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Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft und ein Problem namens Familie

Weihnachten steht vor der Tür. Für viele gehört Zeit mit der Familie zu verbringen und Traditionen zu pflegen fest dazu. Auch Regisseur Mamoru Hosoda widmet sich in seinem Film „Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft“ dem Thema Familie und was es für jedes Mitglied bedeutet, wenn diese wächst.

Der vierjährige Kun ist bisher Einzelkind und das Nesthäkchen der Familie. Als er eine kleine Schwester bekommt, ist er im ersten Augenblick noch begeistert, der „große Bruder“ zu sein. Als er allerdings feststellt, wie viel Zeit und Aufmerksamkeit ein Baby beansprucht, ist es mit der Freude schnell vorbei. Plötzlich dreht sich alles um die kleine Mirai (japanisch für Zukunft), wie die Eltern das neue Familienmitglied nennen. Kun fühlt sich vernachlässigt und von seiner Umgebung unverstanden.

In verschiedenen Situationen gerät er mit den Erwachsenen und seiner kleinen Schwester aneinander. Der kleine Junge flieht meist in den Garten des Hauses, wo er immer wieder in fantasievollen Welten, der Zukunft und der Vergangenheit landet. In jeder dieser Reisen lernt er dazu und wird so ein klein wenig erwachsener.

eine typische japanische Familie
Kun und seine heile Familie Bild: Studio Chizu

Das Thema Familie spielt in den meisten Filmen von Mamoru Hosoda eine wichtige Rolle. Dies ist auch bei „Mirai“ der Fall. Er greift dabei auf seine eigenen Erfahrungen als Vater zurück. Gleichzeitig werden sich einige Zuschauer in dem Film wiedererkennen, denn unter Geschwistern kommt es immer wieder zu Rivalitäten.

Mehr zum Thema:  Mamoru Hosodas Studio Chizu meldet Mirai no Mirai als Marke in Japan an

Eine aufregende Reise

„Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft“ erzählt in Einzelepisoden aus dem Leben einer japanischen Familie. Die Mutter ist eine typische Angestellte, der Vater versucht, als freiberuflicher Architekt Arbeit und Kindererziehung unter einen Hut zu kriegen.

In dieser Hinsicht ist der Movie seiner Zeit allerdings ein wenig voraus. Oftmals herrscht in Japan noch das traditionelle Familienbild, dass die Mutter sich um die Kinder kümmert, während der Vater für den Familienunterhalt sorgt. In dieser Hinsicht ist der Vater des kleinen Kun eine nette Ausnahme.

Familie im Kleinen
Kun und sein Vater Bild: Studio Chizu

Allerdings wird ebenfalls aufgezeigt, inwieweit ein Kind auch für die Eltern zur Herausforderung wird. Während Kun mehr als genug damit zu tun hat, sich an die Situation zu gewöhnen, sind ihm seine Eltern meist keine große Hilfe, denn die haben genug mit sich selbst zu tun. Der Vater ist die meiste Zeit mit Kindern und Haushalt ziemlich überfordert und seine Mutter schlägt sich mit Selbstzweifeln herum, sodass dem Jungen eigentlich nur seine Ausflüge durch die Zeit bleiben, um mit den auf ihn einprasselnden Eindrücken fertig zu werden.

Wie bei einem Kind nicht anders zu erwarten, gestalten sich die Welten, in die Kun reist, sehr abwechslungsreich und farbenfroh. Dass er dabei gleichzeitig durch die Zeit reist, wird spätestens bei der zweiten Reise klar, in der er seine Mutter als kleines Mädchen trifft. Auch mit seinem Urgroßvater, den er nie wirklich kennengelernt hat, verlebt der Junge eine außergewöhnliche Zeit.

Wer sich auf die Welt von Kun einlassen kann, erlebt mit ihm Abenteuer, die den Zuschauer selbst wieder in seine Vergangenheit führen, in der man in einem Haustier noch einen echten Freund sah und die Erwachsenen irgendwie sowieso immer blöd waren und einen nie richtig verstanden haben. Dass an dieser Stelle Geschwister helfen können, muss auch der kleine Kun erst noch lernen.

das neue Familienmitglied
Baby Mirai Bild: Studio Chizu

Grenzenlose Fantasie

Ähnlich abwechslungsreich wie die Welten, in die Kun reist, gestaltet sich auch die grafische Umsetzung. Sowohl die Figuren als auch die Umgebung, in der sie agieren, ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Vor allem der „magische“ Garten der Familie erweist sich als Fundgrube vieler Details, die bei einem Mal anschauen nicht alle gewürdigt und aufgenommen werden können. Schon allein deswegen lohnt es sich, „Mirai“ öfters zu schauen, auch wenn die kleinen Eifersuchtsszenen, die Kun provoziert, manchmal schon ein wenig nerven.

