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StartReviewsAnime Reviews"Gunslinger Girl: Il Teatrino" - Viel Theater um kleine Mädchen

Wenn die Feinde nicht mehr ganz so böse wirken

„Gunslinger Girl: Il Teatrino“ – Viel Theater um kleine Mädchen

Wenn ein Manga erfolgreich ist, so wie seinerzeit „Gunslinger Girl“, dann bewerben sich immer mehrere Anime-Studios um eine Adaption. Beim Anime zu „Gunslinger Girl“ setzte Madhouse die erste Staffel um, die Fortsetzung entstand im kleineren Studio Artland. Das Ergebnis ist interessant, muss aber nicht schlecht sein.

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Obwohl in einem anderen Studio entstanden, setzt „Il Teatrino“ direkt an die erste Staffel an. Während die erste Staffel einen großen Fokus auf die Vorstellung der Cyborg-Mädchen legt, sind es jetzt die Feinde, die vermehrt Aufmerksamkeit bekommen. Franco und Franca sind Bomben-Bauer, die nach einem eigenen Kodex arbeiten und deswegen nicht pauschal böse sind. Trotzdem arbeiten sie für die Republikaner und gelten deswegen als harte Gegenspieler für die „Gunslinger Girls“.

Manchmal doch ganz gewöhnliche Mädchen

Mit dem Jungen Pinocchio tritt eine Figur auf den Plan, die mit den Mädchen einiges gemeinsam hat. Zwar ist er kein Cyborg, wurde aber auch als Kind „gerettet“ und arbeitet deswegen jetzt für einen hochrangigen Republikaner als Auftragskiller. In dieser Funktion gerät er zwangsläufig mit den Mädchen aneinander. Im Kampf gegen Triela weiß der Junge sich zu wehren, was für den Cyborg eine völlig neue Erfahrung ist, denn bisher hatte sie mit ihren rein menschlichen Gegnern kaum Probleme.

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Während in der ersten Staffel, die Republikaner noch als die klassischen Bösewichte dargestellt werden, beginnt dieses Bild zu bröckeln. Je besser man die Figuren kennenlernt, desto mehr werden ihre Beweggründe und Entscheidungen nachvollziehbar. Am Ende der Staffel wird es dann wieder dramatisch, wenn man sich von liebgewonnen Charakteren verabschieden muss.

Triela muss Federn lassen Bild: Yu Aida/ Mediaworks /«GUNSLINGER GIRL« PARTNERSHIP

Anfangs wurde viel Wert daraufgelegt, inwiefern sich die Cyborgs von gewöhnlichen Mädchen unterscheiden, trotzdem sind sie letzten Endes auch nur junge Frauen, die sich in einer ungewöhnlichen Situation zurechtfinden müssen und dabei von einem Mann Unterstützung erhalten. Dass da die Grenzen zwischen „Arbeitskollegen“ verschwimmen, passiert fast zwangsläufig. Dies wird in der zweiten Staffel weiter thematisiert, auch wenn unklar bleibt, inwiefern die Konditionierung der Mädchen durchschlägt.

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Es geht aber nicht weniger blutiger zu, denn die Cyborgs kennen immer noch keine Gnade, wenn es darum geht einen Auftrag ihres Fratello (Betreuers / großer Bruder) aufzuführen. Weiterhin spielt es für die Cyborgs keine Rollen, wie viele Gegner sie niedermähen. Gleichzeitig werden sie auch als Beschützerinnen eingesetzt. Diese Folgen zeigen dann wiederum, wie liebenswert die Mädchen doch eigentlich sind. Dieser krasse Gegensatz sorgt dafür, dass die Geschichte den Zuschauer weiterhin in seinen Bann zieht und keine Langeweile aufkommt.

Eine Geschichte in mehreren Bildern

Franco und Franca erweisen sich als wesentlich interessantere Charaktere, als man anfangs vermutet. Ihre Geschichte nimmt einen großen Teil der Handlung ein. Die blicken auf ihre eigenen dramatischen Erlebnisse zurück, die zu ihrer aktuellen Betätigung führten. Da die beiden näher vorgestellt werden, hat man als Zuschauer abschließend das Problem, dass man sie kaum noch als Bösewichte wahrnimmt, sondern ihre Beweggründe sogar teilweise verstehen kann. Dieser zusätzliche Aspekt hält den Zuschauer ebenfalls bei der Stange, denn auch hier will man jetzt wissen, wie es mit den Beiden weitergeht.

