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Eine herzerwärmende Reise – Josie, der Tiger und die Fische

Japan tut sich immer noch schwer, wenn es darum geht, Menschen mit Behinderung in den Alltag zu integrieren. Auch in Anime sind Charaktere mit Beeinträchtigungen eher seltener zu finden und wenn dann nur als Nebenfiguren. „Josie, der Tiger und die Fische“ ist an dieser Stelle eine rührende Abwechslung.

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Der Student Tsuneo liebt das Tauchen und die bunte Unterwasserwelt, deswegen hängt er sich im Studium richtig rein und versucht ein Stipendium in Mexiko zu bekommen, um dort seiner Leidenschaft nachgehen zu können. Dafür hat er mehrere Jobs nebeneinander, denn so ein Auslandsaufenthalt ist teuer. Auf dem Weg nach Hause fliegt ihm im wahrsten Sinne des Wortes ein Mädchen in die Arme.

Kumiko, die lieber Josie genannt werden möchte, sitzt seit ihrer Geburt im Rollstuhl und ist ebenfalls fasziniert vom Meer. Die junge Frau lebt bei ihrer Großmutter, die Tsuneo einstellt, damit er sich gemeinsam mit ihr um Josie kümmert und ihr die Welt außerhalb der heimischen vier Wände zeigt. Diese birgt für Josie immer neue Herausforderungen, denn mit ihrem Rollstuhl passt sie nicht in die hocheffizient funktionierende Großstadt. Josie und Tsuneo kommen sich im Laufe der Zeit näher, bis zwei Schicksalsschläge die ungleichen Freunde auseinanderzubringen scheinen ….

Josies kleine heile Welt
Kleine Welt Bild: Seiko Tanabe/KADOKAWA/Josee Project

„Josie, der Tiger und die Fische“ erweist sich als eine Liebesgeschichte, die zwar nicht neu ist, aber durch ihre Charaktere überzeugen kann. Eine Kratzbürste verliebt sich in einen Optimisten und dieser findet heraus, dass sie doch sehr liebenswerten Eigenschaften hat, ist keine neue Grundidee, aber trotzdem immer wieder schön, auch wenn man so ein wenig weiß, wohin es geht.

Die Raubtiere da draußen

Der Anime versucht einiges an Handlung in knapp 100 Minuten zu packen, deswegen entwickelt sich die Geschichte in einem rasanten Tempo. Nach den ersten 30 Minuten gibt es den ersten Gänsehaut-Moment, sodass man sich als Zuschauer fragt, was da noch so kommen soll. Allerdings weiß Regisseur Kotaro Tamura weitere emotionale Akzente zu setzen, sodass die Taschentücher auf jeden Fall in Griffweite liegen sollten.

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Gleichzeitig bekommt der Film den Spagat hin, sowohl die positiven als auch die negativen Seiten des Lebens mit Behinderung darzustellen. Zwar wird Josie im Alltag mit vielen Herausforderungen konfrontiert, kann aber beweisen, dass sie diesen mit ein wenig Hilfe gewachsen ist und motiviert damit auch Tsuneo in dunklen Stunden nicht aufzugeben. Der Blick der japanischen Gesellschaft auf Menschen mit einer Beeinträchtigung kommt ebenfalls zur Sprache. „Josie, der Tiger und die Fische“ zeigt diese auf, ohne allzu anklagend zu werden und schafft es selbst diese kritischen Aspekte mit einem Schmunzeln zu beenden.

Alltag für Menschen mit Behinderung
Alltag für Menschen mit Behinderung Bild: Seiko Tanabe/KADOKAWA/Josee Project

Josie erweist sich als sehr lebensfern dargestellt, wobei die Figuren, wie in vielen Anime typisch, ein wenig überzeichnet wurden. Ihre Großmutter hält sie größtenteils von der Gesellschaft fern, sodass sie kaum mit den Schwierigkeiten des Alltags in Berührung kommt. Erst durch Tsuneo erhält sie eigentlich Zugang zum gesellschaftlichen Leben. Aber auch diese Aspekte der Geschichte haben ihren Reiz, denn die Neugier der jungen Frau auf das Leben ist erfrischend und sorgt anfänglich für einige emotionale Höhepunkte.

Zwischen Meer und dem harten Boden der Tatsachen

Bei der grafischen Umsetzung bleibt das Studio BONES dem hohen inhaltlichen Anspruch gerecht. Sowohl die Figuren als auch die Umgebung in der sie leben wird mit viel Liebe zum Detail dargestellt, wobei in den Schlüsselszenen die teilweise sehr fantasiereichen Hintergründe den Figuren arge Konkurrenz machen. Insgesamt gelingt aber ein passender Mix aus grauem Alltag und bunten Traum-Welten, die Josie für sich selbst immer wieder schafft.

Josie, der Tiger und die Fische
Josie und fast die Fische Bild: Seiko Tanabe/KADOKAWA/Josee Project

Gerade die Figur der Kumiko (Josie) erhält viel Aufmerksamkeit, macht sie im Laufe der Handlung auch die größte Veränderung durch. Aus der kindlichen, manchmal schon ziemlich zickigen, Josie wird eine junge Frau, die sich ihren Platz im Leben selbstbewusst erstreitet und lernt auf eigenen Beinen zu stehen, wenn auch nicht ganz freiwillig. Grafisch wird dieser Bruch äußerst überzeugend dargestellt. Frauen lassen sich gern die Haare neu stylen, wenn sie einen neuen Abschnitt im Leben angehen wollen, dieser typischen Handlungsweise schließt sich auch Josie an und präsentiert sich später äußerlich und innerlich extrem verändert.

