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Ein Anime, der nichts für schwache Nerven ist

Ajin Staffel 1 – Demi Human, aber auch keine Monster

Gamon Sakurais Horror-Action-Manga „Ajin“ schlug 2012 in Japan ein wie eine Bombe. Im Jahr 2014 führte die Reihe in Japan die Liste der meistverkauften Manga an. Dass nach diesem Erfolg ein Anime folgt, war also keine Überraschung. Als Netflix die Serie kurz nach ihrem Erscheinen auch international in verschiedenen Sprachen im Stream anbot, war auch der weltweite Erfolg garantiert.

Der 16-jährige Schüler Kei Nagai ist auf den ersten Blick ein ganz normaler Junge, der nach der Schule mit seinen Freunden abhängt, und über den Außenseiter der Klasse, Kaito, herzieht. Auch die Welt, in der Kaito lebt, könnte so normal sein, wären nicht vor einigen Jahren sogenannte Ajin-Demi Human aufgetaucht. Dabei handelt es sich um Menschen, die nicht sterben können, egal was man ihnen auch antut. Außerdem werden den Ajin weitere übernatürliche Kräfte nachgesagt.

Damit hat Kei allerdings nichts zu schaffen und das will er eigentlich auch nicht. Bis er eines Nachmittags mit seinen Freunden auf dem Nachhauseweg nicht aufpasst und vor einen LKW läuft. Kei überlebt den Unfall nicht nur, sondern steht wenig später wieder auf, als sei nichts gewesen. Jetzt ist klar, dass auch Kei ein Ajin ist. Während seine „Schulfreunde“ nichts Besseres zu tun haben, als auf die Jungen loszugehen, ist es diesmal der Außenseiter Kaito, der Kei zur Seite steht und ihm zur Flucht verhilft …

Leben unter Menschen
Alltag eines Schülers Bild: Sakurai Emon Kodansha / Ahito Management Committee

Nach dem schon recht krassen Einstieg in die Geschichte wird bald klar, dass Ajin nichts für schwache Nerven ist. Während anfänglich noch die „Halb-Menschen“ als gefährliche monströse Wesen dargestellt werden, steht bald die Frage im Raum, ob nicht eigentlich einige Menschen die wahren Monster sind.

Die „Halb-Menschen“ von nebenan

„Ajin“ wirft die Frage auf, wie Menschen mit anderen umgehen, die anders sind. Im Anime führen die betroffenen Personen in der Regel ein ganz normales Leben mit Freunden und Familie. Das funktioniert auch solange, bis sie sterben. Dann ist Schluss mit langweiligem Alltag. Die Menschen im Anime reagieren genauso wie es heute noch oftmals der Fall ist, wenn man aus der Rolle fällt: mit Gewalt, Angst und Ablehnung. Dass der Staat solches Verhalten noch befeuert, macht die Situation für die Betroffenen nicht leichter.

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Kaito, ein echter Freund
echte Freundschaft Bild: Sakurai Emon Kodansha / Ahito Management Committee

Eine sogenannte Ajin-Kontrollbehörde scheint nach außen hin die untoten Lebenden zu überwachen. Hinter den Kulissen geht es aber eher darum, hinter das Geheimnis ihrer Unsterblichkeit zu kommen und an den Ajin zu experimentieren. Dabei beweisen vor allem die Wissenschaftler, dass sie die größeren Monster darstellen. Erbringt eines der unmenschlichen Experimenten nicht das gewünschte Ergebnis, wird die Testperson einfach getötet, man wartet ein paar Stunden und fängt wieder von vorne an, denn das Versuchsobjekt stirbt ja erfreulicherweise nicht wirklich.

Auf der anderen Seite sind auch die Ajin nicht nur einfach Opfer. Unter ihnen gibt es ebenso wie unter den Menschen gute und schlechte Vertreter und solche wie Kei Nagai, die irgendwo dazwischen liegen und einfach nur in Ruhe leben wollen. Ähnlich geht es auch dem Protagonisten, der nicht wirklich in die Rolle des klassischen Helden passt.