Pinocchio
Pinocchio Bild: Yu Aida/ Mediaworks /«GUNSLINGER GIRL« PARTNERSHIP

Das grundsätzliche Charakterdesign gibt selbstverständlich weiterhin Yu Aida mit seinem „Gunslinger Girl“-Manga vor. Dieses wird auch in der zweiten Staffel des Anime beibehalten. Allerdings ist das Aussehen der Mädchen bei Artland mehr dem Shojo-Stil angelehnt, mit großen Augen, denen allerdings manchmal der Ausdruck fehlt. Dies passt aber wieder zum Grundgedanken, der auch immer wieder betont wird. Die Cyborgs sind keine Mädchen, so ähnlich sie solchen auch oftmals sehen.

Durch diese Darstellung wirkt die Diskrepanz zwischen dem Aussehen der Figuren und dem, was sie im Zweifelsfall zu tun bereit sind, aber noch krasser als im ersten Teil. Zwar ist man zwischendurch geneigt zu vergessen, dass es sich bei den Cyborgs eigentlich um niedliche Killermaschinen handelt, dann weisen sie aber umso nachdrücklicher darauf hin. Dementsprechend ist auch die zweite Staffel „Gunslinger Girl“ nicht für Zuschauer mit eher schwachen Nerven gedacht. Gerade weil die Fallhöhe größer wird, erweist sich die Handlung sogar noch dramatischer als die der ersten Staffel.

Shojo geht immer
Henrietta in neuem Design Bild: Yu Aida/ Mediaworks /«GUNSLINGER GIRL« PARTNERSHIP

Erfreulicherweise legt auch Artland großen Wert darauf, dass die Charaktere sich in einer glaubwürdigen Umgebung bewegen. Haupthandlungsort bleibt weiterhin Italien, wobei auch andere bekannte Orte und Regionen auftauchen, die dann entsprechend dargestellt werden müssen. Unter dem Strich kann man zwar feststellen, dass sich das Design beider Staffeln unterscheidet, man kann aber nicht sagen, dass eine Umsetzung besser ist als die andere. Letzten Endes bleibt es wieder Geschmackssache, welche Art der Animation man vorzieht.

Qualität setzt sich durch

Passend zu den neuen Bildern, wurden auch größtenteils neue Sprecher für die wichtigsten Rollen eingesetzt. Aber auch in dieser Stelle kann man nicht sagen, welche Version im klassischen Sinne besser ist. Die Sprecher von „Gunslinger Girl: Il Teatrino“ geben sich ebenso viel Mühe, wie es ihre Kolleginnen und Kollegen am Anfang getan haben. Da der Fokus bei den Figuren etwas wechselt, fällt die Veränderung teilweise nicht zu sehr auf, da Figuren, die jetzt mehr im Fokus stehen, vorher eher weniger Zeiten hatten.

Gunslinger Girls sind auch nur Mädchen
Doch nur Mädchen Bild: Yu Aida/ Mediaworks /«GUNSLINGER GIRL« PARTNERSHIP

Triela wird in der zweiten Staffel von Melanie Hinze gesprochen, die die Zerrissenheit der jungen Frau sehr gut darstellt. Denn eine Triela, die an sich zweifelt, kannte man aus der ersten Staffel eher nicht. Mit Pinocchio hat sie aber einen Gegner bekommen, der ihr alles abverlangt. Konrad Bösherz ist ein erfahrener Sprecher, was man auch seiner Rolle als Pinocchio anmerkt. Er lässt den ungewöhnlichen jungen Mann sympathisch wirken, obwohl er in der Staffel eigentlich der Böse sein soll.

Hardball Films veröffentlicht „Gunslinger Girl: Il Teatrino“ in gewohnter Qualität als Digipack in einem Schuber, der die komplette Staffel umfasst. Den Discs liegen drei Postkarten bei, wobei diese das Design des Schubers widerspiegeln und mit der Gestaltung des Anime nicht viel zu tun haben. Das eigentliche Highlight ist auf den Discs. In kurzen Folgen begleiten die Mädchen die Zuschauer zu den Originalplätzen aus dem Anime, sodass man mit ihnen durch Rom spaziert.

