweiten Volume nur eine kurze Einführung am Ende erhielt, erhaschen Interessierte dieses Mal mehr Szenen mit ihm, in denen der schöne Blondschopf mit der übernatürlichen Fähigkeit, die Gedanken anderer Leute zu sehen, auch schon einmal ein ernstes Gesicht zeigt. Die Emotionen sind im neuen Band breit gefächert. Sekiguchi fühlt sich in die Untersuchungen hineingedrängt und zeigt wenig Motivation, sich in seine neue Aufgabe richtig reinzuhängen. Yorikos Mutter vegetiert zu einem abgemagerten Wrack und bezeichnet sich selbst als Mouryo. Vom Aussehen her gleicht sie schon fast einem Gespenst. Kanakos Mutter Yoko tritt dagegen als traurige Schönheit im Kimono auf. Geschickt setzt Aki Shimizu diese Gefühlswelt ein und präsentiert damit eine große emotionale Abwechslung in der Handlung. Mühelos bietet die Zeichnerin den Lesern eine mysteriöse, teils unheimliche Atmosphäre. Positiv fallen die vielen Hintergründe auf, auch wenn die Inneneinrichtungen der Gebäude schlicht bleiben. Das liegt aber ebenfalls an der beschriebenen Zeit 1952. Zum Abschluss des Bandes gibt es fünf Seiten voll Skizzenentwürfe der Mangaka zu den verschiedenen Charakteren.

Das Tempo vom ersten Teil wird zwar nicht wieder aufgenommen, verglichen zum Vorgängerband gibt es aber doch einen Anstieg in der Erzählgeschwindigkeit. Etwas überraschend trifft der Leser auf ein paar Enthüllungen, deren grobe Züge manche vielleicht schon zuvor erraten haben. Die zugrunde liegenden Details gliedern sich verständlich aneinander, nur untermauernde Beweise vermisse ich ein wenig, aber bei zwei fehlenden Bänden könnten diese noch nachgetragen werden. Die Bilder sind detailliert ausgearbeitet, das Charakter-Design individuell und breit gefächert an Emotionen. Hintergründe und Kleidungsstil fangen Japan in den 50ern ein. Die Atmosphäre bleibt geheimnisvoll und bedrohlich. Nach der Lektüre von Band drei ist die Neugierde hoch. Die Handlung lädt definitiv zum Weiterlesen ein.

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Box of Spirits, Band 3.

Details

Titel: Box of Spirits, Band 3
Originaltitel: 魍魎の匣(Mouryo no Hako), Vol. 3
Mangaka: Aki Shimizu
Autor: Natsuhiko Kyogoku
Erschienen am: 17.7.2009 (JP), 13.1.2014 (DE)
Verlag: Kadokawa Shoten (JP), TOKYOPOP (DE)
Genre: Horror, Mystery, Shonen
Altersempfehlung: ab 15
Preis: 6,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3842008996&chan=animey&asin=3842008996]

MOURYO NO HAKO © 2009 Natsuhiko KYOGOKU, Aki SHIMIZU/KADOKAWA SHOTEN
BOX OF SPIRITS © TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014