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Ein modernes Märchen

„Belle“ – Das Biest und der Cyberspace

Die Geschichte der schönen Belle, die sich in das Biest verliebt und es daraufhin rettet, ist weltweit bekannt und beliebt. Verschiedene Adaptionen als Real- und Trickfilm sorgten dafür, dass der Stoff bei Zuschauern jeden Alters Fans hat. Belle landet in einer verzauberten Welt mit merkwürdigen Wesen. Heute haben die meisten Menschen eine solche Welt bei sich in der Tasche.

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Die junge Suzu liebt die Musik und ist eine begnadete Sängerin. Seit dem frühen Tod ihrer Mutter, die bei dem Versuch ein anderes Kind zu retten, ums Leben kam, kann Suzu nicht mehr singen und entwickelte sich zu einem ruhigen und introvertierten Mädchen. In der Schule hat Suzu nur Kontakt zu ihrem Jugendfreund Shinobu und Hiroka, einer weiteren eher spleenigen Mitschülerin.

Es war einmal

Das ändert sich als Suzu, die Online-Welt der App <U> entdeckt. In der Online-Welt erschafft sich Suzu einen Avatar, den sie Belle nennt, denn Suzu ist das japanische Wort für Glocke. Die Avatare entstehen aus den biometrischen Daten der User. In ihrer neuen Rolle als Belle beginnt Suzu wieder zu singen und erobert schon bald die Welt von <U> mit ihrem Gesang.

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Doch als Belle eines ihrer weltweit gestreamten Konzerte gibt, wird dieses von einem mysteriösen Ungeheuer gestört. Suzu hat Mitleid mit dem unbekannten Gejagten und nimmt viele Anstrengungen auf sich, um das Biest besser kennenzulernen. Gemeinsam mit Hiro beginnt sie damit, die Person hinter „dem Biest“ auch in der realen Welt zu suchen.

Hell klingende Glocke
Suzu erfindet sich neu Bild: Studio Chizu

Die digitale Welt von <U> funktioniert nach den Maßgaben des Metaversums, das aktuell vor allem in Japan massiv weiterentwickelt wird. In dieser Realität erfinden sich die Menschen neu und können in ihren Rollen Dinge tun, die sie sich in der Realität nicht trauen oder an denen sie durch äußere und innere Umstände gehindert werden. Diese virtuelle Welt bietet viele Chancen, birgt aber auch viele Gefahren.

Schöne neue Online-Welt

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Viele Dinge, die früher in die Welt der Fantasie gehörten, sind heute dank Handys oftmals nur noch einen Klick entfernt. Das Internet und seine Möglichkeiten entwickeln sich schnell weiter, sodass Welten wie die von „Belle“ nicht mehr unmöglich erscheinen. Die digitale Welt bietet viele Chancen, wobei aber oftmals die Risiken der Anonymität im Netz vergessen werden. „Belle“ spielt auf beide Aspekte der Online-Welt an und stellt sowohl die positiven Auswirkungen als auch die Gefahren dar, ohne sie übermäßig zu bewerten.

Dank Belle ist Suzu in der Lage, ihre traumatische Vergangenheit zu verarbeiten und ihre innere Stärke wiederzufinden. Ähnlich wie die Märchenfigur muss sich Suzu erst einmal in dieser ungewöhnlichen Welt zurechtfinden und trifft dabei sowohl auf Charaktere, die ihr helfen, als auch auf solche, die gegen sie arbeiten. Letzten Endes wächst Suzu über sich hinaus und kann das Biest auf verschiedenen Ebenen retten, ebenso wie es auch die Märchengestalt tut, wobei Regie-Genie Mamoru Hosoda neue Aspekte in die Geschichte einfließen ließ, die sie bereichern.

Gleichzeitig werden Suzu/Belle auch mit den negativen Seiten des Internets konfrontiert, in denen Hassmeldungen kaum etwas entgegengesetzt werden kann. Während das Biest von aller Welt als Monster verurteilt und gejagt wird, sieht sich Suzu mit dem Unwillen ihrer Mitschüler konfrontiert, weil sie dem Liebling der Schülerinnen, Shinobu, scheinbar zu nahegekommen ist. Mit Hiro hat sie eine Freundin an ihrer Seite, die zwar manchmal ein wenig seltsam wirkt, aber immer voll hinter ihr steht und sie unterstützt.