Leider ist an dieser Stelle nur die japanische Tonspur vorhanden, allerdings macht dieser Spaziergang trotzdem Spaß, denn die Mädchen geben dabei mehr von sich preis. Zusätzlich sind auf in der Box noch die beiden OVAs enthalten, die weitere Einblicke in die Welt der „Gunslinger Girl“ geben und bei denen noch einmal mehr auf die zwischenmenschlichen Beziehungen der Figuren eingegangen wird.

OVAs anderem Fokus
OVAs gehören zum Gesamtpaket Bild: Yu Aida/ Mediaworks /«GUNSLINGER GIRL« PARTNERSHIP

Fazit Gunslinger Girl: Il Teatrino

Die Animation ist bei der zweiten Staffel zwar anders als bei der ersten. Trotzdem lässt sich nicht sagen, ob eine Version besser ist. Es bleibt Geschmackssache, auch wenn jetzt das Aussehen der Mädchen in einem noch krasseren Gegensatz zu ihrer Tätigkeit steht. Abgesehen davon wird jetzt ein größerer Fokus auf die Entwicklung der Handlung gelegt, was eine weitere Änderung im Vergleich zur ersten Staffel.

Gleichzeitig rücken neue Figuren mehr in den Fokus, sodass „Gunslinger Girl: Il Teatrino“ eine passende Fortsetzung darstellt. Die Arbeit beider Anime-Studios an der Manga-Vorlage ist gut geworden, wobei jeder Staff seine eigenen Ideen umsetzt, ohne dass eine klare Abstufung zwischen besser und schlechter getroffen werden kann. Letzten Endes bleibt es wieder Geschmackssache, welche Umsetzung der Zuschauer vorzieht.

Auch bei der deutschen Synchronisation hat sich bei vielen Figuren, die Stimme geändert, sodass man auch an hier den Vorgaben des Anime folgte, auf neue Akzente zu setzen. Die neuen Sprecher stehen dem Cast der ersten Staffel in nichts nach, sodass auch die Version „Gunslinger Girl: Il Teatrino“ zu überzeugen weiß. Da man jeweils auf erfahrene Sprecher setzte, entschied man sich jeweils für hohe Qualität.

Info

Gunslinger Girl
Gunslinger Girl bei Hardball Films Bild: Yu Aida/ Mediaworks /«GUNSLINGER GIRL« PARTNERSHIP

Gunslinger Girl – Il Teatrino
Original Name: ガンスリンガー ガール イル・テアトリーノ
Transkription: Gansuringa Garu – Il Teatrino
Studio: Artland
Deutscher Publisher: Hardball Films
Regisseur: Hiroshi Ishidori
Drehbuch: Yu Aida
Musik: Kow Otani
Erschienen am: 2008
Synchronisation: TV & Synchron GmbH, Berlin
Dialogregie und -Buch: Detlef Klein
Länge: 13 Episoden + 2 OVAs
Freigegeben ab: 16 Jahren
Genre: Action, Drama
Sprachen: Deutsch, Japanisch, mit deutschen Untertiteln
Medium: DVD + Blu-Ray
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Unsere Meinung

Story
92 %
Animation
89 %
Synchronisation
80 %
Preis
85 %

Fazit

Zwei Studios, die sich einem Anime annehmen, führen oftmals dazu, dass man eine Umsetzung der anderen vorzieht. Bei "Gunslinger Girl" ist dies nicht der Fall. Jede Version hat ihren Reiz, wobei die hohe Qualität der Animationen bei beiden Staffeln überzeugen kann. Die Mischung aus packender Geschichte und sympathischen Figuren kann unterhalten und auch eine gute deutsche Übersetzung tut das Ihrige, den Zuschauer bei Laune zu halten.
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"Gunslinger Girl: Il Teatrino" - Viel Theater um kleine MädchenZwei Studios, die sich einem Anime annehmen, führen oftmals dazu, dass man eine Umsetzung der anderen vorzieht. Bei "Gunslinger Girl" ist dies nicht der Fall. Jede Version hat ihren Reiz, wobei die hohe Qualität der Animationen bei beiden Staffeln überzeugen kann. Die Mischung aus packender Geschichte und sympathischen Figuren kann unterhalten und auch eine gute deutsche Übersetzung tut das Ihrige, den Zuschauer bei Laune zu halten.