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Bungo Stray Dogs (Blu-ray / komplett) – Detektive der etwas anderen Art

Unsere Meinung zur ersten Season

Während der Frühjahr-Season 2016 feierte der Anime „Bungo Stray Dogs“ sein Debüt im japanischen TV. Seit dem 29. August diesen Jahres ist die erste Season der Serie hierzulande auch endlich in einer deutschen Fassung im Handel erhältlich. Diese haben wir für euch einmal genauer unter die Lupe genommen.

Die Anime-Adaption basiert auf Kafka Asagiris namensgebendem Manga und war in Deutschland bereits als Simulcast bei Crunchyroll verfügbar. Im Rahmen der Kooperation mit dem Streaming-Anbieter veröffentlichte der Publisher KSM Anime die 12-teilige erste Season schließlich in einer Gesamtausgabe mit deutschem Ton.

Vom Streuner zum Schnüffler

Die Geschichte von „Bungo Stray Dogs“ spielt in der Stadt Yokohama und erzählt vom 18-jährigen Atsushi Nakajima, der unerklärlicherweise aus seinem Waisenhaus geworfen wurde. Hungrig, ratlos und völlig am Ende streift er durch die Straßen und zieht sogar Raubüberfälle an Passanten in Erwägung, die er jedoch nicht übers Herz bringt. Sein Leben soll jedoch komplett auf den Kopf gestellt werden, als er den vom Selbstmord faszinierten Osamu Dazai aus dem Wasser fischt, während dieser sich eigentlich genüsslich ertränken wollte.

Der mysteriöse, aber eigenartige Dazai und sein temperamentvoller Partner Doppo Kunikida stellen sich als Mitglieder der sogenannten „bewaffneten Detektive“ vor; eine Detektei, die selbst die skurrilsten Fälle übernimmt, die sogar für die Polizei oder das Militär zu gefährlich sind. Die Mitglieder dieser Einheit sind sogenannte „Befähigte“, die allesamt eine besondere Fähigkeit besitzen.

Bungo Stray Dogs
Bild: Bones / BUNGO STRAY DOGS ANIME PROJECT

Atsushi jagt ein Schauer über den Rücken, als er erfährt, dass die zwei Detektive hinter einem menschenfressenden Tiger her sind. Jener Tiger scheint dem jungen Waisen nämlich überallhin zu folgen, so glaubt er. Das kommt dem ungleichen Duo sehr gelegen und so wird Atsushi ohne sein wirkliches Einverständnis kurzerhand zum Lockvogel degradiert.

Es dauert nicht lange bis Atsushi auf die anderen Detektive trifft und sogar bei diesen aufgenommen wird. So beginnt für ihn ein völlig neues Leben, das so manche Hürden mit sich bringt.

Verrückt und zugleich charmant

Bei seinem Release wirkte „Bungo Stray Dogs“ noch eher unscheinbar, doch es dauerte nicht lang, bis die Fanbase immer weiter wuchs. Was diesen Anime ausmacht, ist eine Geschichte, die sich selbst nicht immer ganz ernst nimmt und dennoch für viel Spannung und Unterhaltung sorgt. Obwohl die zahlreichen Comedy- und Slapstick-Einlagen überwiegend albern und kindisch dargestellt werden, verliert die Serie nie ihren Charme und fängt sich schnell wieder im Ernst der Lage, wenn es eben darauf ankommt. Doch nicht nur Comedy und Action sind Bestandteile von „Bungo Stray Dogs“ – auch Drama, Mystery, Übernatürliches und eine Prise Psychological dürfen hier nicht fehlen.

Im Laufe der Episoden zeichnet sich ein gewisses Muster ab. Die erste Season führt die eigentliche Handlung langsam ein, während ein Charakter nach dem anderen näher vorgestellt und immer weiter in die Story eingebunden wird. So läuft es darauf hinaus, dass die Zuschauer hin und wieder kleine, in sich abgeschlossene Handlungsstränge vorgesetzt bekommen, um erst einmal in den Anime mit seinen vielfältigen Figuren hineinzufinden. Diese Vorgehensweise ist definitiv gelungen, wodurch ein stabiles Fundament für die nachfolgenden zwei Seasons und den dazwischen spielenden Film gelegt wurde.

Bungo Stray Dogs
Bild: Bones / BUNGO STRAY DOGS ANIME PROJECT

Wer beispielsweise gerne Anime wie „Hamatora“ schaut, ist bei „Bungo Stray Dogs“ goldrichtig. Auch wenn die Serien in völlig andere Richtungen verlaufen, weisen sie dennoch starke Parallelen auf. So handeln beide Titel von charakteristisch vielfältigen Detektiven mit besonderen Fähigkeiten, die den Zuschauer mit den oben genannten Genres unterhalten. Vor allem die Verrücktheit, sowohl im Stil als auch bei den Figuren, spiegelt sich in beiden Serien ähnlich wieder. Zudem entspannen sich die Detektive beider Reihen gerne mal in der Stammkneipe und die Story spielt in Yokohama. Allerdings sind die bewaffneten Detektive eine tatsächlich vom Staat anerkannte Einheit und erhalten dementsprechend gefährlichere Fälle. Wer also „Hamatora“ mochte, sollte umso schneller von „Bungo Stray Dogs“ in dessen Bann gezogen werden.