Gefahren des Internets aufgezeigt
Schattenseiten der schönen neuen Welt Bild: Studio Chizu

L`Online-Vie est Belle

„Belle“ ist auf allen Ebenen ein Meisterwerk. Mamoru Hosoda scheint sich mit jedem Anime immer wieder selbst übertreffen zu wollen. Die Geschichte bietet viele neue Aspekte und führt zu einem Ende, das der Zuschauer so nicht erwartet. Gleichzeitig kreiert er eine Welt, die aus so vielen Details besteht, dass man sich den Film zumindest einmal auf einer großen Leinwand ansehen sollten, um sie zu überblicken. Um alle Kleinigkeiten zu entdecken, ist die Disc perfekt geeignet, da man sich dort den Film so oft man möchte ansehen kann.

Ähnlich abwechslungsreich wie die Online-Welt von <U> gestalten sich die Figuren, die mal eine größere, mal eine kleinere Rolle spielen und trotzdem für die Handlung insgesamt wichtig werden. Gleichzeitig spiegeln sie die verschiedenen Charaktere wider, die sich in der Netzwelt so präsentieren. Die Avatare scheinen vorherrschende Charakter-Eigenschaften wiederzugeben, sodass teilweise reichlich seltsame Wesen entstehen.

Um eine Brücke zur bekannten Geschichte zu schlagen, kommen auch immer wieder Szenen, die man aus den Disney-Filmen kennt. Ganz ehrlich? Was wäre „Die Schöne und das Biest“ ohne die Ballsaal-Szene, die der Regisseur ebenfalls auf eine ganz eigene Art zum Leben erweckt und sie in die Handlung von „Belle“ einbaut. Diese Parallelen holen die ursprüngliche Story immer wieder in Erinnerung. Belle bleibt dabei aber eine eigene Geschichte, die mit ihrem individuellen Charme die Zuschauer zu überzeugen weiß.

Belle und das Biest
Modernes Märchen Bild: Studio Chizu

Kennt man das Gesicht zur Stimme?

Schon die japanischen Sprecher trugen einen großen Teil zum Erfolg von „Belle“ bei, dementsprechend wichtig war es, auch die deutschen Stimmen entsprechend zu besetzen. Im besten Fall findet man für die Hauptrolle eine Sprecherin, die auch singen kann, wie es im japanischen Original der Fall war. Cinephone aus Berlin konnte mit Lara „Loft“ Trautmann genau die Richtige engagieren.

Auch wenn Lara Trautmann noch nicht viel Erfahrung mit Anime hat, so hat sie Suzu/Belle für das deutsche Publikum doch ganz hervorragend zum Leben erweckt. Die Mischung aus klarem Gesang und leisen Tönen, wenn Suzu mal wieder mit sich selbst hadert, kommen beim Zuschauer an und tragen zur dramaturgischen Entwicklung bei. Gleichzeitig muss Lara Trautmann zwei sehr unterschiedliche Figuren darstellen, denn Belle ist charakterlich so ziemlich das genaue Gegenteil der ängstlichen und verzagten Suzu.

Eindrücke aus dem Film
Eindrücke aus dem Film „Belle“, Bild: Studio Chizu

Mit Patrick Baehr in der Rolle des Keis/Biest und Nico Sablik als Shinobu hat Trautmann zwei Kollegen an ihrer Seite, die zwar relativ junge Charaktere sprechen, aber als Sprecher bereits alte Hasen im Geschäft sind und dementsprechend herausragende Leistungen abliefern. Nur am Anfang ist die japanische Version mit Untertiteln der deutschen vorzuziehen, denn während des Intros wird die Welt von <U> erklärt und gleichzeitig hört man Belle im Hintergrund singen, sodass sich beide Stimmen überlagern, was es schwierig macht, sich auf eine zu konzentrieren.

