Stats

Anzeige
Start Reviews Anime Reviews Die Walkinder und das Ende der Unschuld

Großes Drama mit kleinen Schwächen

Die Walkinder und das Ende der Unschuld

2013 startete in Japan Abi Umedas dramatischer Utopie-Manga „Kujira no Kora wa Sajō ni Utau“ („Die Walkinder“). Wegen des großen Erfolges der Geschichte in Japan folgte 2017 ein Anime, den LEONINE jetzt auch nach Deutschland holte. Während der Manga noch nicht abgeschlossen ist, bleibt auch beim Anime zu hoffen, dass dieser bald fortgesetzt wird.

Der Jugendliche Chakuro lebt auf einem in einem Sandmeer schwimmenden Schiff, das die Bewohner MudWhale nennen und hat es sich zur Aufgabe gemacht, als Chronist sämtliche Ereignisse festzuhalten. Oftmals handelt es sich dabei um Beerdigungen, denn die meisten Bewohner der schwimmenden Insel werden nicht älter als 30 Jahre. Die Bevölkerung, die keinen Kontakt zur Außenwelt hat, besteht aus sogenannten „Markierten“, die über übernatürliche Fähigkeiten verfügen, aber jung sterben, und den „Unmarkierten“, die wegen ihres längeren Lebens eine Art Regierung darstellen.

Eines Tages nähert sich eine andere kleine Insel treibend der MudWhale. Die Bewohner hoffen dort neue Rohstoffe zu finden. Bei dieser Erkundungsmission findet Chakuro ein verwundetes Mädchen, das ebenfalls Thymia nutzen kann und deswegen auch übernatürliche Fähigkeiten besitzt. Lykos, wie das Mädchen genannt wird, wird von den Menschen der MudWhale freundlich aufgenommen, der Ältestenrat, der der Insel vorsteht, ist allerdings weniger begeistert, ob des Auftauchens des Mädchens. Warum dieser so ablehnend reagiert wird bald klar, denn Lykos ist nicht die Einzige, die bald das Eiland betritt. Die neuen Besucher sorgen für ein drastisches Ende des ruhigen Lebens der Menschen …

Leben auf der Scholle im Meer
Die Walkinder und ihr ruhiges Leben Bild: Abi Umeda (Akitashoten) / Children of the Whales Film Partners

„Die Walkinder“ spielt anfangs in einer Welt, wie sie utopischer nicht sein könnte. Fast alle Menschen verstehen sich gut und Konflikte gibt es so gut wie keine. Die in sich geschlossene Welt der MudWhale bietet ihren Bewohnern, was sie zum Leben brauchen, und fast alle scheinen mit ihrem Schicksal zufrieden. Dass eine solche kindlich-heile Welt nicht lange währt, lernt nicht nur der Protagonist auf schmerzliche Art und Weise.

Fähigkeiten kontra Leben

Bereits am Anfang der Geschichte merkt man, dass mit der MudWhale etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, denn die meisten Menschen dort sind entweder Kinder oder junge Erwachsene. Bald wird klar, dass das „Thymia“ das die meisten für ihre Fähigkeiten nutzen, anscheinend dafür sorgt, dass die „Markierten“ nicht älter als 30 Jahre werden. Während diese Tatsachen von den meisten stillschweigend hingenommen wird, wundert man sich als Zuschauer schon, dass diese Menschen ihr Schicksal einfach so hinzunehmen scheinen.

Mehr zum Thema:  Die Walkinder mit Deutscher Synchronisation neu bei Netflix

Gleichzeitig erweist sich der Umgang mit dem Tod, der bei den Markierten allgegenwärtig ist, als reichlich befremdlich. Die Toten werden dem Sandmeer übergeben und dann geht es weiter in den Alltag. Das Weinen auf diesen Beerdigungen ist so gut wie verboten. An der Stelle passt auch Lykos, die so gut wie keine Gefühle zeigt, sehr gut in die Geschichte. Diese ist es aber auch, die dafür sorgt, dass die kleine heile Welt von Chakuro und seinen Freunden auf den Kopf stellt.

