Wir befragen die Zeichnerin SilentVoize, auch als Miharu bekannt, zu ihren beiden Werken Pink Dance und Mother Nature.

Am 27. Februar 2016 findet die Manga und Comic Convention in Oberhausen statt. Mit dabei ist auch die Künstlerin SilentVoize mit ihren beiden Werken Pink Dance (22 Seiten) und Mother Nature (8 Seiten), welche in einem Sammelband diesen Monat erschienen.

Mit Mother Nature ist SilentVoize für den Dojinshipreis 2015 nominiert und hat es unter die acht Finalisten geschafft. Zudem ist sie in den zwei Artbooks Shinkai Kisu – Play with me in kinky waters vom Krakenkuss Verlag und dem privat produzierten Shonen-Ai & Bishonen Artbook vertreten, welche beide zur Leipziger Buchmesse erscheinen. Ebenfalls ein Beitrag von ihr findet sich im zweiten Band der Boys-Love-Anthologie YAMETE!.

Sumikai: Woran hast du vor Pink Dance und Mother Nature gezeichnet?

SilentVoize: Vor diesen beiden Projekten habe ich vor allem an meinen Online-Comics gearbeitet, aber auch eine 40-seitige Geschichte für YAMETE! (ein Sammelband) gezeichnet.

Sumikai: Wie bist du auf die Ideen zu Pink Dance und Mother Nature gekommen?

SilentVoize: Vor etwa einem Jahr wuchs mein Wunsch danach, unbedingt einen farbigen Comic zu machen, da ich das bisher noch nie getan habe und ausschließlich in Schwarz-Weiß gearbeitet habe, sollte es für den Anfang eine Kurzgeschichte werden. So kam es zu Mother Nature, die Idee dazu kam eher spontan. Ich wollte unbedingt etwas mit einer Tierbegegnung machen. Da ich Tiere generell sehr liebe. So auch meine Idee zu meinem zweiten Projekt, welches dann Pink Dance war. Nach den acht Seiten von Mother Nature wollte ich mich nun an einer längeren Kurzgeschichte versuchen. Die Idee zu Pink Dance kam in einer Zeit, in der ich mich sehr intensiv mit der brutalen Schlachtung von Delfinen und Ausrottungen der seltenen Flussdelfine beschäftigt habe. Ich wusste von Anfang an, dass ich unbedingt eine Geschichte mit Tierbegegnungen machen wollte.

Sumikai: Wie sind die Charaktere entstanden?

SilentVoize: Xena aus Pink Dance ist an einem ruhigen Abend entstanden, ich hatte sofort ein sehr klares Bild von ihr im Kopf, und es ist mir dadurch sehr schnell gelungen, sie zu zeichnen. Ich habe mich dabei wenig an Referenzen bedient, eher meine komplette Fantasie spielen lassen.

Mother Nature by SilentVoize deutscher Manga 2016
Mother Nature © 2016 by SilentVoize

So auch bei dem Hauptcharakter in Mother Nature, zu dem ich allerdings mehrere Skizzen brauchte anfangs. Der Farbeindruck war mir von Anfang an bei MN am wichtigsten, welcher aus den drei Farben Rot, Blau und Gelb besteht. Diese Farben ziehen sich durch die ganze Geschichte. Ich entwickle generell viele Charaktere anhand eines Farbschemas oder einer Stimmung.

Sumikai: In Pink Dance tauchen die Amazonas-Flussdelfine auf. Was fasziniert dich an Delfinen?

SilentVoize: Ich glaube, was mich an ihnen besonders fasziniert, ist diese grenzenlose Freiheit, die sie ausstrahlen durch ihr aufgewecktes Verhalten und ihre Schnelligkeit. Ich halte sie nicht nur für unglaubliche schlaue Tiere, sondern auch für Tiere, welche neben Primaten und Elefanten dem Menschen am ähnlichsten sind. Wenn man sich etwas näher mit diesen Tieren auseinandersetzt, kann man sehr schnell nachvollziehen, warum sie niemals artgerecht in Gefangenschaft gehalten werden können. Mich nimmt das sehr mit, weswegen ich mich unbedingt dafür einsetzen möchte. Delfine sind wirklich wie Menschen für mich.

Sumikai: Im Autorenkommentar verrätst du, für das Meer und Flusstiere zu schwärmen. Woher kommt diese Leidenschaft?

SilentVoize: Diese Leidenschaft ist sehr, sehr früh entstanden, bereits als kleines Kind. Ich hatte überall Poster, habe meine Wände mit Delfinen und Wellen bemalt, habe zig Plüschtiere gesammelt. Mich zieht es immer in Richtung Meer, ich fühle mich dort völlig ausgeglichen und wohl. Das Meer und die Flüsse reizen mich, so viele bunte, sowohl dunkle gar beängstigende Kreaturen leben dort. Ich finde das einfach unheimlich interessant.

Pink Dance + Mother Nature
Pink Dance © 2016 SilentVoize

Sumikai: In Pink Dance muss Protagonistin Xena, wie alle 18-jährigen Mädchen ihres Stammes, ein traditionelles Ritual durchführen. Versteckt sich dahinter eine Parabel übers Erwachsenwerden?

SilentVoize: Auf jeden Fall. Für ihren Stamm ist es ein Zeichen von Reife. Das Ritual soll die Mädchen in erster Linie moralisch ‚belehren‘. Dadurch aber, dass jede von ihnen das Ritual selbstständig durchführen muss, haben sie selbst in der Hand, welche Schlüsse sie aus ihren Erfahrungen ziehen. Und somit ist es ein wichtiger Abschnitt im Leben jedes jungen Mädchens, welches in diesem Stamm groß wird. Sie sollen lernen, ihre Umwelt zu respektieren und zu schätzen. Xena zieht ihre ganz eigenen Schlüsse aus dem Tanz, den sie absolviert hat, und wird daran wachsen. Das war meine Grundaussage des Ganzen. Dinge auf sich zukommen zu lassen und ab und an die Kontrolle absichtlich loszulassen, um den Moment nicht zu erzwingen und auch genießen zu können.

