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Anime-Adaptionen von Light-Novels haben es meist schwer, vor allem, wenn der Zuschauer mehr erwartet als schließlich geliefert wird

Calamity of a Zombie-Girl – Der Tod ist nicht das größte Unglück

Mit „Calamity of a Zombie-Girl“ holt KSM Anime ein Werk nach Deutschland, an dem sich nicht umsonst die Geister scheiden. Es gibt es hervorragende Adaptionen von beliebten japanischen Light-Novels. Ob es der Anime von Gonzo in diese Riege schafft, muss letzten Endes jeder selbst entscheiden.

Die Studenten Sayaka, Masahiro, Yui, Noriko und Hiroshi sind gemeinsam im Club zur Erforschung übersinnlicher Phänomene. Durch einen Online-Artikel findet Masahiro heraus, dass sich im Magazin ihrer Bibliothek angeblich ein historischer Schatz befinden soll, den die Gruppe in einer Nacht-und-Nebel-Aktion finden möchte. Anstatt auf Juwelen stoßen die Studenten hingegen auf zwei Särge, in denen zwei mumifizierte Mädchen liegen. Von den anderen unbemerkt, entfernt Sayaka einen Stein aus dem Körper einer der Mädchen.

Was die Studenten, außer Sayaka, nicht wissen, bei den Mumien handelt es sich um Euphrosyne Studion und ihre Dienerin Alma, die durch Magie in Zombies verwandelt wurden. Durch die Entfernung des Steins sind die beiden wieder zum Leben erwacht und setzen jetzt alles daran, diesen wieder zurückzubekommen. Dabei gehen die beiden jungen Frauen nicht zimperlich vor und schrecken auch vor Mord und das anschließende Anknabbern der Leichen nicht zurück. In schneller Geschwindigkeit wird die Zahl der Studenten dezimiert.

Zombies für Anfänger
Manche Mumien werden nicht umsonst eingesperrt Bild: Ryo Ikehata, KADOKAWA

Allerdings wird schnell klar, dass Sayaka nicht aus eigenem Antrieb handelt, sondern den erbeuteten Stein an einen der Professoren weitergibt, der diesen dann wiederum für seine mehr als makabren Forschungen verwendet. Wer bis zu dieser Stelle noch nicht befremdlich die Augen verdreht hat, tut es spätestens dann.

Nicht alle Zombies sind hirnlose Monster

Klischeehaft sind die meisten Zombies hirnlose Tötungsmaschinen, die alles Lebende verschlingen, was ihnen über den Weg läuft. So extrem sind Euphrosyne und Alma zwar nicht, trotzdem gehen die beiden nicht gerade zimperlich mit den Menschen, denen sie über den Weg laufen um. Dass die beiden eine Spur aus Leichen hinter sich herziehen, nehmen sie in Kauf und eigentlich interessiert es sie nicht weiter. Trotz ihres lieblichen Aussehens, sind die beiden Mumien-Mädchen echte Monster, die nur untereinander eine emotionale Beziehung hinbekommen.

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Die Handlung wird in 80 Minuten Film gepackt, was dafür sorgt, dass sie sich in einem schnellen Tempo entwickelt. Allerdings ist sie auch so einfach gestrickt, dass man nicht viel mitdenken muss. Erst zum Ende hin, gibt es eine Überraschung, die dann allerdings die Frage aufwirft, wer die eigentlich Monster sind, die beiden Zombies oder eher die Mitglieder ihrer „Familie“, deren Linie sich bis in die heutige Zeit fortsetzt. Gleichzeitig kämpft die Geschichte mit einigen logischen Fragen, die man sich als Zuschauer schon stellt, während sie vom Produktionsteam scheinbar als Unwichtig unter den Tisch gekehrt wurden.

Wie sonst will man erklären, dass  Euphrosyne Hiroshi zwar den Arm ab der Schulter abreißt, einschließlich riesiger Blutfontäne, dieser aber noch durch das halbe Wohnheim rennen kann, bevor er zusammenbricht? Gleichzeitig stellt sich die Frage, wieso der Geliebte von Sayaka, der scheinbar selbst Professor an ihrer Universität ist, die junge Frau und ihre Freunde dazu benutzt, die Mumien zu suchen, anstatt einfach selbst in das Magazin zu gehen? Das sind nur einige der Fragen, deren Antwort der Anime schuldig bleibt.

