»Box of Spirits« Band 5 – Manga-Test

Seit 16. Juni 2014 kommen die Krimi-Fans dank TOKYOPOP in den Genuss des fünften und damit abschließenden Bandes von Box of Spirits aus der Feder Aki Shimizus nach Natsuhiko Kyogokus Roman Mouryo no Hako. Damit endet der schaurig spannende Manga, welcher hierzulande im September 2013 startete und mit dem Shinto-Priester Kyogokudo einen düsteren, etwas gruseligen Charakter als Spürnase der Superlative präsentiert. Wir befinden uns in der Handlung bereits in der Mitte der Auflösung von gleich vier Fällen, die lose zusammenhängen. Kyogokudo hat bereits enthüllt, dass Yoriko Kanako am Bahnhof töten wollte und nun selbst Opfer des Verstümmelungsmörders Shunko Kubo wurde. Doch bevor die Polizei des Manns habhaft werden kann, verschwindet er. Kurz darauf stößt man auf seine abgetrennten Arme und Beine.

Alle Beteiligten haben sich im Kistengebäude eingefunden, wo Kanako einst behandelt und letztendlich entführt wurde. Kyogokudo ist bereits über alle Geschehnisse genau im Bilde und klärt Schritt für Schritt die Hintergründe über das Verschwinden des Mädchens auf. Geld spielte dabei eine wichtige Rolle. Um Kanako nämlich am Leben zu erhalten, musste fast das gesamte dreistöckige Gebäude wieder in Betrieb genommen werden. Dies ist jedoch mit hohen Kosten verbunden. Ohne eine zusätzliche Einnahmequelle würde Kanako am 31. August sterben.

Das Rätsel um den merkwürdigen, lückenhaften Drohbrief ist schnell gelöst. Dieser stammt nämlich von Yoko, welche in ihrer Verzweiflung, ihre Tochter zu verlieren, mit der Erpressungsidee spielte und begann, ausgeschnittene Wörter aus Drehbüchern auf Papier zu kleben. Den Stein letztendlich ins Rollen gebracht hat jedoch eine andere Person, die sich selbst der Tat nicht bewusst war.

Mit dem fünften Band holt Aki Shimizu noch einmal alles heraus, was die Handlung zu bieten hat. Die Beschreibung zuvor gibt nur den bildlich gesprochenen Tropfen auf dem heißen Stein wieder, was Käufer erwarten dürfen. Tatsächlich gestalten sich die Vorgänge dramatisch und komplexer als gedacht, da diese vier –später sogar fünf – Fälle umfassen, welche trotz Zusammenhänge einzeln zu beleuchten sind. Während man als Leser ungeachtet der geringen Anzahl an Verdächtigen im Dunkeln tappt und vielleicht hier oder dort tatsächlich ein paar Fakten erratet, zieht unsere Spürnase mühelos die richtigen Schlüsse, wie es sich für den Detektiv-Charakter in einem Krimi gehört. Die einzige Schwäche, welche man dem Priester in seiner Aufklärung vorwerfen könnte, ist das fehlende Anführen von stichfesten Beweisen. Stattdessen scheint er mehr darauf zu vertrauen, alle anwesenden Täter mit seinen Enthüllungen in die Enge und zu einem freiwilligen Geständnis zu treiben.

Die endgültige Auflösung läuft sehr emotional vonstatten. Dunkle, schockierende Geheimnisse werden von Kyogokudo ans Licht gebracht, welche den betroffenen Charakteren mehr Konturen verabreichen und selbst an den ungläubigen Zuschauern nicht spurlos vorübergehen – Leser mit eingeschlossen. Wer die ersten vier Bände kennt, wird wissen, dass Box of Spirits weit davon entfernt ist, als stinknormaler Krimi zu gelten. Natsuhiko Kyogoku würzt seine Geschichten mit einer mystischen, stellenweise schaurigen Aura, die sich ebenfalls in der Figur Kyogokudo verwurzelt. Im Kontrast zu den übernatürlichen Aspekten schlagen mit den merkwürdigen Geschehnissen im Kistengebäude auch Forschung und Naturwissenschaften zu. Die medizinischen Errungenschaften in dem Fünfzigerjahre-Setting erreichen dabei überragende, aber gleichzeitig zweifelhafte Ausmaße, sodass die Frage im Raum steht, ob so eine Entwicklung in der Realität überhaupt wünschenswert ist.