Vertraute Feindin
Chakuro und Lykos Bild: Abi Umeda (Akitashoten) / Children of the Whales Film Partners

„Die Walkinder“ hatten seit Generationen keinen Kontakt mehr zu anderen Menschen. So allein, wie sie denken sind sie aber nicht. Wie die Ältesten wissen, gibt es auch außerhalb der Insel andere Staaten, die den Menschen auf der MudWhale aber nicht wohl gesonnen sind, wie sich schnell zeigt. Aus den friedlichen Menschen der Insel müssen Kämpfer werden, die ihr Land verteidigen und sich als nicht so perfekt herausstellt, wie es auf den ersten Blick scheint.

Mit diesem Ende der Unschuld beginnt eine Handlung, die sich schnell entwickelt und mit immer wieder neuen Wendungen aufwartet. Ebenso abrupt, wie das harmonische Leben der Menschen auf der MudWhale endet allerdings auch die Handlung der „nur“ 12 Episoden umfassenden ersten Staffel. Viele Fragen, die die Story aufwirft, bleiben unbeantwortet, sodass man als Zuschauer vor dem Bildschirm sitzt und denkt, dass man gerade ein Prequel gesehen hat, dem jetzt doch bitte die weitere Geschichte folgen soll.

Ein Meer aus Sand und Lügen

Ähnlich verschwommen wie die Sicht auf das flirrende Sandmeer erscheint der Umgang mit der Wahrheit auf der MudWhale zu sein. Die Charaktere werden zwar mit viel Liebe zum Detail optisch dargestellt, bleiben insgesamt aber oftmals eindimensional, weil insgesamt die Zeit fehlt, ein umfassendes Charakter-Design auf die Beine zu stellen. Auch deswegen bleibt beim Betrachter, trotz der schönen Bilder, der Gedanke zurück, dass viele Möglichkeit nicht genutzt und dem Fortschreiten der Handlung geopfert wurde.

Die Welt der Walkinder wurde ebenfalls mit einem guten Auge umgesetzt, die Sandwüste und auch die Insel erweisen sich als Vielschichtiger als auf den ersten Blick zu erwarten und bilden einen schönen Hintergrund für die mehr als dramatische Handlung. Die krassen Unterschiede zwischen den aufeinanderprallenden Zivilisationen sorgen ebenfalls für einen optische ansprechenden Kontrast, auch wenn die die Angreifer reichlich Stereotypisch bleiben und sich größtenteils mit einer Darstellung als Clowns gesichtigte Marionetten begnügen müssen.

etwas andere Waffen
Kämpfer auf gleicher Höhe Bild: Abi Umeda (Akitashoten) / Children of the Whales Film Partners

„Die Walkinder“ versprechen optisch viel, was der Anime inhaltlich aber nicht halten kann. Der Manga ist noch nicht angeschlossen, während man dort aber auf weitere Bände wartet, ist bisher eine Fortsetzung des Anime noch nicht bestätigt, obwohl er es trotz seiner Schwächen mehr als verdient hätte, dass die Geschichte weiter erzählt wird und sich die Zuschauer weiterhin an den schönen Bilder erfreuen können.

Der Weg zur Wahrheit ist steinig

Das Münchner Studio SDI Media zeichnet für die Übersetzung ins Deutsche verantwortlich und setzt dabei auf einen erfahrenden deutschen Sprecher-Cast, der die Figuren und ihre Eigenarten gut rüber zubringen weiß. Auch wenn das eigentliche Charakter-Design nicht das hergibt, was im Manga möglich ist, versuchen die Sprecher aus ihren Figuren das bestmögliche herauszuholen.

Felix Mayer hat die nicht einfache Aufgabe, dem ruhigen und überlegten Chakuro weiteres Leben einzuhauchen, gut gelöst. Er muss zwischen kindlichem Vertrauen und der harten Realität hin und herpendeln, weil auch sein Charakter eigentlich an die Welt, die der Ältestenrat für seine Bewohner aufrecht erhalten will, glaubt, gleichzeitig aber auch die mehr als harte Realität kennt und mit dieser zu Leben lernen muss.

