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Hardball Films holt einen weiteren Klassiker zu uns

Gunslinger Girl – Meine kleine Schwester, die Killerin

Mit „Gunslinger Girl“ veröffentlicht der noch junge Publisher Hardball Films einen weiteren Anime-Klassiker hierzulande in einer Gesamtedition. Alle 13 Episoden der ersten Staffel aus dem renommierten Studio Madhouse erscheinen auf zwei Disc in einer schicken Box.

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Im Anime geht es um die „staatliche Gesellschaft für soziale Wohlfahrt“, die auf den ersten Blick eine Zuflucht für Kinder ist, die ein traumatisches Erlebnis hinter sich haben. Hinter den Kulissen werden die jungen Mädchen allerdings in Cyborgs umgewandelt, die dann losgeschickt werden, um als Killerinnen zu arbeiten. Unterstützt und angeleitet werden die Mädchen von einem sogenannten Fratello.

Killerinnen unter sich

Die Männer sind die Bezugspersonen der Mädchen, trainieren sie für ihre späteren Aufgaben und überwachen die Durchführung der Aktionen. Damit die mechanischen Teile in den Körpern der Mädchen funktionieren und um sie zu konditionieren, werden sie mit Drogen und Medikamenten behandelt. Ein Nebeneffekt dieser Operationen ist der komplette Verlust des Gedächtnisses, was für die Mädchen aber eher ein Vorteil ist. Die junge Henrietta ist gerade erst als Cyborg erwacht und muss sich jetzt an dieses neue Leben gewöhnen. Als Betreuer wird ihr der sympathische Jose zugeteilt. Beide zusammen müssen jetzt in dieser für sie unbekannten Welt zurechtkommen …

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Kleine Mädchen, die scheinbar emotionslos wahre Blutbäder anrichten, sind keine leichte Kost. Die Kaltblütigkeit, mit der die Mädchen agieren, macht sie zu ernstzunehmenden Gegnern, was die meisten ihrer Gegner aber erst erkennen, wenn es zu spät ist. Trotzdem bleiben sie junge Mädchen, die auch mit sehr normalen Problemen zu kämpfen haben.

Der ursprüngliche Manga „Gunslinger Girl“ umfasst 100 Kapitel (25 Manga-Bände), von denen aber nur die ersten beiden Bücher für den Anime umgesetzt wurden, was man der Handlung auch anmerkt. Es wird viel Zeit darauf verwendet, die Figuren und ihre Verbindungen zueinander vorzustellen. Das ist auf der einen Seite interessant, lernt man doch vor allem die Cyborg-Mädchen besser kennen, auf der anderen Seite wirken vor allem die ersten Episoden zäh. Teile der Geschichte werden wiederholt, nur um sie dann ein wenig weiter auszuführen.

Yu Aidas Hin-Manga
Gunslinger Girl – Der Manga Bild: Yu Aida
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Inhaltlich bietet „Gunslinger Girl“ mehr als genug Stoff, über den man nachdenken kann. Auf der einen Seite die Organisation, die die Mädchen erschafft, die sich nach Außen als wohltätige Einrichtung ausgibt. Die Mädchen an sich sind zum Zeitpunkt ihrer Umwandlung dem Tode geweiht und erhalten als Killermaschinen zwar einen Aufschub, aber auch ihre Zeit ist begrenzt, was den Fratellos auch klar ist. Dementsprechend ist auch der Umgang einiger großer Brüder mit den Mädchen sehr kühl und emotionslos.

Auch die Konditionierung der Mädchen, die sie zu perfekten Killerinnen macht, wird von den meisten stillschweigend akzeptiert. Trotzdem verfügt jedes Mädchen über eine eigene Persönlichkeit und die meisten sind mehr oder weniger auf ihren Fratello fokussiert. Zwar sind sie darauf programmiert, ihn mit ihrem Leben zu beschützen, bei einigen gehen diese Gefühle aber weiter, wobei man sich immer fragen muss, ob diese wirklich echt oder nur ein Nebenprodukt der Konditionierung sind.

Henrietta im Einsatz
Henrietta Bild: Yu Aida / MMP Mediaworks / «GUNSLINGER GIRL« PARTNERSHIP.

Gewöhnliche Mädchen tragen keine Waffen

Die erste Staffel „Gunlinger Girl“ stammt aus den Jahren 2003 und 2004, was man der Serie grafisch auch ansieht. Allerdings leistet das Studio Madhouse bei der Umsetzung gute Arbeit. Vor allem die Actionszenen sind rasant und abwechslungsreich in Szene gesetzt, auch wenn es weiterhin seltsam aussieht, wenn ein scheinbar kleines Mädchen um sich schießt und Menschen tötet, als wäre das nichts Besonderes. Gleichzeitig wirken die Kinder so normal und schuldig, dass ihre Gegner oftmals gar nicht wissen, wie ihnen geschieht.

Alle Figuren sind individuell gestaltet und da sich der Anime vor allem zum Anfang viel Zeit lässt, werden auch viele Nebencharaktere vorgestellt, sodass man einen guten Einblick in den Alltag der Mädchen bekommt. Jede hat ihre Eigenheiten, die sie auszeichnet und sympathisch macht. Die Betreuer decken eine breite Palette Charaktere ab. Einige kümmern sich sehr um ihre Schützlinge, für andere sind die Kinder nur Waffen, die funktionieren müssen. Probleme durch die Konditionierung kommen erst spät zur Sprache, haben dafür dann aber auch sehr weitreichende Folgen.

