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Gesehen: Der Junge und das Biest (Blu-ray)

Universum Anime veröffentlichte am 29. Juli Mamoru Hosodas Anime-Film Der Junge und das Biest (original Bakemono no Ko).

Das Fantasy-Abenteuer feierte am 11. Juli 2015 seine Kinopremiere in Japan und wurde am 11. Juli 2016 auch in einigen deutschen Kinos gezeigt. Vor etwa zwei Monaten brachte Tokyopop außerdem Band 1 der Manga-Adaption in den deutschen Handel.

Worum geht es?

© 2015 The Boy and The Beast Film Partners © Universum Anime
© 2015 The Boy and The Beast Film Partners © Universum Anime

Die Geschichte von Der Junge und das Biest spielt in der Menschenwelt (in Shibuya) und dem Reich der Biester „Jutengai“. Diese Welten sind strikt voneinander getrennt. Doch es gibt eine Schnittstelle in den Gassen Shibuyas, durch die der elternlose Menschenjunge Ren dem bärenartigen Biest Kumatetsu nach Jutengai folgt.

Kumatetsu ist ein sehr starker, aber unbeherrschter Schwertkämpfer, der sich aktuell im Wettstreit um die Nachfolge des Großmeisters befindet. Sein Konkurrent, der ehrenvolle Iozen mit seiner Schar von Schülern, genießt allerdings weit mehr Zuspruch von den Bewohnern. Um seine Chancen zu steigern und es allen zu zeigen, nimmt Kumatetsu den Jungen als neuen Schüler unter seine Fittiche und gibt ihm den Namen Kyuta.

Doch zwischen den beiden Sturköpfen kommt es ständig zu Streitereien und das Training ist zu Beginn wenig erfolgreich. Und was wird eigentlich aus Kyutas Verbindung zur Menschenwelt?

Die Story

Kumatetsu und Kyuta sind im Grunde völlig verschieden und haben doch sehr viel Gemeinsamkeiten. Beide sind Einzelgänger, die sich allein durchschlagen. Aufgrund ihrer Situation werden die zwei nicht nur Meister und Schüler sondern auch Ersatzvater und Sohn. Während Kyuta nach dem Verlust seiner Mutter Selbstständigkeit und Stärke erlangen will, muss Kumatetsu als Anwärter auf die Nachfolge des Großmeisters Verantwortungsbewusstsein lernen. Schließlich kommen sich die beiden beim Training und Alltag entgegen und lernen sogar voneinander. Die Vater-Sohn-Beziehung wird besonders deutlich, wenn Kyuta beginnt, Kumatetsu zu imitieren, um von ihm zu lernen. Auch bei Kumatetsu wird schnell klar, dass ihm der Junge etwas bedeutet und er sich um ihn kümmern möchte.

photo Der Junge und das Biest
© 2015 The Boy and The Beast Film Partners © Universum Anime

Jahre später – Kyuta ist inzwischen ein Teenager – findet der Junge zufällig den Weg zurück in die Menschenwelt. Dort begegnet er der Schülerin Kaede und muss feststellen, dass er durch seine lange Abwesenheit viel in der Menschenwelt versäumt hat. Außerdem stellt sich für ihn allmählich die Frage, für welche der beiden unterschiedlichen Welten, d. h. für welches Leben, er sich nun entscheidet. Die Entscheidung wird ihm ein wenig abgenommen, als der Zuschauer bald darauf erfährt, welche Probleme eine Überschneidung der Welten mit sich bringen kann.

Hier schließt sich wieder der Kreis zum Anfang hin. Denn Kyuta trägt noch immer die sog. Dunkelheit in seinem Herzen, die durch den Tod seiner Mutter und durch seine nicht sonderlich einfühlsamen Verwandten ausgelöst wurde („Ich hasse sie.“). Herman Melvilles Geschichte Moby Dick, die Kyuta und Kaede zusammen interpretieren, steht metaphorisch für Kyutas eigenen vergessenen Zorn und die Dunkelheit, die noch immer da ist und nun droht, ihn zu verschlingen. Wie viel das Buch tatsächlich mit der Geschichte zu tun hat, ist mir jedoch nicht ganz klar geworden. Kyutas Erwachsenwerden wird passenderweise von verschiedenen Flashbacks und lehrreichen Situationen begleitet, die auf ihn Einfluss nehmen.

Die Bewohner von Jutengai sind allesamt tierische Wesen und können zu Göttern werden, wodurch die Welt im starken Kontrast zur Menschenwelt steht. Der vermenschlichte Affe Tatara und das Schwein Hyakushubo dienen als Erzähler (am Anfang) sowie Beobachter von Kyuta und Kumatetsu. Ihre Erklärungen nehmen leider manchmal überhand, was oft für den Zuschauer zum Verständnis nicht nötig gewesen wäre. Besonders die Einleitung klingt stark nach Geschichtenerzählung für ein sehr junges Publikum.

Die Charaktere

Zu den Hauptcharakteren in Der Junge und das Biest zähle ich Kyuta, Kumatetsu und Kaede.

