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Hardball Films gibt einer unglaublich schönen Geschichte eine zweite Chance

Emma – Eine viktorianische Liebe und das Leben im 19. Jahrhundert

Mit Hardball Films tummelt sich seit Kurzem ein neuer Anime-Publisher auf dem deutschen Markt. Mit „Emma – Eine viktorianische Liebe“ hat das Label entschieden einem wunderschönen Anime eine zweite Chance zu geben. Die komplette erste Staffel erscheint hierzulande das erste Mal auf Blu-Ray.

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Das London des 19. Jahrhunderts ist eine Welt zwischen technischen Aufbruch und dem Festhalten an bekannten, wenn auch überholten, gesellschaftlichen Regeln und Konventionen. Die Chancen im Leben eines jeden Einzelnen hängen davon ab, ob die Wiege im „richtigen“ Kinderzimmer steht oder eben nicht. Gerade die reich gewordenen Händler wollen ihren Platz unter den Adligen finden, deren Titel immer noch viele Türen öffnen.

In dieser Welt arbeitet die junge Emma als Hausmädchen bei der älteren Mrs. Stowner, die früher als Gouvernante gearbeitet hat und die mittlerweile ihren Ruhestand genießt. Sie hat Emma aufgenommen, sie unterrichtet und generell ein sehr enges Verhältnis zu ihr. Eines Tages erhält Mrs. Stowner Besuch von ihrem ehemaligen Schüler William. Er und Emma lernen sich kennen und für beide ist es eigentlich Liebe auf den ersten Blick.

Allerdings ist William und junger Adliger vom Land und eine Beziehung zu einem Dienstmädchen damit inakzeptabel. Kurz darauf lernt William auf einem Ball die junge Eleanor kennen, die ebenfalls aus besten Kreisen stammt. Die Eltern der beiden sehen die Annäherung gern und vor allem Williams Vater will über diese Verbindung Zugang zu den höchsten Kreisen bekommen.

Emma ist historisch wertvoll
Leben in einer anderen Zeit Bild: Kaoru Mori, ENTERBRAIN, INC./Emma Production Committee

In dieser schwierigen Situation entwickelt sich langsam eine tiefe Liebe zwischen Emma und William, die sie vorrangig im Geheimen ausleben müssen. Durch einen schweren Schicksalsschlag kommen Ereignisse ins Rollen, die vorrangig William vor schwere Entscheidungen stellen. Letzten Endes stellt sich die Frage, ob die Liebe zwischen den beiden jungen Leuten stark genug ist, um sich über die Regeln der Gesellschaft hinwegzusetzen.

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Zwischen 2002 und 2006 veröffentlichte Kaoru Mori ihre Geschichte „Eikoku Koi Monogatari Emma“ in Japan und eroberte damit die Herzen ihrer Leserinnen im Sturm. Die Geschichte, um das arme Mädchen, das sich in einen reichen Mann verliebt, ist zwar nicht neu. Allerdings setzte die Mangaka auf grundsympathische und glaubwürdige Figuren, die sie in dem einem historischen Setting agieren lässt, das die Dramatik der Handlung noch hervorhebt.

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Die Geschichte lässt den Figuren Raum sich zu entwickeln und auch die Beziehung zwischen William und Emma überzeugt vom ersten Augenblick an. Sie nimmt den Zuschauer gefangen und lässt ihn mitfiebern, ob die beiden es schlussendlich schaffen, den strengen Regeln ihrer Herkunft zu entgehen oder ob die zarte Romanze an den starren Gesetzen der damaligen Zeit doch noch scheitert.

Während die frisch Verliebten, ungeachtet ihrer sozialen Stellung, irgendwie versuchen eine Beziehung zueinander aufzubauen, sorgen immer wieder Einflüsse von außen für Störfeuer. Dabei wirken aber auch die anderen handelnden Personen so nett und überzeugend, dass man auch ihnen ein Happy End gönnt. Dadurch entstehende Dreiecks-Beziehungen tragen ebenfalls zur Unterhaltung bei und machen die Geschichte noch zusätzlich spannend.

Eikoku Koi Monogatari Emma - Mangavorlage
Eikoku Koi Monogatari Emma Bild: Kaoru Mori

Zwar kommt der Anime ohne große Action aus, trotzdem fühlt sich der Zuschauer vom ersten Augenblick an gut unterhalten. Liebhaber historischer Drama à la „Jane Eyre“ oder traditioneller Cinderella-Storys werden an „Emma – Eine viktorianische Liebe“ garantiert ihre Freude haben.

Klassisch einfach

Bei der Adaption blieb das Studio Pierrot der Vorlage des Manga ebenfalls treu. Die Figuren kommen einfach gehalten daher und vor allem an die ins Längliche gezogenen Gesichter muss man sich erst gewöhnen. Allerdings wurden alle Charaktere individuell gestaltet und wirken im Kontext ihrer Zeit überzeugend.

Der Anime punktet aber, was die Gestaltung der Szenen angeht. Sowohl reale historische Gebäude als auch Stile finden sich im Anime mit viel Liebe fürs Detail umgesetzt wieder. Dadurch wirken die Figuren in ihrer Einfachheit insgesamt aber überzeugender. Die unterschiedliche gesellschaftliche Stellung zwischen den Figuren wird dadurch noch unterstrichen, was ebenfalls zur Glaubwürdigkeit der gesamten Handlung beiträgt.

Liebe kann so schön sein
Einfach nur schön Bild: Kaoru Mori, ENTERBRAIN, INC./Emma Production Committee

Auch was die Aufteilung der Handlung angeht, hat man sich für eine eigentlich hervorragende Trennung entschieden. Die erste Staffel endet mit dem dritten Band der insgesamt 10-teiligen Manga-Vorlage, zu einem Zeitpunkt, als durch äußere Umstände, die Handlung richtig in Gange kommt. Für die Zuschauer hierzulande ist es allerdings schade, dass es bisher nur die erste Staffel nach Deutschland geschafft hat, sodass man sich, sofern man den Original-Manga nicht kennt, selbst überlegen kann, wie die Geschichte weitergeht.