Zombie mit HIndernissen
Das Leben ist der Neuzeit ist auch nicht leichter Bild: Ryo Ikehata, KADOKAWA

Fans von klassischen Splatter-Filmen werden an „Calamity of a Zombie-Girl“ zwar trotzdem ihre Freude haben. Wer allerdings eine ausgereifte Story und wirklich Spannung erwartet, wird enttäuscht. Zwar sorgen die nett aussehenden Charaktere für eine hübsche Abwechslung, zu mehr reicht es aber insgesamt nicht.

Dienstbarer Geist mit Hackebeil

Das Studio Gonzo blickt auf eine lange Geschichte zurück, in der einige sehr bekannte Reihe wie „Hellsing“, „Last Exile“, „Afro Samurai“ und andere Klassiker zu finden sind. Gleichzeitig hat das Studio auch bewiesen, dass es durchaus ansprechende Action-Mystery Werke vorlegen kann. Dementsprechend groß ist auch die Erwartung an den Movie, der allerdings mit diesen bekannten Titeln in keinster Weise mithalten kann. Die Animation erweist sich als solide, kann die an sich schwache Story aber kaum retten.

Euphrosyne und Alma machen sich in ihren historischen Outfits optisch einiges her und auch die anderen Charaktere sind individuell gestaltet, aber so richtig ansprechend erweist sich keiner von ihnen. Insgesamt bleibt auch zu wenig Zeit die Figuren kennenzulernen, bevor sie das zeitliche segnen. Die Tatsache, dass die Zombies aussehen, wie nette junge Damen lässt gleichzeitig ihre Taten noch monströser erscheinen. Die Art und Weise, wie die beiden Zombie-Mädchen mit den Menschen umgehen ist gleichzeitig der Grund, warum der Anime die Altersfreigabe ab 16 Jahren mehr als zurecht bekommen hat. Wer mit spritzendem Blut oder zerquetschten Schädeln ein Problem hat, sollte die Finger möglichst weit weg von „Calamity of a Zombie-Girl“ lassen.

Adaption mit schweren Macken
Nette Zombies sind schwer zu finden Bild: Ryo Ikehata, KADOKAWA

An einigen Stellen zeigt sich dann aber trotzdem, dass sich ein erfahrenes Studio der Geschichte angenommen hat. Die Kämpfe sind schwungvoll dargestellt, ohne allerdings an Schärfe zu verlieren und auch die Hintergründe und Settings besitzen ihren eigenen Charme. Gerade der Showdown in einer Kirche weiß mit einer stimmungsvollen Szenerie zu überzeugen. Das Ende hingegen erweist sich als Enttäuschung, denn es wirkt als wäre der Film der Auftakt einer Reihe, die nie folgt. Das stellt unter dem Strich allerdings auch kein Verlust für die Anime-Welt dar.

Insgesamt sollten die Zuschauer nicht zu viel erwarten. Eine durchaus ansprechende Animation reicht noch lange nicht, um eine reichlich seichte Geschichte aufzuwerten. Die Light-Novel „Aru Zonbi Shojo no Sainan“ erhielt in Japan eine Fortsetzung, sodass in dieser das Ende funktioniert. Man muss nicht alles Eins zu Eins in den Anime übernehmen, vor allem dann, wenn man nicht weitermacht.

Sie sollten billige Ausreden nicht mit solchem Stolz vortragen

Für die Übertragung in deutsche zeichnet GlobaLoc aus Berlin verantwortlich. Man muss dem Studio zugestehen, dass es aus dem Film alles herausholen wollte und für die wichtigsten Rollen Sprecher mit ins Boot holte, die auf eine reiche Anime-Erfahrung zurückblicken. Die Sprecher haben sich wirklich Mühe gegeben, aus den oftmals recht gleichmütigen Gesichtern, stimmlich noch etwas herauszuholen.