Ren bzw. Kyuta ist zu Beginn neun Jahre alt und streunert in den Straßen von Shibuya herum. Seine Mutter ist gestorben und seine Verwandten sehen in ihm lediglich den einzigen männlichen Stammhalter der Familie. Zu seinem Vater fehlt jeglicher Kontakt. In Kumatetsu findet Kyuta (schon allein durch den neuen Namen) einen Ersatzvater, der sich um ihn kümmert und von dem er lernen kann. Dessen häufige Launen und Beleidigungen lässt er sich trotzdem nicht gefallen.

Kumatetsu ist zwar ein sehr starker Kämpfer, allerdings taugt er nicht als Lehrer und ist kein Sympathieträger wie der Eber Iozen. Immer wieder kommt es zum Streit mit Kyuta, weil das Biest so aufbrausend ist und nicht versteht, wie der Junge tickt. Trotzdem hängt der unbeholfene, grobe Bär an seinem Schützling und dessen Weglaufen würde eine erneute Niederlage bedeuten. Allein, dass er immer gegen Iozen den Kürzeren zieht und niemand an ihn glaubt, lässt den Zuschauer mit ihm fühlen. Man versteht dabei, warum er so verbissen um Anerkennung kämpft.

Kaede ist eine Hochschülerin aus der Menschenwelt und tritt erst in der zweiten Hälfte des Films auf den Plan. Sie ist das typische Bild einer fleißigen Außenseiter-Schülerin, die im Sinne ihrer Eltern unablässig paukt und ihre eigenen Wünsche zurückstellt. Zumindest so lange, bis sie ihr Uni-Stipendium in der Tasche hat und zu Hause auszieht. Kaede erzählt Kyuta von ihrem Vorhaben, danach nur noch zu lernen und zu tun, was sie allein möchte. Damit regt sie ihn gleichzeitig zum Nachdenken darüber an, was er eigentlich will.

Die anderen Charaktere werden nur oberflächlich vorgestellt.

© 2015 The Boy and The Beast Film Partners © Universum Anime Der Junge und das Biest
© 2015 The Boy and The Beast Film Partners © Universum Anime

Die Animation

Die Animationen in Der Junge und das Biest sind eine gelungene Mischung aus Zeichnung und Computer-Animation. Der Übergang ist manchmal etwas ungewohnt, aber jeder Stil für sich ist qualitativ top. Ein besonderes Highlight war für mich der fliegende Wal aus blauem Licht. Die „Kamerafahrten“ (360°-Drehung oder im Wechsel von links nach rechts) sind manchmal etwas ungewohnt, aber zumindest experimentell eingesetzt.

Mir gefallen trotz der coolen Feuer-Effekte immer nach am besten die detailliert gezeichneten Settings. Vor allem aber die nächtlichen Kulissen in Jutengai und Shibuya sind ein besonderer Augenschmaus und haben durch ihre gelb-rote Beleuchtung immer etwas magisches an sich. Das Charakterdesign ist schlicht, aber in anbetracht der diversen Tiermonster sehr ausgefallen. Die Personen erinnern an Ame & Yuki – Die Wolfskinder. Bewegliche Dinge sind selten schattiert und heben sich durch ihre Flächigkeit stark vom Hintergrund ab – was typisch für Filme von Mamoru Hosoda ist.

Der Sound

Je nach Situation werden reduzierte Klavierklänge bis hin zu schwungvoller Musik mit Streichern gespielt. Genauso werden auch amelodische Geräusche (z. B. Grillenzirpen, Feuerwerksknallen, Zerbersten und Aufprallen von Gegenständen) passend eingesetzt. Der Ton ist alles in allem sehr gut und klar.

Die Synchronisation

Die Synchronisation in Japanisch wie auch in Deutsch sind einwandfrei. Die Stimmen sind sehr passend zu den unterschiedlichen Wesen und Persönlichkeiten gewählt. Normale kleine Unterschiede zwischen den gesprochenen Texten und den Untertiteln fallen nicht negativ ins Gewicht. Das gesprochene Wort ist authentisch und kurz.

Extras

Der Film Der Junge und das Biest ist als DVD, Blu-ray und Blu-ray Limited Collector’s Edition erhältlich. Universum Anime verloste an die Fans außerdem hochwertige A5-Notizbücher im Look des Anime. Auf der Disc mit dem Film sind fünf Trailer von Erinnerungen an Marnie, Wie der Wind sich hebt, Giovannis Insel, Ein Brief an Momo und Madoka Magica – Der Fillm: Rebellion zu finden. Die zweite Disc der Collector’s Edition mit Booklets, Postkarten und zwei Stunden Bonusmaterial lag uns zur Rezension nicht vor.

Info

Der Junge und das Biest BD
© 2015 The Boy and The Beast Film Partners © Universum Anime

Der Junge und das Biest
Original Name: バケモノの子
Transkription: Bakemono no Ko
Studio: Studio Chizu
Deutscher Publisher: Universum Anime
Regisseur: Mamoru Hosoda
Drehbuch: Mamoru Hosoda
Musik: Takagi Masakatsu
Erschienen am: 2015 Japan, 2016 Deutschland
Synchronisation: EuroSync GmbH, Berlin
Dialogregie: Susanna Bonaséwicz
Länge: 120 Minuten
Freigegeben ab: 12 Jahren
Genre: Fantasy, Abenteuer
Sprachen: Deutsch, Japanisch mit dt. Untertitel
Medium: Disc

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