Kei geht es ebenfalls darum, in Ruhe weiterzuleben, wofür er auch bereit ist, einiges zu tun. Selbstverständlich wäre er aber nicht die Hauptfigur der Reihe, wenn nicht auch der Schüler noch einige außergewöhnliche Fähigkeiten hätte, die sich erst im Laufe der Zeit offenbaren.

Folter im Namen der Wissenschaft
Nichts für schwache Nerven Bild: Sakurai Emon Kodansha / Ahito Management Committee

Das Ende der ersten Staffel erweist sich für eine insgesamt so dicht gepackte Geschichte leider als ein wenig enttäuschend. Zum Zeitpunkt des Abschlusses stand anscheinend bereits fest, dass es eine Folge-Staffel geben würde, weswegen die erste Ajin-Staffel mit einem Cliffhanger endet, der für die zweite noch mehr Action und leider auch viele weitere mehr oder wenige Tote verspricht.

Schattenhafte Gestalten

Bei der Animation richtete sich Polygon nach der ernsten und nicht für Kinder gedachten Story. Die Grafiken kommen ohne viele Schnörkel aus und auch die Gesichter der Personen bleiben oft reichlich emotionslos. In Anbetracht der Tatsache, was die Ajin bereits erlebt haben, ist bei ihnen eine gewisse Gefühlskälte verständlich und auch die Wissenschaftler und staatlichen Angestellten sind keine Musterbeispiele für emotionale Figuren. Insgesamt wirkt die direkte Umsetzung aber trotzdem passend zur Geschichte, die auch nicht viel mit blumigen Umschreibungen anfangen kann.

Schatten mit eigenem Willen
Schatten Bild: Gamon Sakurai, KODANSHA/AJIN Production Committee

Trotzdem vermag die insgesamt sehr dunkel gehaltene Umsetzung, die rein auf CGI-Technik basiert, zu überzeugen. Allerdings eignen sich die klaren Gewaltdarstellungen und Folterszenen nicht für Zuschauer mit schwachen Nerven. Ebenfalls eignet sich „Ajin“ nicht unbedingt für einen lauschigen Fernsehen-Abend, bei dem man nicht viel mitdenken möchte. Denn die Figuren laden geradezu dazu ein, sich in sie hineinzuversetzen und sich zu fragen, wie man selbst in der einen oder anderen Situation reagieren würde.

Wer optisch allerdings einiges hermacht, sind die Schatten, die einige Ajin in der Lage sind zu erzeugen. Diese nur selten für normale Menschen sichtbaren Wesen können trotzdem dank übermenschlicher Kräfte einigen Schaden anrichten. Allerdings bedarf es in der Regel einiger Übung, bis ein solcher Schatten erzeugt und auch gerichtet eingesetzt werden kann. Jeder Schatten sieht ein wenig anders aus und gerade, wenn sie scheinbar aus schwarzen Partikeln entstehen, die sich verdichten, ist dies ein sehr interessanter Anblick.

Von Anfang bis Ende

Während die CGI-Technik und die damit erstellte Animation Geschmackssache sind, lässt die deutsche Synchronisation wenig Punkte zur Kritik. SDI Media setzte nicht nur auf überzeugende Sprecher, auch Sigrid Scheurer überträgt die Dialoge in eine passende Sprache, irgendwo zwischen militärischer Korrektheit und jugendlicher Schnoddrigkeit. Dass die Sprecher der wichtigsten Figuren sich vorher bereits im Anime-Genre versuchten, stellte für die deutsche Tonspur ebenfalls einen Vorteil dar.