Das Design-Haus der Familie, vom Vater in liebevoller Handarbeit selbst erdacht, ist ein Sinnbild der Welt des kleinen Jungen. Im Mittelpunkt steht der Garten, in dem er mit seinen Fantasie-Freunden die Abenteuer erlebt oder zu diesen startet. Dann gibt es das Haus mit seinen vielen Etagen und der verwickelten Bauweise, die ein wenig an die teilweise verwinkelten Gedankengänge der Erwachsenen erinnern, die für ein kleines Kind oft nicht zu verstehen sind. Kuns eigenes Spiel-Zimmer ist vom Haus an sich abgetrennt, was wiederum die Kluft zwischen seiner kleinen Welt und der großen Welt seiner Eltern, die für ihn nur schwer zugänglich ist, darstellt.

Mirai aus der Zukunft
Mirai als Schülerin Bild: Studio Chizu

Zwar kann „Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft“ mit der aufwendigen Animation neuer Blockbuster nicht mithalten, trotzdem besitzt der Film seinen eigenen Charme. Gerade weil nicht ständig ein bildgewaltiges Feuerwerk abgebrannt wird, hat der Zuschauer mehr Zeit, sich auf die Geschichte und deren unterschwellige Botschaft zu konzentrieren.

Lebe lieber ungewöhnlich

Während Mamoru Hosoda beim japanischen Original-Cast auf eher unbekannte Sprecher setzt, um seine persönliche Nähe zu der Geschichte hervorzuheben, geht das Studio VSI Synchron für die deutsche Umsetzung einen anderen Weg und holte bekannte und versierte Sprecher in den Cast.

Die Rolle des kleinen Kun übernimmt Peggy Pollow, die bereits in Serien wie „Captain Tsubasa“, „Bakugan“ oder „Steins; Gate“ mitwirkte. Auch Nadine Heidenreich, welche der Mutter ihre Stimme leiht, sammelte in „Code Geass“ und „In this Corner of the World“ bereits Erfahrungen als Sprecherin in Anime. Mit Fabian Oscar Wien holte man ebenfalls einen alten Anime-Hasen mit ins Boot.

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Dementsprechend qualitativ hochwertig fällt die deutsche Synchronisation aus. Bei den Figuren sitzt jeder Ton und die Stimmen sind perfekt der jeweiligen Situation angepasst, sodass dem deutschen Filmvergnügen nichts im Weg steht.

Fazit

„Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft“ ist eine schöne, fantasievolle Geschichte über den Wert der Familie und welche Rolle Geschwister im Leben eines Menschen spielen. Selbst wenn es oftmals Streitigkeiten gibt, eigentlich liebt man sich doch und rauft sich schlussendlich zusammen.

Diese Idee kleidet Regie-Legende Mamoru Hosoda („Ame & Yuki“) in eine schöne Story, die mit nicht minder ansprechenden Bildern unterlegt wurde. Nicht umsonst war der Movie 2019 für viele bekannte Filmpreise wie den Oscar oder Golden Globe nominiert.

Kazé holte für die deutsche Übersetzung namhafte Sprecher an Bord, sodass es auch an der deutschen Übersetzung nichts auszusetzen gibt. Wer sich für die Deluxe Edition der Blu-ray entscheidet, erhält außerdem ein schickes Booklet, das weitere Einblicke in die persönliche Welt von Mamoru Hosoda gewährt.

Info

Mirai auf Blu-ray
Mirai – Limited Edition Bild: Studio Chizu

Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft
Original Name: Mirai no Mirai
Studio: Studio Chizu
Deutscher Publisher: Kazé 
Regisseur: Mamoru Hosoda
Drehbuch: Mamoru Hosoda
Musik: Masakatsu Takagi, Tatsuro Yamashita
Erschienen am: Oktober 2019
Synchronisation:  VSI Synchron
Dialogregie: Fritz Rott
Länge: 98 Minuten
Freigegeben ab: ab 6 Jahren
Genre: Drama, Slice of Life, Fantasy
Sprachen: Deutsch, Japanisch (deutsche Untertitel)
Medium: Blu-ray, DVD

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Unsere Meinung

Story
90 %
Animation
85 %
Synchronisation
92 %
Preis
95 %

Unser Fazit

"Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft" ist das bisher persönlichste Werk des Kult-Regisseurs Mamoru Hosoda, in dem er auf seine eigenen Erfahrungen als Vater zurückgreift. Mit dem kleinen Protagonisten Kun reist der Zuschauer in magische Welten und durch die Geschichte seiner Familie. Der Anime besticht durch die seine leisen Töne, die den Zuschauer trotzdem gefangen nehmen. Viele werden sich in dem kleinen Kun wiederfinden.
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