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Human Lost – Oder das Recht zu sterben

Am 26.11. läuft das Sci-Fi-Drama im Kino

Ende des Monats bringen Universum Anime und Kazé zusammen „Human Lost“ in die deutschen Kinos. Wir durften vorab einen Blick auf den Sci-Fi-Cyberpunk-Movie werfen.

Im Jahr 2036 ist der Menschheit ein wissenschaftlicher Durchbruch gelungen. Mittels Nano-Maschinen und hochentwickelten Medikamenten gilt der Tod als besiegt. Durch das sogenannte Shell-System sind alle Menschen mit einer zentralen Stelle verbunden, die die Menschen und ihre Gesundheit überwacht. Dieses Rundum-Sorglos-Paket für ein übermäßig langes Leben steht allerdings nur den Reichen uneingeschränkt zur Verfügung. Wer sich das nicht leisten kann, fristet in einem der Randbezirke sein Dasein.

Der junge Yuzu Oba gehört definitiv nicht zu dieser privilegierten Gruppe. Der junge Maler hat keine Erinnerung an seine Vergangenheit und wird in seinen Träumen von einem Monster verfolgt, das ihm immer wieder eine Nachricht zukommen lässt: „Lächle!“. Sein einziger Freund ist der Biker Takeichi. Der hat wiederum nur einen Wunsch, nämlich das Innere der großen Stadt zu sehen und das Shell-System abzustellen, das den Menschen jede Möglichkeit verwehrt, ihren Leiden selbst ein Ende zu setzen.

Human Lost
Yuzu Oba Bild: Polygon Pictures

Wer sich auf die Geschichte von „Human Lost“ einlässt, wird schnell in ihren Bann gezogen. Fuminori Kizaki und Katsuyuki Motohiro gelingt es eine Stimmung zu kreieren, die perfekt in das Endzeit-Szenario passt, auf das die Story rasant zusteuert. Die verschiedenen futuristischen Themen sorgen dafür, dass sich der Zuschauer zu keiner Zeit langweilt. Untermauert mit interessanten und liebenswerten Figuren erweist sich „Human Lost“ als ein Film, den man gesehen haben muss.

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Zwischen monströsen Menschen und menschlichen Monstern

Die Welt in „Human Lost“ wirkt auf den ersten Blick wie ein Paradies. Durch den medizinischen Fortschritt ist es gelungen, so gut wie alle Krankheiten zu besiegen und eine Lebenserwartung von 120 Jahren wird als Minimum angesehen. Nano-Maschinen und die Möglichkeit einen Körper per Knopfdruck wieder neu zu „starten“ lassen den Tod in weite Ferne rücken. Das gilt zumindest solange man die finanziellen Mittel dafür hat und der Körper die Maschinen auch annimmt. Bei wem das nicht mehr funktioniert, der hat wenig zu lachen.

Jäger verlorener Menschen
Lost-Jäger Bild: Polygon Pictures

Menschen, deren Körper die zahllosen Eingriffe nicht mehr ertragen, verwandeln sich in sogenannte „Lost“. Die monströsen Kreaturen sind quasi nicht kontrollierbar und werden deswegen mit großem Aufwand von der Regierung ausgelöscht. Da per Shell-System fast alle Menschen mit einem zentralen System verbunden sind, ist es nicht schwer herauszufinden, wer durch dieses Raster fällt. Gleichzeitig führt das System dazu, dass der Mensch an sich gläsern geworden ist – denn man kann zu jeder Zeit überall geortet werden.

Besonders schwer ist für einige allerdings zu akzeptieren, dass ihnen so ziemlich jede Wahl auf ein selbstbestimmtes Leben genommen wird. Denn selbst wer seinem Leben, wie Yuzu am Anfang, ein Ende setzen möchte, wird vom System wieder reanimiert – ob er das nun möchte oder nicht. Dass sich gegen ein solches System schnell Widerstand regt, ist selbstverständlich und sorgt für weitere Action in „Human Lost“.

Insgesamt gelingt es den Verantwortlichen aus dem Studio Polygon Pictures eine Geschichte zu kreieren, die zwischen rasanten Action-Szenen auch immer wieder Zeit für leise Töne findet. So heftig es an manchen Stellen auch kracht, umso ruhiger und bedenklicher zeigen sich die Figuren wiederum andererorts. Diese Mischung sorgt dafür, dass Human Lost ein breites Publikum anspricht und gewiss kein Film ist, den man nur mit einem halben Auge sehen kann.

Schöne, heile Welt

Ähnlich strahlend wie die neue, gesunde Stadt präsentiert sich „Human Lost“ in bunten Farben. Diese wiederum stehen im krassen Gegensatz zu den armen Randbereichen, die trotzdem ihren eigenen Charme verbreiten. Insgesamt weiß das Studio Polygon mit einer gestalterischen Opulenz zu begeistern, die der inhaltlich stimmigen Geschichte in Nichts nachsteht. Gerade die krassen Gegensätze, die sich im Laufe der Handlung immer weiter herauskristallisieren, werden entsprechend auch mit passenden Bildern und Sequenzen unterlegt.