Alltag als Ajin
Verstecktes Leben Bild: Sakurai Emon Kodansha / Ahito Management Committee

Patrick Baehr schafft es, Kei Nagai sehr überzeugend rüberzubringen, was insgesamt keine leichte Aufgabe darstellt. Der Junge wechselt nämlich meistens zwischen verängstigtem Opfer, verbocktem Teenager und einem Jungen, der schnell erwachsen werden muss, um am Leben und wichtiger in Freiheit zu bleiben. Kei stumpft durch seine Erlebnisse im Laufe der Zeit ab und entwickelt einen Egoismus, der ihn zum perfekten Anti-Helden macht, was sich in seiner Stimme ebenfalls gut niederschlägt.

Ebenso weiß Uwe Jellinek als Satou seine Stimme gekonnt in Szene zu setzen. Der große Gegenspieler der ersten Staffel ist selbst ein Ajin, allerdings einer der monströsen Art, der seine dunkle Seite hinter einem netten Opa-Äußeren und einem meist leichten Lächeln im Gesicht verbirgt. Erst zum Ende hin zeigt er seine wahren Absichten, sodass sein Sprecher alle Nuancen zwischen dem Retter in der Not bis hin zum psychopathischen Mörder widerspiegeln muss – ebenfalls keine leichte Aufgabe.

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Fazit

„Ajin: Demi Human“ sticht in seiner Story wunderbar aus den klassischen Gut-gegen-Böse-Storys heraus, weil sich die Fronten so einfach nicht klären lassen. Kei ist alles andere als der Held, der alle retten will, sondern „nur“ ein Junge, der in Ruhe sein Leben leben möchte. Auch für die Handlungen des Antagonisten Satou lassen sich Erklärungen finden, die man bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen kann.

Gleichzeitig erweisen sich die Darstellungen von Gewalt und Folter als äußerst passend, sodass die Altersfreigabe ab 16 Jahren mehr als gerechtfertigt ist. Zuschauer mit schwachen Nerven sollten aus den eben genannten Gründen ebenfalls Abstand nehmen. Fans packender Storys, bei denen man als Zuschauer aufgerufen ist, mitzudenken und zu urteilen, werden allerdings schnell in die Geschichte hineingezogen und so schnell nicht wieder davon losgelassen.

Die deutsche Präsentation der ersten Staffel in einer schicken Sammelbox mit Booklet, sowie eine Clear-Version des Opening und Endings stellen weitere Anreize dar, sich „Ajin“ nach Hause zu holen. Eine passende deutsche Übersetzung mit überzeugenden Sprechern sorgt dafür, dass der Zuschauer mit Kei und den anderen „Demi-Human“ spannende Stunden verbringt und sich immer wieder fragt, wie es wohl weitergeht.

Info

Ajin © Sakurai Emon Kodansha / Ahito Management Committee
Ajin Staffel 1: Sakurai Emon Kodansha / Ahito Management Committee

Ajin: Demi-Human
Original Name: 亜人
Transkription: Ajin
Studio: Polygon Pictures
Erschienen am: 31. Mai 2019
Deutscher Publisher: Kazé
Regisseur: Hiroyuki Seshita
Drehbuch: Hiroshi Seko
Musik: Yugo Kanno
Synchronisation: SDI Media Germany GmbH, Berlin
Dialogregie: Bernhard Völger
Dialogbuch: Sigrid Scheurer
Freigegeben ab: 16 Jahren
Genre: Action, Mystery, Drama
Medium: Blu-ray, DVD

REVIEW OVERVIEW

Story
93 %
Animation
85 %
Synchronisation
88 %
Preis
83 %

Unser Fazit

"Ajin: Demi-Human" ist eine Reihe, die nur für Zuschauer mit starken Nerven geeignet ist. Die bekannte Schwarz-Weiß-Malerei wird ersetzt durch eine breite Palette an Grautönen, die es dem Zuschauer manchmal schwer machen zu entscheiden, wen man letzten Endes weniger leiden kann, den Helden oder doch den Antagonisten.
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