Emma bleibt zeitlos schön

Die Übersetzung ins Deutsche übernahm das Studio Hamburg Synchro und obwohl diese nicht mehr die neueste ist, erweist sie sich als sehr gelungen. Hardball Films übernimmt diese für das Re-Release, was aber nicht weiter schlimm ist. Schon damals legte man großen Wert auf eine ansprechende und passende Sprecher-Wahl. Außerdem gaben sich die Sprecher große Mühe ihren Rollen gerecht zu werden.

Simona Pahl leiht der ruhigen Emma ihre Stimme, die ihre Gefühle kaum nach Außen trägt. Da die Mimik der Figuren eher starr daherkommt, müssen die Sprecher viel über ihre Stimme lösen und die Charaktere so für die Zuschauer nahbarer machen. Gerade weil sie in einer Welt leben, die mit dem heutigen Alltag nur noch wenig gemeinsam hat, lebt die Handlung vorrangig von den handelnden Personen. An dieser Stelle wären ein paar mehr Monologe, die Emmas inneres beleuchten nicht schlecht gewesen.

Mark Seidenberg übernimmt die Rolle des William Jones, der sich zwischen allen Stühlen wiederfindet. Einerseits ist er der älteste Sohn der Familie und der Vater hat bestimmte Erwartungen, andererseits will er um seine Liebe zu Emma kämpfen, was er aber auch nicht gerade konsequent vertritt. Mit der netten, angesehenen Eleanor wird ihm außerdem die perfekte Braut vor die Nase gesetzt. Durch sein wankelmütiges Verhalten macht William an dieser Stelle nicht gerade eine gute Figur, bleibt unter dem Strich aber weiterhin sympathisch.

Hardball Films veröffentlicht die erste Staffel des Anime auf zwei Discs in einem hübschen Digipack mit Schuber. Auf den Discs sind verschiedene Extra enthalten, wie Clear Opening und Ending, wobei die hervorragende und passende Musik perfekt zur Geltung kommt. Drei großformatige Sticker ermöglichen es, ein passendes Ambiente für die Box zu schaffen.

Bisher hat sich der neue Publisher darauf verlegt, bereits erscheinen Reihen zu eine zweite Chance zu verhelfen. Fans schön erzählter Liebesgeschichten sollten die Daumen drücken, dass Hardball Films vielleicht auch einmal dazu übergeht, neue Serie vorzustellen und dann gegebenenfalls der zweiten Emma-Staffel noch eine Chance geben. Wer den Manga kennt, weiß zwar wie es weitergeht, da die Bände mittlerweile hierzulande aber restlos vergriffen sind, erweist sich das Ende der ersten Staffel schon als ein wenig enttäuschend.

Emma - Eine Viktorianische Liebe
Emma – Eine viktorianische Liebe Bild: Kaoru Mori, ENTERBRAIN, INC./Emma Production Committee

Fazit

„Emma – Eine viktorianische Liebe“ hat alles, was man für einen schönen Anime-Abend braucht. Eine fesselnde Liebesgeschichte mit rundweg sympathischen Figuren, bei denen sogar die vermeintlichen Nebenbuhler bei den Zuschauern ihre Fans finden werden. Das offene Ende und die bisher fehlende Staffel verhindern allerdings ein Happy End, wie man es den Figuren eigentlich wünscht.

Die Animation orientiert sich stark am Erfolgs-Manga von Zeichnerin Kaoru Mori. Die Figuren kommen ohne großes Chichi aus. Vor allem die Gesichter wirken oft zu glatt, gerade wenn es so richtig dramatisch wird. Trotzdem weiß die Geschichte vom ersten Augenblick an zu unterhalten und die Zuschauer in die Vergangenheit zu entführen, die mit viel Liebe zum Detail zum Leben erweckt wird. Fans schöner klassischer Liebesgeschichte sollten sich die Blu-Ray nicht entgehen lassen.

Emma - Eine viktorianische Liebe auf Blu-Ray
Emma – Eine viktorianische Liebe auf Blu-Ray Bild: Kaoru Mori, ENTERBRAIN, INC./Emma Production Committee

Info

Emma – Eine viktorianische Liebe 
Original Name: 英國戀物語エマ
Transkription: Eikoku Koi Monogatari Emma
Studio: Pierrot
Deutscher Publisher: Hardball Films
Regisseur: Tsuneo Kobayashi
Drehbuch: Mamiko Ikeda
Musik: Kunihiko Ryo
Erschienen am: April 2005
Synchronisation: Studio Hamburg Synchron GmbH
Dialogregie – und Buch: Peter Minges
Länge: 2 Staffeln mit je 12 Episoden
Freigegeben ab: 6 Jahren
Genre: Drama, Romance
Sprachen: Deutsch, Japanisch, mit deutschen Untertiteln
Medium: Blu-Ray
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Unsere Meinung

Story
91 %
Animation
87 %
Synchronisation
90 %
Preis
85 %

Fazit

"Emma – Eine viktorianische Liebe" erwies sich bereits als Manga als echter Hit. Der Anime erweckt die sympathischen Charaktere der Geschichte zum Leben und lädt die Zuschauer zum Mitfiebern ein, das direkt von der ersten Minute an. Das historische Setting und die darauf resultierenden Probleme werden gut erklärte, ohne dass die Geschichte zu kurz kommt. Fans klassischer Love-Storys sollten sich die Reihe nicht entgehen lassen.
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