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Regisseur von Encouragement of Climb äußert sich zu Bildvorlagen in Anime

In einem jüngst veröffentlichten Interview in der Anime Style äußerten sich der Regisseur von Encouragement of Climb, Yusuke Yamamoto, und Animationsregisseur Yuusuke Matsuo über die Vor- und Nachteile von real existierenden Orten als Bildvorlagen.

Dabei sagten sie, dass das Ziel der Animationen gewesen sei, dem Zuschauer ein möglichst realistisches Gefühl des Kletterns zu geben. Um das zu ermöglichen, hat das Animationsteam alle Berge, die im Anime vorkommen, selbst erklommen. Dabei schoss das Team viele Bilder, die sie als Referenz genutzt haben.

„In der heutigen Zeit existieren Dinge wie Google Street View oder Google Maps. So kann man zwar einfach an Referenz-Bilder, zum Beispiel des Takao (Berg in Japan, d. Red.), gelangen. Aber das wäre dann nicht Encouragement of Climb. Wenn man den Berg erklimmt und selbst geschossene Bilder als Inspiration nimmt, erschafft man Dinge viel natürlicher.“

Yamamoto sagte dabei, wenn man ein Layout der Serie erschaffen wolle, müsse man sich in die Charaktere hineinversetzen. Dabei nutzte er unter anderem Nah- oder Weitaufnahmen, um die Geschehnisse persönlicher wirken zu lassen. Auch versuchte er, auf Luftaufnahmen zu verzichten, da das einen gegenteiligen Effekt beim Zuschauer bewirken würde. Zum Glück verstand das Animationsteam den Ansatz, den Yamamoto verfolgen wollte, als man die zweite Staffel animierte.

Yamamoto erklärte auch, was die großen Unterschiede zwischen selbst geschossenen oder vorgefertigten Bildern seien. Es sei keine gängige Praxis, jedes Detail des Bildes in einem Storyboard oder Layout zu übertragen, und das Abpausen der Referenz schade dem Endprodukt eher als es helfen würde. Wenn der Animator nicht selbst vor Ort gewesen sei, könne es passieren, dass die eigentliche Atmosphäre nicht eingefangen werde. „Da ich aber schon selbst die Gegend besucht habe, weiß ich, auf was ich achten muss – was leider dazu führt, Änderungen an den Bildern der anderen zu machen“, sagte der Regisseur.

Für die Produktion von Encouragement of Climb hat Yamamoto die selbst geschossenen Bilder an das Storyboard getackert und dann weitergereicht. Neben der Zeitersparnis konnte das Team die wichtigsten Details einfangen, ohne auf Anweisungen des Regisseurs zu hören. Dieser Schritt ist allerdings keine gängige Praxis in der Anime-Industrie und Yamamoto musste einiges an Gegenwind dafür einstecken. „Als ich als Regisseur begann, wurde mir gesagt, dass es Ketzerei sei, Bilder an das Storyboard zu heften.“

Im Gegenzug kann dafür nicht jedes Bild als Anime umgesetzt werden. So sei Encouragement of Climb cineastisch erstellt worden, wodurch diverse Fotos direkt übernommen werden konnten für das gängige 16:9 Format. Zwar gebe und habe es immer noch Probleme für das Team gegeben, das für die Hintergründe zuständig sei – allerdings sei es mit der Zeit immer besser geworden.

„Als wir an der ersten Staffel gearbeitet haben, wurde mir durchgehend gesagt, dass ich keine Referenz-Bilder nutzen soll, da das Team eigene Hintergründe zeichnen möchte. Also habe ich die als eigenes Referenz-Mittel genutzt und die Layouts selbst kreiert. Da die Serie ein Kurz-Anime war, hatte ich die nötige Zeit dafür. Nachdem für die zweite Staffel das Team gewechselt wurde, kam auch eine größere Akzeptanz für solche Bilder als Inspirationsquelle.“

Ein Grund für diese Akzeptanz sei die Zeitersparnis gewesen. Matsuo erwähnte dabei, dass er sich an eine Zeit erinnern könne, in der es ihn nicht störte, Konzeptbilder zu zeichnen und dabei Bilder als Referenz zu nutzen. Dennoch seien viele Hintergründe komplett eigenhändig gezeichnet worden. So erzählte Yamamoto, dass Matsuo alle Layout-Bilder der ersten Hälfte von der Gift-of-Memories-OVA selbst gezeichnet habe. Es sei nicht garantiert, so einen Grad an Realismus durch diese Bilder zu erreichen. Yamamoto hoffte allerdings auf einen positiven Effekt.

Aber der Fotorealismus hat auch seine Schattenseiten. So gab es Zeiten während der dritten Staffel, in der das komplette Animationsteam die Bilder neu zeichnen musste, damit diese weniger fotorealistisch aussehen. „Wenn wir ein Bild vor dem digitalen Zeitalter nachgezeichnet haben, war davon jeder begeistert – mittlerweile denken sich viele dabei, dass es eh nur ein eingefügtes Bild ist.“ Dieser Kontext ermöglichte Matsuo, seine Bilder nah am Original zu halten – obwohl er ein Animator und kein Hintergrundzeichner ist.

Matsuo merkte an, dass es bei der Entwicklung von Animationen darum gehe, den Detailgrad zu kontrollieren, der auf dem Bildschirm dargestellt werde. Referenz-Bilder seien eine „finale Antwort“. Dabei entscheide das Produktionsteam, was hinzugefügt oder entfernt werde.

Yamamoto beendete das Interview mit dem Satz, dass er mit dem Anime nicht anstrebe, einen möglichst hohen Realismus zu zeigen. Vielmehr möchte er damit eine Art Wärmegefühl durch die Bilder erzeugen. „Und dabei denke ich, dass die erste Staffel das am besten rübergebracht hat.“

Quelle: Anime Style, Ausgabe #14

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