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Gelesen: Der Junge und das Biest, Band 1

Mit einem Jahr Abstand dürfen sich nun auch die deutschen Leser über die Manga-Adaption von Mamoru Hosodas Kinofilm Der Junge und das Biest (original Bakemono no Ko) freuen.

Der Manga mit den Zeichnungen von Renji Asai lief in Japan am 25. April 2015 in Kadokawa Shotens Magazin Shonen Ace an und stimmte somit auf den japanischen Kinostart am 11. Juni 2015 ein. Nachdem Universum Anime die Lizenzierung des Anime für Deutschland offiziell bestätigt hatte, schloss sich Tokyopop mit der Printversion an. Da der Film hierzulande erst am 29. Juni 2016 erscheint, werfen wir als erstes einen völlig unvoreingenommenen Blick in die Adaption.

Worum geht es?

Erzählt wird die Geschichte von zwei Welten, der Menschenwelt mit dem Handlungsort Shibuya und der Biester-Welt Jutengai, die parallel zueinander existieren, sich jedoch nicht überschneiden dürfen. Jutengais Soshi, der Häuptling der Stadt, hat seinen Rücktritt erklärt und nun buhlen zwei Biester um dessen Nachfolge: der ehrenwürdige, besonnene Iozen mit einer Schar an Schülern und der launische, aufbrausende Kumatetsu, dem jeder seiner Schüler bisher weggelaufen ist. Es liegt auf der Hand, das ersterer als Favorit gilt. Doch der Soshi hat noch nicht entschieden und empfiehlt Kumatetsu, sich einen neuen Schüler zu suchen und Verantwortungsbewusstsein zu beweisen, um seine Chancen zu verbessern.

Zufällig stößt dieser nun auf einen Jungen, der sich in den Gassen Shibuyas herumtreibt und den Verlust sein Eltern betrauert – mitten an der Schnittstelle zwischen den zwei Welten. Kumatetsu ist auf den ersten Blick von dem Jungen angetan und will ihn als Schüler aufnehmen. Dieser wiederum hat wenig Alternativen und folgt dem bärenartigen Biest schließlich in dessen Welt, ohne auch nur zu ahnen, was ihn erwartet …

Story

Die Handlung von Der Junge und das Biest wird hauptsächlich aus der Sicht von Kyuta erzählt (Kyuta ist der neue Name des Jungen). Vermutlich ist diese Perspektive gewählt worden, da sich der Leser besser in einen Menschenjungen hineinversetzen und somit noch erstaunter die unbekannte Welt der Biester betreten wie auch erforschen kann. Anhand eines Flashbacks erfährt der Leser die Beweggründe des Jungen für sein Weglaufen und für die Entscheidung, sich auf das unbekannte Abenteuer einzulassen.

Einer Info von Renji Asai am Ende des Manga lässt sich entnehmen, dass dem Mangaka als Vorlage lediglich Designs und Drehbuch zur Verfügung standen (zumindest für die ersten Kapitel). Von einer exakten Kopie des Anime muss man also nicht ausgehen, was ich sehr positiv sehe. Dennoch handelt es sich um dieselbe Geschichte (wie z. B. bei der Manga-Adaption und dem Originalanime Ame und Yuki – die Wolfskinder). Zwei völlig verschiedene Lebewesen und Welten treffen aufeinander und müssen sich erst aneinander gewöhnen. Dass beide Hauptfiguren jedoch gar nicht so unterschiedlich sind, bemerken sie im Verlauf der Handlung selbst. Mamoru Hosoda spinnt nicht zum ersten mal eine Vater-Sohn-Beziehung um seine Charaktere und schreibt damit eine herzerwärmende Geschichte, die viele Emotionen vereint und bestens für die ganze Familie geeignet ist (v. a. als Film). Noch zwei Kleinigkeiten: Die Umgangssprache von Kumatetsu ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und der Part von dem kleinen Tier Chico ist bisher ziemlich überflüssig.

