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Der Film zur Serie

Clannad: Der Film – Wir treffen uns am Baum des Versprechens

2014 holte der eher kleine Publisher FilmConfect mit „Clannad“ einen Anime nach Deutschland, der mehr bietet als man auf den ersten Blick meinen möchte. Kurz bevor man in Japan mit der Produktion der Anime-Serie begann, wurde die Geschichte auch in einem Film zusammengefasst, den FilmConfect jetzt ebenfalls auf Deutsch veröffentlicht.

Dem Schüler Tomoya Okazaki schienen als Basketball-Talent alle Wege offen zu stehen. Bei einem Streit mit seinem alkoholkranken Vater verletzt sich Tomoya allerdings schwer an der Schulter, was das Ende für seine Karriere bedeutet. Aus dem sowieso schon stillen Jungen wird ein introvertierter Schüler, dem auf den ersten Blick alles egal ist. Dies ändert sich erst, als er Nagisa Furukawa kennenlernt, die ebenfalls kein leichtes Leben hat.

Nagisa war schon seit ihrer Geburt von eher schwacher Konstitution, weswegen ihre Eltern ihre Karriere aufgaben, um sich ganz um ihre Tochter kümmern zu können. Trotz ihres schwachen Körpers ist Nagisa ein fröhliches und mental starkes Mädchen, das nach langer Krankheit in der Schule wieder Fuß zu fassen versucht. An ihrem ersten Tag trifft sie auf Tomoya, der ihr widerwillig hilft, den Weg zur Schule wieder zu schaffen. Nagisas größter Traum ist es, die vormals geschlossene Theater-AG wieder zu eröffnen, wobei ihr Tomoya und dessen bester Freund Youhei Sonohara mehr oder weniger freiwillig helfen.

Das Aufeinandertreffen der beiden sehr unterschiedlichen Protagonisten sorgt für viele emotionale Höhepunkte, wobei nicht alle immer in die positive Richtung gehen, sondern es einige echt in sich haben. Den krassen Spagat zwischen niedlicher Schul-Romanze, alltäglichem Drama und Momenten mit Taschentuch-Garantie muss man als Zuschauer aber auch erst einmal verkraften.

Heldin wider Willen
Nagisas großer Auftritt, Bild: VisualArt´s/Key/ Toei Animation/ Frontier Works

Mein Leben in der Ödnis

Auf den ersten Blick wirkt „Clannad“ wie die typische Highschool-Romanze, wie sie bereits in zahlreichen Shojo-Anime und Manga immer wieder in leicht abgewandelter Form erzählt wird. Gibt man der Geschichte allerdings Zeit und lässt sich darauf ein, stößt man auf eine vielschichtige Welt, in der sehr verschiedenen Figuren versuchen ihren, mal mehr mal weniger steinigen, Weg zum Erwachsenwerden zu gehen.

Mehr zum Thema:  Clannad After Story – Familie, das Schicksal und andere Katastrophen

Ein Anspruch, den der Film allerdings nicht unbedingt erfüllen kann. Wie bei ähnlichen Projekten, bei denen man versucht, die Handlung einer längeren Reihe in einen 90-minütigen Film zu packen, fehlt es am Ende einfach an Zeit, um allen Figuren und Aspekten der Geschichte gerecht zu werden. Gleichzeitig erweist sich der Einstieg in den Film als schwierig, so wird die Story teilweise als Rückblende erzählt, sodass man sich früh mit dem Gedanken anfreunden muss, dass das Happy End wohl ausfällt.

Auf diese Weise wird der eigentlich sehr positive Grundgedanke, der vor allem die erste Staffel des „Clannad“-Anime ausmacht, früh im Keim erstickt. Die Handlung an sich bietet zwar immer wieder auch schöne und fröhliche Szenen, insgesamt erweist sich die Story des Films aber als reichlich depressiv, was zwar zum allgemeinen Grundton der gesamten Reihe passt, an dieser Stelle aber nur bedingt dazu geeignet ist, Lust auf die Serie zu machen, die Romance-Fans allerdings gesehen haben müssen.

Clannad Movie
Clannad – Süße Geschichten mit kleinen Makeln Bild: VisualArt´s/Key/ Toei Animation/ Frontier Works

Das Leben und seine Unwägbarkeiten

Grafisch zeigt der Film bereits, in welche Richtung sich auch die „Clannad“-Serie bewegt. Die Animationen erscheinen auf den ersten Blick wie die typischen Shojo-Darstellungen. Die Augen der weiblichen Figuren sind übergroß und die Herren liegen irgendwo zwischen Bad Boy mit Herz und Sonnyboy, den irgendwie jeder mag. Gleichzeitig liegen die Bilder zwischen klaren Linien in der Realität und einer passenden Weichzeichnung in den Traumsequenzen.

