Anzeige
StartReviewsAnime ReviewsGankutsuo – Der Graf von Monte Christo als Anime

KSM holte das Meisterwerk endlich nach Deutschland

Gankutsuo – Der Graf von Monte Christo als Anime

Mit seinem Roman „Der Graf von Monte Christo“ gelang dem französischen Schriftsteller Alexandre Dumas bereits seinerzeit ein Mega-Hit. Heute gehört die Geschichte, die zwischen 1844 und 1846 erschien, zu den Klassikern der Welt-Literatur. Zahlreiche Adaptionen fürs Fernsehen machten den Stoff einem breiten Publikum bekannt. „Gankutsuo“ ist eine der letzten großen Umsetzungen der Geschichte.

Anzeige

Der Anime versetzt die Handlung, die eigentlich um 1830 spielt, in die ferne Zukunft des Jahres 5053. Die Menschheit hat den Weltraum längst erobert, sodass man zum Amüsement nach Luna reist, um dort den Karneval zu erleben. Auch der junge Albert de Morcerf und sein Freund Franz d´Epinay befinden sich dort. Die jungen Adligen wollen der Langweile entfliehen und dort ein paar vergnügliche Tage verbringen. In der Oper treffen sie auf den ebenso mysteriösen wie charismatischen Grafen von Monte Christo, einen Unbekannten aus einem fernen Sektor. Albert ist sofort von dem Grafen fasziniert und nimmt seine Einladung freudestrahlend an.

Kurz darauf wird Albert vom Kriminellen Luigi Vampa entführt, der für seine Freilassung ein horrendes Lösegeld fordert, das Franz nicht aufbringen kann. Obwohl es ihm widerstrebt, wendet der junge Adlige sich an den Grafen, dem es gelingt, Albert zu retten. Als Dank möchte der junge Vicomte seinen neuen Freund seinen Eltern vorstellen und ihn somit in die feine Pariser Gesellschaft einführen. Der junge Mann ahnt nicht, welches Räderwerk er damit in Gange bringt, das nicht nur ihn, sondern auch viele Menschen, die er kennt, unter sich begraben wird.

Gonkutsuo
Mensch und Monster Bild: 2004 Mahiro Maeda / GONZO/KADOKAWA

Mit einem Umfang von weit über 1.000 Seiten ist der Roman „Der Graf von Monte Christo“ keine leichte Kost. Auch der Anime verlangt dem Zuschauer einiges ab und ist keine Geschichte für zwischendurch. Wer sich allerdings auf die Handlung einlässt, wartet auf die nächste Entwicklung und gerät immer tiefer in den Bann des Anime, sodass man dann verwundert feststellt, dass schon wieder eine Folge zu Ende ist.

„Harret und heget Hoffnung.“

Während der Roman chronologisch aufgebaut ist, setzt der Anime mitten in der eigentlichen Geschichte an. Die Ereignisse, die zur aktuellen Entwicklung führen, erfahren Albert, aus dessen Sicht erzählt wird, und der Zuschauer erst im Laufe der Zeit und zu einem Zeitpunkt, zu dem es für die meisten beteiligten Personen bereits zu spät ist. Der Graf entspinnt ein Netz aus Intrigen, in denen Albert und seine Freunde willige Marionetten sind.

LESEN SIE AUCH:  Rolling Sushi Anime News Folge 16 KW 21/2021 – Über Dragon Quest und Der Graf von Monte Christo
Anzeige

Der Anime bringt neben der Hauptgeschichte noch verschiedene Side-Storys unter, sodass der Zuschauer Gelegenheit bekommt, auch die Nebenfiguren näher kennenzulernen. Gleichzeitig sorgen diese dafür, dass die Episoden inhaltlich gut ausgefüllt werden. Des Öfteren stellt man als Zuschauer fest, dass schon wieder eine Folge zu Ende ist. Die vielen unterschiedlichen Figuren und die verschiedenen Intrigen sorgen dafür, dass „Der Graf von Monte Christo – Gankutsuo“ kein Anime für nebenbei ist, man muss aufpassen, wenn man der Handlung wirklich folgen möchte.