Autoren schwingen die Fäuste

Das Hauptaugenmerk von „Bungo Stray Dogs“ liegt ganz klar bei den Charakteren. Zwar ist die Story äußerst interessant und spannend, doch wäre sie nicht einmal halb so fesselnd ohne die facettenreichen Figuren. Das Spektrum reicht hier von albern, naiv und durchgeknallt bis hin zu aggressiv, blutrünstig und skrupellos – wie es sich eben für einen Anime mit so vielen Persönlichkeiten gehört.

Besonders faszinierend ist jedoch, dass die Charaktere nicht komplett frei erfunden sind, sondern größtenteils auf realen Persönlichkeiten basieren. Hierbei handelt es sich nämlich um Autoren und Schriftsteller aus verschiedenen Epochen, darunter auch internationale. Diese wurden zwar nicht Eins-zu-Eins übernommen, jedoch spiegeln sie sich im Detail in den Neuinterpretationen ihrer Ebenbilder wieder. Dies lässt sich ideal am Beispiel von Dazai erkennen. Dass dieser immer wieder auf das Thema Suizid oder sogar Doppelselbstmord zu sprechen kommt, ist nicht nur reiner Zufall, sondern beruht auf wahren Begebenheiten, wodurch das Ganze ziemlich makaber wirkt. Im Verlauf der Staffeln wird das Verhalten des animierten Dazai jedoch immer nachvollziehbarer, doch das sprengt an dieser Stelle den Rahmen.

Bungo Stray Dogs
Bild: Bones / BUNGO STRAY DOGS ANIME PROJECT

Die bewaffneten Detektive sind jedoch nicht die einzige Fraktion im Fokus. Ihr großer Gegenspieler in der ersten Season ist nämlich die Hafenmafia, die nicht nur aus gewöhnlichen Ganoven besteht, sondern ebenfalls Befähigte auf ihrer Seite hat. Die Detektei ist ihnen ein Dorn im Auge, weshalb beide Parteien häufig aneinander geraten. So kommt auch es schnell dazu, dass Atsushi ins Kreuzfeuer gerät. Diese zwei Fronten sind jedoch nicht die einzigen, die in Yokohama mitmischen wollen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Charaktere aus „Bungo Stray Dogs“ trotz der oftmals albernen Momente, in denen stark überreagiert wird, problemlos überzeugen und die Zuschauerherzen für sich gewinnen können. Hinter der komödiantischen Schale steckt nämlich immer ein ernster und tiefgründiger Kern. Sei es nun der provokante Dazai, der temperamentvolle Kunikida, die sadistische Yosano, der hochmütige Ranpo oder der kaltblütige Akutagawa – im Prinzip dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Crazy ist das neue Schwarz

Da „Bungo Stray Dogs“, ähnlich wie „Fullmetal Alchemist: Brotherhood“, „Soul Eater“ oder „My Hero Academia“, im Studio BONES entstand, bekam der Anime eine entsprechend markante und hervorstechende Aufmachung verpasst. Optisch fallen hierunter beispielsweise der „kantige“ Zeichenstil, die humorvoll und comichaft dargestellten Comedy-Szenen oder generell die visuelle Umsetzung und Mimik der Charaktere.

Das Studio hat es geschafft, dass die Bilder zur selben Zeit grob gezeichnet, aber dennoch detailreich rüberkommen, wie man es eben von ihnen kennt. Vor allem die Darstellungen der besonderen Fähigkeiten sowie der Action-Szenen können sich definitiv sehen lassen. Zudem ist die Farbgebung immer der Atmosphäre angepasst.

Bungo Stray Dogs
Bild: Bones / BUNGO STRAY DOGS ANIME PROJECT

Auch beim Soundtrack wurde durch Taku Iwasaki alles richtig gemacht. Je nach Situation variiert die musikalische Vielfalt von lässigem Jazz, über geladenem Rock, bis hin zu bizarren Stücken, sobald die Charaktere wieder verrücktspielen. Somit untermalt die Musik das Szenario in jeglicher Hinsicht tadellos, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Qualitativ wurde bei den Sound-Effekten ebenfalls solide Arbeit geleistet.

Das Opening mit dem Titel „TRASH CANDY“ ist nicht nur total mitreißend, der Sänger der Band GRANRODEO, Kishō Taniyama, leiht im Originalton sogar dem Charakter Chūya Nakahara seine Stimme. Die Band Luck Life hingegen steuerte den Ending-Song „Namae wo Yobu yo“ („Call Out The Name“) bei, der stets einen entspannten Ausklang aus jeder Episode bietet, egal wie actionreich diese auch war.

