»Psycho-Pass – Vol.2« – DVDonTest

Ende April veröffentlichte Kazé das zweite Volume des Science-Fiction-Thrillers Psycho-Pass hierzulande auf DVD und Blu-ray. Dabei enthält die Box die Episoden sieben bis zwölf. In dem Original-Werk von Production I.G. und Drehbuchschreiber Gen Urobuchi geht es um eine dystopische Zukunft, welche die Abgründe der menschlichen Seele zum Thema macht. Auf was ihr euch in dieser Ausgabe gefasst machen könnt, stellen wir euch im folgenden Beitrag vor.

Obwohl durch das Überwachungsnetzwerk, dem Sibyl-System, Verbrechen im Vorfeld erkannt und präventiv bekämpft werden sollen, bedeutet dies keineswegs, dass die Kriminalität aus der Welt geschafft ist. Eine bizarre Mordserie gibt dem Amt für Öffentliche Sicherheit allerhand zu tun. Die ermittelnde Spezial-Einheit, welcher Inspektorin Akane Tsunemori frisch beigetreten ist, setzt alles daran, diese schrecklichen Verbrechen aufzuklären. Vollstrecker Kogami erkennt Zusammenhänge zwischen den jüngsten Vorkommnissen und einem ungelösten Fall aus der Vergangenheit. Eben jenen Fall, der Kogamis Psycho-Pass trübte und ihn als latenten Kriminellen auswies. Weil Kogami aus persönlichem Antrieb handelt, zieht Inspektor Ginoza ihn von den weiteren Ermittlungen ab und trägt seiner Partnerin Akane auf, den Vollstrecker im Auge zu behalten. Kogami ist überzeugt davon, dass hinter den vielfachen Verbrechen ein Mann die Fäden zieht: Shogo Makishima. Allerdings ist ihnen Makishima immer einen Schritt voraus. Bald schon entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, in dem die Spürhunde zur nächsten Beute des kriminellen Masterminds werden.

Volume 2 von Psycho-Pass entfernt sich von der episodischen Struktur und rückt den Hauptplot mehr in den Vordergrund. Das Bindeglied zwischen den einzelnen Fällen ist Shogo Makishima, der Antagonist, und noch dazu einer von der ganz besonderen Sorte. Er ist der Drahtzieher im Hintergrund, macht sich nie selbst die Hände schmutzig und nimmt eher die Rolle eines Beobachters ein. Makishima pickt sich Personen heraus, die von der Gesellschaft sowie dem System in die Verzweiflung getrieben wurden und dadurch eine hohe Gewaltbereitschaft aufweisen. Er gibt ihnen das Instrument, den nötigen Anstoß und ermöglicht ihnen, ihre Mordlust auszuleben. Dabei stellt Makishima diese Menschen vor die Herausforderung, sich von den Zwängen der Gesellschaft zu lösen. Doch wenn sein »Spielzeug« ihn enttäuscht, entsorgt er es kurzerhand. Hierbei tut der Marionettenspieler dies weniger für das eigene Vergnügen, er verfolgt durchaus seine zwielichtigen Ambitionen, welche dennoch irgendwo nachvollziehbar sind. Mit seiner charismatischen Persönlichkeit muss der Zuschauer gehörig aufpassen, dass er sich nicht von ihm einwickeln lässt. Andererseits kann Makishima von der gefassten, intelligenten Seite Abstand nehmen und seine kaltblütige Ader zum Vorschein bringen. Wirklich eine faszinierende, aber auch ziemlich verstörende Figur.

In all den Mordfällen zeigt die Geschichte die Missstände der Gesellschaft auf. Beispielsweise verdunkelt das bloße Ausüben von Kunst und Psychologie den Farbton des Psycho-Passes. Weil ihr Vater deswegen seine Leidenschaft aufgab, trieb eben diese Einschränkung letztlich die Internatsschülerin zu der Tat, die väterlichen Arbeiten auf groteske Weise mit fleischlichem Rohmaterial nachzuahmen. Wo die Angst, dass der Psycho-Pass sich trübt, in der Gesellschaft stark verankert ist, sind alle erdenklichen Methoden recht, seinen Stresslevel niedrigzuhalten. So gibt es eine Zahl an Personen, die das auf die Spitze trieben, und nun als lebende, antriebslose Hüllen vor sich hinvegetieren. Dass es der Bevölkerung in dieser Zukunft nicht so rosig ergeht, wie es nach außen hin scheint, zeigt allein der Umstand, einer, trotz des Fortschritts, zurückgegangenen Lebenserwartung. Im darauf folgenden Fall schneidet die Serie eine andere bedenkliche Entwicklung an. Und zwar kommen Prothesen nicht nur aus medizinischen Gründen zum Einsatz; es gibt Menschen, die bereitwillig Teile ihres Körpers mechanisieren lassen, mit der Absicht, zu einem perfekten Individuum zu werden.

