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Flip Flappers: Das vergessene Anime-Experiment rund um Magical Girls

2016 lief im japanischen Fernsehen mit Flip Flappers wohl einer der außergewöhnlichsten Anime des Jahres. Auch nach Deutschland schaffte es das Machwerk von Studio 3Hz dank Simulcast, das nun auch dank Kazé auf DVD und Blu-ray erhältlich ist. Wir mussten deswegen unbedingt auf die Serie einen genaueren Blick werfen, von der so viel und doch so wenig gesprochen wurde.

Die Schülerin Cocona ist so gewöhnlich wie man nur sein kann und geht einem ganz normalen ruhigen Schultag nach. Während sich Cocona noch Gedanken über ihre Zukunft nach der Schule macht, taucht plötzlich Papika auf. Das quirlige Mädchen zieht Cocona mehr oder weniger versehentlich in eine fremde Welt, wo die Schülerin feststellen muss, dass sie gar nicht so gewöhnlich ist, wie sie angenommen hat.

Zurück in der Heimat beginnt das Abenteuer dann erst richtig. Ehe sich Cocona versieht, ist sie Mitglied der geheimen Organisation Flip Flap, die auf der Suche nach sogenannten Amorphous in verschiedenen alternativen Dimensionen, die Pure Illusion heißen, ist.

Cocona und Papika sollen diese Kristalle finden, die besondere magische Kräfte haben. Das ist jedoch keine einfache und vor allem ungefährliche Aufgabe. Die anderen Welten stecken voller tödlicher Gefahren und zusätzlich sind die beiden Mädchen nicht die einzigen, die nach den Splittern suchen. Zwischen alldem müssen die beiden lernen zusammenzuarbeiten und ihre magischen Fähigkeiten meistern, um ihre Missionen erfolgreich zu erfüllen.

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Auf der Suche nach sich selbst

Es ist schwer die Handlung von Flip Flappers zusammenzufassen, ohne zu viel zu verraten. Das liegt daran, dass alles irgendwie miteinander verwoben ist und die Story immer wieder aufs Neue überrascht. So fragt man sich sofort nach den ersten zwei Welten, wo es wohl beim nächsten Mal hingeht und was auf die beiden Heldinnen wartet. Der Anime versteht es in der Hinsicht sich immer wieder neu zu erfinden, denn die alternativen Dimensionen könnten nicht unterschiedlicher sein. Gleichzeitig überrascht die Story mit scharfen Kurven, die so sicher nicht erwartet werden. Es ist eigentlich deswegen gut, so wenig wie möglich ins Detail zu gehen.

Flip Flappers Welten
Flip Flappers ist bunt und ausgefallen. Bild: Kazé

Dazwischen geht es natürlich um viel mehr als zwei Mädchen mit magischen Kräften. Es wäre dabei irgendwie falsch, wirklich von einem Magical Girl Anime zu sprechen, denn das ist der erste Eindruck, den die süßen Mädchen mit süßen Zauberkräften und dem Kampf gegen das Böse machen. Bei Flip Flappers wird alles ein wenig zusammengemischt, was die Anime-Welt zu bieten haben und mit den Welten genauso gespielt wie mit den Genres. Von den ganzen kleinen und großen Anspielungen wollen wir dazu erst gar nicht anfangen.

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Am Ende sei nur gesagt, dass es sich definitiv nicht um einen süßen, fluffigen Shōjo-Spaß handelt. Man soll ja bekannterweise ein Buch nicht anhand seines Covers bewerten
Aber was ist denn nun mit dem roten Faden an sich? Es ist eine bunte, wilde, verrückte und lustige, aber auch zugleich emotionale, nachdenkliche, ruhig Reise, die Cocona und Papika erleben. Neben all dem Fantasy sind es doch die ganz normalen Fragen, die gestellt werden. Wer bin ich, was will ich vom Leben, was ist der Sinn von all dem? Am Ende sind es immer noch Jugendliche, die sich wie ganz normale Personen in ihrem Alter um sich und ihre Leben Gedanken machen.

Eile mit Weile

Es werden schließlich jedoch absichtlich einige Dinge nicht beantwortet und der Zuschauer muss sich selbst seinen Teil denken. Die Story ist nicht nur eine der größten Stärken, sondern auch gleichzeitig eine große Schwäche des Anime. Das Tempo ist etwas langsam und es wundert nicht, dass viele nach den ersten Episoden sich lieber etwas anderes suchen. Flip Flappers nimmt sich Zeit, sehr viel Zeit, um in Fahrt zu kommen und sein Potenzial zu entfalten.

