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Aliens, Mecha und der kalte Krieg

Schwarzesmarken: Kalter Krieg mit einer Prise Monster

Was wäre, wenn in den Kalten Krieg noch eine weitere Macht eingegriffen hätte, die eine noch viel größere Bedrohung darstellt? Hätten sich die Feinde aus Ost und West zusammengeschlossen, um gemeinsam zu kämpfen oder wäre der Konflikt bestehen geblieben? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Anime Schwarzesmarken. Dieser erschien bei Kazé Anime in Deutschland in zwei Volumes im Dezember 2019 und Januar 2020. Wir haben ihn uns für euch angeschaut und bieten euch eine weitgehend spoilerfreie Review.

Die auf dem Manga von Hiroki Uchida basierende Serie entführt die Zuschauer ins Jahr 1983. Wir befinden uns inmitten des Kalten Krieges an der Oder-Neiße-Grenze zwischen der DDR und Polen. Die Menschheit steht in einem Kampf gegen die BETA, riesige und vielfältige Kreaturen von der Mondoberfläche. Diese wurden bei der ersten Mondlandung im Jahr 1967 aufgeschreckt und haben Südostasien bereits überrannt.

Kalter Krieg mit Alien-Beteiligung

Doch trotz der Bedrohung durch die BETA haben es Ost und West nicht geschafft, zusammenzuarbeiten, sondern sind weiter erbitterte Feinde. Dennoch ist die DDR aufgrund ihrer geographischen Lage momentan der letzte Schutzschild für den Westen. Im Zentrum der Handlung steht die 666 Kompanie der NVA der DDR, die in riesigen Mechas kämpfen. Sie bilden die Eliteeinheit und werden Schwarzesmarken genannt. Angeführt werden sie von Hauptmann Irisdina Bernhard. Ihr zur Seite stehen verschiedene Kämpfer und Kämpferinnen, besonders wichtig sind hier Leutnant Theodor Eberbach und Politoffizierin Gretel Jeckeln.

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Neben der Bedrohung durch die BETA stehen die Mitglieder der Schwarzesmarken auch unter der ständigen Beobachtung der Stasi, was sie zusätzlich unter Druck setzt. Sie leben in ständiger Angst vor Spionen aus dem Westen und können sich gegenseitig nicht trauen. In diese angespannte Situation kommt die Westdeutsche Soldatin Katia Waldheim, die von Theodor nach einem Kampf aus ihrem Mecha gerettet wird und die ihn sehr an seine Stiefschwester erinnert. Katia möchte sich den Schwarzesmarken anschließen und die DDR kennenlernen. Nach einiger Überzeugungsarbeit darf sie beitreten, was die Einheit umso mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit der Stasi rückt. Wer ist letztlich der wahre Feind und sind die Motive der Personen wirklich, was sie zu sein scheinen?

Bildgewaltig und mit guter Synchro

Mehr soll hier zur Handlung gar nicht verraten werden, um nicht die Spannung zu nehmen. Werfen wir stattdessen einen Blick auf die technischen Details. Das Wichtigste zuerst: Die Serie sieht sehr gut aus. Die Figuren sind detailreich und liebevoll gezeichnet und bekommen durch ihre Personenzeichnung eigene Charakteristika, durch die man sie gut unterscheiden und sich mit ihnen identifizieren kann. Auch die Kampf-Mechas und die gegnerischen Betas sind detailreich dargestellt und wirken dadurch so realistisch, wie sie in einer gezeichneten Serie nur wirken können. Gleiches gilt für die Effekte bei Kämpfen, Feuer und Explosionen.

Leutnant Theodor Eberbach kämpft für die NVA
Leutnant Theodor Eberbach kämpft für die NVA. Bild: kazé

Auch die Vertonung ist gut. Der Anime ist gut abgemischt, man kann fast durchgehend die gleiche Lautstärke einstellen, ohne dass Kämpfe zu laut oder Gespräche zu leise sind. Sowohl die japanische Originalfassung als auch die deutsche Synchronisation sind wertig und die Stimmen passen zu den Figuren.

Packende Story mit historischen Fehlern

Die Geschichte der Menschen, die gegen eine fremde Rasse aus dem All kämpfen, ist natürlich nicht neu. Allerdings bekommt sie hier das neue Element, dass sie in den historischen Kontext des Kalten Krieges gestellt wird. Das ist Stärke und Schwäche zugleich.