Sumikai: Warum hat Xena in Pink Dance solche Probleme, unter den Delfinen einen Tanzpartner zu finden?

SilentVoize: Sie hat Angst, ihre Freunde und Eltern zu enttäuschen, aus dieser Angst heraus hatte sich der riesige Wunsch danach entwickelt, Bestätigung zu bekommen. Sie wollte es allen beweisen. Aber sie ist zu verkrampft und stur. Sie ist ein Überflieger und ungeduldig, das bekommt sie schnell zu spüren. Vor allem, dass das Ganze nicht so leicht klappt, wie sie es sich vorgesellt hat.

Mother Nature SilentVoize Illustration 1
Mother Nature Illustration © 2015 SilentVoize

Sumikai: Wie sieht die Welt von Mother Nature aus?

SilentVoize: In Mother Nature ist die Welt größtenteils an der Oberfläche ausgestorben. Viele von ihnen sind auf andere Planeten geflüchtet, während wenige Menschen auf der Welt geblieben sind. Sie leben mit dem Risiko, von Meteoriten getroffen zu werden, jederzeit.

Sumikai: Wer ist die Protagonistin von Mother Nature?

SilentVoize: Sie ist eine der wenigen Freiwillgen, die nach den Menschen sucht, die trotz des großen Risikos an der Oberfläche geblieben sind und vom Meteoritenhagel betroffen sind. Sie sieht es als ihre Lebensaufgabe. Sie sieht in der Nächstenliebe ihren Sinn im Leben.

Sumikai: Was macht sie so alleine an so einem trostlosen Ort?

SilentVoize: Sie ist ein absoluter Einzelgänger. Sie hat keine Familie noch Bekannte, die ihr zur Seite stehen könnten. Sie tut das gerne, auch wenn sie einsam durch ihren Job ist.

Sumikai: Warum hast du dich dazu entschieden, beide Titel in einem Print herauszubringen?

SilentVoize: Ich finde, sie passen thematisch zusammen. Es geht in beiden Geschichten um eine Begegnung mit einem tierischen Wesen. Es geht um die wortlose Kommunikation und Verbundenheit zwischen zwei Rassen. Um einen starken Willen für das Überleben und Leben. Welche Probleme damit entstehen, aber auch um zu zeigen, wie viele Dinge auch ohne Worte funktionieren.

Sumikai: Wie/Wo kann man den Manga erwerben?

SilentVoize: Den Comic kann man auf der Comic und Manga Convention in Oberhausen und der Chizuru im März in Dortmund erwerben 🙂

Mother Nature SilentVoize Illustration 2
Mother Nature Illustration © 2015 SilentVoize

Sumikai: Welchen zeichnerischen Herausforderungen hast du dich in Pink Dance und Mother Nature gestellt?

SilentVoize: Großen. Da es meine ersten farbigen Comicprojekte waren, sie wirklich sehr viel mehr Zeit in Anspruch nehmen aber auch mehr Spaß machen, war es wirklich nicht leicht. Doch es war eine gewollte Herausforderung für mich, ich wollte daran wachsen. Ich bin, was das angeht, sehr stolz auf mich. Besonders schwer tat ich mich an der Szenerie der Geschichten, ich finde, einen interessanten Charakter zu erstellen, ist nichts ohne die Umgebung, in der er agiert. Und das hatte ich mit Amazonas-Regenwald und verschüttete Sci-Fi-Szenerien sehr gut üben können. Vor allem PD war ein sehr anstrengendes Projekt für mich, bei dem ich aber viel gelernt habe.

Sumikai: Willst du noch weitere Geschichten in der Welt von Pink Dance oder Mother Nature zeichnen?

SilentVoize: Nein, beide Kurzgeschichten sind in sich abgeschlossen, aber haben mir sehr viel Spaß gemacht.

Sumikai: An was zeichnest du aktuell?

SilentVoize: Momentan zeichne ich noch nicht so wirklich an etwas Neuem, sondern schreibe. Ich habe ein weiteres Sci-Fi-Abenteuer vor Augen, zu dem ich fleißig Skript schreibe, diesmal ein weitaus komplexeres Geschehnis, welches über viele, viele Seiten laufen wird und hoffentlich auch gedruckt werden kann, aber bis dahin ist es ein langer Weg.

Sumikai: Welche anderen Projekte schwirren dir im Kopf herum?

SilentVoize: Eine Menge, aber ich habe mir vorgenommen, mich auf ein Projekt momentan zu fokussieren und alle anderen vorerst in meinen Notizen niederzuschreiben, aber noch nicht auszuarbeiten. Ansonsten mache ich nebenbei oft gerne bei Artbooks und Gruppenprojekten mit.

Sumikai: Mit Mother Nature bist du für den Dojinshipreis 2015 nominiert und hast es bis unter die acht Finalisten geschafft. Was ist das für ein Gefühl?

SilentVoize: Ein wenig überraschend und natürlich sehr, sehr glücklich! Vor allem weil ich damit tatsächlich gar nicht gerechnet hatte, da Mother Nature ja auch eine sehr kurze Geschichte ist. Aber es freut mich mega!

Sumikai: Auf welchen Veranstaltungen trifft man dich an?

SilentVoize: Wie oben erwähnt auf der CMC am 27. Februar und am 6. März auf der Chizuru. Weiteres ist sicherlich noch in Planung 🙂

Wir bedanken uns herzlich bei SilentVoize für dieses Interview.

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