Deutsche Umsetzung im Zwiespalt

Wie bei den meisten anderen Anime auch, spalten sich ebenso im Fall von „Bungo Stray Dogs“ wieder die Meinungen in zwei Lager, wenn es um die deutsche Synchronisation geht. Zwar ist dieses Thema zum größten Teil reine Geschmackssache, jedoch sind die geteilten Meinungen diesmal tatsächlich nachvollziehbar.

Grundsätzlich wurde bei der Übersetzung bzw. im Dialogbuch solide Arbeit geleistet und allgemein betrachtet ist die Vertonung auch gut gelungen. Leider scheitert es allerdings sehr stark an einigen Besetzungen, wenn es um die Stimmlage geht. Beispielsweise sind Sebastian Fitzner (Son Gohan in „Dragon Ball Super“) als Atsushi und Asad Schwarz (Yato in „Noragami“) als Ranpo ideale Besetzungen für ihre jeweiligen Figuren.

Bungo Stray Dogs
Bungo Stray Dogs / © Bones / BUNGO STRAY DOGS ANIME PROJECT

Auf der anderen Seite gibt es dann aber Fälle wie Dazai, gesprochen von Timo Kinzel (Tsumugu in „Nagi no Asukara“), oder Akutagawa, gesprochen von Daniel Schütter (Obi in „Die rothaarige Schneeprinzessin“). Das Problem hier ist nämlich ganz simpel, und zwar sind die Stimmen einfach viel zu tief und im Fall von Dazai auch zu ernst im Vergleich zum Original und Verhältnis zu den entsprechenden Figuren.

Selbstverständlich müssen nicht alle immer wie im Japanischen klingen. Gute Beispiele hierfür sind Tammo Kaulbarsch (King in „The Seven Deadly Sins“) als Chūya oder Robert Kotulla (Gaara in „Naruto“) als Mori, die im Vergleich zum Originalton zwar völlig anders klingen, aber dennoch authentisch umgesetzt wurden.

Die Stimmlage spielt aber dennoch eine große Rolle, wenn es um Charaktere wie Dazai geht und dieser z. B. von Pilzen berauscht ist. Mit einer solch tiefen und ruhigen Stimme ist es dann schon sehr schwer, die Verrücktheit und den Wahnsinn der Figur wie der Originalsprecher Mamoru Miyano einzufangen.

Trotz aller Kritik können sich Fans der Serie, die lange auf ein deutsches Release gewartet haben, über die tolle Gesamtausgabe freuen. Wahlweise steht euch natürlich wie immer auch die japanische Sprachfassung mit deutschen Untertiteln zur Verfügung. Wir können die deutsche Vertonung dennoch empfehlen, sofern man das Ganze nicht allzu eng sieht.

Extras: Die Gesamtausgabe zu „Bungo Stray Dogs“ kommt mit drei Digipacks in transparenten O-Cards daher. Zudem sind die Volumes in einem stabilen Hardcoverschuber mit zwei tollen Artworks verstaut. Als Extras liegen ein Booklet, ein Poster, zwei Artcards und ein Magnetbutton bei. Auf den drei Discs sind wie gewohnt Bilder und eine Bildergalerie enthalten.

Fazit: „Bungo Stray Dogs“ ist genau der richtige Anime für Fans des Detektiv-Genres, die auf eine ordentliche Portion Action mit einer geballten Ladung Comedy aus sind. Besonders hervorgehoben wird die Serie durch ihre vielseitigen und oftmals bizarren Charaktere, bei denen für jeden Geschmack etwas dabei ist. Abgerundet wird das Ganze durch eine Animation à la Studio BONES, der passenden Musik und einer passablen deutschen Synchronisation.

Bestellen könnt ihr die Gesamtausgabe u. a. bei Anime Planet.

Info

Bungo Stray Dogs
Bild: Bones / BUNGO STRAY DOGS ANIME PROJECT | KSM Anime

Bungo Stray Dogs
Original Name: 文豪ストレイドッグス
Transkription: Bungō Sutorei Doggusu
Studio: BONES
Deutscher Publisher: KSM Anime
Regisseur: Takuya Igarashi
Drehbuch: Yōji Enokido
Musik: Taku Iwasaki
Synchronisation: DMT – Digital Media Technologie GmbH, Hamburg
Dialogregie: Detlef Klein
Dialogbuch: Andreas Barz
Freigegeben ab: 16 Jahren
Erschienen am: 29. August 2019
Länge: 12 Episoden (auf 3 Volumes)
Genre: Action, Comedy, Drama, Mystery, Supernatural
Medium: Disc

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Unsere Meinung

Story
85 %
Animation
83 %
Synchronisation
68 %
Preis
80 %

Unser Fazit

Bungo Stray Dogs ist genau der richtige Anime für Fans des Detektiv-Genres, die auf eine ordentliche Portion Action mit einer geballten Ladung Comedy aus sind. Besonders hervorgehoben wird die Serie durch ihre vielseitigen und oftmals bizarren Charaktere, bei denen für jeden Geschmack etwas dabei ist. Abgerundet wird das Ganze durch eine Animation à la Studio BONES, der passenden Musik und einer passablen deutschen Synchronisation.
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