Flip Flappers kämpft vor allem mit dem Erzähltempo
Beim Tempo weiß Flip Flappers nicht so recht was es will. Bild: Kazé

Am Ende hat man aber trotzdem ein wenig das Gefühl, dass man sich vielleicht doch noch etwas mehr Zeit hätte nehmen sollen. Man kann sich dabei streiten, ob sich die Handlung ein wenig in sich selbst verliert oder versucht zu tiefgründig zu sein. Sicher ist jedenfalls, dass es sich hier um einen dieser Anime handelt, wo jeder für sich selbst entscheiden muss, wie er die Handlung bewertet, da ein allgemeines Urteil unmöglich ist. Wir persönlich können von einem faszinierenden Abenteuer voller Überraschungen, philosophischen Inhalten und Emotionen sprechen, das uns schon lange wie kein anderer Anime mehr überrascht hat.

Das übliche Problem mit Nebencharakteren

Eine noch so ausgeklügelte Story ist nichts ohne ihre schillernden Charaktere. Paprika und Cocona sind auf ihre ganz eigene Art liebenswert und ergänzen sich mit ihren Gegensätzen als ein wunderbares Duo. Cocona ist das schüchterne, bodenständige Mädchen, das aber nicht so recht weiß, was sie will.

Papika ist das komplette Gegenteil. Laut, offen und wild. Die beiden lernen mit jeder Folge dazu und entwickeln sich selbst sowie die Beziehung zueinander weiter. Es wird ein besonderes Band geknüpft, das weit über die Freundschaft hinausgeht, ohne ganz zu sehr in Kitsch zu verfallen. So haben wir es mit zwei wirklich charmanten, menschlichen Protagonisten zu tun.

Filp Flappers Charaktere
Die Nebencharaktere bekommen eher weniger Aufmerksamkeit. Bild: Kazé

Während sehr viel Liebe in die Entwicklung von Cocona und Papika geflossen sind, bleibt der Rest der Figuren ein wenig blass. Vor allem bei den „Bösewichten“ und einigen eigentlich sehr interessant wirkenden Nebenfiguren ist es schade um das vergessene Potenzial. Man merkt deutlich, auf wem der Fokus liegt. Was aber jedoch nicht heißt, dass die anderen Charaktere weniger Persönlichkeit verdient haben. Am Ende lässt zumindest das gelungene Charakter-Design ein wenig darüber hinwegsehen. Wobei auch hier mancher die teilweise gewagten Outfits der Minderjährigen hinterfragen wird, die gerne mehr zeigen, als nötig ist.

Flip Flappers überrascht visuell auf ganzer Linie

Während wir also bei den Figuren etwas zu nörgeln haben, können wir bei den Animationen nur in tosenden Applaus ausbrechen. Flip Flappers ist in der Hinsicht einfach nur atemberaubend schön. Flüssig, bunt und spektakulär. Allein die Farbenvielfalt zeigt, wie viel die richtige Komposition bildlich ein ganz anderes Erlebnis zaubern kann. Farbenfrohe, detaillierte Hintergründe werden mit den verschiedenen Welten immer wieder aufs Neue ausgetestet und versetzen einen regelrecht in visuelle Verzückung. Dazu kommt der ganz eigene Stil des Studios, der dafür sorgt, dass sich der Anime visuell von dem üblichen Einheitsbrei abhebt.

Flip Flappers ist ein wirklich schön anzusehender Anime
Die Animationen und das visuelle Gesamtbild sind in Flip Flappers hervorragend. Bild: Kazé

Zu Höchstform laufen die Animationen in Kampfszenen auf, die dank der magischen Fähigkeiten in ein Effektgewitter verwandelt werden. Allgemein fühlt sich Flip Flappers wie ein visuelles Experiment an. Ein gewagter Schritt, der sich am Ende jedoch für den Zuschauer gelohnt hat. Wir lehnen uns dabei wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir behaupten, dass Flip Flappers wohl eine der hübschesten Anime-Serien der letzten Jahre ist. So bietet die Serie nicht nur von der Story her etwas kreatives Frisches, sondern schaffte auch auf gleich mehreren Ebenen visuell zu faszinieren.

Bonuspunkte für die Extras

Der Soundtrack von Flip Flappers ist vielleicht nicht so kreativ wie der Rest des Pakets, aber definitiv erfrischend schmissig. Soundlich haben wir eine fein abgestimmte Tracklist für jede Situation, die teilweise mit genauso knalligen Songs wie die Welt von Papika und Cocona punkten kann.

