***Rabatt für AnimeY-Leser!*** Bereits vier Jahre liegt der 11. März 2011 zurück – ein Datum, das  Japan und die Welt geprägt hat. Knapp 10.000 km entfernt vom Land der aufgehenden Sonne verlor der Japanspezialist Thomas Köhler durch die Dreifachkatastrophe seinen Job. Doch statt aufzugeben oder sich umzuschulen flog er nach Japan und reiste ein halbes Jahr von Norden nach Süden – zu Fuß! Die Gebrüder Jan und Stephan Knüsel haben den Schweizer auf seiner Reise begleitet und mit negative: nothing einen Film geschaffen, der seit Jahren die Herzen berührt. Wir konnten den frisch auf DVD veröffentlichten Titel für euch unter die Lupe nehmen.

Hintergrund

© Christoph Bangert

Am 11. März 2011 um 14:46 Uhr Ortszeit erlebte Japan sein schwerstes Erdbeben, welches global als viertstärkstes seit Beginn der Aufzeichnungen gilt. Das Tohoku-Beben, wie es aufgrund der Lage seines Epizentrums im Pazifik nahe der Tohoku-Region (die sechs nördlichsten Präfekturen der Hauptinsel) genannt wird, erzielte einen Wert von 9,0 auf der Magnitudenskala und dauerte mehrere Minuten. Dieser an sich schon fatalen Katastrophe folgte ein zehn Meter hoher Tsunami, der an manchen Stellen bis zu 38 Meter erreicht haben soll. Zusätzlich fielen am Atomkraftwerk Fukushima Daiichi vier von sechs Reaktoren aus, es kam zu Kernschmelzen und radioaktives Material wurde ausgestoßen. Die Katastrophe forderte bisher offiziell über 15.000 Tote, wovon knapp 2.500 immer noch als vermisst gelten, sowie über 6.000 Verletzte. Auch heute, vier Jahre nach dem Unglück, gelten weiterhin rund eine halbe Million Menschen als evakuiert und aus den Reaktoren tritt stündlich radioaktives Material ins Meer aus.

Thomas Köhler, seines Zeichens Reisefachmann und Japan-Spezialist, war auf einen Schlag arbeitslos. Alle Buchungen wurden storniert, keiner wollte in das »verseuchte Land« reisen, jeder fürchtete die allgegenwärtige radioaktive Verstrahlung. Köhler, der sein Leben lang mit Japan und Japanern zu tun hatte, war sich in einem sicher: Er wollte helfen.

Die Reise

Am 18. April rief der Schweizer mit den Worten »Ab dem 1. August werde ich zu Fuss entlang der Westküste durch ganz Japan marschieren (ca. 2500 km).« seinen speziell dafür angelegten Blog (japanfenster.ch/japantrip/) ins Leben. Und er wurde seinen Worten gerecht: Vom nördlichsten Punkt Hokkaidos, Kap Soya, aus führte ihn sein langer Marsch die Westküste Japans entlang. Ende Dezember kam er etwas später und mit knapp 400 km mehr zurückgelegter Strecke als geplant am Kap Sata, dem südlichsten Punkt Kyushus, erschöpft aber glücklich an.

Täglich schrieb der Schweizer in seinen Blog, egal ob er 20, 30 oder 40 Kilometer zurückgelegt hatte. Dabei postete er zahlreiche Bilder von Japan, den Leuten, und von sich selbst. Jeder Beitrag hatte eine Positiv- und Negativ-Zeile, wobei in fast allen Fällen der Wortlaut Negativ: nichts fiel, der später namensgebend für den vorliegenden Film wurde. Gewieft, wie er war, wurden auch die Medien eingespannt, wodurch immer mehr Leute in Japan und später auch im Rest der Welt von seiner Sache Wind bekamen. Im Bild sieht man einen Artikel der Yomiuri Shinbun, Japans größter Zeitung.

Der Film

Köhler hatte sich bei seinem Weg für die Westküste entschieden, weil er keinen Katastrophentourismus betreiben wollte. Sein Ziel war es, den Menschen in Japan und der Welt zu zeigen, dass nicht das gesamte Land verstrahlt war. Dass das Leben weiter geht. Dass Hoffnung besteht. Und er hatte Erfolg.

Als Köhler seinen Entschluss für das gewagte Projekt traf, weihte er einige Personen ein. Neben seiner Schwester und seinen Eltern gehörten auch die Schweizer Brüder Knüsel dazu, welche beruflich Kurzfilme produzieren. Sie wollten mit ihrem Werk jedoch nicht einfach Köhlers Reise zeigen, die man auf seinem Blog ohnehin schon nachverfolgen konnte, sondern seine Leidenschaft und Begeisterung für das Land und die Hürden des Projektes aufzeigen.

Was zu Beginn ein Kurzfilm hätte werden sollen, entwickelte sich mehr und mehr zu einem Streifen in Spielfilmlänge, an dem die Filmindustrie jedoch kein Interesse hatte. Um die Produktion finanzieren zu können, wurde nach der Veröffentlichung eines Trailers ein Spendenaufruf gestartet, der großen Anklang fand. Zuerst gab es lediglich Vorführungen in der Schweiz, und zwar in kleineren Kinosälen. Doch schon bald strömten immer mehr Zuschauer herbei, wodurch sämtliche Vorführungen im Vorverkauf ausverkauft waren. Auch in Japan wurde der Wunsch nach Vorführungen lauter, bis zuletzt sogar Swiss Air den Film sechs Monate lang in ihr Langstreckenflug-Repertoire aufnahm. Der Schritt zur DVD-Veröffentlichung war danach kein großer mehr.

