»Box of Spirits« Band 4 – Manga-Test

Mit Teil vier brachte TOKYOPOP am 10. März den vorletzten Band von Aki Shimizus Manga Box of Spirits, basierend auf einem Roman Natsuhiko Kyogokus, heraus. Der Abschluss ist zum 16. Juni vorgesehen. Damit bildet der Mystery-Titel eine übersichtliche Reihe, die mit einer dichten und atmosphärisch hochwertigen Story aufwartet. Am Ende vom dritten Volume enthüllte der gelehrte Shinto-Priester Kyogokudo, dass der sonderbare Shunko Kubo hinter den Verstümmelungsmorden steckt und Yoriko versucht hat, Kanako am Bahnhof umzubringen. Zum Schrecken aller wird jedoch ein neues Opfer im grausamen Fall gefunden. Alles deutet darauf hin, dass die Tote Yoriko ist.

Die Lage spitzt sich zu. Kyogokudo beschließt zu handeln. Mit Sekiguchi, Enokizu und Toriguchi im Schlepptau begibt er sich zu Hyo-e Terada, dem Gründer der Sekte »Schmutz versiegelnde Kiste«. Kurzerhand gibt Kyogokudo vor, dass Sekiguchi von einem Mouryo besessen ist und lockt mit seinem Wissen über die mythischen Wesen den ahnungslosen Terada aus der Reserve, während Enokizu dank seiner besonderen Fähigkeit die Gedanken des Mannes liest. Schnell steht fest, dass der falsche Priester nicht nur ein Scharlatan ist, sondern selbst nur ein Glied in einer Kette darstellt, an deren Anfang sein eigener Sohn steht: Shunko Kubo.

In der Zwischenzeit macht sich der Polizist Aoki zu dem Hauptverdächtigen auf und trifft diesen tatsächlich in der Wohnung an. Kubo benimmt sich mehr als merkwürdig, wirkt unsicher und weicht allen Fragen aus. Schließlich verliert er die Nerven und tritt Aoki bewusstlos. Bei dessen Erwachen ist der Verdächtige verschwunden, doch in der Wohnung entdeckt der Verwundete einen Raum voller Kisten. Eine davon birgt ein furchtbares Geheimnis. Andernorts macht sich Kommissar Kiba mit einer geladenen Pistole auf, um nötigenfalls aufs Äußerste zurückzugreifen.

Der große Endspurt von Box of Spirits hat bereits am Ende vom dritten Band begonnen und wird natürlich auch in diesem Teil fortgesetzt. Mit jeder neuen Information steigt die Spannung, das Erzähltempo nimmt sichtlich an Geschwindigkeit auf. Klare Logik vermengt sich mit der dämonischen Aura der Mouryos, die immer wieder als böses Omen in der Geschichte auftauchen. Zeitlich am Anfang der Fünfzigerjahre eingebettet, wo der altertümliche Aberglaube auf den modernen Fortschritt prallt, entfaltet diese Mischung ihre volle Wirkung. Kyogokudo enthüllt langsam ein Geheimnis nach dem anderen und setzt dabei nicht nur seine grauen Knobelzellen ein, sondern auch sein Wissen als Shinto-Priester sowie Erlebnisse aus der eigenen Vergangenheit.

Noch sind viele Fragen offen und manche Antworten werfen neue Rätsel auf. Es wird sich erst im fünften Band zeigen, ob es Aki Shimizu in ihrer Adaption gelingt, die Kriminalratten unter euch vollständig zufriedenzustellen. Bisher ist die Zeichnerin auf einem guten Weg. Als Leser kann man sich wohl am ehesten mit dem etwas überforderten Sekiguchi identifizieren, der zwar die Details nicht von selbst durchschaut, hin und wieder aber doch einen kleinen Lichtblick hat. Eine interessante, aber undurchsichtige Position nimmt Kommissar Kiba ein, der mit seiner großen, muskulösen Statur vollkommen dazu geeignet ist, den leidenschaftlichen Helden zu mimen, um der Schönheit in Nöten, also Yoko, zu helfen. Anscheinend vertritt Kiba die Herangehensweise Handeln vor Nachdenken, was im krassen Gegensatz zu Kyogokudo und Sekiguchi steht.

Erneut entführt Aki Shimizu die Betrachter knapp sechzig Jahre in die Vergangenheit. Neben der damaligen Kleidung, Infrastruktur und Autokarosserien lassen alte Filmplakate die Fünfzigerjahre aufleben. Während es im zweiten Band schon eine Andeutung auf Vom Winde verweht gab, kommt dieses Mal nicht nur Frankensteins Sohn auf seine Kosten, sondern insbesondere auch japanische Filme – und das auf einer farbigen Doppelseite. Das Cover wird wie immer von Kyogokudo geprägt, der mit seiner leichenblassen Hautfarbe, dem schwarzen Gewand und einem eindringlichen Blick selbst wie ein böser Geist aussieht. Danach folgen acht Farbseiten. Am Ende gibt es ein paar Skizzen zu den Charakteren und Schauplätzen.

Passend zum näherrückenden Höhepunkt sprechen die Bilder eine ernste, spannungsaufreibende Sprache. Die Zeichnungen strahlen eine mulmige, gefährliche Atmosphäre aus. Rasterfolie wird von der Mangaka nur großflächig benutzt. Eine starke, klar definierte Linienführung prägt die Seiten. Nicht zu selten schmückt Aki Shimizu die Panels mit Hintergründen aus, um dem Betrachter die Szenerie näherzubringen und einen realistischen Zugang zu schaffen. Allzu leicht beginnt die Welt in Box of Spirits zwischen Wirklichkeit und Übernatürlichem zu verschwimmen. Mimik und Gestik begeistern auf voller Linie. Zusätzliche Schockmomente im Manga halten den Leser wachsam.

Wir sind wieder beim Spannungslevel und rasanten Tempo vom ersten Band angelangt, nachdem die Ermittlungsarbeiten im zweiten als auch im dritten Teil von Box of Spirits etwas zurückhaltender abliefen. Jede Seite ist ein Lesegenuss. Neugierig blättert man schnell weiter und saugt die Welt sowie ihre einzigartigen Charaktere auf wie ein Schwamm. So grausig die Verstümmelungsmorde sind, genauso unfassbar entpuppt sich die dazugehörige Aufklärung. Surreale Aspekte verstricken sich in die Handlung und geben zusammen mit Protagonist Kyuogokudo das gewisse Extra, um Box of Spirits einen einmaligen Anstrich zu verleihen. Sollte der fünfte Band das Niveau von diesem hier halten oder gar übertrumpfen, dürfen sich die Leser auf einen fulminanten Abschluss freuen. Da macht es auch nichts aus, dass das vierte Volume im Gegensatz zu seinen Vorgängern mit rund 180 Seiten deutlich dünner ausfällt.

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Box of Spirits, Band 4.

Details

Titel: Box of Spirits, Band 4
Originaltitel: 魍魎の匣(Mouryo no Hako), Vol. 4
Mangaka: Aki Shimizu
Autor: Natsuhiko Kyogoku
Erschienen am: 23.1.2010 (JP), 10.3.2014 (DE)
Verlag: Kadokawa Shoten (JP), TOKYOPOP (DE)
Genre: Horror, Mystery, Shonen
Altersempfehlung: ab 15
Preis: 6,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3842009003&chan=animey&asin=3842009003]

MOURYO NO HAKO © 2010 Natsuhiko KYOGOKU, Aki SHIMIZU/KADOKAWA SHOTEN
BOX OF SPIRITS © TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014