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Kemurikusa. – Die Kunst, eine interessante Reise zu erschaffen

Mit Kemurikusa. hatten wir in der Anime-Winterseason 2019 einen mehr als merkwürdigen Titel auf Amazon Prime lizenziert bekommen. Dass sich hinter der mäßigen Hülle eine tolle Anime-Serie verbergen kann, möchten wir in dieser Review aufzeigen.

Tatsuki – der Erfolgsgarant

Doch, wie kann es überhaupt „passieren“, dass ein optisch wenig ansprechender Titel von einem Internet-Riesen wie Amazon außerhalb Japans weltweit lizenziert wurde? Nun, der Grund könnte an Tatsuki, dem Regisseur und Erfinder liegen. Tatsuki ist nämlich neben Kemurikusa noch bei einem anderen Anime federführend gewesen – Kemono Friends. Das ursprünglich als Flop gekennzeichnete Franchise wurde durch seine Hand als Anime-Regisseur zum Massenphänomen im Jahre 2017. Der Anime schloss das Jahr unter anderem als meistverkaufter Anime ab.

Nach einem unrühmlichen Abgang des Kemono Friends-Projektes beschloss Tatsuki mit seinem Animationscircle, bestehend aus drei Animatoren, das Projekt Kemurikusa. als TV-Serie wieder zu beleben. An diesem hatte der Fancircle bereits zwischen 2010 und 2012 als Spaßprojekt gearbeitet.

Neugierig machende Handlung

Die Geschichte erzählt von Mädchen, die mit seltsamen Wesen namens Mushi kämpfen, in einer Welt, die von einem roten Nebel durchzogen ist.

Wie auch bei der Anime-Beschreibung lässt der Titel nur spärliche Informationen zu – was eine der größten Stärken der Serie ist. Kemurikusa. ist keine Serie, die einem die Prämisse sofort erklärt. Es ist eine Serie, die einen die Welt erkunden lässt – gemeinsam mit den Charakteren. Man kann die Serie in die Riege von Made in Abyss oder Shinsekai Yori einwerfen. Die Informationen, die man über die Welt bekommt, sind auf ein paar wenige Momente pro Folge beschränkt. Vieles muss man sich durch die Dialoge der Charaktere, oder deren Interaktionen mit der Welt herausfiltern.

Und das zieht die Serie durch, bis man das Ende erreicht hat. Natürlich erkennt man ein wiederkehrendes Muster, was die Erzählstruktur angeht. Und trotzdem hat man seinen Spaß daran. Denn es geht nicht darum, dass es solche Muster gibt. Es geht darum, dieses Muster sinnvoll zu ergänzen und abzurunden. Sowas schaffen einige Genre-Vertreter nicht – Kemurikusa. hingegen schon.

Kemurikusa 3
Die Mainheroine Rin – das Charakterdesing von Tatsuki ist durchaus erkennbar.

Man merkt, dass Tatsuki mit diesem Anime eine Vision hatte – und diese Vision bringt er sehr gelungen auf das gängige TV-Format. Dadurch hebt sich dieser Titel erfrischend von anderen Anime ab. Weiteres Beispiel gefällig? So dienen oftmals die Openings und Endings dazu, lediglich einen auf den Anime einzustimmen. Kemurikusa. nutzt allerdings auch diese, eigentlich selbstverständlichen Mittel, um etwas über die Geschichte zu verraten. So ist gerade das Ending etwas, das sich lohnt, komplett anzuschauen, da man auch visuell etwas über die Geschichte erzählt bekommt – angepasst an den Informationsgehalt der Episode.

Während die inneren Werte stimmen, ist die Hülle mehr als dürftig

So scheint nun der Kern mehr als gelungen zu sein, kommen wir nun zu dem Punkt, bei dem viele wahrscheinlich die Serie (zurecht) abgeschrieben haben: Die Serie ist optisch absolut kein Highlight. Das ist mitunter die größte Schwäche der Reihe, da viele Zuschauer Serien nach diesem Kriterium beurteilen. Kemurikusa. wurde, wie schon am Anfang erwähnt, lediglich von einem kleinen Team erstellt, was man in Anbetracht der finalen Optik mehr als loben kann. Auch im Vergleich zu Tatsukis Erstlingswerk, Kemono Friends, ist Kemurikusa. eine wesentliche Steigerung, was die Kampfszenen, Emotionen oder einfachste Lippenbewegung angeht.

Trotzdem ist es optisch ein Auf und Ab. Während man die Hintergründe als gelungene Atmosphäre überbringt, sind gerade die 3D-CGI-Animationen hölzern oder teilweise nicht vorhanden, wenn etwa die Charaktere sprechen. Teilweise fehlten sogar komplette Animationen, wie etwa beim Sprechen. Trotzdem bietet die Serie auch optisch ihre Momente, wie etwa wenn die Gegner besiegt werden. Gerade das Spiel mit Licht/Schatten wurde sehr gut umgesetzt.

Kemurikusa 2
Viele der Hintergründe sind sehr eindrucksvoll inszeniert.