Positiv zu vermerken ist, dass durch die vielen verschiedenen Parteien und Motive der Protagonisten große Spannung aufkommt und der Zuschauer mitfiebert. Der Anime ist zu keiner Zeit langatmig, wenn auch manchmal etwas viel mit Rückblenden gespickt oder vorhersehbar. Auch die gegnerischen BETA sind ein positiver Punkt, denn sie sind sehr vielfältig dargestellt. Es gibt nicht nur eine Alienrasse, sondern viele Unterkategorien. Als „Böse“ der Geschichte handeln sie vielleicht etwas zu sehr ohne nachvollziehbare Motivation, dieser Punkt wird aber dadurch ausgeglichen, dass durch den Ost-West-Konflikt und die Rolle der Stasi noch weitere Parteien die Rolle von Gegnern einnehmen.

Mit den großen Mechas haben die Menschen vielleicht eine Chance
Mit den großen Mechas haben die Menschen vielleicht eine Chance. Bild: Kazé

Auf der anderen Seite birgt der historische Bezug eine gewisse Fehleranfälligkeit, die hier leider häufiger zum Tragen kommt. Natürlich kann man jetzt sagen, es handele sich um einen fiktiven Anime, der in einer fiktiven Welt spielt und das stimmt weitestgehend natürlich. Allerdings hat man sich explizit entschieden, die Geschichte in gerade dieser Zeit anzusiedeln, weshalb man sich zumindest grundlegend an die Regeln der Zeit halten sollte. Dabei geht es natürlich nicht um die Nutzung von Mechas und die weiterentwickelte Technologie, die für die Geschichte notwendig sind.

Dennoch gibt es viele kleine Details, die geschichtskundigen Menschen beim Schauen von Schwarzesmarken auffallen, manche davon gewichtiger als andere. Dass viele Namen nicht wirklich deutsch wirken, hauptsächlich Frauen kämpfen und diese auch schon sehr jung (teilweise mit 14) zum Militär gehen, kann man der Bedrohung durch die BETA zuschreiben.

Die unrealistisch engen Rüstungen, die gerade bei den Frauen bestimmte Körperstellen doch sehr betonen, schreibt man dem Fanservice zu. Aber dass sich Anhänger des Militärs der DDR als Ostdeutsche bezeichnen oder die NVA statt für Nationale Volksarmee für Nationale Verteidigungsarmee stehen soll, kann den Zuschauer durchaus aus der Geschichte reißen. Wichtig ist beim Zusehen also, dass man versucht, sich so weit wie möglich von der historischen Realität zu lösen.

Gute Ausstattung, hoher Preis

Kommen wir zuletzt noch zu Ausstattung und Preis. Wir haben uns die BluRay-Version angeschaut, die in zwei Volumes mit je 6 Folgen kommt. Beide Volumes haben einen eigenen Papp-Schutzschuber, der interessanterweise ein anderes Motiv zeigt als das Cover der BluRay. Beide haben ein 20-seitiges Booklet mit farbigen Zeichnungen der Protagonisten, Gegner und Szenen.

Ebenfalls enthalten sind Kommentare zu den Folgen vom Autor des Mangas, Hiroki Uchida, die etwas tiefere Einblicke geben. Ansonsten gibt es keine nennenswerten Extras. Beide Volumes kommen mit der japanischen und deutschen Tonspur und deutschen Untertiteln. Bei Kazé kosten die Volumes je 43,95 Euro, wer also die gesamte Serie schauen will, muss mit knapp 90 Euro schon tief in die Tasche greifen.

Als Soldatin aus der BRD hat Katia Waldheim einen schweren Stand
Als Soldatin aus der BRD hat Katia Waldheim einen schweren Stand. Bild: Kazé

Fazit: Wie gemacht für Action-Fans

Zum Abschluss kann man sagen, dass Fans von Sci-Fi und Kampf-Anime mit Schwarzesmarken nicht viel falsch machen werden – wenn sie nicht zu viel Wert auf historische Authentizität legen. Die Geschichte unterhält und reizt mit, immer wieder werden Fragen nach Gut und Böse aufgebrochen und neu gestellt. Optisch und tonal ist der Anime ansprechend, dafür aber für zwölf Folgen doch im sehr hochpreisigen Segment angesiedelt.

Info
Schwarzesmarken
Original-Name: シュヴァルツェスマーケン
Studio: ixtl, Liden Films
Erschienen am: 05.12.2019 (Volume 1), 06.02.2020 (Volume 2)
Regisseur: Masaharu Watanabe
Drehbuch: Masahiro Yotokani
Dauer: 150 Minuten (Volume 1), 125 Minuten (Volume 2)
Freigegeben ab: 16 Jahren (Volume 1), 12 Jahren (Volume 2)
Genre: Fantasy, Action
Medium: Dics – Bei Amazon kaufen
Story
80 %
Animation
90 %
Synchronisation
85 %
Preis
40 %

Unser Fazit

Eine gute Serie für Fans von Action-Animes, für die man aber etwas tief in die Tasche greifen muss.
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