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Amulett – Der ambivalente Fluch der Steinhüterin

Während Kazu Kibuichis Grafic Novel „Amulett“ in den USA mit acht Bänden bereits abgeschlossen ist, warten die deutschen Fans der Reihe auf den dritten Band, der im Juni hierzulande erscheint. Bis es soweit ist, werfen wir einmal einen Blick darauf, wie die Geschichte von Emily und Navin in Alledia weitergeht.

Nachdem am Anfang der Geschichte die Mutter der beiden Geschwister von einem Monster entführt wurde, sind die beiden auf der einen Seite froh ihre Mutter gerettet zu haben, gleichzeitig stehen sie auch vor dem Problem, dass diese mit ihrem Abenteuer vergiftet wurde und dringend zu einem entsprechend ausgebildeten Arzt gebracht werden muss. Da dies in der Einöde kaum machbar ist, macht sich das Haus samt Inhalt auf den Weg nach Kanalis, der nächsten großen Stadt in der Nähe.

Emily und Navin können ihre Mutter zwar zu einem Arzt bringen, doch auch dieser hat keine guten Nachrichten für die Geschwister. Nur die Frucht eines äußerst seltenen Baumes kann das Gift neutralisieren. Gleichzeitig sind die Elfen weiter hinter Emily und ihrem Stein her, um sie entweder auf ihre Seite zu ziehen oder für immer unschädlich zu machen.

Während das Krankenhaus angegriffen wird, machen die beiden Bekanntschaft mit dem organisierten Widerstand gegen die Herrschaft der Elfen. Ein weiser sprechender Baum hat die Ankunft der beiden Geschwister schon lange angekündigt und weisgesagt, dass Emily Alledia von der Herrschaft der Elfen befreien wird. In diesem großen Kampf fällt allerdings auch Navin eine wichtige Rolle zu, auch wenn dieser noch nicht wirklich daran glauben mag.

Kinder bekommen von klein auf gesagt, dass sie nicht mit Fremden reden dürfen. Bloß was macht man, wenn dieser Fremde ein Amulett ist, um deinen Hals hängt und dir immer wieder das Leben rettet? Mit dieser Frage muss sich Emily auseinandersetzen, denn ihr Stein will sie zu allerlei Wahnsinn überreden …

Zwischen Rebellen und Königen

Unterwegs mit Haus
Emilys wandelndes Haus Bild: Kazu Kibuishi

Ähnlich actionreich wie der erste Band von „Amulett“ endet, geht es direkt weiter. Laufende Häuser (Ghiblis „wandelndes Schloss“ lässt grüßen) und Menschen, die sich langsam in Tiere verwandeln, gehören noch zu den normalsten Dingen, mit denen sich Emily und Navin in Alledia auseinandersetzen müssen. Während Emily damit beschäftigt ist, ihren Stein unter Kontrolle zu halten, erfährt man ein wenig mehr von der Vorgeschichte der Fantasy-Welt, in der die Familie gelandet ist.

Dabei wird auch die Frage nach der Verantwortung des Großvaters für das Wohl seiner Familie aufgeworfen. Emily muss erfahren, dass sie gar nicht so besonders ist, wie sie anfangs dachte, denn sie hat das Amulett nur bekommen, weil ihr Großvater diese Bürde seiner Tochter und Enkelin, Emilys Mutter und Großmutter, nicht zumuten wollte. Das macht es dem Mädchen, das sich plötzlich mit einem größenwahnsinnigen Elfen-Herrscher und einem nicht minder gefährlichen Stein herumschlagen muss, nicht leichter.

Gleichzeitig verschiebt sich die Mentalität in der Familie. Während bisher Emily den Ton angegeben hat, ist sie jetzt lange Zeit von ihrem Bruder getrennt, der sich langsam aber sicher von ihr abnabelt und beginnt, eigene Entscheidungen zu treffen und sich dabei auch gar nicht so schlecht anstellt. Emily lernt zwar ihre Kräfte immer besser kennen und nutzen, insgesamt ist es aber Navin, der im zweiten Band „Amulett“ die größere Entwicklung durchmacht.

Erwachsen werden im Schnelldurchlauf

Insgesamt erweisen sich die beiden Geschwister aber als ein wenig ihrer Zeit voraus, was natürlich auch an ihrer außergewöhnlichen Situation liegt, in der kindisches Verhalten schon einmal tödlich enden kann. Aber dadurch wirken die beiden auch ein wenig unglaubhaft, denn sowohl Emily als auch Navin scheinen mit ihren Rollen nur bedingt zu hadern, während Emily die meiste Zeit gegen den Willen ihres Amuletts, anscheinend ein jahrhundertealtes Objekt, zu bestehen scheint, macht auch Navin als Fast-schon-Anführer des Widerstands eine durchaus gute Figur.