Man sollte die Serie hier trotz aller Kritik an der Optik nicht mit Totalausfällen wie etwa Märchen Mädchen oder My Sister, My Writer vergleichen. Während bei beiden genannten Titel sowohl die Planung als auch die Ausführung mangelhaft ist, ist das hier bei dem Anime anders geregelt, da alles von Hand in Japan produziert wurde und kein Outsourcing (nach China) betrieben wurde.

Was die Synchronsprecher angeht – ohje. Man kann verstehen, wieso man nach der ersten Episode trotz interessanter Grundidee die Serie weglegt und vielleicht nie wieder anfasst. Die Charaktere sind gerade in den ersten Episoden mehr als gewöhnungsbedürftig synchronisiert, teilweise sogar sehr nervig. Allerdings sind, wie auch bei der Animation, einige technische Fehler in der Synchronisation vorhanden. So werden einige Charaktere im Laufe der Gespräche lauter oder leiser, was zeigt, dass die Abmischung nicht gerade perfekt ist.

Was die Musik angeht, kann man sich bei der Serie allerdings nicht beschweren. So wird ab der dritten Episode das Opening verwendet. Gesungen wird es von nano, die eingefleischte Animefans u.a. vom Opening vom Action-Flop Btooom! kennen. Und wer die anderen Lieder von der japanisch-amerikanischen Sängerin kennt, weiß, was man auch hier zu erwarten hat: Einen absolut passenden Ohrwurm zur Serie und ein stilles Highlight.

Auch beim Ending wurde ein bekannter Künstler gefunden: Niemand geringeres als Yuuya, ein Musikproduzent der unter anderem für Hatsune Miku produziert hat. Er komponierte die Musik. Einige mögen das Lied als generischen J-Pop deklarieren, allerdings ist es gerade im Bezug auf die Serie ein gelungener Kontrast – ohne die Kernaussagen der Serie zu verlieren.

Der Soundtrack der Serie ist technisch unausgereift. So gibt es teilweise eklige Aussetzer oder das Stück bricht einfach ab und wechselt zu einem anderen Lied. Ansonsten gibt es passende Musikstücke, die die Atmosphäre gut einfangen.

Ein Pool an Standard-Charakteren, die gar nicht so Standard sind

Kemurikusa 1Der Charakter-Cast lässt sich nur auf wenige Figuren eingrenzen, die trotz ihrer Charaktersorten Tsundere, Kemonomimi und Loli interessant geschrieben sind. Gerade die beiden Hauptcharaktere Rin und Wakaba erleben die größte Charakterentwicklung, teilweise unfreiwillig bzw. unbewusst. So ist Wakaba am Anfang ein absoluter Störenfried, da er wie ein Fremdkörper wirkt, sich aber gegen Ende enorm steigert. Allerdings ist er auch der größte Informationslieferant, da er durch seine neugierige Art enorm viel dazu beiträgt, dass der Zuschauer Dinge über die Welt von Kemurikusa lernt.

Das Besondere an den Charakteren abgesehen von Wakaba ist, dass diese übermenschliche Fähigkeiten besitzen und im Falle der Erkundung ihre Aufgaben besitzen. So ist Ritsu der „Big Sis“-Typ, der sich um die anderen Charaktere kümmert. Und damit hat jeder der auftretenden Charaktere gewisse Aufgaben innerhalb der Welt und Geschichte von Kemurikusa.

Das Fazit – lohnt es sich, diese Reise anzutreten?

Nun, was soll man über Kemurikusa. sagen? Es ist teilweise unästhetisch und zugleich fesselnd interessant. Die Serie selbst ist eine, die man sofort nach den ersten beiden Folgen abbrechen und nie mehr anfassen würde. Dies wäre aber eigentlich ein riesiger Fehler, da Kemurikusa. trotz aller Ecken und Kanten, die diese Serie besitzt, unheimlich interessant und vielseitig ist. Einerseits flucht man über die Animation, andererseits möchte man das Mysterium selbst lösen. Dieses Auf und Ab war etwas, was wahrscheinlich auch Kemono Friends so erfolgreich machte und unter anderem in der zweiten Staffel ohne Tatsukis Einwirken fehlte.

Wem würde man diese Serie nun empfehlen? Also den Animationsfetischisten, die jede Episode ein Sakuga-Feuerwerk erwarten, jedenfalls nicht. Außer, diese können ihre Erwartung diesbezüglich so weit runtersetzen. Jedem anderen, der Wert auf eine interessante Reise durch die Dystopie-Vision eines Regisseurs legt, kann man diese Serie ans Herz legen. Kemurikusa. benötigt eine gewisse Zeit, die man ihr geben sollte.

Wichtig zu erwähnen ist allerdings, dass die Serie zwar nur aus 12 Episoden besteht, auf Tatsukis Twitter-Account allerdings unter anderem Mini-Episoden existieren, die auf bestimmte Charaktere eingehen und mehr zur Welt beitragen. So veröffentlichte man zum Beispiel die „Fortsetzung“ Episode 12.1.

Info

Kemurikusa.kemurikusa
Original Name: ケムリクサ
Studio: Yaoyorozu
Deutscher Publisher: Amazon Prime Video
Regisseur: Tatsuki
Drehbuch: Tatsuki
Musik: Tetsuya Takahash
Erschienen am: Winterseason 2019
Länge: 12 Episoden
Freigegeben ab: 12 Jahren
Genre: Sci-Fi, Action, Drama

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