Wer die Geschichte noch in einer anderen Form erleben möchte, sollte sich ebenfalls den 30. November im Kalender anstreichen. Die Mangaka Nao Emoto setzte die emotionale Kurzgeschichte der Autorin Seiko Tabana in einem Manga um. Ihre Version von „Josie, der Tiger und die Fische“ erscheint in zwei Bänden hierzulande bei Carlsen.

Manga zum Anime
Josie, der Tiger und die Fische als Manga Bild: Seiko Tanabe/KADOKAWA/Josee Project

Menschliche Raubtiere und Schmusekatzen

Die Übersetzung ins Deutsche übernahm das Studio VSI Synchro, das überzeugende Arbeit abliefert. Die Sprecher sind gut gewählt und schaffen es, den Figuren tiefe zu geben und den Zuschauer abzuholen. Alle Charaktere haben Ecken und Kanten, die sich auch stimmlich widerspiegeln. Das Thema ist insgesamt kein leichtes, gerade weil Josie nicht als Opfer erscheinen soll, wegen ihres schwierigen Charakters aber auch keine einfache Person ist.

Julia Bautz nimmt sich der Herausforderung an und schafft es sowohl die kindliche Josie der Anfangszeit, gekonnt mit ihrer späteren ernsteren Version zusammenzubringen. Zwischen niedlich und zickig bis hin zu überlegt und eloquent lässt die Josie immer sympathisch wirken. Ähnlich überzeugend agiert auch Sebastian Kluckert als Tsuneo, der ebenfalls im Laufe der Zeit eine Wandlung durchmacht. Ihm gelingt es hervorragend, die verschiedenste Facetten des Studenten mit den großen Träumen zu transportieren.

Josie wird erwachsen
Erwachsene Josie Bild: Seiko Tanabe/KADOKAWA/Josee Project

Insgesamt setzt der deutsche Cast auf erfahrene Sprecher, vorwiegend in den Hauptrollen, was der Geschichte sehr zugutekommt. Beide Charaktere müssen im Laufe der Geschichte mit Schicksalsschlägen umgehen und daran wachsen, sodass die Spreche keine leichte Aufgabe gestellt bekommen, der beide aber brillant gerecht werden.

Ein Disc-Release steht ebenfalls schon fest. Wer es nicht ins Kino schafft, kann sich „Josie der Tiger und die Fische“ auch ab wahrscheinlich Mitte Januar nach Hause holen. Bei einer Altersfreigabe von sechs Jahren, die auch absolut in Ordnung sind, bietet der Film das Material für einen schönen Anime-Abend. Obwohl die Geschichte zeitweise sehr dramatisch wird, entlässt er den Zuschauer doch mit einem guten Gefühl.

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Fazit

„Josie, der Tiger und die Fische“ bietet über 90 Minuten gute Unterhaltung, bei der Momente zum Schmunzeln hochemotionale ablösen. Die gelungene Mischung sorgt für Kurzweil und dafür, dass man sich als Zuschauer nicht langweilt, sondern darauf wartet, was als Nächstes passiert. Sehr sympathische Figuren laden außerdem ebenfalls dazu ein, in die Geschichte einzutauchen, wobei ein paar Taschentücher nicht schaden können.

Eine wunderbare Animation und ein hervorragender deutscher Cast tragen ebenfalls dazu bei, dass das ernste Grundthema so transportiert wird. Zwar wird die eher negative Einstellung der Japaner Menschen mit Behinderungen gegenüber spürbar, die positiven Momente aber überwiegen.

Info

Kazé holt aktuellen Anime nach Deutschland
Josee, the Tiger and the Fish startet in Japan erst Ende Dezember Bild: Seiko Tanabe/KADOKAWA/Josee Project

Josie, der Tiger und die Fische 
Original Name: ジョゼと虎と魚たち
Transkription: Joze to Tora to Sakanatachi
Studio: BONES
Deutscher Publisher: Kazé
Regisseur: Kotaro Tamura
Drehbuch: Sayaka Kawamura
Musik: Evan Call
Erschienen am: 30. November 2021
Synchronisation: VSI Synchron
Dialogregie – Buch: Fritz Rott
Länge: 98 Minuten
Freigegeben ab: 12 Jahren
Genre: Drama, Slice of Life
Sprachen: Deutsch
Medium: Kino
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Unsere Meinung

Story
97 %
Animation
93 %
Synchronisation
93 %

Fazit

"Josie, der Tiger und die Fische" greift das Thema Leben mit Behinderung in Japan auf, worum die meisten Anime einen großen Bogen machen. Die Geschichte kombiniert lebenswerte Figuren mit einigen emotionalen Momenten. Trotzdem kommen auch Spaß und die Romantik nicht zu kurz, sodass man sich auf über 90 Minuten ausgezeichnete Unterhaltung freuen kann. Zwar werden einige negative Aspekte angesprochen, insgesamt entlässt der Film den Zuschauer aber mit einem sehr positiven Gefühl.
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Eine herzerwärmende Reise - Josie, der Tiger und die Fische"Josie, der Tiger und die Fische" greift das Thema Leben mit Behinderung in Japan auf, worum die meisten Anime einen großen Bogen machen. Die Geschichte kombiniert lebenswerte Figuren mit einigen emotionalen Momenten. Trotzdem kommen auch Spaß und die Romantik nicht zu kurz, sodass man sich auf über 90 Minuten ausgezeichnete Unterhaltung freuen kann. Zwar werden einige negative Aspekte angesprochen, insgesamt entlässt der Film den Zuschauer aber mit einem sehr positiven Gefühl.