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Der Hit-Manhua, der in Japan schon unzählige Fans hat, endlich auf Deutsch

Biaoren – Die Klingen der Wächter Akt 1 + 2

Mit seinem Erstlingswerk „Biaoren – Die Klingen der Wächter“ gelang dem chinesischen Zeichner Xu Xianzhe ein unerwartet großer Erfolg. Die Geschichte des unkonventionellen Glücksritters Daoma wurde schnell im asiatischen Raum bekannt und gewann bald eine große Fan-Base. Jetzt bekommen auch die deutschen Leser die Gelegenheit, den Helden wider Willen auf seiner Reise zu begleiten.

Die Menschen, die in China im dritten Jahr der Daye-Zeit leben, haben es nicht leicht und jeder muss sehen, wie er über die Runden kommt. Der kampfstarke Daoma reist mit seinem kleinen Sohn Xiaoqi durch die Lande und verdient seinen Lebensunterhalt als Kopfgeldjäger und Bodyguard. Allerdings nimmt es Daoma mit der Berufsehre bei seinen Kopfgeldjäger-Jobs nicht so genau, sodass er die Delinquenten durchaus laufen lässt, wenn die Bezahlung stimmt.

Eine besondere Beziehung verbindet Daoma mit dem Oberhaupt des Barbaren-Klans der Mo, da dieser ihm und Xiaoqi früher geholfen hat. Daoma ist immer noch dabei diese alte Schuld zurückzuzahlen, auch wenn der Alte diese längst als gesühnt ansieht. Vom alten Mo erhält Daoma den Auftrag, den maskierten Zhishilang, der von sich selbst nur in der dritten Person spricht, durch die Wüste in die chinesische Hauptstadt zu eskortieren. Die Tochter des Klan-Führers Ayuya soll die Gruppe begleiten. Wen er sich da als Reisegefährten aufgehalst hat, wird Daoma erst viel später klar …

Die Geschichte rund um Daoma und seine Gefährten ist nichts für schwache Nerven, denn die Weltanschauung des Kämpfers ist wie die damalige Zeit, hart, direkt und ohne viel Platz für Romantik und das klassische Heldentum. Zwar wird er situationsbedingt immer wieder zu einem solchen, aber an der eher rauen Grundstimmung innerhalb der Geschichte ändert sich wenig.

Der einsame Wolf mit der großen Klappe

Xu Xianzhe hält sich nicht lange mit der Vorstellung seines Anti-Helden auf, sondern zeigt Daoma direkt in Hochform, kurz vor einer ausgewachsenen Keilerei. Dass seine Gegner ihm zahlenmäßig überlegen sind und Xiaoqi mit im Raum ist, geschenkt. Der Kleine macht einfach die Augen zu und zählt bis 10 und die Sache ist erledigt. In Anbetracht der Tatsache mit welcher Selbstverständlichkeit der Kleine vorgeht, ist bald klar, dass er eine solche Situation nicht das erste Mal erlebt.

Auch ansonsten ist „Biaoren – Die Klingen der Wächter“ nichts für zart besaitete, denn das Leben und vor allem das Sterben der notleidenden Menschen wird ohne viele Schnörkel gezeigt. Die Tatsache, dass Daoma als Anti-Held nicht zimperlich mit seinen Gegnern umgeht, sorgt dafür, dass vor allem das Sterben eine große Rolle spielt.

Zunge schärfer als jede Klinge
Zhishilang Bild: Xu Xianzhe / Chinabooks

Was auf den ersten Blick wie die Geschichte eines einfachen Glücksritters aussieht, erweist sich bald als Politikum, spätestens als Zhishilang auftaucht. Ab diesem Zeitpunkt steht Daoma zwischen den Fronten. Auf der einen Seite seine Loyalität zum Hause Mo auf der anderen die anderen vier „Barbaren“-Klans, die es auf seinen Schützling abgesehen haben und vor Nichts zurückschrecken, um ihn in die Hände zu bekommen.

Die erste drei Bände des Manhua, die alle zusammen im März 2020 erschienen, sind vollgepackt mit einer Handlung, deren Ende sich bisher nicht absehen lässt. Die dichte Atmosphäre hält den Leser gefangen und sorgt dafür, dass man sich jedes Mal fragt, was als nächstes passiert und vor allem wie Daoma darauf reagiert, denn bei ihm kann man sich nie sicher sein, was er aus der jeweiligen Situation macht.

Ein Mann der klaren Worte

Meister aller Klassen
Doama der Wächter der Klingen Bild: Xu Xianzhe / Chinabooks

Der Manga „Kozure Okami“ („Lone Wolf and Cub“) prägte in der Manga-Welt das Bild des einsamen, schweigsamen Wolfes, der mit seinem Kind durch die Lande zieht. Auch das Leben von Daoma und Xiaoqi besteht aus herumreisen, was die beiden Männer aber unterscheidet, bemerkt der Leser schnell, denn Daoma ist alles andere als wortkarg, wenn es darum geht, seine Ideen durchzusetzen, kann dieser zu einer richtigen Quasselstrippe mutieren.