Insgesamt wirken die Farben eher gedeckt, was aber auch mit dem Umfeld zu tun hat. Die Staffel ist für Zuschauer ab 16 Jahren freigegeben, sodass man auch mal Blut spritzen sieht, was bei der Arbeit der Mädchen nicht ausbleibt. Dieser krasse Gegensatz zwischen Kampfeinsatz und kleinen Alltagsproblemen, die die Kinder untereinander haben, macht den Reiz der Serie aus, sodass die Episoden zwar manchmal ein wenig langatmig, letzten Endes aber nicht langweilig wirken.

Ungewöhnliche Geschwister

Die deutsche Synchronisation stammt ebenfalls aus dem Jahr 2004, was ebenfalls auffällt. Viele Sprecher haben eher weniger Erfahrung im Anime-Bereich, deswegen klingen die Dialoge oftmals etwas hölzern. Diese genaue Aussprache und ein sehr korrekter Satzbau erinnern aber auch daran, dass die Mädchen keine Kinder sind, sondern entsprechend angepasst an ihre Aufgabe sind.

Da es eine Großzahl an Figuren gibt, sind einige in der deutschen Vertonung besser getroffen. Insgesamt erweist sich die Geschichte auch in Deutsch als ansprechend. Der Inhalt ist alles andere als leichte Kost, die auch in einem entsprechenden Rahmen präsentiert werden muss. Dieser wurde vom Studio passend geschaffen.

Auch die deutsche Präsentation von Hardball Films lässt wenig zu wünschen übrig. Die komplette erste Staffel erscheint in einer Box, die beide Discs enthält. Der schwarze Hintergrund stellt die Mädchen in den Fokus. Vor allem Henrietta macht auf dem Cover in ihrer Kampfpose Eindruck. Das Booklet stellt die Mädchen und ihre Geschichte noch einmal vor. Drei Postkarten liegen dem Paket ebenfalls bei.

Hardball Films bringt den Anime Gunslinger Girl als Blu-Ray in Deutschland auf den Markt
Hardball Films bringt den Anime Gunslinger Girl als Blu-Ray in Deutschland auf den Markt Bild: Yu Aida/ MMP Mediaworks / «GUNSLINGER GIRL« PARTNERSHIP.

Fazit Gunslinger Girl Staffel eins

Die erste Staffel verspricht viel. Die Mischung aus einer abwechslungsreichen Story und teilweise sehr sympathischen Charakteren sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Allerdings ist „Gunslinger Girl“ nichts für Zuschauer mit zarten Nerven, denn die Mädchen agieren skrupellos und bar jeder Emotion. Die Beziehungen zu ihren Fratellos ist extrem und irgendwie auch nicht normal.

Die grafische Umsetzung erweist sich als solide und passend zum ernsten Inhalt in gedeckten Farben. Bei der Übersetzung ins Deutsche haben sich die Sprecher Mühe gegeben, allerdings merkt, man, dass die Synchronisation schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat. Wer wissen möchte, wie es mit Henrietta, Triela und den anderen Scharfschützinnen weitergeht, kann sich direkt die zweite Staffel zu Gemüte führen, die ebenfalls bei Hardball Films erschienen ist.

Info

Gunslinger Girl Staffel 1
Staffel eins Bild: Yu Aida/ MMP Mediaworks / «GUNSLINGER GIRL« PARTNERSHIP.

Gunslinger Girl
Original Name: ガンスリンガー・ガール
Transkription: Gansuringa Garu
Studio: Madhouse
Deutscher Publisher: Hardball Films
Regisseur: Mario Asaka
Drehbuch: Junki Takegami
Musik: Toshihiko Sahashi
Erschienen am: 2003 – 2004
Synchronisation: Elektrofilm Postproduction Facilities GmbH
Dialogregie: Thomas Prauße
Länge: 2 Staffeln mit je 13 Episoden + 2 OVAs
Freigegeben ab: 16 Jahren
Genre: Seinen, Action, Drama
Sprachen: Deutsch, Japanisch, mit deutschen Untertiteln
Medium: DVD + Blu-Ray
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Unsere Meinung

Story
90 %
Animation
89 %
Synchronisation
80 %
Preis
85 %

Fazit

"Gunslinger Girl" verbindet niedliche Mädchen mit knallharter Action. Die Cyborgs führen jeden Auftrag, den sie bekommen, schnell und resolut aus, ohne diesen zu hinterfragen. Gleichzeitig wirken die Mädchen sehr kindlich und sind rein auf ihren Betreuer fixiert, was zeitweise seltsame Blüten treibt. Die Serie ist ab 16 Jahren freigegeben, was schon einiges über den Inhalt aussagt, der nichts für zart besaitete Zuschauer ist.
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Gunslinger Girl – Meine kleine Schwester, die Killerin"Gunslinger Girl" verbindet niedliche Mädchen mit knallharter Action. Die Cyborgs führen jeden Auftrag, den sie bekommen, schnell und resolut aus, ohne diesen zu hinterfragen. Gleichzeitig wirken die Mädchen sehr kindlich und sind rein auf ihren Betreuer fixiert, was zeitweise seltsame Blüten treibt. Die Serie ist ab 16 Jahren freigegeben, was schon einiges über den Inhalt aussagt, der nichts für zart besaitete Zuschauer ist.