Human Lost in Dream
Utopia für Realisten Bild: Polygon Pictures

Während sich die Umgebung teilweise in strahlenden Farben präsentiert, blieb Yusuke Kozaki bei seinem Charakterdesign eher bei einer dezenten Umsetzung, was den Figuren aber keinesfalls schadet. So steht der bunte, extrovertierte Takeichi in einem passenden Kontrast zu den introvertierten und nachdenklichen Yuzu. Mit Yoshiko Hiiragi ist auch eine weibliche Figur vorhanden, die eine wichtige Rolle spielt und gleichzeitig für weitere emotionale Höhepunkte sorgt.

Einzig die Lost enttäuschen in ihrer Gestaltung ein wenig. Während der Anime sonst bei den handelnden Figuren für eine gewisse Bandbreite an unterschiedlichen Charakteren sorgt, bleiben die Monster doch leider ziemlich farb- und einfallslos. Die grafische Gestaltung lässt wenig zu wünschen übrig. Allerdings handelt es sich dabei um ein Design, das immer und immer wieder verwendet wird. Einzig Yuzus Verwandlung in einen Mensch-Lost-Hybriden bietet ein wenig Abwechslung.

Nicht nur ein Augenschmaus

Human Lost
Monster im Menschen Bild: Polygon Pictures

Obwohl Scalamedia bei den deutschen Stimmen vorrangig auf Sprecher mit weniger Anime-Erfahrung setzt, meistern diese ihre Rollen sehr gut. Da sich bei einem knapp 90-minütigen Film der Hauptcast in Grenzen hält, muss dieser überzeugen, da auch die beste Grafik einen Film nicht allein tragen kann.

Mit Dennis Schmidt-Foß als Masao Horiki holt sich das Synchronstudio natürlich einen Sprecher mit in den Cast, der auch viel Erfahrung im Anime-Bereich hat. Allerdings stehen dem Roman Wolko als Takeichi und Wanja Gerick als Yuzu Oba in Nichts nach. Alle drei überzeugen in ihren so verschiedenen Rollen. Roman Wolko und Wanja Gerick sind erfahrene Sprecher, die an zahlreichen Realfilmprojekten mitgewirkt haben, was man ihnen auch in ihren jetzigen Rollen anmerkt. Aber auch Marie Bierstedt als einzige wichtige weibliche Figur kann mit ihren männlichen Kollegen mithalten, sodass auch die deutsche Synchro die Zuschauer zufrieden stellen dürfte.

Fazit

„Human Lost“ ist in mehr als einer Hinsicht ein gelungenes Gesamtwerk, das den Zuschauer schnell in seinen Bann zieht. Sowohl die bildgewaltige Gestaltung als auch eine ansprechende Figurenkombination lassen von Anfang ein keinen Augenblick Langeweile aufkommen. Vielmehr wird der Zuschauer in die Welt hineingezogen und wartet mit Spannung auf den nächsten Höhepunkt. Ein überzeugender deutscher Sprechercast sorgt dafür, dass auch die Zuschauer hierzulande in den vollen Genuss der außergewöhnlich spannenden Handlung kommen.

Die Mischung aus Action und durchaus ernsten Themen erweist sich als unterhaltsam und in ihrer Darstellung überzeugend. Der Film versucht zum Ende hin die aufgeworfenen Fragen zumindest teilweise zu beantworten, überlässt die schlussendliche Deutung aber dem Zuschauer. Jeder muss sich zum Ende hin selbst fragen, ob er in einer Welt leben möchte, in der er als Individuum praktisch rund um die Uhr überwacht wird. Eine gewisse Entscheidungsfreiheit steht jedem Menschen selbst zu, aber was passiert, wenn diese von staatlicher Seite auf das absolute Minimum reduziert wird? „Human Lost“ versucht auf diese Frage zumindest eine mögliche Antwort zu geben. Was jeder daraus macht, bleibt ihm überlassen.

Human LostInfo
Human Lost
Original Name: Ningen Shikkaku
Studio: Polygon Pictures
Deutscher Publisher: Universum Anime
Regisseur: Fuminori Kizaki
Drehbuch: Tow Ubukata
Erscheint am: 26. November 2019
Synchronisation: Scalamedia GmbH
Dialogregie: Karlo Hackenberger
Länge: 124 Minuten
Freigegeben ab: 12 Jahren
Genre: Action, Science Fiction, Drama
Medium: Movie
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Unsere Meinung

Story
95 %
Animation
91 %
Synchronisation
90 %

Unser Fazit

Mit "Human Lost" liefert das Anime-Studio Polygon eine sowohl optisch als auch inhaltlich ansprechende Geschichte. Die Mischung aus postmoderner Welt und überzeugenden Figuren weiß den Betrachter schnell in den Bann zu ziehen. Die Probleme und Nöte dieser Welt stehen im Mittelpunkt und werden durch detailreich gestaltete Charaktere getragen. Eine ansprechende deutsche Synchronisation sorgt für einen überaus positiven Gesamteindruck.
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