Es stellt sich die Frage, ob Makishima bewusst Testpersonen auswählt, um eine Botschaft zu hinterlassen, oder, ob er sie als einfaches Ziel für seine Manipulationen sieht. Im letzten Abschnitt und Höhepunkt der ersten Serienhälfte, konfrontiert Makishima Akane mit der Tatsache, wie abhängig die Polizei von der Entscheidung des Sibyl-Systems ist. Wo die junge Inspektorin ihr ganzes Leben mit der übergeordneten Instanz aufgewachsen ist, gerät mit einem Schlag ihr Glauben an die Gerechtigkeit des Systems ins Wanken. Soviel sei gesagt, die Wendung zum Schluss ist besonders einschneidend und aufwühlend zugleich. Zur Gänsehaut-Atmosphäre in dieser Szene hat auch die hervorragende musikalische Untermalung beigetragen. Auf jeden Fall könnt ihr euch auf eine verheißungsvolle Entwicklung im weiteren Verlauf des Animes gefasst machen.

Worauf ihr euch vielleicht einstellen solltet, Psycho-Pass quillt nur so über vor literarischen, künstlerischen und philosophischen Referenzen. Zeitweilen können Makishimas Gedankenauswüchse bedeutungsschwanger als nötig wirken, wenn dabei Zitate aus Shakespear, der Bibel oder Plato fallen. Schließlich soll der Antagonist besonders scharfsinnig wirken und sich eloquent ausdrücken. Zudem wird die Untergrundsequenz in Folge 10, welche einer britischen Fuchsjagd gleichkommt, von Bethoovens Freude, schöner Götterfunken begleitet. Ebenfalls erinnert der Plot, welcher an dem konservativen Mädcheninternat spielt, in vielen Aspekten an die morbide Thriller-VisualNovel Kara no Shojo. Alleine schon der Namen des Sibyl-Systems ist eine Anlehnung an die Prophetin aus der griechischen Mythologie, welche entsprechend die Zukunft vorhersagen kann. All die Referenzen aus unserer Zeit, diese Überreste aus der Vergangenheit, sollen bestimmt als Bezugspunkte dienen, um letztlich die sozialkritische Botschaft der Serie auch auf unsere heutige Gesellschaft zurückzuführen.

Disc

In Volume 2 von Psycho-Pass sind in der DVD-Variante wieder sechs Episoden auf zwei Discs verteilt. Die Aufteilung ist dabei nicht unbedingt optimal von Kazé getroffen worden, da nach Folge 11 ein passender Schnitt gesetzt werden könnte, gerade wo Zuschauer an den letzten Ereignissen zu knabbern haben. Auch der neue Vor- und Abspann sind in Folge 12 schon zu sehen. Somit erwarten euch in den letzten beiden Ausgaben jeweils fünf Episoden. Das Bild kommt in einem 16:9-Format. Leider hat Production I.G. nicht die gewohnte Qualität hineingesteckt. Manchmal sind die Charakterzeichnungen inkonsistent und insbesondere in mittlerer Distanz verlieren die Figuren an Details. In den Naheinstellungen, zum Beispiel während der Verfolgungsjagden, können die Animationen durchaus noch beeindrucken. Die häufig verdunkelten Lichtverhältnisse sind für die Stimmung zwar zuträglich, aber dafür ist das Zuschauen kein Genuss und es wird schwieriger, die Übersicht zu behalten. In der verwaisten U-Bahn-Station kommt eine Vielzahl von Farbfiltern zum Einsatz, die an den Cyberpunk-Vertreter Mardock Scramble erinnern. In der zweiten Ausgabe sind wieder sowohl eine deutsche als auch japanische Sprachausgabe im Dolby Digital 2.0 Ton enthalten. Es lassen sich Untertitel im gelben Schriftzug optional hinzuschalten.