Die DVD

Bis die DVD in den Shop von Asienspiegel einzog, über den sie exklusiv vertrieben wird, verging einiges an Zeit. Die Disc kommt in einer typischen Amaray-Hülle, die ein Wendecover mit deutsch-englischen oder japanischen Texten enthält (siehe Bild). Der Film selbst weißt eine Laufzeit von 75 Minuten auf.

Die Personen hören wir allesamt in ihrer jeweiligen Originalsprache, sei es nun Schweizerdeutsch, Deutsch, Englisch oder Japanisch. Überlagernd gesprochene Übersetzungen gibt es zum Glück nicht, wodurch die Gefühle der Betroffenen authentisch rüberkommen. Neben den klar verständlichen gesprochenen Zeilen gibt es auch diverse Musikstücke, die immer gefühlvoll und passend eingespielt werden.

An der Kameraführung merkt man teilweise, dass der Film kein teures Hollywoodprojekt mit mehrfach gedrehten Szenen ist, sondern im Gehen oder spontan aufgenommen wurde. Da kann es unterwegs durchaus zu Wacklern, Zoomschwierigkeiten oder etwas Flimmern kommen. Dies stört jedoch nicht, sondern unterstreicht den leidenschaftlichen und intuitiven Charakter des Films. Die Einblendung der Untertitel ist sowohl zeitlich, als auch, was die Wortwahl angeht, gut gewählt. Komische Übersetzungsfehler, wie man sie manchmal bei Animes oder selbst englischen Filmen findet, sind mir nirgends aufgefallen.

Extras

Physikalische Extras liegen nicht vor. Ein Booklet oder ähnliches wurden vermutlich nicht beigefügt, da es separat ein Buch zum Film zu kaufen gibt. Digital können wir neben dem Film den oben verlinkten Trailer, ein Interview mit Thomas Köhler und einen Kurzfilm namens Independent Spirits anschauen. Letzterer verfolgt die Produktion des Films mit Kommentaren der Gebrüder Knüsel und erzählt von der zunehmenden Nachfrage nach Vorführungen des Titels bis hin zum finalen Vertrieb.

Die Extras können sich durchaus sehen lassen. Entstehung und Vermarktung des Films, Eindrücke von Thomas Köhler und Trailer bieten ein Rundumpaket an Hintergrundinfos, wie sie sich jeder Filmfan wünscht.

Köhlers Begeisterung und sein Leiden für und mit Japan wirken, wie der Protagonist selbst, absolut ehrlich und reißen einen immer wieder mit. Nie kommt der Eindruck auf, Köhler sei von egoistischen oder kommerziellen Interessen als Reisefachmann angetrieben, sondern er nutzt seinen beruflichen Hintergrund, um den Japanern Mut zu machen und für die schönen Seiten des Landes zu werben.

Was man nicht erwarten darf, ist eine Dokumentation über Köhlers Weg und alle Städte, die er besucht hat. Wie erwähnt konzentriert sich der Film auf die inneren sowie äußeren Konflikte des Reisenden. Auch die oftmals eingeblendeten Fotografien sind Lesern des Blogs größtenteils bereits bekannt. Doch das Gesamtkonzept des Films ist wunderschön und stimmig: Von traurigen Momenten bis hin zu einigen Lachern sind alle emotionalen Ebenen abgedeckt und beim Anschauen hat man so gut wie immer ein Lächeln auf den Lippen. Die Energie und Begeisterung, die das gesamte Team rund um negative: nothing angetrieben hat, kann man sehr gut nachempfinden.

Nachdem AnimeY-Leser bereits bei In Japan einen Kaufrabatt ergattern konnten, haben wir auch diesmal in Zusammenarbeit mit den Gebrüdern Knüsel ein Schmankerl zu bieten: Wer bis zum 18. August 2015 die negative: nothing-DVD im Asienspiegel-Shop bestellt, bekommt mit dem Gutscheincode »animey-negativenothing-2015« die Versandkosten erlassen!

Für ein DVD-Rezensionsexemplar von negative: nothing und die Einräumung eines Leserrabatts bedanken wir uns ganz herzlich beim Autor Jan Knüsel und dem Asienspiegel!

Details

Titel: negative: nothing
Produktionsjahr: 2012
Veröffentlichungsdatum: Juli 2015
Publisher: Asienspiegel GmbH
Regie: Jan Knüsel, Stephan Knüsel
Länge/Episoden: 75 Minuten / 1 Disc
Sprachen: Schweizerdeutsch, Japanisch, Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Japanisch
Bild: 1.78 : 1
ISBN: 978-3-952449-1-0
Preis: 42 CHF (etwa 39,50 €, Stand Juli 2015)
Bestellen: http://asienspiegel.ch/shop/product/negative-nothing-dvd/

Bilder: © Asienspiegel GmbH