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X – The Movie : Zwei Wege, eine Entscheidung

Der Kampf mit der Enscheidung

Bereits Ende 2017 erfreute Nipponart die CLAMP-Fans mit der Gesamtbox des Anime-Klassikers X. Jetzt legt der Publisher nach und veröffentlicht das Fantasy-Movie aus dem Jahr 1996 erneut auf Deutsch, diesmal sogar auf Blu-ray.

Vor sechs Jahren verließ der kleine Kamui Shiro mit seiner Mutter Tokyo. Nach ihrem Tod bei der Geburt eines heiligen Schwertes kehrt er wieder in die Stadt zurück, mit nur einem Wunsch. Er möchte unbedingt seine Freunde aus Kindertragen, Fuma und Kotori Monou, beschützen. Was der junge Mann nicht ahnt, mit seiner Rückkehr bringt er Geschehnisse in Gang, die ihn schon bald überfahren. Nicht weniger als die Zukunft dieser Welt soll von seinen Entscheidungen abhängen.

X / 1999 von CLAMP gehört zu den Klassikern des Anime-Genres, vor allem deswegen, weil die Reihe eine breite Palette von Themen anspricht. Fragen, wie der Umgang des Menschen mit der Natur werden ebenso thematisiert wie der Umgang der Menschen untereinander. Die Mischung aus Fantasy, Drama und Action spricht sowohl männliche als auch weibliche Manga-Fans an. Die sehr verschiedenen Figuren bieten Projektionsflächen für Wünsche und Träume sowie Wiedererkennungsmerkmale, in denen sich jeder Leser wiederfindet.

Die Entscheidung

Als das Studio 1996 entschied, den Manga X / 1999 als Anime zu adaptieren, stand man vor zwei Problemen. Erstens war die Reihe zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht abgeschlossen und zweites wie sollte man die komplexe Handlung in knapp 100 Minuten Film packen. Dies gelang nur, indem man sich auf die wesentlichen Aspekte der Vorlage beschränkte, und zwar den Kampf zwischen Himmel- und Erddrachen (Menschheit gegen Natur) und die damit einhergehende Action innerhalb der Handlung.

Karen in Action
Bild: ©1996 CLAMP/“X“ Production Committee

Dementsprechend actionreich fällt X – The Movie auch aus. Die Kämpfe sind rasant und ansprechend umgesetzt und bieten an Spannung, was das Fantasy-Herz begehrt. Dass nebenbei Tokyo praktisch in Schutt und Asche gelegt wird, ist ein kleines Gimmick, das zwar zur Handlung gehört, aber auch zuschauerfreundlich in den Film integriert wurde. Allerdings bleibt auch an dieser Stelle wieder das Problem des Umfangs der Handlung. Für die Masse an Story, die eigentlich transportiert werden müsste, bleibt kaum Zeit, sodass die Kämpfe halt auch schnell abgespult werden müssen.

Auch für das Ende musste eine Entscheidung getroffen werden. Während der Manga bis heute auf seinen Abschluss wartet, entschieden sich die Macher des Anime dem klassischen Gut / Böse-Schema treu zu bleiben. Die „guten“ Himmelsdrachen besiegen die „bösen“ Erdrachen und retten damit die Menschheit. Was am Ende des Kampfes mit der Erde passiert, bleibt ebenso offen, wie so manch andere Frage des Anime. Leider entschieden sich Drehbuchautorinnen Nanase Ohkawa und Asami Watanbe für dieses Klischee vom Feinsten und werden dem Format der Vorlage damit in keinster Weise gerecht.

Insgesamt gesehen erweist sich X-The Movie als eine Fantasy-Geschichte, die für kurzweilige Abendunterhaltung sorgen kann. Fans des Manga werden an dem Film wahrscheinlich keine große Freude haben, lässt er doch praktisch alle ansprechenden zwischenmenschlichen Aspekte der Vorlage außen vor. Der Konflikt Kamui / Fuma wird zwar ebenso angerissen wie die Probleme zwischen den Traumseherinnen-Schwestern Hinoto und Kanoe, viele weitere inhaltlich wichtige und interessante Stränge bleiben aber auf der Strecke.

Hinoto in ihrer Movie-Version
Bild: ©1996 CLAMP/“X“ Production Committee

In aller Kürze

Diese Konzentration auf die actionreichen Schwerpunkte der Geschichte sorgt außerdem dafür, dass für die persönliche Entwicklung der Figuren nur wenig Zeit bleibt. Kamui und Fuma als Hauptpersonen der Handlung erhalten noch ein wenig Tiefe, selbst Kotori, die eine wichtige Rolle spielt, endet als tragisches Opfer eines Kampfes, mit dem sie nur wenig zu tun hat. Was die Persönlichkeiten der anderen Charaktere angeht, erscheinen sie als austauschbare Statisten, zu denen man so gut wie keine Verbindung herstellen kann.

Bei der Animation sieht man, dass X-The Movie bereits einige Jahre auf der Uhr hat. Galten die Kampfszenen 1996 noch als grafischer Augenschmaus wirken sie heute eher standardmäßig. Das Charakterdesign von CLAMP wurde zwar beibehalten, allerdings fehlen die persönlichen Feinheiten, die die Figuren zu echten Charakteren machen. Ebenso wie die Charakterisierung innerhalb der Handlung blieben die Personen statisch, was man teilweise auch an den Bewegungsabläufen sieht. Der Vergleich zur TV-Serie, die fünf Jahre später ebenfalls bei Madhouse produziert wurde, ist mehr als augenscheinlich und man muss dem Studio unterstellen, dass es sich in so ziemlich jeder Hinsicht steigern konnte.

