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Ist die Realität, die du kennst, wirklich wahr?

Hello World – Bist du wirklich die Echte?

Die Japaner sind ein sehr technikaffines Völkchen und nicht wenige Anime spielen damit, was theoretisch noch alles möglich ist. Auch „Hello Word“ befasst sich mit der Frage, ob wir durch technischen Fortschritt in der Lage sind, die Zukunft nach unseren Wünschen zu verändern und damit schlimme Ereignisse vielleicht verhindern zu können.

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In Jahr 2027 wird in Kyoto das Alltale-System gestartet, das alles überwacht und auf einem großen Server speichert. Zahllose Drohnen nehmen jeden Menschen in der Stadt auf und speichern ihre Handlungen ab. Der Schüler Naomi Katagaki lebt in dieser überwachten Realität und doch irgendwie wieder nicht. Als erklärter Bücherwurm liest er von Abenteuern und stellt sich vor, wie er gern sein würde, aber seine Wirklichkeit sieht ganz anders aus.

Eines Tages sieht Naomi eine Krähe mit drei Beinen. Kurz darauf erscheint in einem Wirbel aus Farben ein Mann, der scheinbar aber nur von Naomi wahrgenommen werden kann. Dieser entpuppt sich bald als Naomis Ich in 10 Jahren. Der Naomi der Zukunft hat sich in seiner Zeit ins Alltale-System geladen, um in der Vergangenheit einen schweren Unfall zu verhindern, der für seine Freundin Ruri schlimme Folgen hat. Dafür muss der Online-Naomi allerdings erst einmal mit der schweigsamen Ruri zusammenkommen …

In Japan gehören die Genre Teenie-Romanze und Science-Fiction zu den beliebtesten, sodass viele Anime in diese Richtung entstehen. Bei „Hello World“ wurde versucht beide Genres miteinander zu verbinden. Während das Ergebnis seinen Charme hat, bleiben viele Möglichkeiten auf der Strecke.

10 Jahre und viel erlebt
Naomi mal zwei Bild: 2019 TOHO CO., LTD./ Graphinica, lnc. / Hikari-TV / SHUEISHA Inc./ JR East Marketing & Communications,lnc. / MOVIC CO., LTD./ Mainichi Broadcasting System,lnc. / Television Osaka, Inc./ KANSAI TELEVISION CO. LTD./ Yomiuri Telecast

Willkommen im Überwachungsstaat

Würde heute eine Stadt ihren Bürgern erklären, wir lassen die Bewohner jetzt rund um die Uhr von Drohnen überwachen, gäben es einen Aufstand vom Feinsten. In „Hello World“ scheint das aber keinen Menschen zu interessieren. Dinge wie Privatsphäre gibt es nicht mehr. Schon gar nicht für den Protagonisten Naomi, der von seinem Alter-Ego rund um die Uhr verfolgt wird. Der fordert ihn immer wieder auf, sich doch bitte endlich an Ruri ranzuschmeißen, was Naomi ohne große Diskussionen tut.

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Dementsprechend unglaubwürdig gestaltet sich auch die Liebesgeschichte zwischen Naomi und Ruri, denn im Prinzip wird ihr gesamtes Kennenlernen von außen durch den älteren Naomi manipuliert. Zwar scheint es zum Ende so zu sein, dass eine richtige Verbindung zwischen den beiden Figuren entsteht, wirklich glaubhaft wird diese aber nicht dargestellt, sodass ein leicht bitterer Nachgeschmack bleibt. Ein unerwartetes Ende versucht zwar, den Zuschauer ein wenig mit der teilweise sehr skurrilen Entwicklung zu versöhnen, aber auch das funktioniert eher unzufrieden stellend.

Das liegt aber zum Teil daran, dass das Ende von „Hello World“ reichlich unerwartet kommt. Generell scheint der Staff rund um Produzent Tomohiko Ito ein Problem mit dem Tempo zu haben. Zwar bekommt die Liebesgeschichte zwischen Naomi und Ruri Raum, was auch dazu gehört. Zur Mitte hin scheint aufzufallen, dass der Science-Fiction-Faktor bisher reichlich gering ausgefallen ist. Dies soll dann durch eine krasse Verfolgungsjagd durch die virtuelle Realität ausgeglichen werden, die letzten Endes aber wirkt wie aus einem Jump´n Run-Game und nicht einmal einem Guten.

Viel gewollt
Action ist nicht alles Bild: 2019 TOHO CO., LTD./ Graphinica, lnc. / Hikari-TV / SHUEISHA Inc./ JR East Marketing & Communications,lnc. / MOVIC CO., LTD./ Mainichi Broadcasting System,lnc. / Television Osaka, Inc./ KANSAI TELEVISION CO. LTD./ Yomiuri Telecast

Verloren in einer anderen Welt

Dementsprechend flach bleibt auch das Charakter-Design. Über Naomis Angebetete erfährt man fast gar nichts, nur dass sie extrem wortkarg und ebenfalls ein Bücherwurm ist. Anders als Naomi steht sie zu ihren Überzeugungen und kann sich durchsetzen, wirkt dabei aber immer distanziert. Die Momente, in denen sie auftaut, sind gegen Ende vorhanden, gehen in der allgemeinen Hektik aber oftmals unter.

