Was passiert, wenn zwei Alpha-Tiere aufeinandertreffen und sich nicht von dem jeweils anderen unterkriegen lassen wollen? Genau das wird in der Reihe von Nozomu Hiiragi Ganz verschieden gleich näher beleuchtet. Die Zeichnerin ist in Japan längst kein unbeschriebenes Blatt mehr, anders als bei uns, wo mit dieser Serie ihre erste Veröffentlichung im September 2014 erschien. Docchi mo Docchi, wie der Manga im Original heißt, ist die neueste Erscheinung von Hiiragi-sensei und kommt ein wenig anders daher als gewöhnliche Yaoi-Titel.

In den Zwillingstürmen von einem Großunternehmen in Japan arbeiten nur ausgewählte Personen, die auf beide Gebäude aufgeteilt sind. Darunter auch zwei leitende Angestellte: für Turm A Tsuburaya und Turm B Ozaki. Tsuburaya kann jede Sprache der Welt sprechen, jedes Instrument spielen, auch wenn er noch nicht einmal davon gehört hat, und ist zu allem Überfluss prinzengleich. Doch sein Gegenüber Ozaki steht ihm in nichts nach. In jeder Sportart konnte der Draufgänger spektakuläre Siege für sich entscheiden und scheint aufgrund seiner überwältigenden physischen Schönheit ein Super-Pheromone-Mann zu sein, der Frauen mit bloßem Anblick schwängert. Das klingt alles völlig überzogen und übertrieben? Ist es auch! Aber dazu später mehr.

Die Türme sind durch einen Übergang miteinander verbunden, wo sich Tsuburaya und Ozaki auch zum ersten Mal begegnen. Nach einem Aufruhr, der seitens der weiblichen Belegschaft verursacht wurde, treffen sich die beiden Angestellten in der Herrentoilette wieder. Der schwarzhaarige Ozaki lässt es sich nicht nehmen mit dem Prinzen Tsuburaya zu flirten, auch wenn dieser kein Interesse an Männer zu haben scheint. Mit einem gewaltigen Selbstbewusstsein versucht der Draufgänger seinen gegenüber zu küssen und tappt dabei selbst in die Falle des Frauenschwarms. Von da an hat es sich Ozaki in den Kopf gesetzt Tsuburaya ins Bett zu bekommen und flachzulegen. Klar, dass dieser sich das ganze nicht gefallen lassen will und seine eigenen Absichten hegt. Wer schafft es hier wohl, den anderen zu dominieren?

Das Spiel um die Oberhand im Bett beginnt, wobei scheinbar keinerlei Gefühle im Spiel sind. Ozaki hat nur das eine im Kopf und versucht alles, um seinen Prinzen nach allen Regeln der Kunst zu verführen, dabei ist er stur, kindlich und zielstrebig. Allerdings geht alles schief, was sich der Angestellte vornimmt und das bringt den Mann immer wieder in witzige Situationen. Nach nur kurzer Zeit entwickeln sich einseitig tiefe Gefühle für Tsuburaya. Der blonde Prinz lehnt jedoch geschickt die plumpen Versuche seitens Ozaki ihn flachzulegen ab und schafft es selbst den Draufgänger zu verführen beziehungsweise ihn immer wieder zu ärgern und als niedlich zu bezeichnen. Er selbst behält immer einen kühlen Kopf und scheint die Oberhand in dem Wettkampf zu haben, doch dieses Spiel kann man auch zu zweit spielen.

Der Zeichenstil ist für einen Yaoi-Manga ungewöhnlich markant, so besitzen die Hauptcharaktere schmale Augen, aber ihre Körper wirken ein wenig lang gezogen. Das könnte dem starken Kontrast zu den kleinen dicken Chefs der Türme zugrunde liegen, die herrliche Nebenfiguren abgeben, auch wenn sie scheinbar die einzigen sind. Hintergründe sind nur sehr selten vorhanden und wenn auch eher langweilig gehalten.

Das Buch beinhaltet neben drei Kapiteln eine Kurzgeschichte sowie eine Bonusstory. Die Titel der Einteilungen sind passend zum Thema der Erzählung mit »Runde 1« beziehungsweise »Runde 2« und so weiter versehen, was ich als Zusatz ziemlich witzig fand, da mir die Parallelen zu einer Art Wettstreit als sehr passend vorkamen.

Beide Männer sind in einer Beziehung eindeutig die Lebenspartner mit der dominanten Rolle und wollen diese nun auch mit ihrer neuen Eroberung ausleben. Wenn jedoch zwei so denken, kommt es für den Leser zu witzigen Konfrontationen und ulkigen Situationen. Dieser gesamte Manga ist von vorne bis hinten völlig überzogen und mehr eine Parodie des Genre Yaoi als eine ernst zu nehmende Abendlektüre. Nozomu Hiiragi nimmt die Kategorie auf humorvolle Art und Weise auf die Schippe, aber verliert dennoch nicht den roten Faden der Geschichte aus den Augen. Leider gibt es nur sehr wenige Nebencharaktere, die auch sehr blass wirken und nur durch ihr Aussehen Aufmerksamkeit erregen. Eine kurze Reihe mit drei Bänden, die für jeden Leser, der über Klischees lachen kann, geeignet ist.

Wir bedanken uns herzlich bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares für Ganz verschieden gleich.

Details

Titel: Ganz verschieden gleich Band 1
Originaltitel: どっちもどっち (Docchi mo Docchi)
Mangaka: Nozomu Hiiragi
Erscheinungsjahr: 2011 (JP), 2014 (DE)
Verlag: Kaiousha Publishing Co.
Genre: Romance, Comedy, Yaoi
Preis: 6,95€ (DE), 7,20€ (AT)
Bestellen: [amazon text=Amazon&chan=animey&asin=3842010680]

Docchi mo Docchi ©2011 Nozomu Hiiragi /Kaiousha Publishing Co.
Ganz verschieden gleich © 2014 TOKYOPOP GmbH, Hamburg

3 KOMMENTARE

  1. Gerade gestern habe ich den Band mal wieder aus dem Regal geholt um ihn durchzublättern. Den Zeichenstil mag ich sehr gerne leiden und die Story ist eine herrliche Abwechslung zu den üblichen Herz-Schmerz-Drama-BLs, die es wie Sand am Meer gibt.

    Absolut empfehlenswert <3

    • Meinen Geschmack trifft der Zeichenstil auch, ich habe mir sogar den zweiten Band privat gekauft und fühle mich von der Geschichte immer herrlich unterhalten, einfach, weil er anders ist als alle anderen BLs xD
      Vielen Dank für deine Meinung und deinen Kommentar 😀

      • Band 2 soll laut Amazon morgen bei mir eintrudeln. Ich freu mich schon drauf und bin neugierig, wie es weiter gehen wird 🙂

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