Während die Handlung mit Daoma und den Klan-Anführern sehr starke männliche Charaktere ausweist, kommen auch die Frauen nicht zu kurz.  Mit der hübschen Ayuya gehört eine Dame zur Gruppe, die den Herren in Puncto Aggressivität und Durchsetzungsfähigkeit in Nichts nachsteht. Die Frauen, egal ob auf den ersten Blick als „Heldin“ zu erkennen oder eher versteckter Natur, im Manhua erweisen sich als passender Gegenpart für den großen Raum, den die Herren innerhalb der Handlung einnehmen.

Insgesamt legt Xu Xianzhe bei seinen Werken viel Wert auf lange Texte, die teils sehr deutlich, teil fast philosophisch ausfallen. Allein wegen der vielen und langen Text-Passagen, die zur Verständlichkeit der Geschichte beitragen, ist „Biaoren – Die Klingen der Wächter“ kein Werk, das zum einfach mal schnell durchblättern geeignet ist.

Im Zweifel spricht die Klinge eine deutliche Sprache

Ähnlich direkt und schnörkellos wie der Protagonist, erweist sich auch die grafische Umsetzung in „Biaoren – Die Klingen der Wächter“. Der Zeichner arbeitet mit klaren Strichen und ohne viele Details, weswegen die Bilder insgesamt aber für die Handlung ausdrucksstärker wirken, weil sie so sind, wie die Welt, die sie zeigen sollen. Auch Schatten setzt Xu Xianzhe wenn dann eher mit groben Strichen, was aber wiederum zu seinen Figuren passt.

Die Hintergründe der einzelnen Spielorte werden oft am Anfang einmal gezeigt und treten dann eher in den Hintergrund, um den Figuren mehr Raum zu lassen. Später werden sie nur noch leicht angedeutet, wobei der Künstler auch einem eher groben Stil treu bleibt.

Kampf-Szene mit wehenden Fahnen
Bild aus Biaoren Bild: Xu Xianzhe / Chinabooks

Was in „Biaoren – Die Klingen der Wächter“ nicht zu kurz kommt, ist spritzendes Blut, für das die Krieger mehr als großzügig sorgen. Zwar werden die Schlachten, wie in der damaligen Zeit üblich, noch Mann gegen Mann ausgetragen, allerdings übertreibt es der Künstler ein wenig, vor allem, wenn es um die Fähigkeiten Daomas geht. Diese Übertreibung mag für manche Leser zur Action beitragen, allerdings stört sie doch den in weiten Teilen sehr realistischen Grund-Tenor der Handlung.

Die letzten Seiten des dritten Bandes zeigen einige Entwürfe zu den bisher besten Kämpfern Daoma und Shu und geben Einblick in deren Entwicklung. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie ein Künstler eine Figur zu Anfang anlegt und wie sie dann später im fertigen Werk wirklich auftritt.

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Fazit

Die vielschichtige Handlung von „Biaoren – Die Klingen der Wächter“ sorgt nicht nur in China für steigende Verkaufszahlen auch in anderen asiatischen Ländern, wird die Geschichte immer populärer. Bekannte Mangaka outen sich bereits als Fans von Xu Xianzhe und seinen Figuren, sodass es nicht weiter verwunderlich ist, dass eine animierte Umsetzung sowie ein Realfilm bereits im Gespräch sind.

Aufgrund der teilweise gewalttätigen Handlung ist der Manhua eindeutig nur etwas für ältere Leser, die auch die Komplexität der Hintergrund-Geschichte erfassen können. Die verschiedenen Verwicklungen sorgen immer wieder für unerwartete Wendungen, sodass aus Feinden sehr schnell Verbündeten werden und seit Jahrzehnten bestehende politische Bande innerhalb weniger Seiten nichtig werden.

Klingen der Wächter
Die Klingen der Wächter Bild: Xu Xianzhe / Chinabooks

Info

Biaoren – Die Klingen der Wächter 
Original Name: 镖人 第一卷
Von: Xu Xianzhe
Verlag: Chinabooks E. Wolf
Verfügbar: 5 Bände
Preis: 14,90 Euro
Genre: Action
ISBN: 978-3905816945
Medium: Buch

REVIEW OVERVIEW

Story
92 %
Zeichnungen
88 %
Preis
90 %

Unser Fazit

"Biaoren – Die Klingen der Wächter" ist eine faszinierende Mischung als knallharter Politik und den Abgründen der menschlichen Persönlichkeit. Getragen wird die Geschichte von einem Protagonisten, den man wahlweise ganz nett findet, während man ihn im nächsten Augenblick wieder auf den Mond schießen möchte, natürlich One-Way.Die komplexe Handlung und die Darstellung von Gewalt und Tod in klaren Bildern sorgen dafür, dass der Manhua eindeutig nur für ältere Leser geeignet ist. Wer eine nette kleine Reise in die chinesische Historie erwartet ist hier eindeutig an der falschen Adresse.
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