Wo „Hello World“ aber wirklich überzeugen kann, ist die grafische Umsetzung der Geschichte. Die Animationen sind wirklich hervorragend gelungen und leiden auch bei noch so großem Tempo nicht. Die Fantasie, mit der die scheinbar reale von der digitalen Welt unterschieden wird, erweist sich als Augenschmaus. Gerade diese Szenen kann man sich immer wieder ansehen, weil es stets neue Aspekte und Details zu sehen gibt. Takayuki Nagashima beweist eindrucksvoll, dass Hintergründe ebenso zur Stimmung beitragen wie die Figuren.

Das Studio Graphinica legt einen Anime vor, der stilistisch wenig zu wünschen übrig lässt. Die Figuren sind abwechslungsreich gestaltet und optisch liebevoll in Szene gesetzt. Hätte man der Handlung an sich genauso viel Aufmerksamkeit zukommen lassen wie der grafischen Gestaltung, wäre Hello World auf jeden Fall ein Anime, der seinesgleichen sucht. So muss man sich mit einem Feuerwerk an Bildern begnügen, bei dem nicht groß nachgedacht werden sollte.

Willkommen in der digitalen Welt
Feuerwerk auf Farben Bild: 2019 TOHO CO., LTD./ Graphinica, lnc. / Hikari-TV / SHUEISHA Inc./ JR East Marketing & Communications,lnc. / MOVIC CO., LTD./ Mainichi Broadcasting System,lnc. / Television Osaka, Inc./ KANSAI TELEVISION CO. LTD./ Yomiuri Telecast

Hello World, da bin ich, oder auch nicht

Der deutsche Synchronsprecher-Cast holt aus seinen Rollen das Maximale heraus und versucht, sie so dem Zuschauer noch ein wenig näherzubringen. Unter dem Strich lässt sich feststellen, dass vor allem den Sprechern das Lob gebührt, denn Alina Freund hat als Ruri so wenig Text, dass sie keine große Gelegenheit bekommt, zu glänzen.

Nicolas Rathod und Florian Clyde funktionieren als Gegenwarts- und Zukunfts-Naomi zusammen, selbst wenn es manchmal scheint, als würden sie zwei völlig verschiedenen Figuren vertonen. Die charakterliche Entwicklung zwischen den beiden Naomis ist extrem, was aber durch die Stimmen passend transportiert wird.

Paar mit Hindernissen
Liebe lässt sich planen Bild: 2019 TOHO CO., LTD./ Graphinica, lnc. / Hikari-TV / SHUEISHA Inc./ JR East Marketing & Communications,lnc. / MOVIC CO., LTD./ Mainichi Broadcasting System,lnc. / Television Osaka, Inc./ KANSAI TELEVISION CO. LTD./ Yomiuri Telecast

KSM veröffentlicht „Hello World“ wie gewohnt als Digipack mit Schuber. Ein Booklet gewährt Einblicke in die Gestaltung der Figuren sowie der Hintergründe und Szenenbilder. Wer sich für die Produktion von Anime interessiert, dürfte dieses ebenfalls sehr interessant finden.

Fazit

„Hello World“ hat sich viel vorgenommen, kann den selbst gestellten Ansprüchen aber nicht gerecht werden. Auf den ersten Blick bietet die Geschichte jede Menge spannende Themen, die allerdings zugunsten einer kleinen Teenie-Zeitreise Story der Variante 08/15 hinten herunterfallen, was wirklich schade ist.

Optisch gesehen ist der Anime allerdings ausgezeichnet gelungen. Die Mischung aus teils sehr detailreichen Hintergründen und einem Feuerwerk an Farben, wenn es darum geht, die digitale Welt dazustellen, sorgen dafür, dass zumindest das Auge gut beschäftigt ist, während man den Kopf getrost ausschalten kann.

Die deutsche Synchronisation lässt ebenfalls kaum Wünsche offen. Alle Sprecher versuchen, aus den eher eindimensionalen Figuren zumindest noch ein wenig Lebendigkeit herauszukitzeln, sodass der Zuschauer wenigstens die Chance bekommt, eine Bindung aufzubauen.

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Info

Hello World
Hello World Bild: 2019 TOHO CO., LTD./ Graphinica, lnc. / Hikari-TV / SHUEISHA Inc./ JR East Marketing & Communications,lnc. / MOVIC CO., LTD./ Mainichi Broadcasting System,lnc. / Television Osaka, Inc./ KANSAI TELEVISION CO. LTD./ Yomiuri Telecast

Hello World
Original Name: ハロー・ワールド
Transkription: HELLO WORLD
Studio: Graphinica
Deutscher Publisher: KSM
Regisseur: Tomohiko Ito
Drehbuch: Shigeru Nishiyama
Musik: 2027Sound
Erschienen am: 20. September 2019
Synchronisation: Kölnsyhnchron
Dialogregie: Manuel Chillagano
Dialogbuch: Daniel Käser
Länge: 98 Minuten
Freigegeben ab: 12
Genre: Romance, Science-Fiction
Sprachen: Deutsch, Japanisch mit deutschen Untertiteln
Medium: Disk (DVD und Blu-ray)
Bei Amazon kaufen

Unsere Meinung

Story
80 %
Animation
95 %
Synchronisation
90 %
Preis
90 %

Fazit

Optisch verspricht "Hello World" großes Kino, kommt aber nicht über den Status eines mäßigen Online-Games hinaus. Der Anime verbindet sehr beliebte Genre miteinander und versucht diese miteinander zu verbinden. Die inhaltliche Umsetzung erweist sich leider als enttäuschend. Viele interessante Aspekte werden entweder nur kurz angesprochen oder gleich ganz übergangen, um Platz für einige überkandidelten Actionszenen zu schaffen, die die Handlung nicht weiterbringen.
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