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StartReviewsAnime Reviews"The Deer King" – Von Kriegen, Königen und großen Ambitionen

KSM gibt einem neuen Anime auf der großen Leinwand eine Chance

„The Deer King“ – Von Kriegen, Königen und großen Ambitionen

Mit „The Deer King“ schickt KSM diesmal einen Film in die Kinos, der in Japan wieder sehr gut funktionierte. Ob die Resonanz hierzulande ebenso positiv ausfällt, bleibt abzuwarten.

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Lange führten die Königreiche Akhafa und Zol Kriege gegeneinander. Kurz bevor Zol das Heiligtum der Feuerpferde erobern kann, bricht das sogenannten Schwarze Wolfsfieber aus und dezimiert die Angreifer so sehr, dass man sich auf einen Frieden einigen kann. Viele Soldaten aus Akhafa landen in Kriegsgefangenschaft, so auch der Kommandant Van Gansa, der anschließend in einer Salzmine zusammen mit Kriminellen arbeiten muss. Als Zol wieder seine Finger in Richtung des Heiligtums ausstreckt, tritt auch das Wolfsfieber wieder in Erscheinung.

Der König ist tot, es lebe der King

Die Salzmine wird ebenfalls überfallen und alle Gefangenen außer Van und dem kleinen Mädchen Yuna, das dort mit seiner Mutter lebte, werden getötet. Auch Van und Yuna werden gebissen, überleben aber. Van entwickelt außerdem übermenschliche Fähigkeiten. Gemeinsam mit Yuna verlässt er die Mine, um für sich und das Mädchen eine neue Heimat zu suchen. In einem kleinen Dorf, in dem Springhirsche domestiziert werden, finden die beiden Unterschlupf. Allerdings ist dieser Friede nicht von Dauer, denn der Prinz von Sol wird ebenfalls infiziert und der beste Arzt des Landes, Hossul Yugraul, will mit Vans Blut ein Gegenmittel herstellen, was vor allem den Machthabern von Akhafa überhaupt nicht gefällt.

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Gerade dem Tode entronnen, muss das ungleiche Gespann erst einmal zusammenwachsen. Überdies sehen sich Van und Yuna bald wieder mit den Streitigkeiten der Reiche konfrontiert. Gleichzeitig hat die Natur noch ihre Finger im Spiel, was die Situation für die Protagonisten gleichfalls nichts leichter macht.

Van
Krankheit mit unerwarteten Folgen. Bild: The Deer King Production Committee

Die Mischung aus sehr ungleichen Helden, einer Prise Magie und die besondere Macht der Natur kommt dem Zuschauer nicht von Ungefähr bekannt vor. Zwar basiert „The Deer King“ auf der Light-Novel „Shika no Ou“ von Nahoko Uehashi, allerdings sind Parallelen zum Ghibli-Klassiker „Prinzessin Mononoke“ nicht von der Hand zu weisen. Der Anime versucht mit einer eigenen Geschichte zu überzeugen, was mal mehr, mal weniger gelingt. Da Light-Novels meist als Reihen ausgelegt sind, wird es schwierig, eine größere Welt in einem Film von nicht einmal zwei Stunden zu packen.

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Mit dem Problem hat auch „The Deer King“ zu kämpfen. Zwar versteht man, worum es geht, aber schlussendlich bleibt so das Gefühl, dass die Geschichte eindeutig mehr hergegeben hätte. Vor allem, was die Begleitumstände angeht, werden diese kurz angesprochen, aber nicht fertig auserzählt. Dem Kennenlernen und Zusammenwachsen von Van und Yuna räumt der Anime viel Zeit ein, was vor allen den beiden Figuren entgegenkommt und dafür sorgt, dass der Anime auf emotionaler Basis auf jeden Fall überzeugen kann.

Trotz des einen oder anderen inhaltlichen schwächeren Moment, kann die Geschichte sowohl unterhalten als auch den Zuschauer faszinieren, wobei die malerische ausgestaltete Landschaft das Ihrige dazutut. Die größtenteils positiv dargestellten Figuren unterstreichen den emotionalen Inhalt und wissen den Zuschauer ebenfalls bei Laune zu halten.

Familie hat viele Gesichter
Neue Familie. Bild: The Deer King Production Committee

Nicht jeder Anwärter hat das Zeug zum großen Helden

„The Deer King“ erinnert auch mit der auffällig gestalten und mit Blick fürs Detail gezeichneten Landschaft sehr an die Klassiker aus dem Studio Ghibli. Dies ist auch nicht verwunderlich, haben doch die Regisseure Masashi Ando und Masayuki Miyaji dort ihre künstlerische Karriere begonnen und selbst an großen Werken wie „Prinzessin Mononoke“ und „Chihiros Reise ins Zauberland“ mitgewirkt. Die Einflüsse sind spürbar, kommen dem Anime grafisch aber natürlich auch sehr zugute.

Abwechslungsreich gestaltete Figuren passen sich gut in die Umgebung ein. Zwar konzentriert sich der Film stark auf die Protagonisten, aber auch einige Nebenfiguren werden vorgestellt. Vor allem der Arzt Hossal spielt eine größere Rolle. Insgesamt fehlt dem Film aber die Zeit, um allen Charakteren die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die sie benötigen. Insgesamt wirkt „The Deer King“ wie ein Teil einer größeren Welt, von der man gern mehr verfahren würden, ohne die Gelegenheit zu bekommen.