Die Grundidee von „Clannad“ ist ein Ren’ai Adventure Game, bei dem es darum geht als Protagonist Tomoya mit fünf verschiedenen weiblichen Figuren eine Beziehung aufzubauen. Dieser Gedanke wurde zwar zugunsten der klassischen Lovestory zwischen Tomoya und Nagisa übergangen, allerdings sind es doch die weiblichen Charaktere, die innerhalb der Geschichte eine größere Rolle spielen, was sich auch in deren Darstellung zeigt, die nicht nur vom Charakter-Design positiver ausfällt. Zwar bleibt der Shojo-Gedanken erhalten, sodass sich der Anime vorrangig an weibliche Zuschauer richtet, trotzdem kam man ihm eine große optische Qualität nicht absprechen.

Traumpaar aus Clannad
Liebe auf Umwegen Bild: VisualArt´s/Key/ Toei Animation/ Frontier Works

Die krassen Widersprüche innerhalb der Handlung zeigen sich auch in der Darstellung. Während die Teile der Geschichte mit Nagisa eher hell und farbenfroh dargestellt werden, zeigt sich Tomoyas Hang zur Schwarzmalerei auch in der grafischen Gestaltung. So sind Szenen, in denen er allein zu sehen ist, meist dunkel gehalten, ohne allerdings an Schärfe zu verlieren, was wieder auf seinen durchaus entwicklungsfähigen Charakter hinweist.

Große Pläne

Erfreulicherweise konnten die Sprecher, die den Hauptfiguren schon in der Anime-Serie ihre Stimmen liehen, auch für den „Clannad“-Film wieder verpflichtet werden. Durch den bekannten Sprecher-Cast fühlen sich diejenigen, die die Reihe bereits kennen, gut abgeholt und Zuschauer, die sich den Movie ansehen, wissen, welche Qualität sie in der Serie erwarten dürfen. Und die erweist sich als hoch und der dramatischen Geschichte angemessen.

Amadeus Strobl ist als ruhiger und nachdenklicher Tomoya zu hören, während Shanti Chakraborty die Rolle der fröhlichen Nagisa übernimmt. Jan-David Rönfeldt brilliert als Akio Furukawa und weiß sowohl den liebenden Familienvater als auch den männlichen Schwiegerdrachen mit Spaß und einer Portion Hau-Drauf-Manier zu verkörpern. Weil die meisten Nebenfiguren leider der Schnittschere zum Opfer gefallen sind,  erweist sich der Sprecher-Cast insgesamt als reichlich übersichtlich.

Figuren bleiben auf der Strecke
Abgespeckte Figuren Bild: VisualArt´s/Key/ Toei Animation/ Frontier Works

Was den deutschen Release angeht, liefert FilmConfect eine nette, wenn auch nicht überragende Umsetzung. Anders als zum Start des Anime, der damals sogar in ansprechenden Steelbook-Boxen mit niedlichen Extras daherkam, erscheint „Clannad: Der Film“ in einem hübsch gestalteten Digipack mit Schuber, allerdings ohne weitere Extras.

Fazit

„Clannad – Der Film“ ist insgesamt eine nette kleine Geschichte, allerdings kann der Movie mit dem Anime nicht mithalten. Die Hauptfiguren sorgen für eine Geschichte, die sowohl schöne romantische, als auch sehr dramatische Momente enthält. Allerdings wurden die meisten Nebenfiguren weggelassen, die allerdings das Ihre dazu beitragen, die Story insgesamt rundzumachen.

Wer den Anime noch nicht kennt, erhält durch den Anime allerdings einen ersten Einblick in die Geschichte und macht Lust auf die hochwertige Animation, die sich auch hinter modernen Werken nicht verstecken muss. Fans großer Drama, die kurz erzählt werden, sind hier genau richtig, wer allerdings richtig in die Handlung von „Clannad“ eintauchen möchte, sollte zur Serie greifen.

Info

Clannad-Movie
Clannad – Der Film Bild: VisualArt´s/Key/ Toei Animation/ Frontier Works

Original Name: クラナド
Transkription: Kuranado
Studio: Toei Animation
Deutscher Publisher: FilmConfect Anime
Regisseur: Osamu Dezaki
Drehbuch: Makoto Nakamura
Musik: Yoshichika Inomata
Erschienen am: 05. November 2020
Synchronisation: TNT Media GmbH, Berlin
Dialogregie: Reinhard Knapp
Länge: 90 Minuten
Freigegeben ab: ab 6 Jahren
Genre: Drama, Romance
Sprachen: Deutsch, Japanisch (deutsche Untertitel)
Medium: Blu-ray / DVD

REVIEW OVERVIEW

Story
80 %
Animation
90 %
Synchronisation
92 %
Preis
85 %

Unser Fazit

"Clannad - Der Film" erzählt eine dramatische Geschichte mit vielen Wendungen. Er begleitet sympathische Charaktere auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden und lässt auch negative Erlebnisse nicht aus. Dem Vergleich zur Anime-Serie kann der Film aber nicht standhalten, denn insgesamt fehlt die Zeit, die facettenreiche Geschichte entsprechend zu erzählen.
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