Drama im X Movie
Bild: ©1996 CLAMP/“X“ Production Committee

Unterm Strich ist der X-Movie ein erster Versuch des Studios Madhouse, sich der Welt des Mangas zu nähern. Grafisch gesehen war der Film zum Zeitpunkt seines Erscheinens schon nicht schlecht. Das Release auf Blu-ray steigert die Qualität der Animationen nicht wirklich, vielmehr wirken die Bilder meist eher dunkel und die Farben irgendwie matt. Fans der Reihe können sich die Movie als Einstimmung gern ansehen, dafür reicht allerdings auch die DVD-Version aus.

Steigerung bis zum Finale

2002 übersetzte das Bikini Studio aus Berlin X-The Movie ins Deutsche. Zu diesem Zeitpunkt erschien der Manga hierzulande bereits sehr erfolgreich bei Carlsen. Auch die Begeisterung in Japan für die Reihe war groß. Dementsprechend groß war der Druck eine ansprechende Synchronisation zu liefern. Eine Herausforderung, die das Studio grundsätzlich angenommen und gut umgesetzt hat.

Dementsprechend setzte man auf bekannten Sprecher, die auch heute noch an zahlreichen Anime-Projekten mitarbeiten. So leisteten Gerrit Schmidt-Foß und Guiliana Jakobeit als Fuma Munou und als blinde Traumseherin Hinoto schon damals großartige Arbeit, wenn es darum geht, ihren Figuren Leben einzuhauchen. Auch Marie-Luise Schramm weiß als unschuldige Kotori zu überzeugen, bei ihrer Erfahrung als Sprecherin auch nicht weiter verwunderlich. Sebastian Schulz gehört ebenfalls zu den eher erfahreneren Sprechern. Er liefert als Kamui eine eher mäßige Performance ab. Bei der Vertonung eines Anime kann es zwar etwas mehr sein, aber man muss das Limit finden, wenn es zu überzogen wird. Eine Abstimmung, die bei ihm nicht ganz so gelang.

Kamui und seine Freunde im X Movie
Bild: ©1996 CLAMP/“X“ Production Committee

Was die Musik für den Film angeht, machte Madhouse wirklich alles richtig. Yasuaki Shimizu gelingt für jede Situation die passende musikalische Untermalung, auch wenn öfter mal derselbe Titel zum Einsatz kommt. Er passt aber einfach auch so toll. Die ersten Takte erinnern ein wenig an „Memory“ aus Cats. Da der Titel aber immer dann gespielt wird, wenn Kamui und Fuma aufeinandertreffen, deren gemeinsame Vergangenheit letztendlich für nichtig erklärt wird, erweist sich die Melodie als absolut stimmungsvoll.

Auch der Titelsong ist kaum zu toppen. X Japan steuerte damals die wunderschöne Ballade „Forever Love“ zum Soundtrack bei. Die ebenfalls perfekt zur gesamten Stimmung passt und für manche Fans auch das Beste an dem gesamten Film darstellt. Auch wenn dies vielleicht eine sehr extreme Ansicht ist, erweist sich der Song auf jeden Fall als Aufwertung.

Fazit

Bei X – The Movie scheiden sich die Geister, während die einen den Film als Einstieg in die komplexe Welt verstehen, können wiederum andere Fans der Reihe damit wenig anfangen. Selbstverständlich ist es unmöglich, 18 Bände in 100 Minuten Film zu pressen. Nichts desto trotz hat der Film seinen Reiz, zumindest wenn man auf große Kämpfe mit einem entsprechend dargestellten Schlachtfeld steht. Wer sich eher für die zwischenmenschlichen Dramen des Manga interessiert, findet im Movie davon so gut wie gar nichts wieder.

Nipponart bietet den Film auf Blu-ray an, ohne allerdings die Bilder entsprechend aufzuarbeiten. Für eine einfache Wiederauflage ist der Preis von knapp 35 Euro auch mehr als gesalzen. Wenn man überlegt, dass Amazon die Komplettbox der Reihe aus dem Jahr 2017 auf Blu-ray schon für 50 Euro anbietet, empfiehlt es sich für Neulinge des X-Universums lieber ein paar Eure mehr in die Hand zu nehmen und sich die Serie zuzulegen. Davon hat man unterm Streich eindeutig mehr.

Info

Cover X - The Movie
Bild: ©1996 CLAMP/“X“ Production Committee

X – The Movie
Original Name: エックス
Transkription: X Movie
Studio: Madhouse
Deutscher Publisher: Nipponart
Regisseur: Rintaro
Drehbuch: Nanase Ohkawa & Asami Watanabe
Musik: Yasuaki Shimizu
Synchronisation: Bikini Studio, Berlin
Freigegeben ab: 16 Jahren
Erschienen am: 12. Juli
Länge: 100 Minuten
Genre: Action, Fantasy, Drama
Medium: Blu-ray / DVD

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Unsere Meinung

Story
82 %
Animation
85 %
Synchronisation
98 %
Preis
50 %

Unser Fazit

X – The Movie ist ein actionreiches Feuerwerk, gespickt mit verschiedenen Fantasy-Elementen und durchaus ansprechenden Figuren. Ein wunderschöner Soundtrack unterlegt eine spannungsgeladene Handlung, die allerdings einige Fragen offen lässt, weil am Ende schlicht die Zeit fehlt, die umfassende Vorlage entsprechend umzusetzen. Wem der Sinn nach einer schönen, gefühlvollen Geschichte sollte an dieser Stelle allerdings eher zur gleichnamigen Komplettbox zur Serie greifen.
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