Magie der Natur
Magie des Moments. Bild: The Deer King Production Committee

Action-Szenen gibt es zwar nicht so viele, diese sind dann aber groß inszeniert. Vor allem, wenn Van seine neu gewonnen Fähigkeiten einsetzt, zeigt Production I.G., dass man beeindruckende Bilder mit Einflüssen moderner Technik auch gut in einem Film integrieren kann, der eigentlich in einer mittelalterlichen Welt spielt. Optisch kann „The Deer King“ mit anderen modernen Projekten mithalten, denn die Umsetzung passt sehr gut zur Handlung, insofern gibt es an dieser Stelle nicht viel zu meckern.

Meister und jene, die es noch werden wollen

Die Übertragung ins Deutsche übernahm Kölnsynchron und gab auch bisher noch eher unbekannten Sprechern eine Chance. Trotzdem können alle überzeugen und geben ihr bestes, ihren Charakteren mit ihren Eigenheiten und individuellen Stärken und Schwächen Leben einzuhauchen. Versierte Sprecher hingegen sorgen für eindringliche Momente, die mit den Zauber der Geschichte ausmachen.

Kleine Heldin
Yuna. Bild: The Deer King Production Committee

Die Rolle des Van übernahm David Nathan, der vielen Fans als Piccolo aus „Dragonball“ bekannt sein dürfte. Van gehört eher zu den ruhigeren Charakteren, aber wenn Nathan dann zu hören ist, sorgt er für Gänsehaut. Seine ruhige Art steht in krassem Gegensatz zur quirligen Yuna, die von Elisa von Tettenborn gesprochen wird. Die beiden Sprecher funktionieren als zufällige Familie gut und so können zumindest die Hauptfiguren auf ganzer Linie überzeugen.

Die Rolle des Arztes Hossal, der im Laufe der Geschichte zum Helden wird, übernimmt der ebenfalls noch mit weniger Erfahrung ausgestattete Markus J. Bachmann. Ihm gegenüber steht die erfahrene Rubina Nath, die als Fährtenleserin Sae spät zur Gruppe stößt, dann aber eine umso wichtigere Rolle spielt. Die Gruppe entwickelt im Laufe der Zeit eine sehr eigene Dynamik, die von den Sprechern gut rübergebracht wird.

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Fazit

Für „The Deer King“ haben sich die Macher viel vorgenommen, landen am Ende aber wieder in der Realität, dass man eine ganze Welt nicht in einen Film pressen kann, ohne dass Aspekte auf der Strecke bleiben. Die Hauptfiguren können mit ihren positiven Eigenschaften überzeugen und die Handlung hat ihren ganz eigenen Reiz, selbst wenn nicht alle Stränge auserzählt werden können. Eine gut gemachte Animationen mit einigen magischen Momenten sorgt dafür, dass er Anime optisch nur wenig zu wünschen übrig lässt.

Ein gut gewählter deutscher Sprechercast sorgt dafür, dass der Film in deutscher Sprache Spaß macht. KSM sucht sich immer Highlights aus, um ihnen ein Kino-Release zu gönnen. Mit „Belle“ hat der Publisher die Latte sehr hochgelegt, sodass es „The Deer King“ schwer haben wird, diese zu überspringen. Der Anime hat seine Qualitäten, die aber nicht so ausgewogen sind, wie man es von einem echten Hit erwarten würde.

Info

The Deer King
Yuna Bild: The Deer King Production Committee

The Deer King
Original Name: 鹿の王
Transkription: Shika no Ou
Studio: Production I.G.
Deutscher Publisher: KSM Anime
Regisseur: Masashi Ando, Masayuki Miyaji
Drehbuch: Taku Kishimoto
Musik: Harumi Fuuki
Erschienen am: 2022
Synchronisation: Kölnsynchron
Dialogregie und Drehbuch: Daniel Käser
Länge: 114 Minunten
Freigegeben ab: 16 Jahren
Genre: Fantasy, Drama
Sprachen: Deutsch, Japanisch mit deutschen Untertiteln

Unsere Meinung

Story
87 %
Animation
90 %
Synchronisation
90 %

Fazit

"The Deer King" entstand in Zusammenarbeit von zwei Regisseuren, die im Studio Ghibli von Meistern ihres Fans gelernt haben. Allerdings ist eine gute Vorbildung kein Garant dafür, dass man es ebenso umsetzen kann. Der Anime hat seinen Charme, allerdings erweist er sich nicht als so ausgewogen. Es wird versucht, die ganze Welt einer Light Novel in einen Film zu pressen, sodass am Ende leider insgesamt die Zeit fehlt, um allen Aspekten gerecht zu werden.
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"The Deer King" – Von Kriegen, Königen und großen Ambitionen"The Deer King" entstand in Zusammenarbeit von zwei Regisseuren, die im Studio Ghibli von Meistern ihres Fans gelernt haben. Allerdings ist eine gute Vorbildung kein Garant dafür, dass man es ebenso umsetzen kann. Der Anime hat seinen Charme, allerdings erweist er sich nicht als so ausgewogen. Es wird versucht, die ganze Welt einer Light Novel in einen Film zu pressen, sodass am Ende leider insgesamt die Zeit fehlt, um allen Aspekten gerecht zu werden.