Was neben der Story punktet, sind das Charakter-Design und der Zeichenstil, welche vom ersten Band an bereits auf einen hohen Level spielten. Wichtige neue Figuren kommen im letzten Volume nicht dazu. Diese wurden fast alle gleich zu Beginn von Box of Spirits eingeführt, um die Geschichte schnell voranzutreiben. Geschickt bleibt Aki Shimizu den bisher gesetzten Charakterzügen der vier Freunde Kyogokudo, Kiba, Sekiguchi und Enokizu treu. Zum Abschluss wollen wir das Quartett noch einmal kurz umreißen: Der Shinto-Priester erhält die zentrale Rolle im Spektakel. Mit seinem großen, hageren Körper und dem schwarzen Gewand strahlt er eine unheimliche, mysteriöse Präsenz aus. Seine blasse Hautfarbe, die man von den fünf Titelbildern und den beiliegenden Farbseiten kennt, unterstreicht diese Aura. Als Kommissar und mit einer ausgeprägten, muskulösen Figur nimmt Kiba die Rolle des ehrenhaften Helden ein, der seiner Herzdame zu Hilfe eilen möchte. Dabei handelt er nach dem Prinzip »zuerst handeln, danach denken«. Sekiguchi bleibt die meiste Zeit passiv. Am liebsten würde der Schriftsteller mit den Fällen überhaupt nichts zu tun haben und fühlt sich von Mal zu Mal unbehaglicher. Ein Rätsel bildet dagegen Enokizu, der anscheinend unbeschwert agiert, wie es ihm beliebt, und regelrecht Spaß am Ermitteln verspürt.

Genauso sorgfältig geht die Mangaka mit den restlichen Charakteren um, die alle ein individuelles Design erhalten haben. Besonders als die Wahrheit herauskommt, dürfen sich Betrachter auf ein Bad der Gefühle freuen, die tiefe Eindrücke hinterlassen, da sie regelrecht das Innerste der Menschen nach außen kehren. Die Szenerien zeigen dieses Mal hauptsächlich die Räumlichkeiten des Kistengebäudes. Das bedeutet allerlei konfuse Geräte und ein Wirrwarr an Kabeln. Wie in den anderen Bänden entdeckt man auch im Abschlussteil eine überwältigende Anzahl an Farbseiten. Ganze acht Stück zählt das Volume. Darunter befinden sich sogar zwei Motive, die sich über je eine Doppelseite ausbreiten. Passend zum Ende lässt es sich Aki Shimizu nicht nehmen, ein Gruppenbild mit fast allen Charakteren zu zeichnen.

Von der Krimi-Seite her ist in Box of Spirits alles da, was man sich wünschen kann. Eine rätselhafte Story fesselt den Leser nicht nur mit einem, sondern gleich mit mehreren Fällen, die sogar miteinander zu tun haben. Mit einem Shinto-Priester präsentiert das Werk einen einzigartigen, authentischen Schlaukopf, während die restlichen Charaktere ebenfalls ausgefeilt genug sind, um in ihren Rollen zu überzeugen. Kalte Logik trifft auf Okkultismus – ein Gegensatz, der die Atmosphäre spürbar zum Knistern bringt und einen Hauptteil dessen ausmacht, warum Box of Spirits so ein empfehlenswerter Titel ist. Das Werk zeigt nur durch Kyogokudos langen, verwirrenden Erklärungen im zweiten beziehungsweise dritten Band auffällige Schwächen auf, welche im Gesamtbild ausgeglichen werden. Die Hobby-Detektive unter euch sollten unbedingt einen Blick in die Reihe riskieren, besonders da bei einer durchschnittlichen Seitenanzahl von 219 und einer Fülle von inkludierten Farbillustrationen mit 6,95 Euro auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Box of Spirits, Band 5.

Details

Titel: Box of Spirits, Band 5
Originaltitel: 魍魎の匣(Mouryo no Hako), Vol. 5
Mangaka: Aki Shimizu
Autor: Natsuhiko Kyogoku
Erschienen am: 26.7.2010 (JP), 16.6.2014 (DE)
Verlag: Kadokawa Shoten (JP), TOKYOPOP (DE)
Genre: Horror, Mystery, Shonen
Altersempfehlung: ab 15
Preis: 6,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3842009011&chan=animey&asin=3842009011]

MOURYO NO HAKO © 2010 Natsuhiko KYOGOKU, Aki SHIMIZU/KADOKAWA SHOTEN
BOX OF SPIRITS © TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014