Auch in dem zweiten Volume hat das Studio VSI für die Synchronisation vorbildliche Arbeit geleistet. Besonders Julia Stoepel und Jaron Löwenberg überzeugen in ihren Einsätzen. Was den vorgestellten Antagonisten Shogo Makishima angeht, dieser wird vom Hamburger Sprecher Tim Knauer vertont. Ihn kennt ihr vielleicht im Anime-Bereich als Neji in Naruto oder Kanda in D.Gray-man. Knauer klingt zwar anders als sein Pendant im Original, trotzdem schafft er es blendend die verschiedenen Facetten der Figur herüberzubringen.

Bonus

Kazé hat dem zweiten Volume drei Postkarten beigelegt. Diese zeigen die Figuren Akane, Kogami und Ginoza im schicken Anime-Artwork. Für den Hintergrund sind die abgedunkelten Konzeptzeichnungen verwendet worden, die ebenfalls im Inlay der beiden Digipacks zu be­äu­gen sind. Leider war es das auch schon mit den Extras. Auf der Disc befinden sich ansonsten nur noch Trailer.

Verpackung

Die zweite DVD-Box kommt wie gehabt im dreiseitigen Digipack, welches sich in einem Schuber befindet. Ich bin kein Freund von Letzterem, da bei der weichen Pappe die Kanten besonders anfällig für Gebrauchsspuren sind. Weil die Box sich ohnehin in dem stabileren Sammelschuber versteckt, ist das aber halb so schlimm. Wieder sind zwei Protagonisten auf dem Cover abgebildet, dieses Mal die beiden Vollstrecker Kogami und Masaoka. Der Prägedruck für die Screenshots und die Motive wurde beibehalten. Der Spin ist dieses Mal in einem dunkelgrünen Farbton gehalten. Einheitlich und schlicht wurde ebenfalls das Digipack gestaltet. Eine Skizze von Inspektor Ginoza mit seinem Steckbrief und dem Codenamen ist auf Vorder- und Rückseite abgebildet. Im Inlay gibt es das leer stehende Hauptquartier des Amts für Öffentliche Sicherheit zu begutachten. Auch in dieser Veröffentlichung ist das FSK-Logo auf dem Digipack aufgedruckt, wobei es wiederum auf der äußeren Schachtel wegfällt.

Im zweiten Volume von Psycho-Pass ziehen sich die Fäden zusammen und lassen den Zuschauer in einem spannenden Höhepunkt erschaudern. Der Übeltäter tritt nun aus dem Schatten und es beginnt eine packende Verfolgungsjagd zwischen Kogami und Makishima. Vom Schlage eines Querdenkers, Verführers, aber auch eines sadistischen Soziopathen präsentiert Psycho-Pass einen einzigartigen Antagonisten. Abstriche macht die Serie stellenweise in der Qualität der Zeichnungen. Bei der Synchronisation hat das beauftragte Studio zufriedenstellende Arbeit geleistet. Auf der anderen Seite wären in Sachen Extras bei dem Preis mehr drin gewesen. Nebenbei werden noch mehr Schattenseiten der Gesellschaft aufgezeigt, welche der Welt noch mehr Substanz verleihen und dem Zuschauer abermals die sozialkritischen Aspekte vor Augen führen. Zudem gibt es einen interessanten Twist zur Halbzeit, den man sich von einer Geschichte aus der Feder Urobuchis verspricht und der besonders unter die Haut geht. Harte Kost, welche aber eben den Reiz von Psycho-Pass ausmacht.

Wir bedanken uns herzlich bei Kazé für das Rezensionsexemplar zu Psycho-Pass Vol. 2.

Details

Titel: Psycho-Pass – Vol.2
Originaltitel: サイコパス
Produktionsjahr: 2012
Genre: Science-Fiction, Thriller, Action
Animationsstudio: Production I.G
Regisseur: Naoyoshi Shiotani
Publisher: Kazé
Länge/Episoden: 150 Minuten, Folge 7-12
Sprachen: Japanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Ton: Dolby Digital 2.0
FSK: 16
Preis: UVP 40,95 €
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