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StartReviewsAnime ReviewsEinfallslos und monoton: "Aya und die Hexe"

"Neo" Studio Ghiblis erster Film ist da und er könnte sich kaum mehr von seinen Vorgängern abgrenzen.

Einfallslos und monoton: „Aya und die Hexe“

„Aya und die Hexe“ stellt einen Neuanfang und einen Aufbruch in ein neues Zeitalter im altbekannten Studio Ghibli dar. Inwiefern dieser Film von Goro Miyazaki dem großen Erbe von Hayao Miyazaki gerecht wird, wird im Folgenden dargestellt.

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Aya wird als Säugling von ihrer Mutter in ein Waisenhaus gebracht, da sie mit den zwölf Hexen eine Rechnung offen hat und das Kind keiner Gefahr aussetzen möchte. Aya wächst im Waisenhaus gut heran: Die 10-Jährige ist intelligent, hat viele Flausen im Kopf und einen besten Freund namens Pudding.

Aus alt macht neu

Geradezu jede einzelne Person ist von ihr um den Finger gewickelt worden und diese Aufmerksamkeit genießt sie sehr. Man könnte sogar so weit gehen, dass sie davon besessen ist, von allen bedient und geliebt zu werden, sodass sie freie Hand bei all ihren Streichen hat.

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Gerade deswegen ist das junge Mädchen nicht sonderlich erpicht darauf, adoptiert zu werden. Wozu sollte man das gemachte Nest verlassen, um wieder neue Menschen für sich gewinnen zu müssen? Doch es kommt anders, als sie plant, und kurzerhand adoptieren sie zwei dubiose Gestalten, die sich sehr schnell als Hexe Bella Jaga und Dämon Mandrake entpuppen. Kinderliebe steckt da nicht drin, denn Bella Jaga möchte laut eigenen Aussagen nur zwei weitere „helfende Hände“ in ihrer schmutzigen, unordentlichen Küche haben, damit sie noch mehr dubiose Tränke brauen kann.

Ayas Mutter gibt sie beim Waisenhaus ab.
Ayas Mutter gibt sie beim Waisenhaus ab.

Alte Zutaten neu und gut gemixt?

Soweit klingt alles nach einem neuen, guten Start für ein weiteres Abenteuer aus dem Studio Ghibli. Doch leider krankt und lahmt die Formel vorne und hinten, sodass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Zunächst einmal der Look des neuen Films, der natürlich sofort ins Auge sticht und von dem gewohnten „Ghibli-Look“ abweicht. An und für sich ist nichts Verwerfliches, frischen Wind in alte Systeme zu bringen und Goro Miyazaki sagte selbst, dass außer ihm anfangs niemand Erfahrung mit CGI-Animationen hatte.

Noch schockierender als die unaufgeräumte Hexenküche ist eigentlich nur der Film selbst.
Noch schockierender als die unaufgeräumte Hexenküche ist eigentlich nur der Film selbst.
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Allerdings muss man hier sagen, dass sowohl die Charaktere als auch die Hintergründe zwanghaft in eine Plastikpellwurst gepresst wirken und der Charme handgezeichneter Bilder komplett verloren geht. Da mag man mir Nostalgie vorwerfen, aber alles wirkt so blank und poliert, dass selbst die dreckigsten Zimmer des seltsamen Hexenhauses keinen Zauber heraufbeschwören vermögen, ganz zu schweigen von den zum Teil grotesk dargestellten, überzogenen Gesichtsausdrücken der Charaktere, die eher an Sendungen für Kleinkinder mit deutlich weniger Budget erinnern.

Never change a running system

Wenigstens mit Charakteren und einer schönen Geschichte hätte man noch punkten können, doch auch dort versagt der Film auf ganzer Linie. Es ist keine Entwicklung der Darsteller erkennbar, bis auf einen, nämlich Mandrake. Aber auch das wirkt so gekünstelt und aufgezwungen, dass es seine Wirkung gar nicht entfalten kann.

Die Zuschauerschaft ist mindestens genauso genervt von Aya wie sie von ihrer neuen Ziehfamilie.
Die Zuschauerschaft ist mindestens genauso genervt von Aya wie sie von ihrer neuen Ziehfamilie.

Die präsentierte Welt ist uninteressant, leblos und ohne jegliche Inspiration. Man fühlt sich ähnlich wie Aya einfach mit den Ereignissen mitgerissen und weder ihre Persönlichkeit, die einer selbstverliebten Selbstdarstellerin gleicht, noch das magische Haus wirken in irgend einer Form spannend. Mitten im Film fragt man sich, wann es endlich vorbei ist. Die Freude wird noch mehr gedämpft, wenn der Publisher einem nur einen digitalen Zugang mit großem Timer und Watermark zum Anschauen gibt und man Pressebilder selbst suchen muss.

Die Moral von der Geschicht…

… ist gar keine. Der Film startet mit einem ghibli-esquen Setting, doch das Potenzial wird nicht genutzt. Die Animationen wirken zu einem platt und zum anderen überzogen, der Soundtrack bleibt nicht im Ohr, die Charaktere sind maximal als oberflächlich zu betrachten und in dem Moment, als der Film „richtig anfängt“ kommt auch schon der Abspann. Es wird keines der Rätsel gelöst und man fühlt sich nicht einmal gut unterhalten. Die Protagonistin Aya wirkt unsympathisch und dass sie im Laufe des Films gewissermaßen dauerhaft von ihren Adoptiveltern körperlicher und seelischer Gewalt ausgesetzt ist, macht es nicht besser.

Groteske Grimassen in ideenlosen 3D-Look
Groteske Grimassen im ideenlosen 3D-Look

Nach dem ersten Versuch des Studio „Neo“ Ghibli bleibt nur zu hoffen, dass sich die kreativen Köpfe in einigen Punkten wieder auf ihre Wurzeln besinnen. Leblose, langweilige Geschichten möchte ich zu keinem Zeitpunkt mit dem so geliebten und geschätzten Studio verbinden, auch wenn der Film „Aya und die Hexe“ eine sehr gelangweilte und entnervte Zuschauerschaft zurücklässt. Goro Miyazakis Aussagen zufolge hat er keinen der alten Angestellten des Studios zum Film befragt. Der legendäre Hayao Miyazaki sei von dem neuen Film „positiv überrascht“, doch dem kann ich, abgesehen von der deutschen Synchronisation, nicht beipflichten. Diese ist nämlich durchaus gelungen und man holt das Beste aus dem Streifen heraus.

Fazit:

„Aya und die Hexe“ ist langweilig und optisch unschön aufgemacht und gespickt mit seltsamen und unsympathischen Charakteren. Leider entfaltet sich die alte Magie der Studio Ghibli Filme nicht, sodass man ratlos zurückbleibt, was man mit diesem Film eigentlich anfangen soll.

Cover

Info

Publisher: LEONINE

Erscheinungsjahr: 2021

Studio: Ghibli

Spielfilmlänge: 1 Stunde und 22 Minuten

Preis: ca. 22,99€

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Unsere Meinung

Story
50 %
Preis
90 %
Animation
50 %

Fazit

Eine langweilige, ideenlose Story in überholungsbedürftiger 3D-Gewandung weiß die Zuschauerschaft einfach nicht mitzureißen.
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