Die deutsche Synchronisation ist wie von Kazé gewohnt von hoher Qualität und schafft es die Charaktere authentisch wiederzugeben. Im Japanischen machen die Sprecher zwar einen etwas besseren Job, aber der Unterschied ist nicht wirklich groß. Also auch hier können wir nicht meckern, vor allem nicht, da es wie gewohnt Untertitel gibt.

Neben dem Anime selbst sind natürlich die Boxen von Kazé wie immer ein großes Highlight. Als Extra gibt es mehrere hübsche Postkarten und ein wirklich dickes Heftchen mit zahlreichen Entwürfen und Skizzen zu dem Anime. Digital gibt es hingegen die notorischen Trailer und sonst nichts anderes. Wirklich bemängeln wollen wir die Boxen selbst nicht, da wir eine umweltschonende Version aus Pappe wirklich gut finden, allerdings wird dadurch etwas Stabilität eingebüßt, was wir so am Rande erwähnen wollen.

Fazit

Wenn man sich Flip Flappers anguckt, dann stellt man sich die Frage, warum nicht mehr über diesen Anime gesprochen wird. Stumpf gerne nur als Magical Girl Serie abgestempelt, überrascht die Serie auf eine überwältigende Art und Weise. Die Macher würfeln die Genres durcheinander und bauen ein ungewöhnliches Abenteuer für zwei Mädchen mit einer Reise durch verschiedene Welten und die eigenen Sehnsüchte.

Dabei geht es um viel mehr als nur um magische Fähigkeiten und eine Mission, es ist ein Abenteuer zu sich selbst. Zu den wunderbar herausgearbeiteten Charakteren hatten wir uns selbst über etwas mehr Liebe für die Nebendarsteller gewünscht, die trotz hübschen Designs nur wenig erstrahlen.

Es ist eine Story, die fesselt und versucht sich einmal durch die Bandbreite an Emotionen zu arbeiten. Manchen mag es dabei zu viel Kreativität sein, zu viele Überraschungen, zu wenig Antworten. Das ist aber okay, denn Flip Flappers ist anders und will auch gar nicht jedem gefallen. Am meisten lässt sich wohl das Erzähltempo bemängeln, das erst nicht richtig so will und dann einem schon fast davonrennt.

Was jedoch keiner abstreiten kann, sind die fantastischen Animationen, die genauso experimentierfreudig wie die Handlung mit ihrem Fantasy sind. Visuell ist der Anime ein absolutes knalliges, buntes Fest und allein dafür sollte man schon mal reinschnuppern. Zu den Animationen und Effekten kommt noch ein gelungener Soundtrack und hervorragende Synchronsprecher. Auch im Deutschen ist die Auswahl der Sprecher gelungen.

Flip Flappers hat seine Schwächen, aber kann gleichzeitig in vielen anderen Dingen punkten. Es wäre deswegen ein wenig fehl am Platz von einem verkannten Meisterwerk zu sprechen, auch wenn der Anime da nah rankommt. Viel mehr ist es eine unerwartete Überraschung, die irgendwie 2016 komplett zu unrecht übersehen wurde. Von uns gibt es jedenfalls definitiv eine Anschauempfehlung, allein um sich selbst ein eigenes Bild von dem bunten Anime-Experiment zu machen, das bei uns einen ganz besonderen Platz erobert hat.

Info
Flip Flappers

Flip Flappers Volume 1
Kazé bringt auf zwei Volumes den Anime Flip Flappers nach Deutschland. Bild: Kazé

Original Name: フリップフラッパーズ
Transkription: Furippu Furappāzu
Studio: Studio 3Hz
Deutscher Publisher: KAZÉ Anime
Regisseur: Takashi Kojima
Drehbuch: Yuniko Ayana
Musik: TO-MAS
Erschienen am: Juli 2020
Synchronisation: TNT Media GmbH
Dialogregie: Velin Marcone, Martin Irnich
Dialogbuch: Michael Egeler, Tom Sielemann
Länge: 13 Episoden
Freigegeben ab: 12
Genre: Comedy, Magical Girl, Shōjo
Sprachen: Deutsch, Japanisch mit deutschen Untertiteln
Medium: Disk (DVD und Blu-ray)
Bei Kazé kaufen

Unsere Meinung

Story
80 %
Animation
95 %
Synchronisation
90 %
Preis
90 %

Unser Fazit

Flip Flappers verzaubert mit seinem ganz eigenen Charme, seinem Genremix, hervorragenden Animationen und einer Story, die mal versucht anders zu sein. Hier bekommt man definitiv einen anderen Magical Anime geboten und ein frisches, farbenfrohes Experiment eines Abenteuers von zwei Teenagerinnen und den großen Fragen im Leben.
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