Paradies in Gefahr
Ende der Unschuld Bild: Abi Umeda (Akitashoten) / Children of the Whales Film Partners

Rein von den Sprecher-Fähigkeiten muss Oliver Scheffel als Rowdy mit Herz in der Rolle des Ouni am meisten arbeiten und beweist, dass er dieser Aufgabe durchaus gewachsen ist. Sein Charakter ist kein einfacher, der immer wieder in Schwierigkeiten gerät, das Herz letzten Endes aber am richtigen Fleck hat und weiß, was er an seiner Heimat und den Menschen dort hat, auch wenn er diese immer wieder in Frage stellt.

Hiroaki Tsutsumi sorgt für eine ansprechende musikalische Untermalung und LEONINE bringt die Serie in einem ebenso überzeugenden Gesamt-Paket nach Deutschland. Die Box umfasst neben der Serie auf zwei Discs ein Booklet und die Musik-Videos und Making Ofs zu den ansprechenden Openings und Endings. Zusätzlich enthält jede der zwei Disc noch eine OVA, die die utopische Geschichte der Walkinder an eine heutige Highschool verlegt. Diese mit zahlreichen Comedy-Elementen gespickten Zusatz-Geschichten sorgen dafür, dass die ansonsten sehr dramatische Geschichte mit ein wenig Humor ausklingt.

Fazit „Die Walkinder“ in Deutschland

Die Geschichte „Die Walkinder“ beinhaltet eigentlich alles, was man von einem abendfüllenden Anime-Programm erwarten kann. Spannung, Action, liebenswerte Charaktere und eine Story, bei der man nicht immer weiß, was als nächstes passiert. Nur die Umsetzung wird dieser Idee nicht ganz gerecht. Vor allem das mehr als offene Ende lässt den Zuschauer unzufrieden zurück, weil zu viele Fragen offen bleiben

Während das Setting sehr detailreich umgesetzt wurde, schwächeln die Figuren, weil ihnen wenig Raum bleibt, sich richtig zu präsentieren. Viele Charaktere werden kurz vorgestellt, ohne allerdings die Gelegenheit zu bekommen, sich und die Grund ihrer Handlungsweisen wirklich darzustellen. Dem Zuschauer bleibt letztlich nur die Daumen zu drücken, dass es eine zweite Staffel gibt, die dann hoffentlich mit mehr Antworten als neuen Fragen aufwartet.

Info

Walkinder Release
Die Walkinder Bild: Abi Umeda (Akitashoten) / Children of the Whales Film Partners

Die Walkinder  – Children of the Whales
Original Name: クジラの子らは砂上に歌う
Transkription: Kujira no Kora wa Sajou ni Utau
Studio: J.C. Staff
Deutscher Publisher: LEONINE
Regisseur: Kyōhei Ishiguro
Drehbuch: Michiko Yokote
Musik: Hiroaki Tsutsumi
Erschienen am: 11. September 2020
Synchronisation: SDI Media Germany
Dialogregie: Daniela Arden
Dialogbuch: Sarah Stosno, Sabine Hinrichs
Länge: 12 Episoden
Freigegeben ab: 16 Jahren
Genre: Drama, Fantasy
Sprachen: Deutsch, Japanisch mit deutschen Untertiteln
Medium: Disc (DVD und Blu-ray)

REVIEW OVERVIEW

Story
86 %
Animation
90 %
Synchronisation
90 %
Preis
88 %

Unser Fazit

"Die Walkinder" erzählt eine packende Geschichte zwischen kindlicher Naivität und brutaler Realität, bei der nur wenig das ist, was es auf den ersten Blick erscheint. Die utopische Geschichte wurde in schönen Bildern umgesetzt, die die teilweise sehr brutale Handlung in nette Bilder taucht. Die Geschichte weiß zu überzeugen, auch wenn sie einige Schwächen aufweist. Dieser insgesamt gute Eindruck wird aber durch ein mehr als offenes Ende leider wieder zunichtegemacht.
Anzeige
Anzeige