Insgesamt wirkt die Handlung auch gerade deswegen ein wenig gehetzt, denn weder Emily noch Navin haben wirklich Zeit, sich mit ihrer Situation auseinanderzusetzen. Scheinbar stürzen sie von einer Katastrophe in die nächste, was für das Tempo der Geschichte natürlich gut ist und vor allem bei jüngeren Lesern keine Langeweile aufkommen lässt, ältere Verfolger der Handlung dürften sich aber schon ein bisschen mehr Zeit für die Entwicklung der Figuren und ihrer Beziehungen wünschen.

Neben den beiden Hauptfiguren wird man jetzt auch mit dem Herrscherhaus der Elfen und den dortigen Konstellationen bekannt gemacht, die so ziemlich das genaue Gegenteil der Familie von Emily und Navin darstellen. Während der Elfen-Prinz anfänglich noch der Bösewicht schlechthin zu sein scheint, werden seine Handlungen näher beleuchtet und in ein neues Licht gestellt, sodass einem der Bösewicht fast schon wieder leid tut. Diese teilweise unerwartete Entwicklung der Figuren sorgt aber auch dafür, dass die Geschichte weiterhin spannend bleibt.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Bisher lernte der Leser Alledia eher von einer ländlichen Seite kennen, jetzt bekommt man auch Einblicke in die urbanen Strukturen der fremden Welt. Während die Stadt auf den ersten Blick noch sehr nett aussieht, verliert sie schnell an Schönheit, wenn man mit dem Leben der Menschen und Wesen dort konfrontiert wird. Dass sich die Menschen dort langsam in Tiere verwandeln, sorgt für einige skurrile Bilder. Leider bleiben die Dramen, die hinter einer solchen Verwandlung stehen, außen vor.

Amulett Band zwei
Menschen werden zu Tieren Bild: Kazu Kibuishi

Weiterhin sorgt die vollfarbige Umsetzung der Geschichte dafür, dass sie in Erinnerung bleibt, auch wenn die grafische Umsetzung im Einzelnen nicht so filigran erfolgt, wie man es aus anderen Grafic Novels kennt. Trotzdem ist dieser eher einfach gehaltene Stil auf den eher jüngeren Leser-Kreis angepasst, sodass auch die Mensch-Tier-Wesen einfach nur lustig aussehen.

Die Handlung bleibt weiterhin rasant, was sich auch in den Zeichnungen widerspiegelt. Gerade jüngere Leser werden an der Story weiterhin garantiert ihren Spaß haben, ohne sich zu langweilen. Auch die Grafik sorgt dafür, dass sich niemand gruseln muss, auch wenn die Handlung teilweise ein wenig psychologischer wird.

Fazit „Amulett“

Inhaltlich macht „Amulett“ Band zwei weiter, wie es der erste Band bereits ankündige. Vor allem für jüngere Leser bietet die Geschichte jede Menge Spannung, Action und mit Emily, Navin und ihren Freunden sympathische Figuren. Ältere Leser werden die Story wahrscheinlich ein wenig oberflächlich empfinden, da viele Themen zwar angesprochen, aber nicht weiter ausgearbeitet werden.

Zeichnerisch schafft Kazu Kibuishi eine gute Basis für eine Geschichte, allerdings lassen die Zeichnungen noch einiges an Luft nach oben, vor allem wenn es um Details geht, wirkt die Darstellung meistens eher grob. Dafür sorgt die farbige Gestaltung für eine nette Abwechslung für Manga-Leser.

Info

Amulett-Cover Band 2
Der Fluch der Steinhüterin Bild: Kazu Kibuishi

Amulett #2: Der Fluch der Steinhüterin
Von: Kazu Kibuichi
Verlag: Adrian Verlag
Verfügbar: 8 Bände (USA)
Preis: 9,95 EUR
Genre: Fantasy, Action
Empfehlung: ab acht Jahren
ISBN:978-3947188833

REVIEW OVERVIEW

Story
92 %
Zeichnungen
85 %
Preis
88 %

Unser Fazit

Wer sich nach dem ersten Band mit der speziellen Darstellungsweise von Kazu Kibuishi angefreundet hat, wird auch den neuen "Amulett"-Teil verschlingen. Weiterhin präsentiert sich die Geschichte span-nend und abwechslungsreich. Das erzählerische Niveau wird seitens der Darstellungen leider wohl nicht mehr erreicht werden können.
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