Der Graf von Monte Christo
Ein Mann mit vielen Gesichtern Bild: 2004 Mahiro Maeda / GONZO/KADOKAWA

Fans des Romans stellen erfreut fest, dass sich die Geschichte des Anime größtenteils an die Vorgaben desselben hält, auch wenn er teilweise mehr Fokus auf die Figuren und deren Handlungsweisen legt, als dieser. Nur zum Ende hin weicht Regisseur Mahiro Maeda von der Vorlage ab und sorgt für etwas mehr Action, was man noch versteht. Der Abschluss des Anime mag ebenfalls zur Entwicklung der Geschichte zu passen, erweist sich für Liebhaber der Roman-Vorlage aber als reichlich enttäuschend. Die moralische Umkehr, die der Graf von Monte Christo im Roman erlebt, findet nicht statt. Das Ende kommt dann ebenfalls reichlich schnell und macht in seiner Fatalität traurig, sodass das positive Ende sich nicht einstellen möchte.

Mehr ist einfach mehr

Alexandre Dumas war dafür bekannt, dass er gern auf großem Fuß lebte und Extravaganz zu schätzen wusste, demzufolge wäre er von der grafischen Umsetzung seines Grafen von Monte Christo begeistert gewesen. Sowohl von der Animation her als auch von den technischen Möglichkeiten hat der Anime alles abgerufen, was 2004 zur Verfügung stand, um eine Geschichte entsprechend in Szene zu setzen. Die Bilder sind bis zum Ende durchdesignt, aber auch durchdacht.

Selten wurden Details wie der Kleidung oder den Hintergründen so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Welt der Zukunft, die im Anime geschaffen wurden, verbindet den Glanz der Vergangenheit mit aufwendigen Lichtern und Farben. Alles wirkt opulent und ist ebenfalls dafür gemacht, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Die ideenreiche Ausgestaltung sorgt außerdem dafür, dass man sich jede Episode gern öfters ansieht, denn es gibt immer wieder weitere Details zu entdecken.

Vor allem die Kleidung ist ein Blickfang, denn für diese wurde auf 3D-Effekte zurückgegriffen. Die Outfits stehlen den Figuren oftmals die Show und das Auge muss sich an diese Gestaltung erst gewöhnen. „Gankutsuo“ sollte auf jeden Fall auf einem großen Bildschirm angeschaut werden, weil kleine Darstellungen das Auge noch mehr überfordern, als es die Umsetzung sowieso schon tut.

Augenschmaus
Augen auf, damit man nichts verpasst Bild: 2004 Mahiro Maeda / GONZO/KADOKAWA

Trotz des großartigen Ambientes achtet Regisseur Mahiro Maeda stets darauf, dass es seine Figuren nicht überstrahlt und deren Stellung noch hervorhebt. Kleine Details geben weitere Auskunft darüber, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt. Die Kämpfe, die eingebaut wurden, erweisen sich als schnell und Szene gesetzt und mit mehr Blick fürs Detail umgesetzt, als dem Zuschauer manchmal lieb ist. Der Tod einer liebgewonnenen Figur wird richtiggehend zelebriert, sodass ein paar Taschentücher in Reichweite liegen sollten.

Ein Meisterwerk wird zum Meisterwerk

Torsten Münchow dürfte ältere Anime-Fans bereits als Sprecher des Alucard aus „Hellsing“ bekannt sein. Im Japanischen wurde der Vampir mit dem deftigen Sinn für Humor von Jouji Nakata gesprochen. „Der Graf von Monte Christo – Gankutsuo“ brachte die beiden fantastischen Sprecher wieder in der Hauptrolle zusammen. „Der Graf von Monte Christo“ ist eine Figur mit zahlreichen Facetten, sodass die Sprecher stetig zwischen einem sanftmütig auftretenden und psychotisch grausamen Charakter, der seinem Wunsch nach Rache alles unterordnet, hin und her wechseln müssen.

Jun Fukuyama / Henning Nöhren bilden in ihrer Rolle als idealistischer Albert einen schönen Kontrast zum finsteren und skrupellosen Grafen. Zwar wirkt er die meiste Zeit fast zu naiv, allerdings sind im Anime alle Charaktere noch mehr überzogen als sie es in der Vorlage schon sind. Morcerf, Danglars und Villefort scheinen die Schwächen (Ehrgeiz, Gier und Hochmut), die sie repräsentieren, in Reinform zu sein.