Ein solcher Erfolg wie „Belle“ muss natürlich auch entsprechend präsentiert werden. An dieser Stelle zieht KSM Anime mal wieder alle Register. Die Box zu „Belle“ enthält alles, was das Fan-Herz begehrt. Vor allem die Soundtracks sind ein echtes Highlight, denn in der allgemeinen dramatischen Atmosphäre des Anime kann die schöne Musik schon mal in den Hintergrund treten. Ursprünglich lag nur der japanische Soundtrack der Box bei, aber auf vielfachen Wunsch der Fans kann man sich jetzt sogar beide Versionen ganz in Ruhe anhören. Ein umfangreiches Booklet, verschiedene Art-Cards sowie eine eigene Disc für das mehr als umfangreiche Bonus-Material runden das Release ab.

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Fazit

Die Geschichte von der Schönen, die sich in das Biest verleibt, ist dank Disney mittlerweile überall auf der Welt bekannt. Regisseur Mamoru Hosoda erweitert die Geschichte um neue Ebenen, in dem er sie in die moderne Welt des Internets verpflanzt. Die Mischung aus historischer Story und moderner Technik kann überzeugen, vor allem da Hosoda die Handlung um einige weitere sehr interessante Aspekte erweitert.

„Belle“ präsentiert sich als perfekte Mischung aus einer farbenfrohen Welt, interessanten Figuren und Wendungen, die man anfangs nicht erwartet. Die neuen Aspekte der Geschichte bringen ihr zusätzlich Tiefe. Als Zuschauer wartet man ab der ersten Sekunde darauf, was als nächstes Unerwartetes passiert. Beliebte, neu-inszenierte Szenen aus den Klassikern sorgen für ein vertrautes Gefühl.

Das deutsche Release unterstreicht den besonderen Charme des Anime noch einmal. Denn KSM bietet eine Box, in der ein Highlight auf das nächste folgt. Die Extras sind länger als die eigentliche Geschichte und das Booklet macht die Welt von „Belle“ für die zahllosen Fans noch fassbarer. Die Handlung fesselt vom Anfang bis zum aufwühlenden Ende, bei dem man das eine oder andere Tränchen verdrückt.

Info

Belle vor dem Japan-Release
Ryū to Sobakasu no Hime Bild: Studio Chizu

BELLE
Original Name: 竜とそばかすの姫
Transkription: Ryū to Sobakasu no Hime
Studio: Studio Chizu
Deutscher Publisher: KSM Anime
Regisseur und Drehbuch: Mamoru Hosoda
Musik: Taisai Iwasaki, Ludvig Forssell
Erschienen am: August 2022
Synchronisation: Cinephon Filmproduktions GmbH, Berlin
Länge: 121 Minuten
Freigegeben ab: 12 Jahren
Genre: Drama, Fantasy, Slice of Life
Sprachen: Deutsch, Japanisch, mit deutschen Untertiteln
Medium: Blu-Ray, DVD (limitierte Edition ausschließlich bei Planet Anime)
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Unsere Meinung

Story
97 %
Animation
99 %
Synchronisation
98 %
Preis
99 %

Fazit

"Belle" ist eine mehr gelungene Mischung aus weltbekannter Geschichte und neuen Aspekten, die die Handlung nicht nur in die heutige Zeit bringen, sondern auch emotional noch erweitert. Die Figuren wirken nahbar und sind mit ihren Eigenheiten, Stärken und Schwächen sympathisch gezeichnet. Ein hervorragender Sprecher-Cast und wunderschöne Musik runden den Anime ab.
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"Belle" - Das Biest und der Cyberspace"Belle" ist eine mehr gelungene Mischung aus weltbekannter Geschichte und neuen Aspekten, die die Handlung nicht nur in die heutige Zeit bringen, sondern auch emotional noch erweitert. Die Figuren wirken nahbar und sind mit ihren Eigenheiten, Stärken und Schwächen sympathisch gezeichnet. Ein hervorragender Sprecher-Cast und wunderschöne Musik runden den Anime ab.