Zombies haben viele Gesichter
Menschliche Monster Bild: Ryo Ikehata, KADOKAWA

So übernimmt Moira May die Rolle der Hauptrolle Euphrosyne, wobei sie den Spagat zwischen teilweise kindlicher Freude und eiskalter Killerin ansprechend hinbekommt. Vor allem, wenn sie sich in scheinbar lebensgefährlichen Situationen über moderne Errungenschaften wie Sekundenkleber freut, was die Skurrilität der Situation noch unterstreicht. Gleichzeitig fragt man sich zeitweise, ob sie nicht der am wenigsten gestörte Charakter des Films ist.

Auch Rieke Werner weiß als Alma zu überzeugen und ist in ihrer dienerischen Treue wirklich niedlich, wenn sie nicht gerade mal wieder einen mehr oder weniger toten Menschen anknabbert. Birte Baumgarte liefert als Sayaka eine fundierte Leistung, auch wenn das Dialogdrehbuch sie den einen oder anderen logischer Schnitzer noch hervorheben löst. Denn mal ehrlich, wie kann ein Zombie bereits im Altrömischen Reich entstanden sein, wenn er im England der viktorianischen Zeit erst aufwächst?

Man sollte nicht zu genau über alles nachdenken. Annika Tenter und Florian Hoffmann übernehmen die Rollen des Geschwisterpaars Takanashi. Spätestens, wenn die beiden dazukommen, fragt man sich als Zuschauer wirklich, wer die echten Monster sind. Die beiden Zombie-Mädchen oder doch eher der hochverehrte Professor und sein liebliches Schwesterchen.

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Fazit

„Calamity of a Zombie Girl“ bietet blutige Unterhaltung für einen schaurigen Anime-Abend. Wobei der Zuschauer sein Gehirn vor dem Einschalten am besten erst einmal schlafen legt, dann fallen die Logikfehler nicht so sehr auf. Die teilweise stimmungsvolle Optik weiß zumindest in Teilen über die eher mäßige Story hinwegzuhelfen. Wer allerdings eine mitreißende Handlung erwartet, sollte direkt wieder abschalten.

Die Altersfreigabe ab 16 Jahren erweist sich als berechtigt und auch Zuschauer mit eher schwachen Magen sollten sich den Anime lieber nicht ansehen. So viel verpasst man da auch nicht. Die deutschen Sprecher versuchen auf den Figuren herauszuholen was geht, allerdings sind auch sie vor dem einen oder anderen logischen Fehler nicht gefeit.

Info

keine leichte Kost
KSM holt die Zombie Girls nach Deutschland Bild: Ryo Ikehata, KADOKAWA

Calamity of a Zombie Girl 
Original Name: あるゾンビ少女の災難
Transkription: Aru Zombie Shoujo no Sainan
Studio: Gonzo
Deutscher Publisher: KSM Anime
Regisseur: Hideaki Iwami
Drehbuch: Katsuya Iwamoto / Kenichi Kanemaki
Musik: Kow Otani
Erschienen am: 4. Juli 2018 (Japan) / 19. März 2020 (Deutschland)
Synchronisation: GlobaLoc GmbH, Berlin
Dialogregie – und Buch: Marco Rosenberg
Länge: 76 Minunten
Freigegeben ab: 16 Jahren
Genre: Horror, Mysters
Sprachen: Deutsch, Japanisch mit deutschen Untertiteln
Medium: Disk (DVD und Blu-ray)
Bei Amazon kaufen

Unsere Meinung

Story
70 %
Animation
82 %
Synchronisation
85 %
Preis
86 %

Unser Fazit

"Calamity of a Zombie Girl" will viel und bekommt nur wenig wirklich ansprechend hin. Vom renommierten Anime-Studio adaptiert erwartet man als Zuschauer natürlich eine spannende Story mit ein wenig blutiger Action. Blutig wird es, was die Altersfreigabe belegt. Allerdings kommt die Handlung inhaltlich nicht einmal ansatzweise an die doch recht nett gemachte Animation heran. Einige Logikfehler helfen der Geschichte auch nicht wirklich weiter.
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