Albert, der Idealist
Willige Spielfigur Bild: 2004 Mahiro Maeda / GONZO/KADOKAWA

Der französisch-stämmige Musiker Jean-Jacque Burnel sang sowohl das Opening als auch Ending ein. Seine Wahl ist allerdings nicht der einzige Hinweis auf die Herkunft der ursprünglichen Geschichte. Die Einführungstexte der einzelnen Episoden sind in Französisch gehalten. An dieser Stelle erweist sich der deutsche Untertitel als ein wenig schwierig, denn durch die helle Schrift ist es manchmal schwer, den Text zu mitzulesen.

Dafür lässt sich KSM beim Release nicht lumpen. Wer sich die Serie komplett kauft, erhält mit dem ersten Volumen ein schickes Poster und ArtCards, im zweiten wartet der Original-Soundtrack als Extra. Das abschließende Volumen enthält ein informatives Booklet, das noch einmal die Figuren und Technik hinter der Serie vorstellt, sowie einen Sammelschuber, der dafür sorgt, dass „Der Graf von Monte Christo – Gankutsuo“ ein Blickfang in jedem Anime-Regal wird.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Inhalt laden

Fazit „Der Graf von Monte Christo“ als Anime

Die japanische Adaption des „Der Graf von Monte Christo“ lässt keine Wünsche offen. Die Serie ist sowohl inhaltlich als auch optisch ein Leckerbissen für anspruchsvolle Zuschauer. Fans des Romans werden viele Aspekte der Geschichte wiederfinden und von der oftmals sehr nahen Umsetzung ebenso begeistert sein. Das Ende ist Geschmackssache und der einzige kleine Wermutstropfen an ansonsten hervorragenden Umsetzung

Optisch erweist sich der Anime als Augenschmaus, auch wenn man sich erst auf das Bombardement auf Farben, Texturen und Details einstellen muss. Hat man sich erst einmal an das auffällige Design gewöhnt, entdeckt man in jeder Szene neue liebevolle Details. Gonzo wartete 2004 mit seinem gesamten animationstechnischen Know-how auf, um der Geschichte zu einem Meisterwerk zu machen, was mehr als gelungen ist.

Die deutsche Synchronisation erweist sich als ebenso gelungen, was auch mit an der fantastischen Arbeit der Sprecher liegt, die von der ersten bis zur letzten Sekunde alles geben, um ihre Figuren dem Zuschauer näherzubringen. KSM liefert ein nicht minder großartiges Gesamtpaket mit zahlreichen Extras und Bonus-Material, sodass „Der Graf von Monte Christo – Gankutsuo“ ein echtes Meisterwerk für jedes Anime-Regal darstellt.

Info

Der Graf von Monte Christo als Anime
Der Graf von Monte Christo – Gankutsuo Bild: 2004 Mahiro Maeda / GONZO/KADOKAWA

Der Graf von Monte Christo – Gankutsuo 
Original Name: 巌窟王
Transkription: Gankutsuō
Studio: GONZO
Deutscher Publisher: KSM
Regisseur: Mahiro Maeda
Drehbuch: Shuichi Koyama
Musik: Jean-Jacques Burnel
Erschienen am: Oktober 2004
Synchronisation: DTM, Hamburg
Dialogregie und -buch: Yannik Raiss
Länge: 24 Episoden insgesamt
Freigegeben ab: 12 Jahren
Genre: Drama, Science-Fiction, Mystery
Sprachen: Deutsch, Japanisch mit deutschen Untertiteln
Medium: Disk (DVD und Blu-ray)
Bei Amazon kaufen

Unsere Meinung

Story
98 %
Animation
99 %
Synchronisation
98 %
Preis
99 %

Fazit

"Der Graf von Monte Christo" ist als Roman bereits ein Meisterwerk. Der Anime aus dem Hause Gonzo setzt noch einen drauf, indem er die dramatische Geschichte aus Rache, Drama und äußerst interessanten Figuren in eine Animation packt, die nicht nur 2004 ihresgleichen sucht. Der Anime muss sich hinter heutigen Produktionen nicht verstecken. Eine mehr als gelungene deutsche Übersetzung sowie ein umfangreiches Gesamtpaket runden das lang erwartete Release ab und machen den Anime zu einem echten Hingucker in so ziemlich jeder Hinsicht.
Anzeige
Anzeige