Charaktere

Im Vordergrund der Handlung stehen der Junge Kyuta und das Biest Kumatetsu, wie man schon am Titel des Werkes sieht. Was die beiden zusammen bringt, sind völlig unterschiedliche Gründe. Kyuta ist als Erbe einer großen Familie vom Vater verlassen und mit dem Tod der Mutter konfrontiert. Da ihm der Rest der Familie kein Verständnis für seine Trauer entgegenbringt, beschließt der Junge, sich von da an allein durchzuschlagen.Sein Problem ist, dass er noch ein Kind von neun Jahren ist und deshalb trotz seiner Situation nicht ernst genommen wird.

Kumatetsu ist ein starkes, aufbrausendes Biest, das als Nachfolger des Soshi gehandelt und mit dem ehrenvollen Iozen verglichen wird. Sein Kontrahent strahlt Würde, Verantwortungsbewusstsein und Gutmütigkeit aus. Somit fliegen ihm alle Sympathien der Bewohner zu. Kyuta ist der einzige beim Duell der zwei Biester, der Mitgefühl für Kumatetsus Außenseiterposition aufbringt. In gewisser Weise ähneln sich somit beide darin, allein zu sein und sich ihren Weg erkämpfen zu müssen. Genau das wird die beiden auch zusammenschweißen, denke ich.

Die anderen Charaktere sind bisher noch recht flach. Auffallend ist, dass sich die Biester recht menschlich verhalten und damit von den Menschen im Großen und Ganzen kaum unterscheiden.

Zeichnung

Das Charakterdesign für Der Junge und das Biest wurde natürlich vom gleichnamigen Anime übernommen. Renji Asai besitzt außerdem einen hervorragenden Zeichenstil und tritt damit würdig die Nachfolge von Yu, der Zeichnerin von Ame und Yuki – die Wolfskinder, an. Der Mangaka beherrscht Nahaufnahmen und kleine Detailzeichnen perfekt und lässt sehr viel Emotionen in die Mimik der Charaktere einfließen. Die Dynamik und Power in den Actionszenen kommen ebenfalls gut zum Tragen. Auch Hintergründe und generell Settings beherrscht Asai-sensei tadellos. Mithilfe von Rasterfolie bekommen das nächtliche, von Laternen erleuchtete Jutengai und Shibuya etwas mystisches verliehen.

An manchen Stellen (bspw. beim ersten Auftauchen von Kumatetsu in der dunklen Gasse) hätte ich mir noch größere Bilder über die ganze Seite gewünscht. Und insgesamt finde ich den Manga etwas zu niedlich/witzig gezeichnet. So wirken ernste, grimmige oder erschrockene Gesichter fast immer ein bisschen lustig. Ernsthaftigkeit habe ich so richtig nur bei Kyutas Flashback und Kumatetsus Duell mit Iozen verspürt.

Aufmachung

Das Cover von Der Junge und das Biest Band 1 zeigt Kumatetsu und Kyuta (mit dem kleinen Tierchen Chico). Sie beide tragen Schwerter und wirken kampfbereit. Auf der Rückseite sind ein paar der Nebencharaktere klein abgebildet. Die ersten vier Seiten sind farbig, was bei dem doppelseitigen Kapitelbild und der ersten Storyseite ein unbedingtes Muss ist. Ansonsten schließt der Band als kleines Extra mit Nachworten von den Zeichnern Renji Asai und Yu sowie einer doppelseitigen Skizze ab.

Fazit

Der Manga ist ein wundervolles, sehr gelungenes Werk und steigert auf jeden Fall die Vorfreude auf den Film. Wenn man mich außerdem nach einem Manga für jugendliche Einsteiger fragen würde, würde ich ihnen Der Junge und das Biest ans Herz legen, weil die Zeichnungen ein sehr gutes, ansprechendes Beispiel für den Mangastil abgeben und die Story sehr lehrreich und einfach nur schön ist. Hin und wieder hätte ich mir noch etwas mehr Ernsthaftigkeit bei den Gesichtsausdrücken gewünscht, aber das ist vielleicht Geschmackssache.

Info

Der Junge und das Biest
Original Name: バケモノの子
Transkription: Bakemono no Ko
Von: Mamoru Hosoda (Original), Renji Asai (Zeichnungen)
Verlag: Tokyopop
Verfügbar: 3+ Bände
Preis: 6,95 €
Genre: Action, Fantasy
Empfehlung: 13+
ISBN: 978-3842025158

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